Die Hüter des Friedens

Zwischen den Universen

©1980 by Stayka deyAvemta

Letzte Änderung: 2002/02/26


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Man schreibt den 04:03:2226TZ. Auf dem Alten Planeten Viresta I/Sna-Tgyhl in der Galaxis Cirenn-S'cirain (auch bekannt als M33 oder NGC 598) haben sich die Hüter des Friedens auf einen allgemeinen Rundruf Cosnas -- des Computerzentrums von Sna-Tgyhl -- hin im Versammlungsraum der Friedenshüter, im 'Orangefarbenen Turm', eingefunden.

Seit der Beseitigung der Novazone ist dieses das erste Treffen, an dem wieder fast alle Hüter teilnehmen.

Grund dieser außerordentlichen Versammlung:

STAIE, 'tai khésta' -- 'die Frage' ist auf Sna-Tgyhl materialisiert. Überall, wo dieses geheimnisvolle Wesen aus Raum und Zeit auftaucht, kann man damit rechnen, daß große Ereignisse im Kommen sind.

* * *

Als alle Friedenshüter sich im Gemeinschaftsraum eingefunden haben, beginnt die Luft in der Mitte des Saales zu flimmern. In Sekundenbruchteilen manifestiert sich die Gestalt eines alterslosen Mädchens mit Kupferhaut und metallicschimmernden Regenbogenhaaren, ganz in Weiß gekleidet. Eine Aura der Unwirklichkeit umgibt STAIE, 'die Frage', und in ihren goldenen Augen spiegelt sich der Abglanz der Unendlichkeit.

STAIE: Gruß und Frieden, meine Freunde!

Stellvertretend für die Friedenshüter erwidert das Computerzentrum die Begrüßung.

Cosna: Auch du seist gegrüßt, Freundin STAIE. Was führt dich in diese Ebene und Zeit?

STAIE: Das Große Muster des Universums gebietet mir, euch einen Rat zu geben.

STAIE, deren Name soviel bedeutet wie 'Die Frage nach dem Ursprung des Universums und dem Sinn allen Lebens', ist durch alle Zeiten als geheimnisvolle Ratgeberin bekannt. So regte sie vor gut zwei Milliarden Jahren TZ die Gründung des Bundes der Vier Galaxien an. Eine Milliarde Jahre TZ später wurden ihre Ratschläge mißachtet, und zwei der Alten Völker dieses Bundes gingen unter. Wieder 750 Millionen Jahre danach bemühte sie sich um einen Friedensschluß zwischen Leemar III/Lantáya (heute Sol III/Terra) und dem Alten Volk von H'alásta II/S'selite, jedoch vergeblich. Das Ergebnis: Die Bewohner von Lantáya fielen in die Primitivität zurück, und mit den S'selitez starb das achte und größte der Alten Völker. Vor einigen hundert Jahren TZ bemühte sich 'die Frage' um eine Beilegung des Konfliktes zwischen dem Embeli-Reich und der Galaktischen Friedensliga von Gro-Wayth (NGC 7331). Bis heute ist in dieser Auseinandersetzung noch nicht das letzte Wort gesprochen. Auch die Gründung der Hüter des Friedens ging auf einen Vorschlag STAIEs zurück.

Cosna: Einen Rat? Worum geht es, STAIE?

STAIE: Ihr tätet gut daran, Cvoa-L'yyn und T'yla Brit-T'hèr nicht zu unterschätzen. Als ihr euch in einem Zustand der relativen Ruhe wähntet, haben die beiden die Sonnenparasiten konstruiert, deren Einsatz eine massive Bedrohung der ganzen Galaxis Nehgqù-Xuqù bedeutete. Zum Glück konntet ihr die 'Infektion' eindämmen, indem ihr die dadurch entstandene Novazone eliminiertet. Aber jetzt lauert das Unheil in Jahaol-Xihd. Kümmert euch darum. Ich werde euch wohl ein wenig Hilfestellung dort geben müssen... Ay, jetzt habe ich aber genug verraten. Ich muß weiter nach XI-Desda V/UN-Xihd. Bye, meine Freunde.

(Nehgqù-Xuqù ist 'unsere' Milchstraße.)

Die Gestalt 'der Frage' verblaßt, wird durchsichtig, zu einem Goldschimmer -- und dann sie ist fort.

Eine Friedenshüterin mit den strahlendroten Haaren einer Karanéa wirft theatralisch die Arme hoch.

S'ci: Typisch STAIE! Sie kam, sah, sagte -- und verschwand! Kann sich diese 'Frage' denn nicht einmal klar und deutlich ausdrücken?

Ihr Team-Partner, ebenfalls ein rothaariger Mann von Accra II/Kara, grinst sie schief an.

Fyu: Wie du gehört hast... Immerhin hat sie uns bestätigt, daß Cvoa und T'yla für die Sonnenparasiten verantwortlich waren.

S'ky: Abba das habbich doch gleich gesacht!

Der kleine, schwarzhaarige Friedenshüter in seinem knallbunten Overall läßt sich in einen der hellblauen Schwebesessel plumpsen. Dabei setzt er sich etwas unsanft auf das Werkzeug, das er in diversen Taschen verstaut stets bei sich trägt.

S'ky: Autsch! -- Abba STAIE hat recht. Wir müssen mein liebet Schwestachen un ihren blauhäutigen Kumpan so schnell wie möchlich unschätlich machen.

S'ci: Womit du nicht ganz unrecht hast, S'ky -- nur wie kriegen wir sie?

Der dunkelhaarige cariccianische Meisterpilot C.Acq-Mar nickt zustimmend.

Acq-Mar: Das ist hier die Frage! T'ylas Raumer IF ist schier unbezwingbar!

S'ky: Kein Wunda, wo die Mühle doch Invincible Fighter heiß!

Fyu: Verdammt! -- Aber irgendwo muß auch ein 'unbesiegbarer Kämpfer' eine Achillesferse haben!

Acq-Mar(seufzend): Das sagst du so leicht, Fyu...

Fyu: Immerhin habe ich zumindest Cvoa-L'yyn schon ein paar mal hinter Codeschloß und Energiegitter gebracht.

Ky: Immerhin ist Cvoa-L'yyn auch schon ein paarmal wieder ausgebüchst, Bruderherz!

Im Gegensatz zu Fyu hat Ky violette Haare, die ihr schmales Gesicht in einer ausgefransten Sturmfrisur umrahmen. Wie ihr Team-Partner S'ky trägt sie eine leuchtend bunte Kombination, die ihr das Aussehen eines Paradiesvogels verleiht.

Fyu: Immerhin lag das daran, daß wir T'yla niemals mitgekascht hatten, und sie ihren Herrn und Meister Cvoa wieder befreien konnte...

Ky(ironisch): Womit wir wieder am Anfang wären...!

Fyu: Haha!

S'ky: Un was machen wa nu?

Ky: Abwarten und Tee trinken.

S'ky: Pfüh! Du weiß doch genau, dassich kein Tee mach.

Eine Cyrionca mit einer strahlend silbernen Mähne lehnt sich an ihren Team--(und nicht nur Team--)Partner.

Alya(stirnrunzelnd): Mich würde viel eher interessieren, was STAIEs Statements betreffs 'Jahaol-Xihd' und 'XI-Desda V/UN-Xihd' bedeuten.

Cosna: Vor ihrem bühnenreifen Abgang hat mir STAIE einiges an Datenmaterial übermittelt. Darunter befinden sich unter anderem Memobänder einer mir bis dato unbekannten Sprache mit der Bezeichnung Besetrakhal. Demnach heißt Jahaol-Xihd soviel wie Farbenraum oder goldener Raum. XI-Desda V/UN-Xihd ist ein Eigenname. Dieser fünfte Planet der Sonne XI-Desda befindet sich in dem Universum Jahaol-Xihd. -- Jetzt fragt mich aber bitte nicht, wo dieses Universum liegt, oder wie man dorthin gelangt. Das hat STAIE nämlich nicht verraten.

S'ci(seufzend): Jeih! Wirklich typisch STAIE...!

Alya: Ay, dann dürften wir wohl wieder mal Rätsel raten. Nun gut. Hat einer eine Idee?

Fyu: Ja. Wie wäre es, wenn wir erst einmal eine Runde essen würden? Ich schiebe nämlich Kohldampf.

Der hochgewachsene Karanyo blickt sich seufzend um.

Fyu: Nanu?! Ich vermisse S'cis Kommentar! Wo ist sie denn hin?

Ky: Sie 'mußte' mal... -- Man darf doch wohl mal 'müssen' dürfen...!

Fyu: Sicher darf man 'müssen'. Sie war nur so unerwartet weg...

Ky: Ein Transmit-Feld transportiert nunmal in Nullzeit.

Fyu: Ach nee! Das ist mir völlig neu...!

Ky: Oh, wenn S'ky an einem Transmit-Projektor herumwerkelt, dann kannst du nicht immer sicher sein, daß du noch 'in Nullzeit zu jedem gewünschten Ort' gelangst... Kürzlich hat der Bursche mich doch via Transmit glatt in eine andere Ebene verfrachtet! Zum Glück war der 'dortige' S'ky ebenso erfindungsreich wie unserer hier...

P'héry: Fo Dyoey! -- Also, ich komme und komme nicht dazu, den Ring der Dunkelheit zu erledigen!

Der violetthäutige, superschlanke Humanoide von Ty XIV/Ty-T'aeym ist entschlossen aufgesprungen. Die schräggestellten Augen in P'hérys dreieckigem Gesicht sind genauso tiefblau wie sein leichtgewellter Haarschopf. Gegen den Raumanzug des t'aeymischen Mediziners und Piloten wirkt selbst S'kys Kombi eintönig. L'lhoa-H'sal, seine Team-Partnerin, pflichtet ihm bei.

L'lhoa: Du hast recht, P'héry. Fliegen wir wieder nach Trontam II/Retsvak.

Sorgfältig korrigiert die T'aeymìi den Sitz der zwei bunten, bauschigen Federn in ihren türkisfarbenen Wuschelhaaren.

Cosna: Aguqù -- okay. Ich mache euer Trägerschiff startklar.

P'héry: Danke, Cosna. Hoffentlich klappt es diesmal. Wir jagen schließlich jetzt schon seit über einem Jahr TZ hinter dem Drahtzieher dieser Terror-Organisation her.

C'lais, ein Cyraeer mit silbernen Haaren, runzelt die Stirn.

C'lais: Der Chef des Rings ist doch der Sol III/Terraner Michael Theijssen, nicht wahr?

P'héry: Genau deroselbiger. In seiner Eigenschaft als 'Herr des Ringes' ist er jedoch dazu übergegangen, sich Mister Universum zu nennen...

C'lais: á'crì! Das sieht C'hael mal wieder ähnlich...!

Raké: Wem?

Der neue Gesprächspartner -- Alyas Team-Partner -- ist sehr hellhäutig, sehr hellblond und hat sehr blaue Augen. Außerdem ist C.Raké Al Tais ein PSI-Multitalent. Allerdings beschränkt er seine Fähigkeiten nur auf unbedingt notwendige Fälle, da jeder PSI-Einsatz einen erheblichen mentalen Kraftakt erfordert.

C'lais: C'hael war Michaels Name auf Konja I/Cyrea. Du weißt doch, daß ich von der 'anderen Seite' zu den Friedenshütern gekommen bin. Und C'hael war hin und wieder mein Partner bei diversen Unternehmungen...

Noch vor drei Jahren TZ war C'lais weit und breit als berühmt-berüchtigter Gauner im Cyrea-Reich bekannt. Dadurch fiel er Cosna auf, und das Computerzentrum beschloß, den trickreichen Ganoven für die Friedenshütertruppe anzuwerben, was ihm unter Aufbietung aller Überredungskünste dann auch schlußendlich gelang.

Fyu: Heavens, wenn der ein Terraner aus Nehgqù-Xuqù ist -- mit was für einem Raumer hat er dann die 720kpc bis Cirenn-S'cirain geschafft? In der ganzen Galaktischen Union (GU) der Milchstraße gibt es kein Schiff, das schneller ist als meine alte Terra. Und die hätte für die Entfernung zwischen den beiden Galaxien locker ihre 3.25 Jahre TZ gebraucht!

C'lais: C'hael kannte einen karanischen Wissenschaftler, der ein verbessertes Leadil-Triebwerk entwickelt hatte. Der Ingenieur war bestechlich und hatte ihm die Konstruktionsunterlagen beschafft. Der x-Wert dieses Triebwerks ist fast so groß wie der unserer Vhaaki-Raumer. -- C'haels Kreuzer Almansor erreicht immerhin 850pc/h.

(Vhaaki - Raumflotte der Hüter des Friedens.)

Raké: Wahnsinn! Das sind 85% der Leistung eines Vhaaki-Leadil-Triebwerks! Damit benötigt die Kiste nur etwa zwei Monate TZ für die 720kpc!

Fyu: Was für ein Glück, daß wir per Transmit-System in Nullzeit springen können und nicht alleine auf den Leadil-Antrieb angewiesen sind!

P'héry: Also, dann werden L'lhoa und ich uns jetzt mal auf den Weg machen.

Cosna: Das Transmit-Feld zur C'oeur t'Uhquu steht.

Die beiden T'aeymìi treten durch das grünlich/golden schimmernde Feld und sind augenblicklich in ihrem Trägerschiff.

Cosna: So, und jetzt hätte ich noch einen Auftrag für ein ökobiologisch versiertes Team. Es geht um den Planeten Tyaara II/Koarnya in Gyr-Dao (Andromedanebel). Die Bevölkerung dieser Welt hat durch ihren Leichtsinn eine Umweltkatastrophe verursacht, die alles organische Leben auf Koarnya bedroht. Wer übernimmt?

Ein über zwei Meter großes Insektenwesen mit goldschimmernder Körperpanzerung gibt ein klickendes Geräusch von sich. Ssatemkim, eine Ökologin aus dem Alten Volk der Kazzothix, bekundet ihre Zustimmung. Da es den meisten insektoiden Rassen nicht gut möglich ist, die Sprachen der humanoiden Völker zu imitieren (und umgekehrt), sprechen sie weiterhin ihre arteigenen Dialekte -- in Ssatemkims Fall also die Alte Sprache Zkeza-Etex. Cosna übersetzt die Antwort Ssas.

Ssa: Ich werde mich dort umsehen, und versuchen, die Angelegenheit zu bereinigen. Wirst du mich begleiten, Tuz?

Tuzzotii, der Team-Partner Ssatemkims, macht eine Geste der Unschlüssigkeit mit eher verneinendem Charakter.

Tuz: Dieser Fall wird vorwiegend dich als Ökologin beschäftigen, Ssa. Ich bezweifle, daß ein Xenomediziner dabei von Nutzen ist.

Dawn: Wenn du es möchtest, werde ich dich begleiten.

Die dunkelhäutige Frau von Diamond III/Paradise wirft mit einer affektiert wirkenden Kopfbewegung ihre schulterlangen, pinkfarbenen Haare zurück.

Ssa: Gerne, Dawn. Und du, Sven?

Der braungebrannte, terranische Biochemiker nickt zustimmend.

Sven: Okay.

Ssa: Gut. Cosna, würdest du bitte die Zkeaziin startklar machen?

Cosna: Aguqù. Doja. -- Okay. Ist erledigt. Das Transmit-Feld steht.

Das grünlich/goldene Feld stabilisiert sich in Sekundenbruchteilen. Ssatemkim und das Team Dawn/Sven treten hindurch und sind im Trägerschiff der kazzothix' Ökologin.

Raké: So. Und ich muß noch einmal nach Gro-Wayth (NGC 7331). Genauer: nach A-Feddo Asq'ank. Ich habe da wieder einmal so einen dummen Verdacht in bezug auf Hieu Alkumu und ihren Rat der Galaktischen Friedensliga...

Alya: Dir war es wohl auch nicht geheuer, daß Hieu damals kampflos nachgegeben hatte, und Percy das Schabaho-Ulma-System einfach übergab, wie?

Raké: Richtig, délha.

Der blonde PSI-Techniker runzelt die Stirn.

Raké: Wenn ich die Liga-Sprecherin richtig einordne, dann hat sie irgendeinen Hinterhalt organisiert. Bevor diese Galaktische 'Friedensliga' wieder anfängt, mit dem Embeli-Reich 'Krieg der Sterne' zu spielen, sollte man denen gleich den Wind aus den Segeln nehmen.

Alya: Gute Idee, Schatz. Ich komme mit. Dann kann ich nämlich auch einmal wieder Crystal und ihre Freunde auf der Bator VIII/Fezea besuchen.

Raké: Cosna, mache bitte die Nightfire klar.

Der Hauptcomputer bestätigt, dann starten auch Alya und Raké mit ihrem Trägerschiff.

Cosna: Hallo Freunde! Ich habe gerade eine Nachricht von Coar bekommen.

Ky: Und was hat unser lieber Archivcomp für Neuigkeiten?

Cosna: Er hat die IF in einem Orbit um Vodaer IV/Vodoli geortet. Wer übernimmt?

Fyu & S'ci: Ich!

Ky, S'ky, C'lais und Heleyn D'Asq, C'lais' Team-Partnerin, schließen sich den beiden an.

Cosna: Eure Trägerschiffe sind klar: Dreamlight...

Das entsprechende Transmit-Feld manifestiert sich, und S'ci und Fyu treten hindurch.

Cosna: ...Valyrà-Vioil und Trickster.

In Reihenfolge ihrer Nennung erscheinen die Transport-Felder zu den Trägerschiffen. Auch Ky und S'ky, sowie C'lais und Heleyn verlassen den Versammlungsraum der Friedenshüter.

Im Orbit um Sna-Tgyhl versammeln sich die drei Raumgiganten. Über die Bordcomputer der Trägerschiffe wird eine mecon- (Gedankenfunk-)-Konferenzschaltung aufgebaut.

C'lais: Ich möchte nur zu gerne wissen, was T'yla vorhat.

S'ci: Nicht nur du, C'lais.

Unerwarteterweise wendet sich nun Coar, der Archivcomputer aus Nehgqù-Xuqù an die sechs Friedenshüter.

Coar: Hallo Einsatzteam in Sachen T'yla Brit-T'hèr, bitte kommen!

Die sechs bestätigen.

Coar: Cosna hat mir mitgeteilt, daß ihr die IF übernommen habt. Ich wollte euch nur schonend darauf vorbereiten, daß nicht nur die IF bei Vodoli steht, sondern auch noch die Quasar von Cvoa-L'yyn.

S'ky(stöhnend): Oh, wau, auch das noch!

Coar: Das war's eigentlich. Bye, Leute.

Der Computer desaktiviert die Verbindung.

Heleyn(unbehaglich): Das sind vielleicht schöne Aussichten...!

Die junge Karanéa, die in ihrem weißen Kleid eher wie ein kupferhaariger Weihnachtsengel wirkt, fragt sich zu wiederholten Male, warum sie eigentlich zu den Friedenshütern gestoßen ist. Eigentlich war sie doch eine Schauspielerin...!? Dann kam aber vor gut zwei Jahren TZ mitten in der Nacht (!) eine hellblau/violetter Robot an, klingelte sie aus dem Schlaf und stellte sich als Beta-A, Anaira-Beta vor. Danach hatte sie Heleyn gefragt, ob sie nicht vielleicht bei den Hütern des Friedens mitarbeiten wollte. Gut, sie wollte, weil ihr das Jet-set-Leben auf Accra II/Kara mittlerweile hoffnungslos auf die Nerven ging -- et voilà...

Fyu: Also Cvoa-L'yyn und T'yla...!

Ky: Da stellt sich erst einmal die Frage: Wie schaffen wir es, erst einmal unbemerkt die Lage zu peilen? Coar kann uns ja bestenfalls geschätzte Werte angeben...

S'ky: Och, ich hab ne Idee.

Ky: So?

S'ky: Klaro! Wir machens wie die's imma in den SFs machen: Wir fastecken uns inner Sonnenkorona...

C'lais(eher zweifelnd): Wenn du meinst?!

Die Raumer aktivieren ihre SETA-Kombi-Schilde, die so ziemlich alles abhalten -- bis auf den Desintegratorstrahler, den Cvoa und T'yla bereits vor geraumer Zeit entwickelt hatten. Dann schalten die Bordcomps die Funkverbindung auf comset, den auf kurze Reichweite beschränkten, lichtschnellen Normalfunk um.

C'lais: Na, dann versuchen wir es. Transmit auf Korona Vodaer. Koordinaten...

Codre, der Comp der Dreamlight, schaltet sich hilfreich ein.

Codre: Nehgqù-Xuqù; 0h21mREK/-77:30DEK --Hyi 6.7pc. Der Stern Vodaer, ein G0-Stern mit 12 Planeten, wird auch unter der Bezeichnung Beta Hydri geführt.

C'lais: Danke, Codre. Na, denn -- transact!

Die Raumer hüllen sich in einen grünlich/goldenen Schimmer aus Transmit-Energie, die sie in den T-Raum befördert. In diesem zeitlosen Kontinuum, das mit jedem Punkt des Normalraums in Verbindung steht, bedeuten Entfernungen nichts, und es kommt nur auf die Wahl des richtigen Austrittspunktes an, daß man in Nullzeit jeden beliebigen -- aber genau berechneten -- Fleck des Universums erreichen kann. In der Alten Zeit, als das Alte Volk von S'selite noch an der Vervollkommnung des Transmit-Feld-Antriebes arbeitete, gingen viele Schiffe irgendwo im Weltraum verloren.Doch heutzutage arbeitet der TF-Antrieb mit annähernd 100%iger Sicherheit fehlerlos, und so kommen die Trägerschiffe knapp über dem Stern Vodaer wieder aus dem T-Raum.

S'ci(ironisch): Fabelhaft, S'ky! Du mit deinen SFs...! -- Das ist hier wirklich die ideale Beobachtungsposition... Okay, wir werden nicht gesehen -- aber wir sehen auch nichts!

S'ky: Haste nen bessren Vorschlach?

S'ci: Wie wäre es, wenn wir unseren superben AsVA-Kombi-Schild aktivieren und uns dann im Schutze dieses Tarnfeldes nach Vodaer XII/Illuwejjo begeben?

C'lais: Wenn du meinst?! -- Nun gut...

Kurz darauf liegen die drei Schiffe auf der winzigen, mondlosen Eiswelt Illuwejjo.

S'ky: Jee... Da sinn wa nu un komm nich weita... Hat eina ne Idee, was wa jetz machen können?

Heleyn: Wenn wir versuchten, T'yla mit den Rihkuun anzufliegen, dann schießt uns die Dame unsere Einsatzboote unter dem Hintern weg -- verzeiht mir diese grobe Ausdrucksweise, aber es stimmt doch...

C'lais: Und wenn wir gar nichts tun, können wir gleich nach Hause fliegen. Großartig! Warum sind wir eigentlich überhaupt ins Vodaer-System geflogen? Damit die Trägerschiffe nicht einrosten? Aber nein, die sind ja eh rostfrei...

Fyu: Stop! Stop!

Ky: Ah, mein Brüderchen hat einen Geistesblitz!

Fyu: Muß doch auch mal sein... -- Wie wäre es, wenn wir in die beiden Raumer hineintransmittieren und Cvoa und T'yla per Hand ausschalten?

Heleyn(entsetzt): Es hat den Anschein, als ob du lebensmüde wärst, Fyu!

S'ci: Wieso? Das ist doch die Idee! Ich bin dabei.

Heleyn(fassungslos): Machst du etwa auch mit?

S'ci: Amyshica! Was dachtest du denn? Ich übernehme die Quasar.

Als sie das gesagt hat, verwünscht sie sich schon wieder dafür. Sie sollte wirklich versuchen, etwas mehr Abstand zwischen sich und Cvoa-L'yyn zu bringen.

Fyu: Das wirst du hübsch bleiben lassen, S'ci! Einmal ist Cvoa gefährlicher als T`yla, und zum zweiten habe ich mit ihm noch eine persönliche Rechnung zu begleichen...

S'ci: Den zweiten Teil deiner Begründung akzeptiere ich, aber den ersten Teil will ich überhört haben, ma-délho!

Fyu: Okay... Aber ich übernehme Cvoa-L'yyn.

S'ci: Na gut.

Vermutlich ist es besser so, denkt sie, halb erleichtert, halb bedauernd, denn wie sie sich kennt, ist das Risiko groß, daß sie wieder der Versuchung erliegt und mit Cvoa alles andere anstellt als ihn zu inhaftieren.

Codre: Ich habe die Quasar und die IF eingepeilt.

S'ci: Momentchen...

Sie zieht schnell ihre weiß/silberne Einsatzkombi an, denn sonst ist sie auf dem Schiff meist etwas leichter bekleidet. Fyu ist wie üblich auf alles gefaßt. Er legt sich bloß den Gürtel mit seinem schweren Kombistrahler um, von dem er sich partout nicht trennen will.

Fyu: Von mir aus kann es losgehen.

Er entschließt sich, sofort auf die Quasar zu springen. Wenn S'ci fertig ist, wird sie sich schon zur Invincible Fighter begeben.

* * *

In der Quasar:

Der rothaarige Friedenshüter materialisiert in der Zentrale, direkt hinter Cvoa-L'yyns Kommandosessel. Er überprüft noch einmal die Einstellung seines Strahlers: Paralyse, entsichert.

Fyu: Hallo, verehrter Cvoa-L'yyn... Ich sehe, du hast dich schon wieder selbständig gemacht? Und ich dachte, ich hätte dich endlich einmal für einen längeren Zeitraum eingebuchtet...!

Der blauhäutige Mann von dem Planeten Delha III/Syaana in der Galaxis Ssi-Srilna (auch bekannt als M51 oder NGC 5194) dreht sich gelassen um. Seine leuchtend weißen Haare bilden einen faszinierenden Kontrast zu seiner Hautfarbe. Cvoas metallicviolette Augen wirken immer leicht spöttisch, selbst in ausweglosen Lagen wie zum Beispiel jetzt. Er seufzt gelangweilt.

Cvoa: C.T-S'cèr! Schon wieder du. -- Wie bist du eigentlich in mein Schiff gelangt?

Der Syaane macht Anstalten aufzustehen. Er ist hochgewachsen, sogar noch ein Stückchen größer als Fyu und steckt in einer metallisch schimmernden, regenbogenfarbenen Kombi mit halblangen Ärmeln.

Fyu: Bleib bitte sitzen, Cvoa, sonst müßte ich dir eine Ladung mit dem Paralyzer verpassen. Du weißt ja, wie angenehm die Nachwirkungen sind...!

Cvoa: Sicherlich!

Gelassen setzt er sich wieder.

Fyu: Hat der Raumer noch eine Besatzung?

Cvoa: Ich fliege stets alleine -- oder mit T'yla.

Fyu: Aber da die IF im Orbit um Vodoli steht, wird T'yla wohl dort sein...

Cvoa(amüsiert): Messerscharf kombiniert, mein lieber C.T-S'cèr.

Fyu: comset; Fyu an Codre: Bitte kommen!

Codre: Hallo Fyu! Was gibt's?

Fyu: Bau bitte ein Transmit-Feld zum Schiff auf. Für zwei Personen. Danke und bye.

Unterdessen hat Cvoa-L'yyn unbemerkt eine Sensortaste berührt.

Cvoa(beiläufig): Falls es dich interessiert, Fyu, meine Quasar bekommst du nicht. Ich habe die Selbstzerstörung ausgelöst. In fünf Minuten TZ existiert hier nur noch ein Wölkchen freier Atome.

Fyu: Schade. Das Schiff wäre kein schlechter Fang gewesen. -- Dann komm jetzt bitte mit, Cvoa.

Er deutet auf das grünlich/goldene Feld. Cvoa sieht ihn mit mildem Erstaunen an.

Cvoa: Seit wann arbeitest du mit den Friedenshütern zusammen? -- Ah, ich kann es mir denken. Seit du mir mit S'cis Hilfe auf Sol III/Terra entkommen konntest...!

Sein Blick verdüstert sich etwas, aber er fängt sich sofort wieder. Immerhin hat er selber S'ci geraten, sich nicht in ihn zu verlieben, auch wenn sie das nicht gehindert hatte, sich auf eine leidenschaftliche Affäre mit ihm einzulassen.

Fyu: Apropos 'entkommen' -- lange hast du es ja nicht im Gefängnis ausgehalten...!

Cvoa(belustigt): Und ich werde es auch dieses Mal nicht sehr lange dort aushalten.

Fyu(seufzend): Das ist zu befürchten... Jetzt sollten wir aber wirklich sehen, daß wir deine Quasar verlassen. Ich habe keine Lust, mit dieser Kiste hochzugehen.

Unbeeindruckt zuckt der Syaane mit den Schultern und tritt durch das Transmit-Feld.

Auf der Dreamlight wird er bereits von Delta-C, Cyriél Delta, einer der Robots erwartet. Er sieht sich um. S'ci ist nicht in der Nähe, bemerkt er mit leichtem Bedauern. Die Robot richtet einen Allzweck-Stab auf Cvoa und hüllt ihn in ein Fesselfeld. Bevor er abgeführt wird, wirft der blauhäutige Mann einen letzten Blick auf sein Raumschiff Quasar, dessen Bild der Panoramabildschirm in aller Klarheit und Deutlichkeit wiedergibt. Ungerührt beobachtet Cvoa-L'yyn, wie es bläulich zu flimmern beginnt und sich dann in einen feinen Nebel auflöst, der sich in Sekundenschnelle verflüchtigt. Er wendet sich ab und folgt der Robot, nicht ohne Fyu vorher noch ein nonchalantes Lächeln zuzuwerfen.

Cvoa: A-tás, mein Freund -- auf bald!

* * *

Nun aber zu S'ci, die der Invincible Fighter von Cvoas Partnerin einen Besuch abstattet. Während Fyu das Glück hatte, direkt in der Kommandozentrale aufzutauchen, materialisiert S'ci in der Comp-Z der IF. Der Bordcomputer des Raumers meldet T'yla sofort den feindlichen Eindringling an Bord. Sie erwartet S'ci mit gezücktem Strahler. Im Gegensatz zu Cvoa ist T'yla karanischer Abstammung. Ihre Hautfarbe ist hell wie die der Cyraeer und einiger Terra-Rassen, aber ihre Haare und Augen sind von dem intensiven Blauschwarz, das noch von den genetischen Manipulationen herrührt, die vor langer Zeit auf Accra II/Kara einmal Mode waren. T'yla trägt einen regenbogenfarbenen Overall der gleichen Machart wie Cvoa und blickt S'ci kühl an.

(Durch diese Genmanipulationen sind auch die Haarfarben Kara-Violett, Kara-Blau, Kara-Grün etc. entstanden. Ursprünglich hatten die Karane die normalen Metall-Farbtöne der Cyraeer, deren Abkömmlinge sie sind, also Silber, Kupfer, Gold etc, die ihnen aber zu langweilig waren.)

T'yla: Ich grüße dich, S'ci. Deine Ausrüstung wird von einem EAF neutralisiert.

Das EnergieAbsorbierende Feld entzieht S'cis Gerätschaften jegliche Energie. Die Friedenshüterin steht ihrer Widersacherin somit schutzlos gegenüber.

S'ci: SCIT! Da ma-cireella Fur'ra! -- Verdammt...

Die kleine, zierliche Verbrecherin schüttelt amüsiert den Kopf.

T'yla(lächelnd): Würdest du mir bitte deinen Allzweck-Stab geben, S'ci? Danke. -- Und deinen Gürtel auch. Wer weiß, was du mit deiner Ausrüstung sonst alles anstellen würdest.

Leicht bis mittelschwer verärgert gibt S'ci ihr das Gewünschte.

T'yla: Sehr brav, meine Liebe.

S'ci(sarkastisch): Was tut man nicht alles für seine Freunde!

Nach einem kurzen Blick auf die Kontrollschirme programmiert T'yla einen Kurs.

T'yla: Ich glaube, wir verschwinden besser. Deine Kollegen könnten auf mich böse werden...

Die gibt über mecon ihrem Raumer den Befehl, Fahrt aufzunehmen. S'ci ist darüber ganz und gar nicht erfreut.

S'ci: Da Sol Unea!

T'yla(amüsiert): Wie recht du damit hast...!

S'ci(irritiert): Xai an kéred? -- Was ist los?

T'yla: Wir fliegen zur Unea. Und zwar nicht nur hinein, sondern auch noch hindurch.

S'ci(fassungslos): Durch die Eis-Sonne? Willst du uns umbringen?

T'yla(freundlich): Uns nicht. Dich vielleicht, wenn ich dich nicht mehr gebrauchen kann.

S'ci: Aha.

Sie ist auf das höchste überrascht. Durch die Unea!

Die Unea, auch als Eis-- oder Anti-Sonne bekannt, ist kein Stern im eigentlichen Sinne. Sie ist noch nicht einmal ein Objekt unseres Universums. Ihre Temperatur liegt erwiesenermaßen unter 0 K. Sie besitzt keine Masse, zieht aber dennoch jedes Objekt an, das in ihren Einflußbereich kommt, wobei die Stärke der Anziehungskraft proportional zu der Temperatur des eingefangenen Körpers steigt. Wenn etwas die kritische Entfernung von 80662km unterschreitet, wird es sofort vernichtet. Die Unea ist das einzige bekannte Tor in das Negativ-Universum, konnte bis jetzt aber noch nicht passiert werden.

S'ci: Soweit ich weiß, ist noch kein Schiff unbeschädigt durch die Unea gelangt.

T'yla(belustigt): Ihr habt eben keine Ahnung! Cvoa und ich haben es geschafft.

S'ci(wütend): Da rihh, wenn du bei den Friedenshütern geblieben wärst, dann könntest du Großartiges für die VIER GALAXIEN leisten!

T'yla: Aber, meine liebe S'ci, ich leiste doch auch so Großartiges...!

S'ci: Aber auf der falschen Seite.

T'yla: Woher willst du eigentlich wissen, daß du auf der richtigen Seite stehst, S'ci? Es ist alles immer nur eine Frage des Standpunktes. Von Varys aus gesehen ist Tescia schlecht, und von Tescia aus beurteilt, ist Varys die negative Seite. Es gibt kein 'Gut' und 'Böse', nur den Weg zum Ziel. -- Und mein Ziel ist Macht.

(VARYS und TESCIA sind die beiden grundlegenden Prinzipien, die sich wie positiv und negativ gegenüberstehen.)

S'ci: Wenn es weder gut noch böse gibt, wie ordnest du dich dann ein?

T'yla: Ich sagte es -- ich verfolge den logischsten Weg zu meinen Zielen. Wenn du -- oder irgendjemand anders -- mir im Wege stehst, dann muß ich dich beseitigen. Nicht, weil ich dich hassen würde...

S'ci: Amyshica! Das bist du heute...! -- Ich habe dich vor 15 Jahren TZ gekannt, bevor du dich Cvoa angeschlossen hast...

Sie mustert T'yla und fragt sich, was Cvoa wohl an ihr findet. Aber wenn sie sich recht entsinnt, hatte er ihr gegenüber einmal erwähnt, dass er sie hauptsächlich nützlich findet, nicht mehr.

T'yla: Werde nicht melodramatisch, S'ci.

Die IF fliegt mit atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung Unea, 'hinter' der T'ylas Stützpunkt im Negativ-Universum liegt.

* * *

Im Vodaer-System:

Heleyn(entsetzt): Himmel! Die IF nimmt Fahrt auf und verläßt den Orbit von Vodoli!

C'lais: Kurs?

Heleyn: Aus dieser Galaxis hinaus, in Richtung Unea!

Fyu: Waaas?

Ky: Vielleicht will sie ins Negativ-Universum?

S'ky zeigt seiner Team-Partnerin einen Vogel.

S'ky: Du spinns! Das hat zuletz A'shti fasucht, vor sechs Jahren TZ. Der hat dabei glatt drei Trägaschiffe plus Inhalt atomisiert. Der IF würdet sicha nich annars ergehn.

Fyu: Verdammt, S'ky, du unterschätzt sie! Die unterschätzt sie gewaltig!

S'ky: Ich würd eha sagen, du übbaschätzt sie!

Ky(düster): Ich muß meinem Brüderchen recht geben. Im Erfinden von Waffensystemen und Ähnlichem stellen Cvoa und T'yla so ziemlich alles und jeden in den Vier Galaxien in den Schatten. -- Außerdem, S'ky, denke an STAIEs Warnung!

Fyu(entschlossen): Ich fliege zur Unea. Mit etwas Glück kann ich die IF abfangen.

S'ky: Un wie?

Fyu: Mit einem gutgezielten Paralyzer-Strahl.

S'ky: Die IF hat aber auch'n EAF. Dagegen kommsse mit nem Paralyzer nich an. Außadem besitzt se als Angriffswaffe nen Desintegrator, der soga Trägaschiffe in Wölkchen von freie Atome fawandelt.

Fyu: Verdammt! Irgendetwas muß es doch geben!

Ky: Wenn du die Nerven verlierst, ist weder uns noch S'ci geholfen, Bruderherz!

Fyu: Du hast recht, Schwesterchen, aber ich kann doch nicht untätig hier herumsitzen und auf ein Wunder hoffen, während T'yla vielleicht schon dabei ist, S'ci umzuprogrammieren!

C'lais: Trotzdem ist die erste Devise, Ruhe zu bewahren. Vielleicht kann S'ci sich selbst befreien. Sie kennt da eine Menge Tricks...

Fyu(düster): Und T'yla kennt eine Menge Tricks, wie sie sich vor Überrumpelungsmanövern schützen kann. Ich hatte auch schon oft genug mit ihr zu tun -- und sie hätte mich oft genug fast erwischt...!

S'ky: Un wa könn auch nich die IF mit schweren Geschützen angreifen, wo doch S'ci an Bord is.

Fyu: Ich bin sicher, daß wir die IF ohnehin nicht angreifen können...

S'ky: Ach un warum?

Fyu: Ich bin der Ansicht, Ky hat recht mit ihrer Vermutung, daß T'yla und Cvoa eine Basis im Negativ-Universum haben.

Der kleine, schwarzhaarige Erfinder winkt geringschätzig ab.

S'ky: Un ich glaub, deine Sorge um S'ci hat dir den Fastand fanebelt...!

Fyu(ärgerlich): Ich verschließe meine Augen nur nicht vor den Tatsachen!

S'ky: Pah! Tatsachen! Tatsache is, daß nix aus unsam Universum durche Unea kommt, ohne vorher fein säubalich in seine Bestandteile zalecht worden zu sein.

Fyu: Von wegen! Ich habe nämlich schon eine Idee!

S'ky(geringschätzig): Un was?

Fyu: Wir haben doch ein Transmit-System, oder?

S'ky(sarkastisch): Dassis mir völlich neu!

Fyu: Bis jetzt wurde bei den Versuchen, durch die Unea zu kommen, meist der größte Augenmerk auf eine Änderung des Schutzfeldes gerichtet. Wie wäre es, wenn wir zur Abwechslung einmal den Antrieb verändern?

S'ky: Un wie bitte?

Fyu: Schon mal daran gedacht, daß man den Transmit-Feld-Antrieb mit Hydi-Energie speisen könnte?

C'lais: Da rihh, dann mußt du aber einiges umkonstruieren, Fyu!

Fyu: Na und? Es ist den Versuch wert.

Seine Schwester -- ihres Zeichens Hyperphysikerin -- hat einen Moment nachgedacht. Jetzt nickt sie zustimmend, woraufhin ihre wüste Sturmfrisur noch wilder aussieht als zuvor.

Ky: Die Möglichkeit bestünde... Fyu, wenn das klappt, dann bist du der Held des Tages!

S'ky: Un wenn es klappt... Was weisse denn übba die Fahältnisse im Negativ-Universum?

Fyu(unbekümmert): Genauso viel wie du.

Seine Stimmung hat sich sichtlich gebessert.

S'ky: Also nix. Un wer, meinsse, wird dieses Himmelfahtskommando mitmachen? Ich unta Garantie nich!

Fyu: Na und?! Wenn von euch keiner mitmacht, dann meine Crew. Ansonsten erledige ich das alleine. Und ich werde ins Negativ-Universum kommen...!

Heleyn(kopfschüttelnd): Also, das glaube ich dir unbesehen.

Ky: Ich auch...! -- Na, dann viel Spaß, Brüderchen...!

Fyu: Gee. Ich werde ins Sol-System transmittieren und meine Crew auf der Copernicus-Basis einsammeln. Bye, Freunde.

* * *

Derweil in Jahaol-Xihd, wie das Negativ-Universum auf der 'anderen Seite' der Unea genannt wird:

S'ci: Und was hast du jetzt vor, T'yla?

T'yla: Vielleicht werde ich dich einfrieren. Dann kann ich dich benutzen, wenn ich dich brauche, und du kannst mit Sicherheit nicht fliehen. Ich könnte auch ein Robotdouble von dir anfertigen. Dann würde ich dich gar nicht mehr benötigen und könnte dich gleich beseitigen.

S'ci(sarkastisch): Schöne Aussichten. Nun ja, ich bin dennoch der Ansicht, daß du mich ebenso wenig länger festhalten kannst wie es uns gelingt, dich zu arrestieren.

T'yla: Das werden wir sehen.

S'ci: Genau, meine Liebe. Abwarten und Tee trinken. So heißt es doch...!

T'yla: Genug geredet. Ich werde auf XI-Desda V/UN-Xihd landen. Die Xihdane werden mir helfen, die Vier Galaxien zu erobern. Danach werde ich sehen, was ich mit diesem Planeten machen werde.

S'ci: Du benutzt wohl tatsächlich alles, was dir zweckdienlich ist und beseitigst es anschließend?!

T'yla: Das hatte ich dir doch gesagt.

Sie zuckt mit den Schultern.

T'yla(beiläufig): Vermutlich werde ich Cvoa auch bald eliminieren müssen. Er stört meine Pläne.

So wie T'yla das erzählt, klingt es, als würde sie über das Wetter reden, oder den morgigen Speiseplan. S'ci bekommt eine Gänsehaut.

S'ci(fassungslos): Aber Cvoa ist doch dein Partner!

T'yla(belustigt): Werde nur nicht moralisch, S'ci. Wenn Cvoa versucht, mich herumzukommandieren, ist es seine eigene Schuld.

S'ci(entsetzt): Eigentlich müßte ich dich hassen, T'yla. Du hast meine Pflegeeltern umgebracht und S'kys und deine Eltern -- aber wenn ich dich so sehe, kann ich dich nur bemitleiden!

T'yla(kalt): Spar dir dein Mitleid für dich selber auf. Du bist eine Sklavin deines Varys-Prinzips, das du für 'gut' hältst. Ich dagegen akzeptiere kein 'gut' oder 'böse' -- so kann ich tun und lassen, was immer ich will und bin frei. -- Etwas, was du niemals sein wirst, S'ci Coroun!

S'ci: Auf diese 'Freiheit' kann ich verzichten. Amiréna Fur'ráan, ich kannte dich, als du noch zu uns gehört hast...

Andererseits kennt sie Cvoa zu gut als daß sie sich vorstellen kann, daß er für T'ylas Verhalten verantwortlich sein soll. Irgendetwas ist da entschieden merkwürdig.

T'yla(belustigt): Ich hatte einfach keine Lust mehr auf die langweilige Doppelmoral der Friedenshüter. Ich habe immer nach mehr verlangt, und durch Cvoa bot sich mir diese Möglichkeit. Ich habe ihn gesucht und sein Schiff abgefangen. Er war mehr als nur überrascht, als ich ihm sagte, ich wollte mit ihm zusammenarbeiten.

S'ci(entgeistert): Du bist einfach zu ihm...

T'yla: Cvoa hat nun einmal eine ungeheure Anziehungskraft...

Wie wahr... S'ci hoffte, daß sie nicht zu stark errötete.

S'ci(kopfschüttelnd): Ich kann es einfach nicht glauben...

Zumindest nicht, daß Cvoa sich darauf eingelassen haben sollte, T'yla einfach so aufzunehmen.

T'yla: Du langweilst mich.

Sie zieht ihren Strahler und paralysiert S'ci kurzerhand.

* * *

Wieder in Nehgqù-Xuqù:

Fyu hat das Trägerschiff auf Viresta I/Sna-Tgyhl abgestellt und ist wieder in seine wunderschöne, kleine Terra umgestiegen. Mit diesem Raumer transmittiert er nach Sol III/Terra I/Luna, zur Basis Luna-Copernicus. Der rothaarige Friedenshüter erzählt seiner mittlerweile um Yenna erleichterten Crew von den Vorfällen. Rûn Helind, der kleine, dunkelhaarige FlIng (Feuerleitoffizier & Ingenieur) der Terra springt auf.

Rûn: Los, und der IF hinterher! Ich brenne darauf, sie vor meine Geschütze zu kriegen!

Fyu hebt abwehrend die Hände.

Fyu: Stop mal! Bremse dein überschäumendes Temperament, Rûn! Erst einmal müssen wir die IF erwischen. Außerdem habe ich etwas gegen deinen Plan, sie einfach so abzuschießen, denn dann wären wir auch nicht besser als diese Verbrecher.

Rûn(funkelnd): Aber wir vollbringen doch damit eine gute Tat!

Senic: Fyu hat recht. Es ist niemals eine gute Tat, wenn nur ein Menschenleben dabei vernichtet wird.

Fyu: Genau. Außerdem besteht unser Problem auch darin, T'ylas Stützpunkt im Negativ-Universum auszuheben.

Senic: Ich habe vor ein paar Wochen TZ mit A'shti auf der Laborwelt Jano-Horas daran gearbeitet, eine Möglichkeit zu finden, die Unea zu passieren. Es ist aber leider nicht sehr viel dabei herausgekommen...

Fyu: Außer ca. einem halben Dutzend Explosionen, die diverse Labors ein wenig zerlegt haben...

Senic: Äh, ja, Coja war ziemlich sauer auf uns...

(Coja - der Hauptcomputer von Jano-Horas)

Fyu: Ich habe eine neue Idee.

Er erläutert dem Wissenschaftler seinen Gedankenblitz. Senic fährt sich nachdenklich durch das schon etwas gelichtete, mittelblonde Haar.

Senic: Nicht übel, Jüngelchen.

Rûn: Also, ich habe es nicht ganz kapiert.

Fyu: Macht nichts. Der Plan ist ja auch noch nicht ganz ausgereift. Sehen wir doch erst einmal vor Ort weiter. -- Marn, setze bitte den Kurs auf die Unea.

Marn: Okay, Fyu.

* * *

Die Unea: ein silbrig blauweißer 'Stern' in dessen Umgebung der Weltraum einen violetten Schimmer angenommen hat -- aber die Glut der Anti-Sonne erzeugt keine Wärme, sie ist kälter als irgendetwas in diesem Universum. Rund um den Eis-Stern rast ein Wirbel aus schillernder, vielfarbiger, schon zum Tode verurteilter Materie. Faszination und Schauder erfaßt die Terra-Crew gleichermaßen.

Senic(leise): Sie ist grandios...

Rûn(unbehaglich): Wenn man sich dieses Monster ansieht, wird einem richtig kalt...!

Marn(trocken): Frostbeule.

Rûn wirft dem CoCo (Co-Piloten & Computerspezialisten) einen giftigen Blick zu.

Fyu: Senic!

Der Wissenschaftler sieht vom Computermonitor auf, über den Unmengen von Zahlenkolonnen huschen.

Senic: Ja?

Fyu: Irgendeine Vermutung, wie das Negativ-Universum beschaffen sein könnte?

Senic: Außer der Tatsache, daß dort mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alles unter negativen Vorzeichen abläuft -- nichts Konkretes. Wir müssen warten, bis es uns gelingt, zumindest eine Sonde dorthin zu schicken.

Fyu(nervös): Wenn nur S'ci nichts passiert!

Er läuft wie ein gereizter Tiger in der Zentrale auf und ab. Senic, der Fyu eine Weile amüsiert zugesehen hat, wird durch dessen Runden (vom Schott zum Pilotensessel und wieder zurück) auch leicht nervös...

Senic: Sag mal, Jüngelchen, bekommst du Kilometergeld?

Fyu fühlt sich ertappt und setzt sich.

Fyu: Ä-hem! -- Senic, können wir so schnell wie möglich eine Sonde mit Rückkehrautomatik durch die Unea schießen?

Senic: Ja, wenn du mir hilfst, anstatt schon wieder den Boden der Zentrale durchzulaufen...

Jetzt macht Fyus Gesichtsfarbe seiner Haarfarbe Konkurrenz.

Fyu: Äh -- okay. Rûn, übernimm die RÜ. Marn, du bist doch wohl in der Lage, uns beim Zusammenbasteln der Sonden zu helfen?

Marn: Klar doch.

Der FlIng zieht ein mißmutiges Gesicht. Seit Yenna A'rya sich von der Terra-Crew verabschiedet hat, ist es meistens Rûn's 'ehrenvolle Aufgabe', Raumüberwachung und Funk zu übernehmen.

Rûn(fatalistisch): Wache schieben! Oh, welche Freude...!

Senic(kopfschüttelnd): Ts! Der Kerl darf sich ausruhen und beklagt sich noch darüber!

Derweil steht Fyu bereits ungeduldig am Schott und winkt den anderen hektisch zu.

Fyu: Hey! Wollt ihr da festwachsen?

Senic: Immer mit der Ruhe, Kleiner. Ein alter Mann ist doch kein schneller Kreuzer!

* * *

Nachdem Senic, Fyu und Marn die erste Sonde umgebaut haben, wird das Gerät durch das Tor zum Negativ-Universum geschickt. Fyu hat Rûns Platz am RÜ-Pult eingenommen und trommelt hektisch auf der Konsole herum.

Senic: Aber Fyu! So kenne ich dich überhaupt nicht. Geduld! -- Wir müssen noch ein paar Minuten TZ abwarten.

Fyu: Ich kann doch nicht ruhig hier herumsitzen, ohne zu wissen, was mit S'ci los ist!

Senic: Doch. Mußt du sogar. Übereiltes Handeln schadet nur. -- Ich dachte, das wüßtest du längst, Fyu.

Die Wartezeit ist vorüber, und die Sonde befindet sich immer noch im Negativ-Universum -- wenn überhaupt...

Plötzlich schlägt sich Senic mit der flachen Hand vor die Stirn.

Senic: Ich glaube, ich bin total verkalkt!

Marn: Nana, so alt bist du auch nicht.

Fyu: Wieso?

Senic: Unsere Sonde besteht aus 'normaler' Materie. Wenn ich mich nicht absolut irre, dürfte das Negativ-Universum aus Antimaterie bestehen. Insofern bezweifle ich wirklich, daß wir jemals in dieses Universum vorstoßen können.

Fyu schlägt dem Wissenschaftler begeistert auf die Schulter.

Fyu: Aber Senic! Im Gegenteil! Ich weiß jetzt nämlich, wie wir ins N-U kommen!

* * *

In Jahaol-Xihd:

S'ci hat diese Sorge nicht. Sie befindet sich bereits im Negativ-Universum auf der anderen Seite der Unea, allerdings bewußtlos und als T'ylas Gefangene.

Jahaol-Xihd, der 'goldene Raum', besitzt seinen Namen nicht zu Unrecht. Wo 'bei uns' der Weltraum samtig schwarz erscheint, ist er dort von einem weich schimmernden Goldton. Die Sterne erstrahlen nicht wie im Normalraum glänzend weiß, sondern als silberner Staub, der über das gesamte goldene Firmament verstreut ist.

Die IF fliegt UN-Xihd an, den fünften der fünfzehn Planeten des A2-Sterns XI-Desda. UN-Xihd ist eine paradiesische Welt mit smaragdgrünen Ozeanen, die gut zwei Drittel des Planeten bedecken. Auf den Kontinenten liegen kleine Städte mit seltsamen geometrischen Gebäuden in verschiedenen Blauschattierungen inmitten einer artenreichen, rotgetönten Flora. Unter den Bauwerken herrschen zwischen den vielfältigen Formen Kuboktaeder und Pentagondodekaeder vor.

T'yla führt ihr Raumschiff zum Gebirge TU-Taiuun, unter dessen höchster Erhebung sie ihren geheimen Stützpunkt errichtet hat. Der große Raumhafen der Hauptmetropole JA-Kontix ist zur Zeit vollständig besetzt, denn dort steht die startbereite Avenger-Flotte, die auf T'ylas Geheiß hin die Hauptwelten der Galaktischen Union von Nehgqù-Xuqù besetzen soll. Dies ist ein zwar schwieriges, keineswegs aber aussichtsloses Unterfangen, denn die Technologie der Xihdane ist der der Welten der GU in weiten Teilen überlegen. Außerdem hat T'yla den Wissenschaftlern des Planeten einiges von ihrem Know-how vermittelt.

Im Hangar von TU-Taiuun, wo auch die EX (Abk. für Else-X), das Schwesterschiff der IF liegt, steigt T'yla in einen Gleiter um und fliegt mit S'ci zu ihrem Hauptquartier in JA-Kontix. Dort wird die Friedenshüterin garantiert ausbruchssicher untergebracht. Mit anmutigen, raubtierhaften Schritten geht T'yla zu ihrem Überwachungspult und aktiviert eine Comleitung auf einer reservierten Frequenz.

T'yla: T'yla von Nehgqù-Xuqù an Jorrit ti Jahaol-Xihd. Meldet Euch.

Jorrit: Jorrit ti Jahaol-Xihd an seine Gebieterin: Ich habe verstanden. Was wünscht Ihr?

T'yla: Sind die Flotten bereit?

Jorrit: Die Avenger-Flotte von Keye k'Avenger ist bereits startklar. Die Destroyer-Flotte -- Daytha k'Destroyer -- wird bis morgen einsatzbereit sein, und Nelcom k'Dispatchers Dispatcher-Flotte bis morgen abend.

T'yla: Schickt die Kommandanten zu mir.

Jorrit: Jawohl, meine Gebieterin.

Wortlos schaltet T'yla ab. Es war ein hartes Stück Arbeit gewesen, die Bewohner des Planeten auf ihre Seite zu bringen. Mehrere Zeitreisen und ausgefeilte Intrigen waren dazu nötig. Und damit die Xihdane auch die Notwendigkeit begriffen, Nehgqù-Xuqù zu unterwerfen, mußte T'yla sich obendrein noch als Märchenerzählerin betätigen.

Nun ist die Galaktische Union von Nehgqù-Xuqù eine grausame Tyrannei, die sämtliche Planeten in ihrer Einflußsphäre erbarmungslos unterjocht, während die Hüter des Friedens ihre gnadenlose Polizeitruppe sind. T'yla, die sich auf UN-Xihd sogar den Herrschernamen für die Milchstraße T'yla von Nehgqù-Xuqù zugelegt hat, ist die Vorkämpferin gegen das Übel der Galaktischen Union. Die Xihdane halten sich nunmehr für auserwählt, unter der Führung der rechtmäßigen Herrscherin von Nehgqù-Xuqù, diese Galaxis von dem Bösen zu befreien.

* * *

Die drei Flottenkommandeure der xihdanischen Raumstreitkräfte sind soeben eingetroffen: Keye k'Avenger, dessen Name aussagt, daß er der Kommandant der Avenger-Flotte und des gleichnamigen schweren Kreuzers ist -- ein mittelgroßer Mann mit pechschwarzen Haaren und hellblauen Augen; Daytha, die Kommandantin des Schlachtschiffes Destroyer, mit mittellangem, hellviolettem Haar und dunkelvioletten Augen; sowie Nelcom, der Kommandeur der Dispatcher-Flotte: groß, schlank, dunkelbraune Haare und ebensolche Augen. Alle drei haben die dunkle, rötliche Hautfarbe der Xihdane. Ihnen gegenüber steht T'yla: über einen Kopf kleiner als Nelcom, hellhäutig und zierlich, doch die Kälte im Blick ihrer weltraumschwarzen Augen warnt davor, sie jemals zu unterschätzen.

T'yla: Die Eroberung des anderen Galaxis steht unmittelbar bevor. Die Flotten sind mit dem neuen Energiezapfsystem ausgerüstet und den feindlichen Raumschiffen weit überlegen. Wir starten in 07:03:2226TZ, also in drei Tagen TZ ab jetzt. Ich erwarte, daß die Besetzung der Hauptwelten der Galaktischen Union von Nehgqù-Xuqù reibungslos vonstatten geht. Sollte ein Planet und Flotten entgegenschicken, wird die betreffende Welt vernichtet. Wir können es uns zeitlich nicht leisten, uns mit widerspenstigen Völkern herumzuschlagen, denn unser Ziel heißt ja, die unterdrückten Welten der Union zu befreien. Sobald uns dies gelungen ist, wenden wir uns der ebenso verbrecherischen Gyrdan-Allianz der Nachbargalaxis Gyr-Dao zu. In diesem Sinne -- macht Euch bereit, Kommandeure. Ihr mögt zu Euren Flaggschiffen zurückkehren.

Die drei Flottenkommandanten legen die linke Hand an die Stirn und neigen den Kopf. Dann verlassen sie den Raum. T'yla ruft über die interne Sprechverbindung wieder Jorrit, den von ihr eingesetzten Herrscher über die Xihdane.

T'yla: T'yla von Nehgqù-Xuqù an Jorrit ti Jahaol-Xihd: Bitte kommen!

Prompt erscheint das Konterfei des schwarzhaarigen Mannes in 3D auf dem Schirm.

Jorrit: Jorrit ti Jahaol-Xihd an seine Gebieterin: Ich habe verstanden. Was wünscht Ihr?

T'yla: Schickt einen Mediker zu meiner speziellen Arrestzelle.

Jorrit: Jawohl, meine Gebieterin.

Wieder verdunkelt sich der Schirm auf T'ylas Tastendruck. Sie verläßt ihre Kommandozentrale in dem durch energetische Barrieren abgeriegelten Hauptquartier in JA-Kontix, um in den Arrestierungstrakt zu gelangen. Dort in einer ausbruchssicheren Zelle, hinter einem dreifach gestaffelten Sperrschirm (sicher ist sicher) liegt S'ci Coroun bewußtlos auf einer Liege. Normalerweise hält eine Paralyzer-Betäubung zwischen 10 und 20 Stunden TZ an, zumal, wenn mit Maximum-Intensität geschossen wurde. Diese Zeitspanne läßt sich jedoch mit den sogenannten R-Strahlen oder einem P-Blocker verkürzen. Üblicherweise verzichtet man jedoch auf diese Behandlung, da sie eine hohe Belastung für Herz und Kreislaufsystem bedeutet.

* * *

Als der Mediker, ein mittelgroßer, etwas korpulenter Mann mit irgendwie unpassenden, fliederfarbenen, schulterlangen Haaren, eintrifft, sieht T'yla von ihrem Überwachungsmonitor auf.

T'yla: Da kommt Ihr endlich.

Arrigo(unterwürfig): Entschuldigt, meine Gebieterin. Mediker Arrigo steht Euch zur Verfügung.

Mit ihrem Codegeber desaktiviert T'yla zunächst den äußeren der drei Schirme. Durch ein schweres Schott betreten Arrigo und sie eine Art Schleusenkammer. Nach Reaktivierung des ersten Schildes fallen die beiden gestaffelten Innenschirme. Jetzt können T'yla und der Mediker in das eigentliche Gefängnis gehen. Eigentlich könnte man es fast als Luxus-Suite bezeichnen. T'yla tut halt alles für ihre 'liebe Freundin'... Der Mediker hantiert mit seinen medizinischen Gerätschaften.

Arrigo: Soweit ich es bis jetzt feststellen kann, handelt es sich meines Erachtens um einen schweren Paralyseschock.

T'yla(belustigt): Das weiß ich auch. Ich habe ihn ihr schließlich eigenhändig verpaßt.

Arrigo sucht einige Ampullen scheinbar wahllos aus seiner Medo-Box zusammen und lädt sie in einen Injektor.

(Das ist ein 20cm langer, bleistiftdünner Apparat, dessen pyramidenförmige Spitze einen Hochdruckstrahl der zuvor eingegebenen Medikamente mikroskopisch fein gebündelt verschießt.)

T'yla: Wie lange dauert das noch?

Arrigo(zögernd): Nun, Ihr habt sie mit der höchsten noch nicht tödlich wirkenden Schockladung getroffen...

T'yla: Pech für sie. Ich hatte gefragt, wie lange es noch dauern wird, Mediker.

Er wirft einen Blick auf seine Untersuchungsgeräte. Seit der Injektion sind etwa zwei Minuten TZ vergangen.

Arrigo(unbehaglich): Sie hat die unmittelbare Paralyse überwunden. Da P-Blocker meist nicht problemlos die Blut-Hirn-- und die Blut-Liquor-Schranke passieren können, habe ich ihr einen R-Strahlungsträger injiziert, der die zerebrale Nervenlähmung...

T'yla: Ich wünsche keinen wissenschaftlichen Vortrag, Mediker Arrigo, sondern eine Zeitangabe.

Ihr eiskalt/freundlicher Tonfall jagt Arrigo einen Schauder über den Rücken.

Arrigo: In...in ungefähr zwei Stunden TZ, meine Gebieterin. Sie ist noch sehr schwach.

T'yla(freundlich): Weckt sie auf.

Arrigo(entsetzt): Ich bin Mediker! Ich kann das nicht verantworten. Jemand mit einem derart starken Paralyzerschock könnte bei jeder zusätzlichen Kreislaufbelastung sterben!

T'yla(sanft lächelnd): Ihr braucht es nicht zu verantworten. Ich möchte der Gefangenen ein paar Fragen stellen.

Arrigo: Wenn Ihr mit halber Strahlleistung geschossen hättet, meine Gebieterin... Aber so kann ich es nicht verantworten.

T'yla(immer noch lächelnd): Wenn Ihr meine Handlungen kritisieren wollt, Arrigo, dann weiß ich nicht, ob Ihr jemals noch etwas verantworten werdet.

Eingeschüchtert lädt er den Injektor mit einer Stimulanz. Zum Glück verfügt S'ci als Kara-Amyshica-Mischling über eine ausgesprochen stabile Konstitution, so daß sie auch diese Roßkur unbeschadet übersteht.

T'yla(freundlich): Warum denn nicht gleich so, Mediker Arrigo? Wann wird sie das Bewußtsein wiedererlangen?

Arrigo: In fünf Minuten TZ, meine Gebieterin.

Nach ungefähr dieser Zeitspanne beginnt S'ci sich wieder zu regen.

S'ci(stöhnend): Jeih! Mein Kopf! Da rihh, das ist bestimmt mehr als nur ein Hornissenschwarm...!

Arrigo(überrascht): Sie hat die Behandlung bemerkenswert gut überstanden!

T'yla sieht ihn gelassen an. S'ci verzieht das Gesicht.

S'ci(ächzend): Was heißt hier 'bemerkenswert gut', mein Lieber? Wenn Sie hier der Onkel Doktor sind, dann könnten Sie mir freundlicherweise etwas gegen meine Kopfschmerzen verpassen...!

Der Mediker sieht S'ci zuerst schockiert und dann mitleidig an.

Arrigo(zu T'yla gewandt): Der Paralyzerschock muß ihren Geist verwirrt haben, meine Gebieterin.

Die Friedenshüterin hat ihre Intimfeindin T'yla erspäht. Sie verschluckt sich und bekommt einen Lachanfall. Die Kopfschmerzen sind vergessen...

S'ci(prustend): Oh, T'yla! Über was gebietest du denn, ...Hochwohlgeboren?

Arrigo wendet sich schockiert ab. Ob nun geistig verwirrt oder nicht, auf eine derartige Beleidigung steht die Todesstrafe. T'yla denkt jedoch im Augenblick nicht an Sitten und Konventionen, zweifellos ein schwerer Fehler bei der streng an Etikette gebundenen Mentalität der Xihdane. Sie sieht nur die Gefahr, daß S'ci etwas ausplaudert, das ihr schaden könnte. Diese Idee kommt ihr zwar reichlich spät, aber auch eine T'yla Brit-T'hèr ist (glücklicherweise) nicht unfehlbar. So ist ihre Reaktion entsprechend...

T'yla(scharf): S'ci Coroun, wenn du nicht augenblicklich deinen Mund hältst, dann befördere ich dich hier und jetzt eigenhändig ins Jenseits.

Nun sieht der Mediker T'yla an, als ob diese ebenfalls den Verstand verloren hätte.

Arrigo: T'yla von Nehgqù-Xuqù! Ich bin schockiert über Euer Verhalten.

S'ci(ätzend): Amyshica! T'yla von Nehgqù-Xuqù...! Wo haben Euer Hochwohlgeboren denn diesen Titel her?!

Arrigo(zornig): Das war eine Beleidigung unserer Gebieterin! Dafür werdet ihr liquidiert, S'ci Coroun!

T'yla preßt die Lippen aufeinander. Sie überlegt, wie sie S'ci auf möglichst elegante Art und Weise loswerden könnte.

* * *

In Nehgqù-Xuqù:

STAIE, 'tai khésta' -- 'die Frage' ist auf der Raccis-Vála VI/Amyshica materialisiert, der 'gesperrten Welt auf eigenen Wunsch'. Sie springt zum Tempel des Universums, der sich inmitten der gewaltigen, hellvioletten Traumebene befindet. Der goldene Stern Raccis-Vála strahlt im Zenit des fliederfarbenen Himmels. Heute hat 'die Frage' die Gestalt einer Amyshica-Priesterin angenommen: titandioxidweiße Haut, metallisch dunkelrote Haare, silberblaue Augen und die weiß/silberne Tunika der Priesterinnen des Rates. Sie schreitet die Stufen des Tempels hinunter, bis sie vor dem milchweißen Fünfeck steht, über dem die gewaltige Kugel des Großen Musters schwebt. Eine Hohe Priesterin hält es. Der Geist 'der Frage' berührt den der haltenden asthérys ('Priesterin der dritten Stufe').

STAIE: C'éridhain, ich grüße dich!

C'éridhain: Auch du seist gegrüßt, S'ìlestayka.

STAIE: Ich erbitte das Große Muster in meine Hände.

C'éridhain: Frage oder erhalte.

STAIE: Übergib es mir, ich halte es.

C'éridhain: So sei es denn.

STAIE tritt in den Mittelpunkt des Fünfecks, während die asthérys C'éridhain sha V'yvhain zurückweicht.

'Die Frage' richtet das Große Muster auf das Negativ-Universum aus. Zunächst sieht sie die Unea, dann den 'goldenen Weltraum' -- jetzt rückt das XI-Desda-System ins Blickfeld.

STAIE(seufzend): Ich dachte es mir. Ich muß den Friedesnhütern doch noch ein wenig unter die Arme greifen...

Ihr Geist berührt den der zur Zeit noch bewußtlosen S'ci. 'Die Frage' wartet einige Zeit...

STAIE: Ich glaube, ich sollte noch einmal eingreifen.

Sie informiert die Friedenshüterin unbemerkt über einige wissenswerte Punkte, betreffend die xihdanischen Verhältnisse. Auch Arrigo wird von STAIE kurz berührt. Jetzt ist seine soziale Konditionierung ein wenig gelockert.

Nachdem sie das Große Muster, in das das Universum einbeschrieben ist, noch einmal auf eventuelle Störungen abgetastet hat, übergibt sie es wieder der asthérys C'éridhain sha V'yvhain. Dann springt 'die Frage' zum 2. Mal nach XI-Desda V/UN-Xihd.

* * *

In Jahaol-Xihd:

Plötzlich macht es bei S'ci 'Klick'. Sie durchschaut die verfahrene Situation auf einmal. T'yla, als 'Gebieterin' dieses Planeten hat den Xihdanen zweifelsohne die wildesten Geschichten über die andere Galaxis im 'Normaluniversum' erzählt... Nun gut, sie würde zumindest versuchen, den Mediker ein wenig zu desillusionieren...

S'ci: Arrigo, wißt ihr eigentlich, wer ich bin?

Arrigo: Sicherlich! Ihr gehört zu der grausamen Geheimpolizei jener Galaktischen Tyrannei, die sich ironischerweise auch noch 'Hüter des Friedens' nennt...!

S'ci: So...?! Wißt ihr auch, warum ich hier auf UN-Xihd bin?

Arrigo: Doch sicherlich, weil ihr unsere Gebieterin ermorden wollt!

S'ci: Mal ganz ehrlich, Arrigo, wer will hier eigentlich wen ermorden...?

T'yla hat sich den Dialog zunächst sprachlos angehört. Dann bedenkt sie S'ci mit einem mehr als tödlichen Blick.

T'yla: Halte den Mund, S'ci!

S'ci(grinsend): Schon allein deshalb nicht, weil du mich so freundlich darum bittest, T'yla! -- Seht Ihr, Arrigo, sie ist es nämlich, die stets nach Blut verlangt. Ich bin beauftragt, sie gefangenzunehmen, damit sie nicht noch mehr Unheil anrichten...

Unbedacht stürzt sich T'yla wutentbrannt auf S'ci, doch diese weicht ihrer Gegnerin mühelos aus. Die Stimulanz des Medikers hatte wahre Wunder gewirkt.

S'ci(ruhig): Seht Ihr, Arrigo...

T'yla(auf 180): Du verdammtes Biest! Ich hätte dich schon längst töten sollen!

S'ci: Arrigo... Wir 'Hüter des Friedens' sind keine entsetzliche Polizeitruppe...

Sie duckt sich kurz, um einem wuchtigen Schwinger T'ylas zu entgehen.

S'ci: Wir sind genau das, was unser Name aussagt: Bewahrer des Friedens. Wir verhindern Kriege und bemühen uns, verbrecherische Individuen wie T'yla Brit-T'hèr zu inhaftieren. Leider ist --

T'yla: Du machst alles kaputt, was ich hier aufgebaut habe!

Mit einem gutgezielten Handkantenschlag schlägt sie S'ci zu Boden. Danach muß auch der Mediker dran glauben. Ohne sich noch einmal umzusehen, eilt T'yla aus der Arrestzelle. Sorgfältig errichtet sie hinter sich wieder die Sperrschirme.

* * *

In der Kommandozentrale:

T'yla(eiskalt): T'yla von Nehgqù-Xuqù an Jorrit ti Jahaol-Xihd: Bitte kommen!

Jorrit: Jorrit ti Jahaol-Xihd an seine Gebieterin: Ich habe verstanden. Was wünscht Ihr?

T'yla: Eliminiert meine Gefangene und den Mediker Arrigo.

Jorrit: Jawohl, meine Gebieterin.

Sie schaltet den Televisor ab.

T'yla(anerkennend): S'ci Coroun... -- Dich hätte ich fast unterschätzt.

* * *

In der Arrestzelle ist S'ci gerade wieder zu sich gekommen.

S'ci: Arr! -- Jeih, mein Kopf macht heute auch etwas mit...!

Die rothaarige Friedenshüterin erspäht die Medo-Box von Arrigo. Nach kurzem Suchen findet sie ein Schmerzmittel. Als ihr Kopf wieder klar ist...

S'ci(entgeistert): Da Sol Unea! Entwickele ich mich zu einem Sprachtalent, oder warum konnte ich gerade den Mediker und T'yla verstehen?

Sie versucht, durch angestrengtes Nachdenken herauszufinden, warum sie die Sprache der Xihdane spricht. Da fällt ihr plötzlich etwas ein, das sie in der Hitze des Gefechts gar nicht bemerkt hatte.

S'ci: Da rihh! STAIE hat doch von Jahaol-Xihd und UN-Xihd gesprochen! Und Cosna hatte von STAIE Datenbänder einer Sprache Besetrakhal -- dieser Sprache hier also -- erhalten. Jeih, vermutlich hat STAIE ein wenig nachgeholfen, wie ich 'die Frage' kenne...

Um den letzten Rest an Benommenheit zu vertreiben, schüttelt sie den Kopf. Auf einmal hört S'ci ein Geräusch. Es kommt von dem gestaffelten Sperrschirm, der mit einem leise schwirrenden Singen zusammenfällt.

S'ci: Mal sehen, vielleicht gibt das eine Möglichkeit, hier herauszukommen...

Sie stellt sich so an die Wand, daß sie weder von der Überwachungskamera, noch von dem Schott aus gesehen werden kann. Gar nicht so einfach... Die zentimeterdicke Schleusentür schiebt sich in die Wand. Arrigo liegt immer noch bewußtlos auf dem Boden.

S'ci: Ay, das macht aber keinen guten Eindruck...

In dem engen Schleusenraum stehen vier mit unhandlichen Strahlgewehren bewaffnete Soldaten in mittelgrünen Uniformen. Als der erste die Zelle betritt, verpaßt S'ci ihm einen mörderischen Handkantenschlag, und er geht k.o. zu Boden. Alarmiert versuchen die drei anderen, ihre Gewehre in Anschlag zu bringen. In der engen Schleusenkammer behindern sie sich aber gegenseitig.

S'ci: Nummer eins. -- Tja, wenn ihr nicht derart versessen darauf wärt, mich umzulegen... -- Drei gegen einen ist immer noch unfair...

Sie taucht unter zwei Strahlschüssen hindurch und verpaßt dem linken Mann eine fürchterliche Gerade und dem rechten einen gutgezielten Tritt an eine strategisch ausgesprochen günstige Stelle. Der dritte Mann, der sich hinter den beiden befindet, kann nicht schießen, ohne seine Kollegen zu gefährden, die sich vor ihm zusammenkrümmen. S'ci reißt einem der beiden das Gewehr aus der Hand und versetzt dem Hintermann kurzerhand einen Schlag mit dem Kolben.

S'ci(trocken): Müder Trupp.

Mit einem Plastspray aus Arrigos Mini-Apotheke, das normalerweise zum Schienen von Knochenbrüchen verwendet wird, 'schient' sie die Hand-- und Fußgelenke der Soldaten zusammen. Das Plast bildet eine stabile Röhre um Arme und Beine, wenn es sich verhärtet. S'ci nimmt eines der Strahlgewehre an sich und macht den Rest funktionsunfähig.

S'ci(grinsend): Das ist kein Spielzeug für kleine Jungs...!

Dann sieht sie an sich herunter. Sie trägt immer noch den weißen Overall und die silbernen Stiefel + Handschuhe der Friedenshüter.

S'ci: Verdammt! Manchmal sollte man erst denken und dann verpacken... Ich hätte mir von einem der Herren eine Uniform ausleihen sollen, bevor ich sie so fein säuberlich geschient habe... Jeih, Arrigos Mediker-Dress ist zu auffällig, damit komme ich nicht durch. Außerdem haben die Soldaten so praktische Helme, da könnte ich meine Haare prima unterkriegen... Nur an der Hautfarbe kann ich nichts ändern. SCIT!

Sie setzt sich auf die Liege und denkt nach.

S'ci: Wenn das eine Arrestzelle -- oder Suite -- ist, dann dürfte ja wohl ein Wachposten vor der Türe stehen, oder?

S'ci nimmt dem kommandierenden Offizier des Trupps den Codegeber ab. Vorsichtig desaktiviert sie den Sperrschirm, und noch vorsichtiger späht sie aus der Zelle hinaus. Links neben dem Eingang befindet sich nur ein einzelner, gelangweilter Wachposten.

S'ci: Glück muß der Mensch haben!

Sie stellt das erbeutete Gewehr auf Paralyse um und betäubt den ahnungslosen Mann. In rasender Eile zieht sie sich um.

S'ci: Mist, die Uniform ist mindestens zwei Nummern zu groß! Außerdem gefällt mir die Farbe nicht...

Ihre eigene Kombination zerstrahlt die Friedenshüterin zu einem flüchtigen Molekülwölkchen. Kopfschüttelnd mustert sie den bewußtlosen Posten.

S'ci: Sogar die Unterwäsche von dem Kerl ist grün... Und das bei der Hautfarbe!

Sie schiebt den nunmehr nur noch leichtbekleideten Wächter unter ihre Liege.

S'ci: Vielleicht verschafft mir das einen kleinen Vorsprung? Sicherlich nicht... Der Typ fehlt ja vor der Türe... -- Aber was soll's? Ordnung muß sein...

Nachdem S'ci auch noch ihre strahlendroten Haare unter dem Helm verstaut hat, macht sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Raumfahrzeug, um UN-Xihd zu verlassen.

* * *

In Nehgqù-Xuqù:

An Bord der Terra schaut Senic den jungen Kommandanten überrascht an.

Senic: So? Du weißt, wie wir ins Negativ-Universum kommen?

Fyu: Heavens, warum habe ich nicht gleich daran gedacht!

Senic: Wenn man Materie mit Antimaterie in Kontakt bringt, gibt das meines Wissens stets eine hübsche Explosion, Jüngelchen. Und wir bestehen nun einmal aus 'positiver' Materie...

Fyu: Das Transmit-System entmaterialisiert positive Materie und läßt sie ebenfalls wieder positiv auftauchen. Wenn wir nun aber den Hydi-Impuls vor der Rematerialisation umpolen...

Senic: Beim Schwarzen Loch im Sternbild Schwan! Ich glaube, da hast du den Treffer gelandet!

Fyu: Also, auf geht's in die zweite Bastelrunde. Marn, Senic, kommt mit!

Rûn läßt sich wieder schmollend auf dem Platz der RÜ nieder, während Fyu, gefolgt von Senic und Marn, aus der Zentrale stürmt.

Etwas später:

Senic: Fyu, bist du soweit?

Fyu: Noch zwei Kontakte. Test auf Alpha 7 und My 23.

Senic beugt sich über seine Meßsonde.

Senic: Positiv -- positiv. Ich glaube, wir sind fertig.

Fyu: Fast. Marn, hast du die Speicher eingebaut?

Marn: Alles klar. Test positiv.

Der weißblonde Antlunarier Marn befestigt die Abdeckung der Schaltkarte für das Transmit-System der Sonde. Dann nickt er Fyu zu.

Marn: Die Programmierung ist überprüft. Der Kurscomputer ist auf die Unea eingestellt -- genauer: ein paar Lichtminuten hindurch.

Die Sonde wird von der Terra abgesetzt und beschleunigt in Richtung Unea. Kurz darauf wird sie vom Mahlstrom der Anti-Sonne verschluckt.

Rûn: Weg ist sie.

Fyu: Und jetzt heißt es abwarten...!

Nervös trommelt er mit den Fingern auf der Armlehne seines Pilotensitzes herum.

* * *

In Jahaol-Xihd:

Auch Arrigo ist wieder zu Bewußtsein gekommen. Er sieht die vier sanft und selig schlummernden Soldaten, die von S'ci auf so ungewöhnliche und wirkungsvolle Art und Weise ausgeschaltet worden sind.

Arrigo: Beim Alten Volk von Férányd! Dieses Mädchen scheint ja nicht schlecht zuzuschlagen. Ich wundere mich nur, warum sie uns nicht alle getötet hat. Oder sollte an der Geschichte dieser S'ci Coroun tatsächlich etwas dran sein?

Er zuckt mit den Schultern und muß feststellen, daß T'ylas Schlag auch nicht von schlechten Eltern war. Stöhnend reibt er sich die schmerzende Stelle. Als Arrigo feststellt, daß S'ci es unterlassen hat, den Sperrschirm zu reaktivieren, entschließt er sich, sicherheitshalber die Arrestzelle zu verlassen, da ihm T'yla mit hoher Wahrscheinlichkeit nach dem Leben trachtet. Sonst hätte sie ihn nicht k.o. schlagen brauchen.

In Windeseile verbreitet sich das Gerücht, daß T'yla nicht unbedingt am Wohl jener anderen Galaxis interessiert ist. Daran ist allerdings STAIE nicht ganz unschuldig, da sie auch noch mithilft. Nun tauchen obendrein Vermutungen auf, daß T'yla die Flotten der Xihdane in eine Falle locken wollte.

Diese befindet sich bereits auf dem Weg zu ihrem geheimen Hangar im Gebirge TU-Taiuun, wo sich die IF befindet. Jorrit ti Jahaol-Xihd, T'ylas rechte Hand, hat sich im Hauptquartier in JA-Kontix verbarrikadiert, um ihr die Flucht zu ermöglichen. Ein Teil der Soldaten hat sich ihm angeschlossen.

Unterdessen ist Arrigo zu Teryann gestoßen, einer Untergrundkämpferin, die sich schon von je her stets gegen eine Beeinflußung UN-Xihds durch fremde Kräfte von Außerhalb -- in diesem Falle T'yla -- gestellt hat. Nach dem, was der Mediker ihr mitgeteilt hat, gibt es für Teryann und ihre Truppen kein Halten mehr.

Sie versuchen, T'ylas HQ zu stürmen. Mit der großen Strahlkanone, die einige abtrünnige Wissenschaftler für Teryann gebaut haben, beschießen sie den Eingang des Hauptquartiers.

Jorrit versucht, dies zu unterbinden, indem er die Kraftwerke der Stadt JA-Kontix abschalten läßt. Dadurch wird jedoch nur ein Chaos in der Metropole verursacht, während die Kanone von Teryann & Co. dank ihrer eingebauten, leistungsfähigen Speicherzellen autark ist. Endlich ist der Eingang aufgeschmolzen. Doch jetzt geht es nicht weiter, weil Jorrit und seine Leute in aller Eile einen Schildgenerator aufgebaut haben, der die Innenzelle des HQs mit einem Schutzschirm absperrt. Mit Teryanns einzelner Strahlkanone ist da kein Durchkommen, also muß die Chefin der Untergrundkämpferin anders vorgehen. Sie ruft die Kommandeure der drei Raumflotten, die sich bis jetzt aus den Kämpfen herausgehalten haben.

Auf dem Monitor der Funkanlage sieht Keye k'Avenger das Gesicht einer energischen Frau Anfang dreißig, mit schulterlangen, türkisfarbenen Haaren und blaugrünen Augen. Über ihrem linken Ohr hat sie einen langen, schmalen, feuerroten Stoffstreifen befestigt, der lose herunterhängt.

Teryann: Teryann an die Flottenkommandanten: Seid Ihr über das derzeitige Geschehen informiert?

(Als Gesetzloser steht Teryann kein formeller Titel zu.)

Keye: Hier spricht Keye k'Avenger. Ich habe über Funk mitgehört und kann die Geschehnisse nicht billigen. Wir haben eine Verpflichtung gegenüber T'yla von Nehgqù-Xuqù. Meine Flotte wird nicht eher eingreifen, als bis die Angelegenheit geklärt ist.

Daytha: Daytha k'Destroyer -- ich schließe mich Keye k'Avenger an.

Nelcom: Nelcom k'Dispatcher -- ich stimme ebenfalls dem Kommandanten der Avenger zu.

Teryann: Ist dies Euer letztes Wort?

Keye: Wartet, Teryann! -- Was habt Ihr zu berichten, Wiard m'Avenger?

Der Raumüberwachungsoffizier des Flaggschiffes macht eine knappe Respektsbezeugung.

Wiard: Ich habe soeben ein fliehendes Raumschiff gescannt. Es handelt sich einwandfrei um die Invincible Fighter der T'yla von Nehgqù-Xuqù.

Daytha: Ihr sagtet ein 'fliehendes Schiff', Wiard m'Avenger?

Wiard: Es besteht kein Zweifel, Daytha k'Destroyer.

Daytha(ungläubig): Das ist so gut wie ein Schuldbekenntnis! Anbetracht dieser Entwicklung gebe ich meine Neutralität auf und schließe mich Euch an, Teryann.

Angesichts dieser Tatsache entscheiden sich auch Keye und Nelcom gegen T'yla und verbünden sich mit der Widerstandskämpferin.

* * *

S'ci ist ungefähr zur gleichen Zeit wie Arrigo aus T'ylas Hauptquartier entkommen. Mit dem Codegeber des Soldatenanführers hat sie einen Robotgleiter herbeordert, der sie auf Staatskosten -- bei dem Gedanken muß sie breit grinsen -- zum Raumhafen chauffiert. Jetzt versucht sie, ein startklares Kleinraumschiff zu finden, mit dem sie sich zunächst einmal aus dem Staub machen kann. Der erste brauchbare Raumer ist von Soldaten umlagert. S'ci will es nicht darauf ankommen lassen, entdeckt zu werden, und so marschiert sie zielbewußt ohne Ziel weiter...

S'ci: Jeih, wo haben die hier bloß die Hangars untergebracht? Wohl unterirdisch -- pardon, unterxihdanisch...!?

Plötzlich erblickt sie, wie sich eines der seltsam aussehenden Gebäude wie eine Blüte entfaltet. Die Wände versinken in Öffnungen des Bodens, und ein Antigrav-Schlepper befördert ein kleines Raumfahrzeug auf das Landefeld.

S'ci: Ceena id th'rayn! Da sind die Schiffe also! Jeih, diese ...Dinger habe ich für Depots gehalten!

Kurzentschlossen steuert sie auf einen der deltoiddodekaederförmigen (man entschuldige den Zungenbrecher, aber die Dinger sehen wirklich so aus!) Hangars zu. Eines dieser zartblau getönten Gebäude wirkt relativ unbeachtet.

S'ci: Na, vielleicht finde ich hier, was ich suche!

Den Eingang öffnet der Codegeber problemlos. Ein einzelner Mini-Raumer steht in der Hallenmitte. S'ci eilt sofort zu dem Schiff.

S'ci: Mal sehen...

Hinein kommt sie ohne Schwierigkeiten. Auch die Instrumente sind ihr einigermaßen verständlich.

S'ci: Fast wie ein Spacefighter der Cyrean Forces -- die Kiste dürfte also sogar zu fliegen sein! So... Kurzer Check... Sol Cireella Idaehiz-Tizild! Das Triebwerk ist defekt! Deshalb hat sich keiner um das Schiff gekümmert. Vheicet da rihh!

Der letzte Fluch bezieht sich auf die Ingenieure, die sich noch nicht um die Reparatur des Kleinraumers gekümmert haben.

S'ci(leicht frustriert): Also weiter suchen... Vielleicht sollte ich mich auf das Landefeld begeben. Unter Umständen könnte ich da einen funktionsfähigen Raumer finden.

* * *

Inzwischen hat Keye, Kommandant der Avenger, T'ylas HQ mit den schweren Schiffsgeschützen aus der Landschaft entfernt.

Dort, wo es stand, brodelt nun ein glühender Lavasee, der einen wahrhaft ergötzlichen Anblick bietet. Auf die Verfolgung der IF verzichten die Flottenkommandanten, da die Invincible Fighter faktisch ein 'unbesiegbarer Kämpfer' ist.

* * *

Im südlichen Teil des Raumhafens, wo sich auch die Kontrolltürme befinden, entdeckt S'ci endlich, wonach sie die ganze Zeit gesucht hat: einen hübschen, handlichen, kleinen Einmann--(bzw. Einfrau-)Raumjäger, der anscheinend sowohl funktionsfähig als auch noch unbesetzt ist. Es bleibt ihr nur noch die ungedeckte Strecke von einigen hundert Metern, die sie überwinden muß.

S'ci: Jeih! -- SCIT! hier hat Wachpersonal offensichtlich nichts zu suchen... Was mache ich jetzt? Ay, ich muß mir wohl wieder eine neue Uniform besorgen. Hoffentlich nicht nochmal eine grüne...

Die Friedenshüterin überlegt noch, wie dies am besten durchzuführen wäre, als ihr die Lösung in Form eines Jäger-Piloten über den Weg läuft. S'ci versteckt sich hinter der sichtgeschützten Ecke eines Hangars, an dem der Pilot vorbeikommen wird.

Des einen Glück ist des anderen Pech, und so schickt sie den Piloten -- die Pilotin, wie sie gerade bemerkt -- auch noch mit einem Karateschlag ins Land der Träume.

Jetzt in einem hellbraunen Raumanzug mit weinroten Stiefeln und einem goldverspiegelten Helm auf dem Kopf, marschiert S'ci gemächlich zu dem wartenden Kleinraumschiff. Es gelingt ihr tatsächlich, unbehelligt an Bord zu gehen. Der Systemcheck zeigt ihr, daß das Schiff okay ist. Ohne auf die Anrufe der Bodenstation zu achten, startet S'ci mit maximaler Beschleunigung. Der Diensthabende der Bodenstation des Sektors JA-Kontix-12 benachrichtigt Keye k'Avenger. Ohne Zögern erteilt der Kommandant der Avenger-Flotte den Befehl, das fliehende Raumschiff zu eliminieren.

* * *

In Nehgqù-Xuqù:

Die Sonde, die von Fyu & Co. ausgesetzt worden ist, kehrt tatsächlich unbeschädigt zurück.

Fyu: Also könne wir es wagen! Ich setze den Kurs ins Negativ-Universum!

Senic: Stop! Kommando zurück! Wir dürfen nichts überstürzen. Zunächst müssen wir die Meßdaten der Sonde auswerten.

Fyu: Was gibt es denn da noch groß auszuwerten? Die Sonde ist ganz wieder zurückgekommen, und S'ci ist vielleicht in Lebensgefahr!

Senic(ärgerlich): Fyu, also ich glaube, seit du S'ci kennst, hast du nicht nur dein Herz verloren, sondern auch noch deinen Verstand!

Fyu: Darf man sich etwa keine Sorgen mehr machen?

Senic: Solange du damit nicht dich selbst oder andere gefährdest, C.T-S'cèr junior!

Fyu(kleinlaut): Okay, Senic...

Marn: Sei beruhigt, Fyu, der Comp hat die Auswertung fertig.

Der Antlunarier liest überrascht die Werte ab.

Marn: Laut Comp herrschen im Negativ-Universum im großen und ganzen die gleichen Verhältnisse wie hier!

Rûn: Das verstehe ich nicht.

Fyu: Na klar! Das Transmit-System hat die Sonde doch umgepolt!

Senic: Jetzt fragt sich bloß, ob die Zeitebenen synchron sind.

Marn: Die Sonde zeigt diesbezüglich keine Probleme auf.

Senic: Nun gut. Ich glaube, dann kann ich wohl grünes Licht für den Start in die unbekannten Gefilde des negativen Universums geben...

Die Terra macht sich auf den Weg. Ganz wohl ist es der Crew nicht zumute, als ihr Raumschiff in die wirbelnden Materieströme der Anti-Sonne eintaucht, die glühend in die Unea stürzen. Kurz bevor die Terra die kritische Entfernung überschreitet, löst der Kurscomputer den Transmit-Vorgang aus.

In 0.2pc Entfernung von der Unea befindet sich ein kleiner K9-Stern mit zwei Planeten. Am Rande dieses Sonnensystems taucht die Terra wieder aus dem T-Raum auf.

Rûn: Wo sind wir hier gelandet?

Der kleine, dunkelhaarige FlIng sieht sich staunend das Bild des Direktsichtschirms an.

Marn(trocken): Offensichtlich im Negativ-Universum.

Rûn: Ach nee...!?

Fyu: Drinnen sind wir. Aber was nun? Wo fangen wir an zu suchen?

Rûn: Ich habe ein Schiff auf der RÜ.

Fyu: Identifikation?

Rûn: Sávhi - Kennung: Invincible Fighter, IF.

Marn: Kursextrapolation: Ausgangspunkt -- ein Sonnensystem bei 2h19mREK/-69:03:57DEK --4pc in bezug auf die Unea. Zielpunkt Unea.

Im goldenen Weltraum des Negativ-Universums sieht die Eis-Sonne noch unwirklicher aus, als im Normaluniversum. Ein Ball aus eiskaltem, silbrig/blauem Licht mit einer schimmernden, weiß/silbernen Aureole. Interessanterweise fehlt in Jahaol-Xihd der buntleuchtende Materiering.

Rûn: Die IF ist soeben transmittiert.

Fyu: Verdammt! Dann bleibt uns nur nachzusehen, von wo die IF gestartet ist. Vielleicht gibt uns das einen Hinweis, wo sie S'ci dieses Mal hingeschleppt hat.

Senic: Woher willst du wissen, daß S'ci noch an Bord ist?

Fyu: Glaubst du etwa, sie kann T'yla entwischen?

Senic: Ehrlich geagt, Fyu, ich traue deiner lieben Team-Partnerin so ziemlich alles zu.

Fyu: Ich weiß nicht... S'ci ist gut, zugegeben, aber T'yla ist doch eine Nummer zu groß für sie...!

Senic(leise lachend): Das sagst du nur, weil T'yla dir auf jeden Fall eine Nummer zu groß ist... Die gekränkte Eitelkeit des C.T-S'cèr junior...!

Fyu: Pah! -- Marn, setze bitte den Kurs auf das betreffende System.

Rûn: Die Sonne ist ein A2-Stern mit fünfzehn Planeten -- Soviel kann ich per Fernortung erkennen.

Marn: Kurs ist gesetzt.

In Nullzeit erreicht die Terra das XI-Desda-System.

Fyu: Na, Rûn, was sagt die RÜ?

Rûn: Planet fünf scheint bewohnt zu sein! Energieausbrüche in der Atmosphäre, Explosionen auf den Kontinenten... Das sieht mir verdächtig nach einer Art Krieg aus.

Fyu: Also Arbeit für uns... Hm, vielleicht mußte T'yla fliehen, dann könnte S'ci tatsächlich da unten sein...!

Rûn: Die Daten der RÜ gehen direkt an den Comp.

Marn: Auswertung -- Das scheint eine Art Bürgerkrieg zu sein. Wahrscheinlichkeit 73 Prozent.

Rûn Helind starrt angestrengt auf die Überwachungsmonitore. Die Ausschnittsvergrößerung hat eine größere Metropole eingefangen.

Rûn: Ich kann in dieser Riesencity da unten mehrere vernichtete Gebäude erkennen. Die scheinen ziemlich wild in der Gegend herumzuballern. -- Heavens, das geht doch nicht!

Fyu: Hm? Was?

Rûn(empört): Das ist doch kein fairer Kampf!

Fyu: Was?

Rûn: Da machen drei schwere Kreuzer Jagd auf einen Raumkreuzer!

Fyu: Das ist wirklich unfair. Können wir es wagen, uns mit den Kreuzern anzulegen?

Rûn: Aber nur, wenn wir mit AsVA-Kombi-Schild arbeiten. Ohne Ortungsschutz würde ich mich nicht in die Nähe dieser Kampfraumer wagen... -- Ich habe die Kraftstationen der drei Schiffe anmessen können -- sie sind nicht halb so gut abgeschirmt wie unsere -- ich befürchte, mit ihrer Feuerkraft könnten die sogar unseren SETA-Kombi-Schild neutralisieren. Dieser Kleinraumer hat überhaupt keine Chance. So wie ich das sehe, ist der in ein paar Minuten erledigt...

Senic: Fyu, ich sehe es dir an der Nasenspitze an -- du willst das Minischiff das raushauen?!

Fyu: Was dachtest du denn? Vielleicht kann uns der Pilot etwas berichten Er wäre uns bestimmt dankbar, daß wir ihn gerettet haben und wird uns eher ein paar Dinge erzählen.

Senic(skeptisch): Wenn wir eine Verständigungsbasis finden.

Fyu: Abwarten.

Rûn: Fyu! Wir müssen uns beeilen! Die Kreuzer versuchen, das Schiffchen in die Zange zu nehmen! -- Oh! -- Das ist ja unwahrscheinlich...

Fyu: Was?

Rûn(fassungslos): Der Pilot dieses Kleinraumers -- der ist einfach super...! Er hat zwei der Kreuzer so ausmanövriert, daß sie Mühe hatten, einer Kollision zu entgehen. Jetzt nimmt er Kurs auf die Sonne...

Senic: Vermutlich versucht er, die Gravitation des Sterns zur Beschleunigung zu verwenden. Gerissener Bursche, kann ich da nur sagen.

Rûn: Die Kreuzer geben die Verfolgung nicht auf. Sie sind zwar nicht so wendig wie der Raumjäger, besitzen aber weitreichende Geschütze. Ich behaupte, sogar Pete hätte bei dieser Jagd kaum eine Chance...

C.Pete T-S'cèr, Fyus Pflegevater, ist einer der anerkannt besten Piloten innerhalb der Galaktischen Union.

Fyu: Wir könnten doch die Bahn des Minischiffchens schneiden und ihn mit einem TRAST-Feld einfangen. Dann bringen wir uns vor den Kampfraumern in Sicherheit. Am besten springen wir zu dem Sonnensystem, in dem wir vorhin materialisiert waren.

Senic: Erst einmal den Jäger fangen, Fyu...!

Marn: Ich habe einen Anflugkurs programmiert. Mit dem AsVA-Kombi sollte es ein leichtes Spiel für uns werden.

Rûn: Na, das wird aber eine hübsche Überraschung für die Kreuzerkommandanten sein, wenn sich ihre Beute plötzlich in Wohlgefallen auflöst...!

Er blickt wieder auf den Ortungsschirm.

Rûn(anerkennend): Beim Zentrum der Milchstraße! Der Jägerpilot hat mit einem Manöver gleich alle drei Kreuzer an der Nase herumgeführt. Die Leute von den Kampfraumern müssen ja Komplexe kriegen...!

Senic: So, jetzt kommt dein Auftritt, Fyu!

Fyu: Wenn einer das Schiffchen einfängt, dann ich. Marn, TRAST-Feld klar machen. Rûn, RÜ-Direktübertragung. Senic, an den Computer. Versuch eine Kursextrapolation für den Raumjäger zu erstellen.

Sofort eilen alle auf ihre Positionen.

Fyu: Mit Vollschub hinter den Raumern her!

Senic(kopfschüttelnd): Fyu, da ist nichts mit Kursextrapolation! Der Pilot fliegt absolut exotische Manöver -- da kommen weder ich, noch der Computer, noch die drei Kreuzerpiloten mit...

Fyu: Hm. Also werde ich mich wohl auch meine Intuition verlassen dürfen...

Senic(belustigt): Sonst sagst du doch immer, Intuition wäre eine weibliche Eigenschaft...

Fyu: Pah! Wenn der Pilot nicht so gut wäre, würde ich sagen, da ist bestimmt eine Frau am Steuer... Völlig unberechenbar... Naja, wir haben immerhin den Vorteil, unsichtbar zu sein.

Rûn: Die schweren Kreuzer sind hinter uns -- vorsicht, daß wir keinen Zufallstreffer abbekommen! Der Jäger ist vor -- verdammt, jetzt sind wir vorbei! Der Jäger hat um 180 Grad gedreht und somit Gegenschub gegeben... Er fliegt in einem 60 Grad-Winkel sonnenwärts aus der Ekliptik raus...105 Grad zum vorigen Kurs, tangential an der Bahn des achten Planeten vorbei...

Fyu: Heavens!

Senic: Treffender Kommentar... Hast du eine Idee, Jüngelchen?

Fyu: Wir transmittieren solange hinter diesem Hüpfer her, bis wir ihn in Reichweite haben! Wir müssen uns nur die Bemühungen der Kreuzer ansehen, und vermuten, was der Jägerpilot machen wird...

Marn: Viel Spaß.

Rûn: Was machst du, Fyu? Hier ist weit und breit weder ein Kreuzer, noch der Jäger!

Fyu: Also viel Platz für das Schiffchen, um zu manövrieren. Ein paar Lichtminuten von uns entfernt liegt der elfte Planet mit seinen 34 Monden. Ein ideales Versteck, würde ich behaupten...

Marn: Ja, mit einem Kleinjäger könnte man da durchaus ein Schlachtschiff abhängen. -- Wo es hier ja leider keinen Asteroidengürtel gibt...

Fyu: Was heißt hier leider? Mit dem Piloten würde ich mich nicht auf ein Asteroidenspringen einlassen!

Die Terra geht auf Warteposition.

* * *

Unterdessen ist Keye, Kommandant der Avenger, mehr als nur ein bißchen wütend. Es ist ihm völlig unverständlich, wie ein einzelner Raumjäger drei schweren Kreuzern derartige Probleme machen kann. Auch Beltam und Utaya, die beiden anderen Commander, verstehen die Welt nicht mehr.

Beltam: Beltam c'Urlìra an Keye k'Avenger. Könntet Ihr mir verraten, wen wir eigentlich verfolgen? Je länger sich diese Jagd hinzieht, um so mehr hege ich den Verdacht, daß sich kein Mensch an Bord der Spa'ìro befindet...

Keye(kopfschüttelnd): Die Kontrollstelle meldete mir lediglich, daß ein Raumjäger entwendet wurde. Ihr kennt das Gesetz in diesem Falle, daß das betreffende Schiff mitsamt Besatzung unverzüglich zu eliminieren ist...

Utaya(sarkastisch): Nur scheint mir das Urteil in ...diesem Fall nicht so leicht zu vollstrecken sein. Und schon gar nicht unverzüglich...

Keye: Es hat den Anschein, Utaya c'Virqù. Wir dürfen es aber nicht zulassen, daß uns die Spa'ìro entkommt. -- Wenn es einem Piloten gelingt, könnte das der Auftakt für weitere dieser dreisten Diebstähle sein...

Utaya: Ich bezweifle jedoch, daß es uns gelingen wird, den Jäger zu eliminieren. Der Pilot der Virqù versucht sein Möglichstes.

Keye: Ehrlich gesagt, ich bin mir auch nicht mehr so sicher. Selbst Tardom v'Avenger, mein erster Pilot, ist verzweifelt... Dennoch werden wir die Verfolgung nicht aufgeben!

Beltam und Utaya stimmen ihm zu. Also versuchen die drei schnellen Kreuzer Avenger, Urlìra und Virqù weiterhin, der Spa'ìro auf den Fersen zu bleiben.

* * *

Derweil hat Fyu anscheinend auf das richtige Manöver gesetzt. Die Spa'ìro nähert sich in einem dreidimensionalen Zickzack-Kurs dem elften Planeten, einem Gasriesen von 1.45-facher Jupitergröße. In Reichweite des TRAST-Feldes der Terra geraten, hängt die Spa'ìro nun fest wie eine Fliege im Spinnennetz.

Keye & Co. sind zunächst leicht verblüfft, dann frohlocken sie. Die Spa'ìro wäre somit erledigt...

Irrtum. Kaum nehmen die drei schweren Kreuzer Kurs auf den Raumjäger, der nun keine Kapriolen mehr vollführt, als er auch schon verschwindet, als ob ihn der Weltendrache verschluckt hätte. "Scheiße...!" ist noch der gepflegteste Kommentar, den Keye dazu abgibt. Beim Versuch, den Rest wiederzugeben, hätte sich das Papier vor Scham rot gefärbt.

* * *

Die Terra hat sich mit ihrer Beute zu dem System des kleinen K9-Sterns abgesetzt. Nun überlegt sich der Kommandant der Terra wie er am besten in den fremden Raumer gelangen könnte.

* * *

Aus S'cis Sicht sieht das Ganze noch etwas anders aus. Sie befindet sich auf der Flucht vor den drei Kreuzern, denen der Anblick des Raumjägers als zusammenhängendes Gebilde aus Atomen nicht ganz zu gefallen scheint. Zumindest sind sie schwer bemüht, die Spa'ìro sorgfältig zu zerlegen. Nichtsdestotrotz hat S'ci ihren Spaß bei der lebensgefährlichen Flucht. Endlich kann sie wieder einmal zeigen, was es heißt, von dem cariccianischen Meisterpiloten C.Acq-Mar ausgebildet worden zu sein.

S'ci: Schade, daß ich die blöden Gesichter dieser xihdanischen Möchtegern-Flieger nicht sehen kann...!

Sie steuert den Jäger in die nächste Kehre.

S'ci(grinsend): Ay, sind diese schweren Kreuzer schwerfällig -- ob die Bezeichnung daher rührt?

Sie versucht sich am Kopf zu kratzen, was ihr aber aufgrund des geschlossenen Raumhelms nicht ganz gelingt...

S'ci: Da rihh! Was findet Fyu an Raumanzügen bloß so toll? Ein Seeva-Feld ist doch viel praktischer! Das paßt sich stets perfekt an, man hat viel mehr Bewegungsfreiheit...

In einem desaktivierten Monitor sieht sie ihr Spiegelbild und verzieht das Gesicht -- was man allerdings hinter dem goldglänzenden Visier nicht erkennen kann.

S'ci: Jeih, mit diesem Helm sehe ich aus wie ein Gespenst -- oder wie so ein Astronaut aus den Anfangstagen der bemannten Raumfahrt...

Unerwartet wird der Raumjäger von einem Fesselfeld ergriffen.

S'ci(verblüfft): Was ist? SCIT! Ich hänge fest! -- Arr, da rihh! Haben die mich doch noch erwischt... Verdammt, aber einmal mußte ich das Spiel verlieren...

Die Friedenshüterin liest die RÜ-Daten ab.

S'ci(entgeistert): Amyshica! Keine Anzeige! Also ein abgeschirmtes Schiff... Sol Cireella Idaehiz-Tizild! Soweit ich weiß, haben die Xihdane nichts, was unserem AsVA-Kombi-Schild entspricht... Amiréna Fur'ráan! Das heißt also, daß T'yla mich eingefangen hat. Beim Trümmerring von Blexann, das nenne ich vom Regen in die Traufe... Oder es sind andere Negativ-Universler, die über einen entsprechenden Ortungsschutz verfügen... Wie auch immer, wenn irgendwer versucht, hier reinzukommen wird er oder sie einen heißen Empfang erleben...

Sie geht hinter der Funkkonsole in Deckung und schaltet den Strahler auf Paralyse um.

S'ci: Wer mich besuchen will, der wird erst einmal für ein Weilchen schlafen gelegt...!

Sie zielt auf die Schleusentür in der rückwärtigen Wand und wartet. Stille... Dann -- ein Geräusch von der Schleuse!

* * *

Ungeduldig steht Fyu im Raumanzug -- er hat sich immer noch nicht dazu entschließen können, das Seeva-Feld der Friedenshüter zu benutzen -- in der Schleuse und wartet auf Marn, der den handlichen Strahlschneider besorgt.

Fyu: Marn, wo bleibst du denn?

Marn: Bin schon da.

Fyu: Mal sehen, ob wir den Strahlschneider brauchen. Ich hoffe ja, daß wir auch so in das Schiffchen hineinkommen.

Er aktiviert seinen SETA-Kombi-Schild, der ihn vor etwaigen Unfreundlichkeiten in Form von Todes-- und ähnlichen Strahlen bewahren soll, mit denen ihn der Pilot eventuell empfangen könnte. Man weiß ja nie, was hinter den Schleusen eines fremden Raumers alles lauern kann. Er stößt sich von der immer noch unsichtbaren Terra ab und schwebt auf den wenige hundert Meter entfernten Raumjäger zu. Rûn und Marn folgen ihm in kurzem Abstand, während Senic in der Terra verbleibt und das ungeliebte Raumüberwachungspult bedient. Er sieht, daß Fyu gerade die Spa'ìro erreicht hat und sich am Öffnungsmechanismus der Schleuse zu schaffen macht.

Fyu: Das ist ja simpel! Die kriegt man auch ohne Gewalt auf. Marn, du kannst das Schneidegerät behalten.

Nach ein paar Schaltungen gleitet das Schott auf. Der dahinter liegende Schleusenraum ist einem Kleinjäger entsprechend ebenfalls klein.

Fyu: Marn, Rûn, ihr müßt wohl draußen bleiben...

Rûn: Das finde ich aber nicht gut.

Marn(besorgt): Und wenn dich der Pilot des Schiffchens erledigt?

Fyu(grinsend): Dann dürft ihr mich rächen! -- Aber, keine Angst, Freunde, ich trage eine SETA-Kombi-Schild.

Senic(warnend): Nur nicht leichtsinnig werden, Jüngelchen!

Fyu: Keine Sorge, Senic!

Er betritt das Schiff. Nachdem das äußere Schott sich geschlossen hat, gleitet das innere auf, und Fyu sieht sich einem schußbereiten Strahler gegenüber. 'Der' Pilot trägt einen hellbraunen Raumanzug, weinrote Stiefel, Handschuhe und Gürtel, sowie einen goldverspiegelten Raumhelm.

Fyu: Äh, hallo...!

Der automatische Frequenzsucher stellt S'cis Funkfrequenz augenblicklich auf die ihres Team-Partners ein. Fyu hört zuerst einen saftigen Fluch...

S'ci: Da rihh! -- Fyu!

Dieser ist restlos fassungslos.

Fyu: Was ist los?! -- S'ci?! -- S'ci!

Die rothaarige Friedenshüterin setzt ihren Helm ab. Fyu auch.

S'ci: Was findest du bloß an Raumanzügen so toll?

Sekundenbruchteile später liegen sie sich in den Armen. Marn und Rûn haben Fyus 'Entdeckung' per Funk mitgehört.

Rûn: Komm schon, Marn, wir werden hier nicht mehr gebraucht!

Marn: Sieht so aus...!

Wenig später kehren auch S'ci und Fyu zur Terra zurück.

S'ci: Ay, Fyu, ich bin vielleicht froh, daß du es warst...! -- Ich habe schon mit irgendeinem schleimtriefenden Tentakelwesen oder so gerechnet...

Senic: Sag mal, Mädchen, wer hat dir eigentlich den Flugunterricht verpaßt? Solche Manöver wie du ist nicht einmal Pete in seinen besten Jahren geflogen...!

S'ci: Unser Superpilot C.Acq-Mar ist 'schuld'... -- Aber jetzt was anderes: Wir müssen unbedingt die IF mit T'yla kaschen! Jee... Obwohl es diesmal nicht ganz so tragisch ist, wo ich die Gefahr einer Invasion aus dem Negativ-Universum ja gebannt habe...

Fyu(entgeistert): Was hast du?

S'ci: Jeih, T'yla hat versucht, die Leute von UN-Xihd dazu aufzustacheln, die Hauptwelten der Galaktischen Union zu erobern. Mit Glück -- respektive STAIEs Hilfe, wie ich vermute -- ist es mir gelungen, T'ylas Pläne dorten im Negativ-Universum komplett zu durchkreuzen.

Senic(feixend): Was sagtest du, Fyu? T'yla wäre eine Nummer zu groß für S'ci?

Fyu: Ä-hem...!

Senic: So, S'ci -- wie wäre es mit einem Kurzreport über deine Abenteuer im N-U?

S'ci: Sofort! -- Das heißt, nicht ganz sofort...

Nachdem sie sich frisch gemacht, umgezogen und gegessen hat, erzählt S'ci die Story komplett, angefangen mit der Entführung durch T'yla.

S'ci: Ay, tai séda -- Das war's. Und jetzt bin ich erst einmal rechtschaffen müde. Aber bevor ich zu Bette gehe, möchte ich noch gerne erfahren, wie du durch die Unea gekommen bist, Fyu.

Fyu: Ganz einfach. Transmit-System mit Hydi-Energie laden und das betreffende Objekt vor der Rematerialisation umpolen.

S'ci(anerkennend): Wow! Nur darauf kommen muß man...!

Fyu: Tja...

S'ci: Mein Vorschlag: Düsen wir nach Nehgqù-Xuqù zurück.

Sie gähnt ausgiebig.

S'ci: Vielleicht finden wir T'yla wieder...

Marn: Ich habe den Kurs bereits gesetzt.

Fyu: Okay, dann los!

Rûn: Und wohin sollen wir nun?

S'ci: Ins Sol-System. Ich könnte mir vorstellen, daß T'yla Cvoa-L'yyn aus dem Gefängnis befreien will.

Rûn: Ha! Und dann werden wir sie inflagranti ertappen!

Senic: Wenn das nur so einfach wäre...

* * *

Im Sol-System:

Rûn: Ich bekomme einen Funkspruch von Cosmo herein.

Er legt ihn auf den großen Schirm. Das Konterfei des Generals stabilisiert sich. Cosmo Brogio ist ein nicht mehr ganz junger, südländisch wirkender Mann mit kurzen, dunkelbraunen, leicht angegrauten Locken. Er steckt zur Zeit in der schwarzen Uniform der Space Police, obwohl ihm auch noch die Polestar-Flotte untersteht. In der Eigenschaft als deren General müßte Cosmo eine hellblaue Kombi tragen. Der alte Freund von Fyus Pflegevater wirkt besorgt.

Fyu: Hallo Cosmo, was gibt es?

Cosmo: Ärger, nichts als Ärger, Fyu. Ich habe schon einige Male versucht, dich zu erreichen!

Fyu(grinsend): Ich war in einem anderen Universum...

Cosmo: Ts, Jüngelchen, du machst Sachen...!

Fyu: Tja, ich mal wieder... Was wolltest du? Hat T'yla Cvoa-L'yyn wieder befreit?

Cosmo(überrascht): Woher weißt du das?

Fyu: Dazu braucht man kein Hellseher zu sein... S'ci hat einen Plan der Dame säuberlich durchkreuzt, und dann mußte T'yla sich absetzen...

Cosmo: Ach, deshalb wirkte sie so wütend...!

S'ci(kichernd): Dann hat Cvoa es diesmal nur knappe zehn Stunden TZ im Gefängnis ausgehalten... -- Das war neuer Rekord, wie?

Irgendwie bewundert sie den Syaane. Und nicht nur das...

Fyu: Also, langsam wird es langweilig! Warum buchte ich ihn eigentlich immer wieder ein, wenn er dann doch in Nullkommanochweniger wieder ausbüchst!?

Cosmo(verlegen): Nun ja, Kleiner...

Fyu(grinsend): Die Space Police ist wohl auch nicht mehr das, was sie mal war?!

Cosmo: Nuuuun...

Fyu: Okay, okay, ich mach mich auf die Socken -- wir werden ihn wieder einfangen. Wie schon so oft...!

Cosmo: Gut. Mir fällt ein Asteroid vom Herzen...

Fyu: Hoffentlich nicht auf die Zehen. Da ist doch noch etwas los! Sprich, Cosmo, Herr über 5500 Raumer!

Cosmo: Vor dir kann man wohl gar nichts verbergen...

Fyu(grinsend): Schwerlich... Also, schieß los.

Cosmo: Das Problem ist -- Laser-Gwynny...! General Shipton hat ihre Supernova-Flotte losgeschickt, um sich um die Auseinandersetzung mit Alnair VI/Creo-Exat zu kümmern.

Fyu(erstaunt): Creo-Exat! Der Varium-Planet! Was heißt hier 'eine Auseinandersetzung'?

S'ci: Amyshica! Soweit ich weiß, hat sich Creo-Exat niemals in bewaffnete Konflikte eingelassen.

Fyu(stöhnend): Und dann ausgerechnet Shippys Supernovas!

General Gwyneth Shipton -- auch genannt 'Laser-Gwynny' -- ist eindeutig die militanteste Flottenkommandantin innerhalb des Sol-Systems. Sie ist der Ansicht, daß es kein Problem gäbe, das sie nicht mit ihrer Supernova-Flotte bereinigen könnte.

Cosmo: Eben.

Fyu: Okay, dann fliegen wir zuerst ins Alnair-System.

Cosmo: Danke!

Fyu(trocken): Plumps.

Cosmo: Hä?!

Fyu: Das war der zweite Asteroid...

Cosmo(lachend): Verschwinde, Kleiner! -- Ende.

Fyu: Ende.

Marn: Ich habe den Kurs bereits gesetzt. Alnair VI/Creo-Exat liegt bei 22h05mREK/-47:30DEK --Gru 28pc.

Fyu: Okay. Transmit!

* * *

Im Alnair-System:

Alpha Gruis, auch Alnair, ist ein B5-Stern der Leuchtkraftklasse V, also ein Stern mit der 100-fachen Leuchtkraft der Sonne. Alnair besitzt zwölf Planeten, von denen nur der sechste -- Creo-Exat -- bewohnt ist. Normalerweise wäre diese warme Wüstenwelt gar nicht kolonisiert worden, wenn es da nicht reichhaltige Vorkommen des Energieüberträgerminerals Varium gäbe. Varium ist ein reinweißer, kristalliner Stoff mit 9.9 Grad mohs'scher Härte, der in vulkanischem Gestein in dünnen Adern auftritt. Ohne Varium wäre die drahtlose Übertragung von Energie nicht möglich. Bis jetzt ist Creo-Exat der einzige Planet, der über förderwürdige Mengen des Minerals verfügt.

Die Terra ist in der Nähe von Alnair XII/Compejjo, einer mondlosen Eiswelt, aus dem T-Raum gekommen.

Fyu: Also ich begreife ja vieles -- nur nicht, warum die Kolonisten von Creo-Exat gegen die Erde rüsten sollten...!

S'ci: Was soll's? Jetzt tun sie's anscheinend, und wir müssen eingreifen.

Fyu: So sieht es aus. Nur wie? Wir können doch schlecht einen Krieg verhindern, wenn zwei festentschlossene Raumkampfverbände dabei sind...!

S'ci(grinsend): Laß mich nur machen... Ich habe als Friedenshüterin eine längere Praxis als du...

Fyu: Kunststück, wo du bei den Hütern aufgewachsen bist, während ich erst seit etwas mehr als einem Monat TZ dabei bin!

S'ci: Na siehst du. Also mal sehen... General Shipton kommandiert die eine Flotte... Und Nummer zwei?

Rûn: Laut Kennung ist es die Feu d'Artifice-Flotte.

(Feu d'Artifice -- frz. 'Feuerwerk')

Fyu(stöhnend): Feu d'Artifice? Dann ist der Kommandeur Admiral Clovis-Léon Pyrique!

Er läßt sich geschockt in seinen Pilotensessel fallen.

Senic: Admiral Pyrique... Ein Haudegen der ganz alten Garde... Er ist mindestens so militant wie Laser-Gwynny!

Fyu: Er wird ja nicht umsonst 'der Feuerwerker' genannt... Heavens, S'ci -- die Schlacht willst du verhindern? Weder Admiral Pyrique noch General Shipton haben jemals klein beigegeben!

S'ci: Abwarten...! Ay, Supernova gegen Feuerwerk...!

Sie grinst kurz bei dem Gedanken.

S'ci: Das Feuerwerk werden wir verhindern...!

Fyu: Jetzt hast du mich wirklich neugierig gemacht. Wie?

S'ci: Och, die Methode selbst ist ein Ur-Oldie, aber immer wieder höchst verblüffend für die Generäle u.ä.. Damit haben Cleo und C'olin die Showdown-Flotte bei Partokla VII/Elbatro gestoppt -- Der Diakalysium-Skandal, das hat dir Pete bestimmt mal erzählt. Er war doch einer der Hauptakteure in 2187TZ. Auch Alya ist es auf diese Art und Weise gelungen, die Raumstreitkräfte von Embeli-Reich und Galaktischer Friedensliga lahmzulegen...

Die Friedenshüterin wirft einen kurzen Blick auf den RÜ-Monitor.

S'ci: Die Flotten haben sich genauso idiotisch gegenüber gestanden wie hier die beiden.

Die Supernova-Flotte bildet einen Angriffskeil, der geradewegs auf Creo-Exat ausgerichtet ist, und die Feu d'Artifice-Raumer haben sich zu einem Sperrgürtel um den Planeten formiert.

S'ci: Ay. Alya ist mit ihrer Rainbow Star, die von keinem der Flottenkommandeure als gefährlich angesehen wurde, mitten zwischen die Fronten geflogen. Aber wer traut schon einem dreißig Meter langen Schiffchen zu, daß es in der Lage ist, zwei Flotten Paroli zu bieten? Alya errichtete einfach ein starkes EAF, das den Waffen-- und Antriebssystemen sämtliche Energie entzog. Damit war die Schlacht gelaufen...

Fyu: Klingt nicht schlecht. Mal sehen, wie blöd Laser-Gwynny und der Feuerwerker gleich aus der Wäsche gucken...!

S'ci: Dann wollen wir mal die beiden kontakten... -- Rûn, würdest du bitte eine Konferenzschaltung zu den Flaggschiffen der Flotten aufbauen?

Rûn: Bitte sehr, Verbindung steht.

S'ci: Danke -- Raumschiff Terra, S'ci Coroun spricht. Ich rufe die Kommandeure von Feu d'Artifice-- und Supernova-Flotte. Bitte kommen!

Nach einigen Wiederholungen des Spruches melden sich die beiden. Die linke Seite des Bildschirms wird von General Gwyneth Shipton eingenommen, während Admiral Clovis-Léon Pyrique die rechte besetzt. Laser-Gwynny ist eine alterslos wirkende Frau karanischer Abstammung. Sie trägt ihr strahlend rotes Haar militärisch kurz und mustert S'ci mit ihren grüngrauen Augen höchst kritisch. Die Generalin trägt die übliche, dunkelblaue Uniform der Supernova-Flotte, deren Schmucklosigkeit einen krassen Gegensatz zu der ordensbehängten, titandioxidweißen Kombination des exenischen Admirals bildet. Des Feuerwerkers normalerweise hellbrauner Teint ist leicht gerötet, und eine widerspenstige Locke seines tiefschwarzen Haars steht angriffslustig wie ein Hahnenkamm hoch. Pyriques sonst eher sanftbraunen Augen wirken härter als molekularverdichtetes Accrum, das mit Härtegrad 17 (Mohs) sogar kristallinen Kohlenstoff um einiges übertrifft.

Gwyneth: Flaggschiff Supernova S1 unter General Gwyneth Shipton. Was wollen Sie, S'ci Coroun?

Pyrique: Flaggschiff Couronne de Creo-Exat unter Admiral Clovis-Léon Pyrique. Was haben Sie im Alnair-System zu suchen, Raumschiff Terra? Hier herrscht Kriegszustand. Entfernen Sie sich unverzüglich aus dem Kampfgebiet!

S'ci(belustigt): Daß hier Kriegszustand herrscht, ist mir bekannt. Deshalb bin ich schließlich hier... In meiner Eigenschaft als Friedenshüterin fordere ich Sie auf, sämtliche Kampfhandlungen sofort zu unterbinden. Sonst muß ich geeignete Maßnahmen einleiten.

Gwyneth: 'Geeignete Maßnahmen'?! Werte S'ci Coroun, ich untersage es Ihnen, sich in unseren Raumkrieg einzumischen!

Pyrique: Was geht Sie dieses Auseinandersetzung überhaupt an? Wenn Sie es wagen sollten, unsere Bahnen zu kreuzen, könnte Ihr Schiff das erste sein, das zum Teufel geht...!

S'ci(gelangweilt): Sie können mir nicht drohen...!

Sie gibt Marn ein Zeichen, und der hochgewachsene Antlunarier aktiviert den SETA-Kombi-Schild der Terra.

S'ci: Ich werde es nicht zulassen, daß hier Menschenleben für nichts und wieder nichts geopfert werden.

Pyrique(auf 180): Was glauben Sie denn, wer Sie sind, Sie -- Sie...

S'ci: Eine Frage, werte Kommandeure: Sind Sie sich nicht darüber im Klaren, daß Sie sich im höchsten Grade lächerlich machen, wenn Sie weiter an diesem albernen Kleinkrieg festhalten?

Pyrique: Was erlauben Sie sich eigentlich, Sie... Sie... Friedenshüterin...!

S'ci(grinsend): Das nehme ich gerne als Kompliment entgegen...! Nun, sind Sie fest entschlossen, Ihre unterdrückten Frustrationen in Form von aggressiven Kriegsspielen abzureagieren...?

Der Feuerwerker steht kurz vor einer verheerenden Explosion.

Pyrique(schnaubend): Wenn Sie glauben, daß Sie mich mit einem armseligen Raumer davon abhalten könnten, die Supernova-Flotte zu vernichten...

Laser-Gwynny ist zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.

Gwyneth: Glauben Sie, ich lasse mich von Ihrem Gewäsch davon abbringen, die Feu d'Artifice-Flotte zu atomisieren?

Pyrique: Shipton, seien Sie bloß nicht der Ansicht, daß Ihre Jammerlappen meiner Flotte auch nur den geringsten Schaden zufügen können. Wir werden Sie spurlos aus dem Kosmos fegen!

Gwyneth: Wenn hier jemand fegt, dann sind wir das!

Senic(fasziniert): Diese atavistischen Drohgebärden faszinieren mich außerordentlich...!

S'ci: Ich glaube, wir sollten uns ans Werk machen...

Pyrique(verächtlich): Mit einem Raumschiff! Der Feu d'Artifice-Flotte stellt sich niemand in den Weg!

S'ci(trocken): Doch. Wir. -- EAF klarmachen! -- Viel Erfolg, verehrte Kommandeure...

* * *

Sowohl Admiral Pyrique als auch General Shipton sind voller Zuversicht.

Pyrique: Sobald die Schiffe auf Schußentfernung sein, wird gefeuert!

Auch auf der Supernova S1 wird ein ähnlichlautender Befehl erteilt.

Gwyneth: Bei Erreichen von Abstand Alpha -- Feuer frei für alle Einheiten!

Zumindest in der Theorie. Kaum erreichen die ersten Raumschiffe die EAF-Barriere der Terra, als auch schon die Speicherbänke für sämtliche Offensiv-- und Defensivwaffen entleert sind. S'cis Justierung des EnergieAbsorbierenden Feldes läßt den Flottenraumern gerade noch genügend Energie für Lebenserhaltungssysteme und Rückflug.

Laser-Gwynny und der Feuerwerker sitzen mit geballten Fäusten hinter den Kontrollen und ergehen sich in wilden Verwünschungen auf alles, was da kreucht und fleucht. C.Zeryn O'Calley, der marsianische Chef-Pilot der S1, sieht die Generalin entgeistert an, als sie einige ihm völlig neue Ausdrücke verwendet, die nun wirklich nichts auf einem Raumschiff zu suchen haben.

Auch Admiral Clovis-Léon Pyrique ist unüberhörbar nicht sehr erbaut darüber, in einem nur noch halbwegs manövrierbaren Raumer zu sitzen.

Wie Konfetti treiben die vormals wohlgeordneten Kampfreihen im weiten Weltenraum durcheinander.

* * *

An Bord der Terra:

Die Friedenshüter grinsen sich vielsagend an.

Fyu: Ich gäbe einiges darum, Shippys Kommentare zu hören...!

S'ci: Ay. Meines Erachtens dürften die jetzt genug haben. -- Du kannst ja zur Supernova S1 herüberspringen. Quetsche die Dame solange aus, bis sie dir Rede und Antwort gestanden hat! Du kennst sie ja etwas besser als ich... Ich werde mir den Feuerwerker vornehmen.

Fyu: Wird gemacht, Schatz.

Via Transmit gehen die beiden an Bord der Flaggschiffe.

* * *

Auf der Supernova S1:

Fyu materialisiert etwas ungünstig halb auf einer Stufe und muß darum kämpfen, sein Gleichgewicht zu bewahren. General Shipton bemerkt die Bewegung, als Fyu wild mit den Armen rudert, um nicht umzukippen.

Gwyneth(irritiert): C.T-S'cèr junior?! Was machen Sie denn hier? Wie kommen Sie überhaupt an Bord?

Fyu: Transmit-Feld. -- Ich möchte Ihnen gerne ein paar Fragen stellen, General Shipton.

Endlich steht er sicher. Die Generalin blickt ihn stirnrunzelnd an.

Gwyneth: Fragen Sie, Fyu.

Fyu: Worum ging es bei der Auseinandersetzung eigentlich? -- Respektive, worum hätte es gehen sollen?

Gwyneth: Varium! Der Regierungschef von Creo-Exat hat verfügt, daß keinerlei Varium mehr exportiert werden darf.

Fyu: Wie beim Diakalysium-Skandal in 2187TZ. Nur, daß Elbatro nicht der einzige Diakalysium-Planet war, während Varium alleine auf Creo-Exat vorkommt.

Gwyneth: Korrekt, C.T-S'cèr. Sie können sich sicherlich vorstellen, was das für die Galaktische Union bedeutet...

Die Raumfahrt ist auf die drahtlose Energieübertragung mit Hilfe von Varium angewiesen. Da sich die Kristallstruktur des Minerals im Laufe der Zeit durch die hindurchgeschickte Energie verändert und damit unbrauchbar wird, ist man auf einen fortwährenden Ersatz angewiesen. Ohne dieses Mineral sind auch die gebräuchlichsten (weil billigsten) Hyperfunkanlagen nicht einsatzfähig -- kurzum, die gesamte Kommunikation innerhalb der GU würde zusammenbrechen. Durch den Ausfall der Raumfahrt würde weiterhin die Versorgung der Hauptplaneten nicht mehr funktionieren. Seit vielen Jahren TZ sind die Hauptwelten der Union -- Accra II/Kara, Sol III/Terra, Cenvay IV/Vie, Engel II/Eden, Vodaer IV/Vodoli, Helios III/Erde-Zwei, Partokla VII/Elbatro, Success V/Home, Tìraan I/Raicol (und wie sie noch alle heißen) -- nicht mehr autark. Aus diesem Grund bedeutete ein Versorgungsengpaß auf diesen Planeten eine Katastrophe.

Gwyneth: Sehen Sie jetzt, daß der Angriff unerläßlich war?

Fyu: Nein, General. Die Devise heißt verhandeln -- oder der Ursache der Schwierigkeiten auf den Grund gehen.

Gwyneth: Unser Präsident Afanassij hat wiederholt versucht, den exenischen Präsidenten Lecélèbre an den Verhandlungstisch zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. Lecélèbre ist nicht aufzufinden.

Fyu: An der Geschichte ist etwas faul, sogar verdammt faul! Haben Sie nicht versuchen können, durch einen Späher ein wenig Licht in die Angelegenheit zu bringen?

Gwyneth: Natürlich habe ich das. Die Supernova S177 unter C.Toy-Gaye Ay M'Yrrim hatte den Auftrag, hier nach dem Rechten zu sehen. Schiff und Besatzung sind spurlos verschwunden.

Fyu: Wann?

Gwyneth: C.Ay M'Yrrim sollte vor dreißig Stunden TZ einen vereinbarten Codespruch absetzen. Sie hat sich bis jetzt noch nicht gemeldet.

Fyu: Hm. Und wo und wann kam ihre letzte Meldung?

Gwyneth: C.Ay M'Yrrim verfolgte eine Spur von Creo-Exat nach Vodaer IV/Vodoli. Das war ihre letzte Meldung -- vor etwa vierzig Stunden TZ. Doch nach den Funksprüchen der RÜ-Station von Vodaer XII/Illuwejjo ist die S177 nie im Vodaer-System eingetroffen. Vom Spähschiff Endymion E605 erhielten wir die Meldung, daß sich ein größeres Flottenaufgebot im Alnair-System massierte. Ich entschloß mich daraufhin, die Supernova-Flotte loszuschicken.

Fyu: Aha. S'ci und ich werden uns darum kümmern. Sie sollten wohl besser zur Basis Luna-Theophilus zurückfliegen. Ich glaube, in Ihren Speichern dürfte gerade noch genügend Energie für den Rückflug sein.

Gwyneth: S'ci Coroun, die Friedenshüterin...? Dann ist die Methode wohl dieselbe gewesen, wie damals vor der Novazonen-Angelegenheit -- Pete erzählte mir davon -- als sie C.Corris von der S167 lahmgelegt hatte... Mit irgendeinem Energie-Absorber oder so etwas in der Richtung...!

Fyu: So ist es, General. Ich will mich dann von Ihnen verabschieden.

Gwyneth: Nun gut. Dann werde ich eben ins Sol-System zurückkehren... Was bleibt mir anderes übrig? -- Abtreten, C.T-S'cèr junior!

Fyu hat von Senic über mecon ein Transmit-Feld angefordert. Der Terra-Kommandant salutiert kurz, macht einen Schritt und ist wieder auf der Terra.

Senic: Na, wie war's, Kleiner?

Fyu(verwundert): Heavens! Das hätte ich nicht gedacht! Man kann sich ja sogar mit Shippy unterhalten!

Der Wissenschaftler lacht leise.

Senic: Manchmal...! Aber vielleicht liegt es auch daran, daß du Petes Sohn bist...

Rûn: Die Supernova-Flotte dreht ab! -- Kurs: Sol-System.

Fyu(erleichtert): Gut! Das Problem wäre erledigt! -- Äh, was meintest du gerade mit deiner Bemerkung, Senic?

Senic: Etwas, das außer den Hauptakteuren schon fast jeder auf den Basen mitgekriegt hat... Und zwar, daß Pete und Gwyneth anscheinend gewisse Sympathien füreinander hegen...

Fyu(fassungslos): Waaas? Pete und Laser-Gwynny?

Senic(amüsiert): Es sieht so aus... -- Seit Valerias Tod bei diesem verfluchten Testflug nach Proxima vor über zwanzig Jahren TZ, hat Pete sich ja auf keine feste Bindung mehr eingelassen. Nun, jetzt scheint sich da aber wieder etwas anzubahnen...

Fyu(kopfschüttelnd): Aber ausgerechnet Laser-Gwynny!

Senic: Wir werden sehen...

* * *

An Bord der Couronne de Creo-Exat:

Wieder hat S'ci den schwereren Brocken erwischt.

S'ci: Hallo Admiral Pyrique! Seien Sie mir gegrüßt...

Pyrique: Sie! Sie haben mich lächerlich gemacht!

Er faucht S'ci an, daß es einem Tiger zur Ehre gereicht hätte. Die Friedenshüterin faucht höchst ironisch zurück.

S'ci: Sie! Sie machen sich lächerlich!

Pyrique: Verlassen Sie auf der Stelle mein Raumschiff!

Kategorisch schüttelt S'ci den Kopf.

S'ci: Nein. Das werde ich gerade nicht machen.

Der Admiral macht Anstalten, sich auf S'ci zu stürzen.

Pyrique(auf 210): Dann schmeiße ich Sie eigenhändig raus!

Die rothaarige Friedenshüterin bemüht sich angestrengt, ernst zu bleiben, was ihr aber selbst unter Aufbietung aller Kräfte nicht ganz gelingt.

S'ci: Holen Sie erst einmal tief Luft, Admiral, sonst bekommen Sie noch einen Herzinfarkt, und dann heißt es nachher, ich wäre daran Schuld gewesen...

Pyrique(empört): Wachen! Nehmen Sie sie fest!

S'ci(trocken): Da bin ich aber gar nicht für...!

Sie baut einen SETA-Kombi-Schild um sich herum auf, der wie eine zweite Haut über ihrer Einsatzkombi liegt und sich nur schwach grünlich davon abhebt. Pyriques Offiziere geben zwar ihr Bestes, aber das ist lange nicht genug, um sich mit S'cis Schutzschirm zu messen. Es gelingt ihnen weder, sie zu paralysieren, noch sie auf andere Art und Weise festzunehmen. S'ci grinst, und Pyrique schäumt nur so...

S'ci: So nicht, mes amis...

Die Wachoffiziere lassen von S'ci ab. Diese erspäht einen leeren Kontursessel und läßt sich darauf nieder. Nachdem sie sich zurückgelehnt und die Beine übereinandergeschlagen hat, lächelt sie den Admiral zuckersüß an.

S'ci: Haben Sie sich inzwischen ein bißchen abgeregt? Ja? -- Dann möchte ich gerne von Ihnen wissen, warum Sie und General Shipton sich hier so allerliebst die Schädel einschlagen wollten...

Pyrique: Das geht Sie überhaupt nichts an!

S'ci: Doch! -- Wissen Sie, daß Sie mir ganz schön auf die Nerven gehen mit Ihrer hirnlosen Brüllerei?

Sprachlos klappt der Admiral den Mund zuerst auf, dann wieder zu.

S'ci: Nun, was ist?

Pyrique: Hirnlos?!

S'ci: Wie wollen Sie es sonst erklären, daß Sie Lautstärke höher bewerten als überzeugende Argumente?

Pyrique: Okay. Also -- was wollen Sie wissen?

Manchmal ist ein taktischer Rückzug klüger, als vor versammelter Mannschaft als Esel dazustehen...

S'ci: Es freut micht, daß Sie sich einsichtig zeigen. Warum wollten Sie gegen die terranische Flotte vorgehen?

Pyrique: Wir?! Die Supernova-Flotte hat uns angegriffen!

S'ci: Das sieht Laser-Gwynny mal wieder ähnlich... Aber es muß doch einen Grund für General Shipton gegeben haben...

Pyrique: Eine handelspolitische Ursache, Madame Coroun. Es ging um den Varium-Export.

S'ci: Ay. -- Ach, lassen Sie doch bitte das 'Madame Coroun'. Ich bin S'ci. -- Was hat es mit dem Varium zu tun?

Pyrique: Alnair VI/Creo-Exat ist eine freie Welt. Obwohl wir von Cenvay IV/Vie aus besiedelt wurden, haben wir uns niemals der Galaktischen Union angeschlossen. Unsere Handelsverträge sind nicht den Unionsverträgen unterworfen, die es untersagen, freien Handel mit den Außenseiterwelten zu führen, die nicht der GU angehören, es sei denn, der Rat der Planeten würde es gestatten.

S'ci: Ay, ich kenne die Bestimmungen recht gut -- immerhin bin ich auch auf einer dieser Außenseiterwelten geboren...

Pyrique: Sie sind keine Karanéa? Aber Ihre Haare...

S'ci: Beide Eltern waren Halbkarane -- nur meine Mutter was zur Hälfte eine Amyshica -- aber das führt jetzt zu weit. Fahren Sie bitte fort, Admiral.

Pyrique: Der Senat von Creo-Exat unter unserem Präsidenten Damien Lecélèbre bekam ein geradezu sensationelles Angebot von einer Geschäftsfrau einer Außenseiterwelt. Der mit dieser Dame geschlossene Vertrag beinhaltete die Klausel, die gesamte geförderte Varium-Menge an die Händlerin auszuliefern. Selbstverständlich stimmte der Senat dem Angebot sofort zu.

S'ci: Keine Varium-Exporte an die Galaktische Union? Das gibt eine Katastrophe!

Pyrique: Das muß diese Shipton wohl auch gemeint haben... Aber wir sind eine freie Welt -- wir lassen uns nicht vom Planetenrat unter Druck setzen!

S'ci: Schöne Einstellung... Und wer sind diese Geschäftspartner -- diese Händlerin...?

Pyrique: Das weiß nur Präsident Lecélèbre. Die Dame hat darauf bestanden, die Verhandlungen mit ihm zu führen.

S'ci: Aha. Und wo ist der Präsident? Wenn die Sache so steht, würde ich mich ganz gerne einmal mit ihm unterhalten.

Pyrique: Er befindet sich auf Vodaer IV/Vodoli. Dort wollte er mit der Geschäftsdame weitere Verhandlungen führen.

S'ci: Ts! Und der Senat weiß von nichts?

Pyrique: Ich sagte es bereits.

S'ci: Wann kommt der Präsident denn wieder nach Creo-Exat zurück?

Pyrique: Halten Sie mich eigentlich für den Chefsekretär des Präsidenten?

S'ci: Selbstverständlich nicht...

Sie steht aus dem Sessel auf.

S'ci: Nun gut, dann will ich Sie nicht weiter belästigen, Admiral. Ich danke Ihnen, daß Sie sich doch noch kooperativ verhalten haben. -- Bye.

Sie ruft per mecon ein Transmit-Feld herbei und verläßt die Couronne de Creo-Exat. Der Admiral blickt den verblassenden grüngoldenen Schimmer fassungslos an. Dann fällt ihm ein, daß er ganz vergessen hat, diese S'ci Coroun ein wenig zu verhören, während sie ihn nach Strich und Faden interviewt hatte.

* * *

Auf der Terra:

S'ci ist bereits von Fyu erwartet worden. Die beiden tauschen ihre Ergebnisse aus.

S'ci: Na, was hältst du davon?

Fyu: Wir sollten einmal nach Vodaer IV/Vodoli fliegen.

S'ci: Auch meine Ansicht.

Als Fyu sich im Pilotensessel niederlassen will, macht S'ci eine abwehrende Bewegung.

S'ci: Ayée, ich bin müde, verdammt noch mal...! Ich lege mich für ein Weilchen auf's Ohr.

Fyu: Eigentlich hast du recht. Außerdem schiebe ich Kohldampf. -- Was steht denn heute auf dem Speiseplan, Senic?

Senic: Enh-Sumpfkraut und Schlammspringer-Filets. Dazu Fahrlu-Saft. -- Delikat, muß ich euch sagen...!

S'ci(zweifelnd): Wenn du meinst? Ich für meine Person würde P'ám-Blätter in Syura-Soße vorziehen. Die Küche der Enh-Sumpfgebiete ist mir entschieden zu sauer.

Marn: Also, ich habe nichts gegen Senics Menü-Vorschläge.

Rûn: Mich nervt es nur, daß er die Zutaten immer mathematisch genau berechnet...

Senic(kategorisch): Was sein muß, muß sein...!

Der Wissenschaftler verschwindet in der 'Küche', wo er seine Gerichte per Computer komponiert. In der Essensausgabe zeigt ein Leuchtsignal, daß die Gerichte fertig sind. Er zieht die wärmeisolierten Vakuum-Packs hervor und transportiert sie auf einem Antigrav-Tablett in den kleinen Freizeitraum des Raumschiffs, der je nach Bedarf als Besprechungs--, Eß--, Freizeitraum, sowie hin und wieder auch als Labor genutzt wird.

Senic: Voilà! S'ci , du bekommst deine P'ám-Blätter in Syura-Soße...!

Er reicht ihr einen milchigweiß schimmernden Teller, auf dem einige violette Karos in einer orangefarbenen Soße schwimmen. Das Ganze duftet leicht nach einer Mischung von Vanille und Kokos.

S'ci: Ah, merci beaucoup, maître du vaisseau cosmique...

Senic: Pas de quoi, mademoiselle -- der Küchenchef der Terra dankt...

Die fünf Leute machen sich mit großem Appetit über Senics Kompositionen her.

Während der nächsten Stunden ist erst einmal Sendepause.

* * *

Am 05:03:2226TZ versammelt sich die Crew wieder in der Kommandozentrale des schnellen Kreuzers.

Fyu: Jetzt aber nach Vodaer IV/Vodoli! Marn, du übernimmst das Steuer.

Marn: Okay.

Der Antlunarier begibt sich zum Steuerpult und setzt den Kurs.

Fyu: Rûn, du übernimmst die RÜ. Suche möglichst alle Vodaer-Planeten ab.

Der kleine Terraner setzt sich an die Raumüberwachung und berührt einige Sensortasten. Dann dreht er sich zu Fyu um.

Rûn: Wonach soll ich denn suchen?

Fyu: Nach der Supernova S177 unter C.Toy-Gaye Ay M'Yrrim.

Rûn: Zum Saturn! Toy-Gaye Ay -- ach, verdammt, sag mal, haben eigentlich alle Marsianer so unmögliche Namen...?

Senic: Was meinst du, warum sich Dyyánha O'Nyhl unter Terranern immer Diana O'Neill nennt?

Fyu(grinsend): Vergiß nicht, daß T-S'cèr auch marsianisch ist!

Rûn: Ich fordere, daß du dich dann Fyu 'Teskar' nennst...!

Fyu: Das tue ich Pete bestimmt nicht an!

S'ci: Amyshica! Was sind schon Namen?

Senic: Wo wir gerade bei Namen sind... Wo kommt eigentlich dein Vorname her? Dein Nachnahme ist eindeutig karanisch/terranisch, aber dein Personenname...

S'ci: Meine Mutter war doch eine Amyshica/Karanéa. Sie hat mir einen traditionellen Amyshica-Namen gegeben. Da die Amyshicy ihre Namen aber üblicherweise nicht vor Außenweltlern aussprechen, hat jede Amyshica einen Normalnamen als Zweitnamen. Auf der Amyshica hat jedes Kind als Bestimmungsnamen -- das entspricht dem Nachnamen -- den Namen seiner Mutter. Und weil ich einen Außenwelter als Vater hatte, besitze ich noch einen dritten Namen, mit meinem Normalvornamen und dem Nachnamen meines Großvaters mütterlicherseits...

Fyu: Hä?! Muß das so kompliziert sein?

S'ci: Es ist so.

Senic: Und wie heißt du nun?

S'ci: Auf der Amyshica bin ich S'ceyh sha C'aoyhm...

Senic: Wie spricht man das aus? Schäij scha Kau'uim?

S'ci: Ja, so ungefähr -- S'ceyh sha C'aoyhm eben...

Senic: Und dein 'Normalname' -- wie du es nennst?

S'ci: Ganz einfach S'ci deCaum. Zuerst sollte ich Shee deCaum heißen, aber meine Mutter fand, S'ci sähe besser aus. Außerdem ist S'ci eine Form des alten S'selite-Wortes s'cira und bedeutet soviel wie Sternenhimmel...

Senic: Dann ist S'ci Coroun also dein dritter Name.

S'ci: Richtig.

Fyu: Das ist mir alles viel zu kompliziert. Du bleibst für mich ganz einfach S'ci.

Marn: Sollen wir jetzt endlich ins Vodaer-System springen?

Fyu: Was? Sind wir denn noch nicht da? Na, dann aber los, Marn! AsVA-Kombi-Schild ein. Wer weiß, der Ortungsschutz kann uns vielleicht recht nützlich sein...

Rûn: Aye aye, Fyu. Ich grase alle Planeten ab, von Vodaer I/Gim bis XII/Illuwejjo.

Senic: Du mußt besonders sorgfältig auf Vodaer VI/Joldez-Mixta'n achten. In dem Ringsystem des Planeten kann sich einiges verstecken.

Rûn: Verstanden.

Fyu: Ich mache derweil das Beiboot klar. S'ci und ich werden mit der Shootie nach Vodoli fliegen -- hm, S'ci?

S'ci: Was dachtest du...? Ich habe den dummen Verdacht, als ob wir uns auf Vodoli schwer mit diversen Behörden herumschlagen müßten, um hinter Lecélèbres kleines Geheimnis zu kommen...

Fyu: Leider. Vodoli ist noch extremer durchbürokratisiert als früher der jetzige Bezirk Germania auf Sol III/Terra.

S'ci: Na, dann müßte aber auch Lecélèbre dort registriert sein, Fyu!

Fyu: Ja. Wir werden also zuerst das Amt für Interplanetarischen Verkehr mit Mitgliedswelten der Galaktischen Union von Nehgqù-Xuqù -- kurz A.I.V.M.G.U.N.-X. -- aufsuchen.

S'ci: Äh, sag mal, war das gerade eine Abkürzung?!

Fyu: Was denn sonst?

Die beiden begeben sich in die Shooting Star, die wie eine ca. acht Meter lange Mini-Kopie der Terra aussieht. Fyu aktiviert den AsVA-Kombi der Shootie und startet aus der ebenfalls unsichtbaren Terra. Nach einer Kurve um den Planeten Nummer XII schaltet Fyu den Schild ab.

Es hat den Anschein, als ob die Sternschnuppe soeben aus dem Plus-x-- oder T-Raum materialisiert wäre. An Vodaer IX/Zenam und VII/Adrà vorbei, die in der Flugrichtung der Shootie liegen, steuert Fyu den Raumer nach IV/Vodoli. Die Adrà wirkt wie ein riesiger, grellgelber Ball mit orangeroten Wolkenflecken, die in der dünnflüssigen, gelblichen Atmosphäre herumschweben.

Fyu: Die Adrà ist ein Stückchen kleiner als der Sol VI/Saturn, besitzt aber eine achtmal so große Dichte. Auf diesem Planeten wurden Ausrüstungsteile der Explorer-Flotten des Planetenrates erprobt.

S'ci: Und jetzt nicht mehr?

Fyu: Seit einigen Jahren nicht mehr. Aber die Stationen stehen immer noch dort.

S'ci: Meinst du etwa, daß sich irgendwelche bösartigen Aliens dort eingenistet haben, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Galaktische Union zu erobern, zu unterwandern, zu vernichten oder was-auch-immer?!

Fyu: Eher eine Verbrecherbande. -- Solche Schlupfwinkel sind sehr gefragt.

S'ci: Come pensi -- wie du denkst...

Die Shooting Star gleitet weiter in Richtung Zentrum des Vodaer-System. Endlich taucht der vierte Planet mit seinen zwei Monden auf dem Frontschirm auf. Vodoli leuchtet goldgelb/blau mit ein wenig grün auf dem Monitor. Der Granitmond, halb so groß wie Luna, flimmert in rot/grau/gelb/blau neben dem kleineren, fast nicht sichtbaren Dunkelmond, der aus nachtschwarzen Gesteinen besteht und nur eine verschwindend geringe Albedo besitzt. Die Shootie geht in eine Parkbahn um Vodoli, bis den beiden Friedenshütern nach zähflüssigen 'Verhandlungen' die Landegenehmigung für den Raumhafen von Riilodon erteilt wird.

Fyu(stöhnend): Bürokraten!

Seine Team-Partnerin nickt teilnahmsvoll.

Die Frau von der Landekontrolle wollte alles peinlichst genau wissen -- von der Kennung über eine weitergehende Identifikation, Codenummern, Zweck des Aufenthalts, Dauer des Aufenthalts, Zeitpunkt der letzten Allgemeinimmunisierung, über Blutgruppe, Hirnwellenmuster, Heimatplanet, (etc.p.p.), bis hin zum Baujahr der Shooting Star.

S'ci: Die gehen mir auf die Nerven...!

Fyu: Weiß die Nova, für welche Dateien die das alles brauchen... Aber ich sagte ja schon, Bürokratie ist hier so etwas wie ein Lebenszweck...

S'ci: Jeih, dann steht uns ja noch einiges bevor... Jee... Es gibt wirklich nichts, das ich mehr liebe als diese Papierakrobaten...

Fyu: Aber anders werden wir wohl kaum an Informationen kommen.

S'ci: Sieht so aus. Aber gemeinsam sollten wir den bockenden Amtsschimmel wohl zu zähmen wissen!

Doch dieses Tier erweist sich als weitaus sturer als Maultier und Esel zusammengenomen. Ob der Launen der Beamten müssen S'ci und Fyu stundenlang von einem Büro zum anderen hetzen, und am Ende sind sie genauso schlau wie vorher.

S'ci(vernichtend): Bürokraten...!

Ihr Team-Partner schlägt die geballte Faust auf die Handfläche.

Fyu: Die sollte man allesamt zum nächsten Schwarzen Loch schießen! Ohne Rückflugticket...

S'ci: Wir Friedenshüter sollten noch eine Aufgabe in unseren Katalog aufnehmen: Aufspüren und Unschädlichmachen sämtlicher Bürokraten und sonstiger Datenschinder...!

Nach einer Weile haben sich die beiden dann abgeregt. Sie wandern eine schattige Allee entlang.

Fyu: Also, ich bin dafür, daß wir uns jetzt erst einmal ein bißchen stärken. Da drüben...

Er deutet auf ein flaches, rosagetöntes Gebäude mit einer überdachten Terrasse.

Fyu: ...ist ein hübsches Restaurant.

Sie spazieren gemütlich zu dem Gebäude hin. Die hellgelbe Sonne Vodaer strahlt heiß von einem grünlichen Himmel, über den nur vereinzelte Wolken ziehen. Das Restaurant besteht aus einem wie Rosenquarz wirkenden, mattschimmernden Material. Auch das Überdach ist glasartig und kann je nach Sonneneinstrahlung verdunkelt oder transparent gemacht werden.

Kaum daß S'ci und Fyu den Eingang erreicht haben, schwebt ein silbrig glänzender, oktaederförmiger Robot heran, der die beiden zu einem freien Tisch auf der Terrasse führt. Die anwesenden Personen mustern die Friedenshüter verstohlen. Sie sind ein wenig überrascht. Die Hüter sehen auch nicht anders aus als normale Karane. Nachdem, was man so alles über sie gehört hat, haben sich viele Leute einen Friedenshüter als eine Art Überwesen vorgestellt. S'ci ignoriert die neugierigen Blicke. Sie ist das seit längerem gewohnt, Fyu jedoch fühlt sich ziemlich unbehaglich.

S'ci(belustigt): Ayée, Fyu, du machst ein Gesicht wie 15pc Hyperzyklon! Darauf darfst du nichts geben...

Fyu(sarkastisch): Wenigstens hat mich noch keiner nach einem Autogramm gefragt...

Unterdessen hält S'ci Ausschau nach der Sensortaste für die Speisekarte.

S'ci: Hoffentlich gibt es hier nicht allzuviele 'exotische Köstlichkeiten'... -- Mir wollte man in einem Café auf Su VI/Evi mal unter einem total harmlos klingenden Namen 'Geröstete Arcur-Kakteenstacheln in roter, rauchender Salpetersäure' andrehen...

Sie schüttelt sich bei dem Gedanken.

Fyu: Naja, mein Geschmack wäre das auch nicht gewesen.

Der kleine Robot schwebt heran.

Robot: Was wünschen die Herrschaften an Getränken?

Fyu: Ich möchte bitte ein Glas Fahrlu-Saft.

S'ci: Und ich hätte gerne eine kleine Karaffe Salévi.

Robot: Sehr wohl, die Herrschaften.

Er gleitet auf unsichtbaren Antigravpolstern davon.

S'ci: So, mal sehen, was es hier gibt.

Sie aktiviert die Speisekarte. In der rauchtopasfarbenen Tischplatte erscheint die Speisefolge in türkisfarbenen Leuchtbuchstaben. Als gewünschte Sprache tippt S'ci Transuhh ein, die allgemeine Verkehrssprache in der GU (und auch sonst in den Vier Galaxien). Nun erscheinen alle Bezeichnungen zwar im original einheimischen Wortlaut, aber sämtliche Symbole sind in Transuhh transliteriert. Eine weitere Übersetzung muß gesondert angefordert werden. Fyu deutet auf Position 42.

Fyu: Hier gibt es ja auch Jarjinas! Na, dann ist ja wohl vakuumklar, was ich bestelle.

S'ci(kichernd): Ich hoffe, dieses Mal bleibt mir die Explosion erspart!

Eine Jarjina ist eine leuchtend rote, kürbisgroße Frucht, die hohl ist und unter Überdruck steht. Wenn man sie an der richtigen Stelle einsticht, entweicht das Gas langsam und die Jarjina fällt zu einem dünnen, süßen Fruchtfleischlappen zusammen. Ansonsten kommt es zu einer verheerenden Explosion, und alles im Umkreis von ca. zwei Metern ist von einer klebrigen roten Soße überzogen. Als Fyu zum ersten Mal sein Glück mit einer Jarjina versucht hatte, ist es genau zu diesem Ergebnis gekommen. Heute wagt er sich zum zweiten Male an diese explosiblen Früchtchen.

Fyu: Keine Sorge, so blöd bin ich nicht noch einmal...

S'ci: Ay... -- Hey, ich glaube, ich weiß, was ich ausprobiere. Hier steht 'Gadeléam u Veriána' -- Nur etwas für Genießer! Das hört sich interessant an.

Fyu: Ich an deiner Stelle würde erst einmal nachfragen, was es ist.

S'ci: Gut. -- Ä-hem...

Fyu: Nun?

S'ci: Jeih, da steht 'Kristallscheibchen auf Verian-Art mit flüssigem Stickstoff und gefrorenem Kohlendioxid garniert'...

Fyu(prustend): S'ci... S'ci...! Du bist... du bist einfach un-glaub-lich...!

S'ci: Ayée... Dann nehme ich eben etwas, womit ich garantiert nicht reinfalle: Cilcs von Aquon. Position 129.

Fyu: Was ist denn das?

S'ci: Ein Cocktail aus verschiedenen Muschelarten des Wasserplaneten Success VI/Aquon.

Sie bestellen per Tastendruck. Kurz darauf erscheint der kleine Robot mit Fyus Jarjina und S'cis Cilcs. Fyu bezahlt sofort mit seiner Creditcard, die er kurz in den dafür vorgesehenen Schlitz steckt. Zum Glück ist Vodoli ein GU-Planet, wie auch Sol III/Terra, so daß Fyu direkt mit der GU-Währung buchen kann. Für Einwohner von Außenseiterwelten gelten andere, hochkomplizierte Umrechnungsverfahren. Selbstverständlich verfügt jeder Planet zusätzlich noch über mindestens ein Währungssystem. (Ganz besonders exquisit ist in dieser Beziehung das Lanxe-Q'un-System. Jeder der drei bewohnten Planeten besitzt ein eigenes System, das einmal planetenintern regional unterschiedlich und obendrein regional kastengebunden verschieden ist.)

Gerade hat Fyu einen Bissen der Jarjina im Mund, als ihn ein Gedanke siedendheiß überfällt.

Fyu(mit vollem Mund): Schschischi...!

Er schluckt das süße Fruchtfleisch hastig hinunter.

Fyu: S'ci! Heavens, wir sind hier auf Vodaer IV/Vodoli!

S'ci: Sieht so aus. Na und?!

Die Cilcs-Schale vor ihr ist leer, und S'ci nippt an ihrem aromatischen Salévi.

Fyu: Vodoli! Weißt du, wer vor zwei Tagen TZ hier war?

S'ci: Wer denn? -- Ach, T'yla...!

Fyu: Genau. Sie macht selten etwas Unüberlegtes, stimmt's?

S'ci: Exakt. Also, jetzt mal ganz langsam. Präsident Lecélèbre ist der Schlüssel zu den exenischen Varium-Vorräten. Er wollte sich hier mit einer Dame treffen, deren Absicht es war, respektive ist, die Galaktische Union lahmzulegen. Als Nebenprodukt bekommt sie genügend Varium, um damit noch einiges andere anzustellen. Wenn man bedenkt, daß T'yla auf UN-Xihd eine ganze Armee errichtet hat...

Fyu: Wir müssen sofort nach Creo-Exat!

Er springt von seinem Sitzplatz und rast auf den Ausgang zu, als gelte es, einen neuen Sprintrekord aufzustellen. Die Leute in dem Restaurant sehen ihn leicht irritiert an, als er sich an der Tür umdreht. Auch S'ci war nicht auf den Spurt gefaßt.

Fyu: S'ci! Beeil dich! Wir müssen vor der IF im Alnair-System sein!

S'ci: Jeih, meinst du, du kannst sie zu Fuß überholen?

Sie fordert ein Transmit-Feld an, daß sie zur Terra bringt, während Marn die Shooting Star per Fernsteuerung zurückholt. Kaum ist das Beiboot im Hangar, als die Terra auch schon nach Alnair VI/Creo-Exat transmittiert.

* * *

Im Alnair-System:

Rûn: Zu spät, Fyu. Ich habe die IF auf der RÜ. Sie beschießt Creo-Exat.

Fyu(entsetzt): Sag bloß, die desintegriert den Planeten?!

S'ci: Die IF wäre dazu wirklich in der Lage.

Rûn: Nein, keine Desintegratorstrahlung. So ähnlich, aber trotzdem anders.

Senic: Rûn, überspiel mir die Daten.

Er wartet einen Augenblick, dann ist die Auswertung beendet.

Senic: Laut Comp ist es eine Strahlung, die bestimmte Stoffe in einzelne Molekülgruppen auflöst. Also eine Art selektive Desintegratorstrahlung.

S'ci: Wenn ich recht vermute, dann ist dieser 'selektive Desintegrator' zur Zeit auf Varium eingestellt...

Senic: Korrekt.

Die Friedenshüter blicken sich ratlos an.

Fyu: Heavens! Und was machen wir nun? Creo-Exat ist der einzige bekannte Planet, auf dem Varium in größeren Mengen natürlich vorgekommen ist.

S'ci: Amyshica! Ist denn keiner auf die glorreiche Idee gekommen, gezielt nach weiteren Varium-Planeten zu suchen?

Senic: Wie du siehst... So etwas wird stets erst in die Wege geleitet, wenn die Katastrophe bereits eingetreten ist. Die vom Planetenrat haben aus dem Diakalysium-Skandal aber auch gar nichts gelernt...!

Fyu(grinsend): Darf ich mal ganz zart daran erinnern, mein lieber Senic, daß du immerhin Planetenrat für Wissenschaft und Forschung bist?

Senic: Ach, du weißt doch, daß man mich nur gewählt hat, weil kein geeigneter karanischer Wissenschaftler zur Verfügung stand... Einem Terraner in dieser Domäne der Karane trauen sie nicht so recht...

Fyu: Stell dein Lichtlein nicht so sehr hinter den Scheffel! Dein Gegenkandidat war ein karanischer Spitzenwissenschaftler!

Senic: Aber kein geeigneter Planetenrat... Antoine Eyraud hat ein Lehramt an der Kara-University, das er mit Hingabe ausfüllt.

Rûn: Ich bekomme gerade einen Funkspruch auf meiner Kiste herein.

Fyu: Auf den großen Schirm.

Das Konterfei des exenischen Admirals Clovis-Léon Pyrique erscheint auf dem Monitor. Er wirkt ziemlich mitgenommen. S'ci tritt in den Erfassungsbereich der Kamera.

Pyrique: Flaggschiff Couronne de Creo-Exat unter Admiral Pyrique an alle. Creo-Exat wird angegriffen! Die exenischen Flotten sind nicht mehr einsatzfähig. Ich erbitte Hilfe. Dies ist ein Notruf aus dem Alnair-System! Creo-Exat wird angegriffen!

S'ci: Raumschiff Terra, S'ci Coroun spricht. Ich rufe Admiral Pyrique. Bitte kommen!

Pyrique(erleichtert): S'ci Coroun! -- Hier spricht Admiral Pyrique.

S'ci: Seien Sie gegrüßt, Admiral. Was ist geschehen?

Pyrique: Creo-Exat wurde von einem Raumschiff Invincible Fighter unter dem Kommando einer T'yla Brit-T'hèr angegriffen. "Invincible Fighter"...! Lächerlich! Niemand ist unbesiegbar!

S'ci(belustigt): Wenn Sie es sagen, Admiral... Haben Sie eine Ahnung, warum T'yla Creo-Exat unter Beschuß genommen haben könnte?

Pyrique: Sie hat sich nicht in dieser Richtung geäußert. -- Kennen Sie die Dame etwa?

S'ci: Oh, sie ist eine persönliche 'Freundin' von mir...

Pyrique: Aha. Auf jeden Fall scheint sie ebenso ein Superraumschiff zu besitzen wie Sie. Sie hat alle drei Raumflotten von Creo-Exat mit einem Energiezapffeld vollständig lahmgelegt. Dann flog sie zu unserer Heimatwelt und beschoß Creo-Exat mit einer Strahlung, die sämtliches Varium in irgendein Gas auflöste.

Der Admiral sieht S'ci hilflos an. Diese Angelegenheit wächst ihm entschieden über den Kopf.

Pyrique: Wissen Sie, was dieser Angriff für Creo-Exat bedeutet, Madame Coroun? Der Planet ist ruiniert! Varium war unsere bedeutsamste Geldquelle...

S'ci: Mein verehrter Admiral Pyrique -- hier geht es nicht nur um Creo-Exat, sondern um die gesamte Galaktische Union! Haben Sie den Rat der Planeten informiert?

Pyrique: Was geht uns der Planetenrat an? Creo-Exat ist eine freie Welt!

S'ci: Okay okay... Schaffen Sie es mit Ihren Schiffen nach Creo-Exat zurück?

Pyrique: Ich denke schon -- wenn die Batterien wieder etwas Energie gespeichert haben.

S'ci: Nun gut, dann würde ich Ihnen empfehlen, sich zu Ihrem Heimatplaneten zu begeben und dort ein wenig mitzuhelfen, die Situation in den Griff zu bekommen. Bye.

Pyrique: In Ordnung. Ende.

Fyu hat über mecon Cosna verständigt. Der Hauptcomputer schickt sofort ein Hilfsschiff mit einer Ladung Varium ins Alnair-System. Da T'yla nicht nur die natürlichen Variumlager Creo-Exats, sondern auch noch die bereits weiterverwendeten Bestände pulverisiert hat, herrscht auf dem Planeten Chaos total. Kurz darauf trifft das Trägerschiff Shalcéna vai Tharnéa ein und landet auf Creo-Exat. Dies ist eine außergewöhnliche Ausnahme, denn normalerweise landen die 5200 Meter langen Raumergiganten der Friedenshüter nur auf Welten, die über Vakuum-Raumhäfen verfügen. Die Shalcéna vai Tharnéa setzt auf dem in aller Eile abgesperrten Raumhafen von Déveure auf. Coshal, der Bordcomputer des Trägerschiffs meldet sich über comset bei der Landekontrolle.

Coshal: comset; Coshal an den oder die Verantwortliche auf diesem Raumhafen: Bitte kommen!

Jérôme: Bodenstation von Déveure, Leutnant Jérôme Marcaille, an Coshal: Was wünschen Sie?

Das Funkgerät arbeitet nur mangelhaft, da es nur über eine Notstromquelle betrieben wird, doch Coshal gelingt es, alle Störungen herauszufiltern.

Coshal: Ich bin im Auftrag der Hüter des Friedens nach Alnair VI/Creo-Exat geflogen, um Ihnen meine Hilfe anzubieten. An Bord der Shalcéna vai Tharnéa befindet sich eine Ladung Varium, um erst einmal die vordringlichsten Bedürfnisse zu befriedigen. Nennen Sie mir bitte die Orte, an denen das Mineral am dringendsten benötigt wird.

Leutnant Marcaille ist selbstredend ziemlich verblüfft. Dann teilt er Coshal die Positionen einiger Medocenter u.ä. mit.

Jérôme: Ansonsten werde ich erst einmal einen Rundruf an die wichtigsten Stellen von Creo-Exat schicken. Man sollte dort eine genaue Bestandsaufnahme aller Schäden veranlassen. Ich danke Ihnen für diese schnelle und unbürokratische Hilfe, Monsieur Coshal...

Coshal: Oh, bitte nicht 'Monsieur'... Ich bin der Bordcomputer dieses Trägerschiffs.

Der leicht amüsierte Unterton seiner Stimme versetzt Jérôme noch zusätzlich in Erstaunen. Ein Computer?!

Jérôme: Äh, trotzdem vielen Dank, Coshal...!

Coshal: Gern geschehen, Leutnant Marcaille. Bye.

In den folgenden Stunden und Tagen TZ sind die Robots der Shalcéna vai Tharnéa in pausenlosem Einsatz, während das Trägerschiff selbst ständig zwischen Sna-Tgyhl und Creo-Exat hin und her pendelt, um Nachschub an Varium zu besorgen.

* * *

Nach zwei Wochen TZ hat Coshal es geschafft: Auf Alnair VI/Creo-Exat sind wieder erträgliche Zustände eingekehrt. Die Kraftwerke sind wieder im Einsatz und schicken mit Hilfe von Variumsendern die Energie an die Verteilersatelliten und von dort zu den Empfängern, die Dank Coshals Eingreifen ebenfalls wieder funktionieren. Ebenso sind nun die Ozeanstädte und Raumstationen außer Gefahr. In den Medocentern werden noch die Verletzten behandelt, die bei den zahllosen Unfällen durch nicht mehr funktionierende Lifts, abstürzende Gleiter etc. zu Schaden gekommen sind. Bedauerlicherweise sind auch viele Todesopfer zu beklagen, denn nicht immer stürzten beispielsweise Gleiter nur aus geringer Höhe oder auf menschenleere Flächen ab.

Präsident Damien Lecélèbre ist immer noch verschwunden. Es geht die allgemeine Befürchtung um, daß er bis auf weiteres auch verschwunden bleiben wird. Wie auch immer, vorerst hat Senatorin Caréma Satoere, die Stellvertreterin des Präsidenten, die Regierungsgeschäfte übernommen.

Am 21:03:2226TZ möchte Coshal eigentlich wieder nach Cirenn-S'cirain, Viresta I/Sna-Tgyhl zurücktransmittieren, doch zuvor muß er sich noch die ellenlangen Dankesreden der exenischen Politiker anhören -- was kümmert es die, daß Coshal ein Computer ist, der dieses Drama mit der stoischen Gelassenheit über sich ergehen läßt, die eben nur ein Comp entwickeln kann...

Mit einer Verzögerung von einem Tag TZ startet die Shalcéna vai Tharnéa nach Sna-Tgyhl. Während der ganzen Aufregung haben alle ganz vergessen, Coshal zu fragen, woher er eigentlich das Varium hatte.

* * *

Jetzt aber erst einmal wieder zurück zum 06:03:2226TZ.

Rûn: Warum haben wir uns dann eigentlich nicht die Bohne um die IF gekümmert?! Die konnte einfach so den Planeten beschießen und dann ungestraft verduften!

Fyu: Es hätte keinen Zweck gehabt, die IF anzugreifen. Sie hatte uns in der Ortung, T'yla kann man nur überraschen -- und selbst das muß noch nicht einmal Erfolg haben. Die IF ist nun einmal wirklich ein IF...

Senic: So kann man es auch nennen... Ein 'Wenn' oder ein 'Unbesiegbarer Kämpfer'...!

S'ci(grinsend): Oder eben eine 'Unbesiegbare Kämpferin'...!

Fyu: Nun gut, auch das...

Rûn: Naja, dann nicht...! Aber etwas anderes würde mich einmal interessieren... Dieses Trägerschiff, die Schallkeena-- wie hieß sie?

S'ci: Shalcéna vai Tharnéa.

Rûn: Danke -- also, die Shalcéna vai Tharnéa hatte doch Varium an Bord. -- Woher?

S'ci: Ay. Du hast noch nicht von einem Vejdeamarrvheikil gehört?

Rûn: Nein.

Marn(interessiert): Ich auch nicht.

S'ci: Gut. Der Vejdeamarrvheikil -- das Wort stammt aus der Alten Sprache S'selite und bedeutet Gedankenmaterialisator -- arbeitet mit einer Energieschablone, die aus einer präzisen Vorstellung oder eventuell Cosnas Datenfundus abgeleitet wird. Diese wird der Mut'Imilkei ausgesetzt, die dann zu dem gewünschten Objekt kristallisiert.

Marn: Was ist denn Mut'Imilkei?

S'ci: Mut'Imilkei und Interenmatrie sind die beiden Zwischen-Energie-und-Materie-Zustände.

Rûn: Aha...?! -- Aha...!

Er nickt, eher zweifelnd. Marn schließt sich ihm an.

S'ci: Soll ich dir mal genau erklären, wie...

Rûn: Äh, laß nur, ich glaube dir auch so...!

Fyu: Ich habe gerade bei unserem hochgeschätzten Archivcomp nachgefragt, ob er hier in der Nähe einen bis dato noch nicht erschlossenen Varium-Planeten kennt.

S'ci: Und?

Fyu: Codaa hat mir Payáva VI/Valyrà wärmstens empfohlen.

S'ci: So?! Und wo liegt die Welt mit dem klangvollen Namen?

Fyu: Nehgqù-Xuqù; 0h58mREK/-29:40DEK --Scl 82.8pc -- Payáva wird nebenbei auf Sol III/Terra als Alpha Sculptoris geführt -- ein B5-Stern wie auch Alnair. Hat nebenbei 13 Planeten, die allerdings noch nicht erforscht worden sind. Zumindest, was die Kartographen der Galaktischen Union betrifft...

Marn: Ich setze den Kurs, Fyu.

Der junge Kommandant nickt dem Co-Piloten zu.

* * *

Im Payáva-System:

Marn: Da sind wir...

Rûn: Laut RÜ haben die Planeten 5 und 6 eine Sauerstoffatmosphäre. Bei Numero 6 zeigt die Spektralanalyse die typische Linie für Varium an.

Fyu: Hat Codaa doch gesagt. Valyrà ist ein Varium-Planet.

Rûn: Marn, fliege doch bitte Payáva VI an!

Marn: Okay -- manchmal tu' ich sogar dir einen Gefallen...

Rûn: Wie lieb von dir... -- Ah, jetzt bekomme ich weitere Daten.

Die Ökologie kann ich von hier aus nicht beurteilen. Wir sollten vielleicht landen und uns das Ganze von nahem betrachten.

Fyu: Okay. Marn, Senic, nehmt ihr die Shootie und seht euch einmal auf dem Planeten um.

Marn: Okay, Fyu.

Auch der Wissenschaftler nickt zustimmend. Marn und Senic begeben sich zum Beiboothangar der Terra und machen sich alsbald auf den Weg nach Payáva VI/Valyrà.

S'ci: Dann fliegen wir zur V/Vejrera -- ay dhévho?

Fyu: Mit dem größten Vergnügen, Schatz!

Er küßt sie kurz. Rûn hüstelt diskret, woraufhin Fyu sich zum Steuerpult trollt und den Kurs programmiert. S'ci läßt sich im Sessel vor de Raumüberwachungsanlage nieder. Noch zeigt die visuelle Überwachung die goldgelb/blau/grüne Kugel Valyrà. Abrupt wechselt das Bild, als die Terra in einen Orbit um die Vejrera transmittiert. Drei Viertel der Planetenoberfläche sind von einem dunkelviolett schimmernden Ozean bedeckt. Die sechzehn Kontinente von der Größe Australiens sind gleichmäßig in dem Weltmeer verteilt.

S'ci: Ah, Auswertung -- Daten:

Fyu(stirnrunzelnd): Die Temperatur irritiert mich!

S'ci: Es ist fast kein Kohlendioxid in der Atmosphäre. Nebenbei, die Polkappen der Vejrera sind ziemlich ausgedehnt -- also noch ein Faktor, der die Temperatur relativ niedrig hält.

Fyu: Intelligentes Leben?

S'ci: Ich messe keinerlei Energieemissionen an, die darauf hindeuten. Ob allerdings eine nichttechnische Zivilisationen existiert, kann ich nicht sagen.

Fyu: Das ist im Fall der Vejrera auch nicht wichtig. Valyrà ist für uns interessant.

S'ci: Oh, Fyu! Der Mond der Vejrera wäre eine Fundgrube für Kolonisten. Hier gibt es größere Mengen kristallinen Kohlenstoffs für die Diamantoplast-Produktion. Außerdem habe ich hier eine ganz verrückte Linie auf dem Schirm. -- Jeih, das ist Leadil!

Der 'Pseudostoff' Leadil ist halb energetisch und leuchtet türkis. Bei Beschuß mit Photonen wird die Leadil-Energie freigesetzt. Ohne diese Pseudostoff wäre in der Galaktischen Union keine überlichtschnelle Raumfahrt möglich, denn nur Leadil-Energie erhöht den x-Wert eines Raumschiffs soweit, daß es in den Plus-x-Raum eintreten kann, wo Geschwindigkeiten über der des Lichtes erreicht werden.

(Das Transmit-Prinzip der Alten Völker ist in der GU nicht mehr bekannt.)

S'ci: Mal sehen, wieviel von dem Zeug auf Vejrera I/Leadya existiert. Der Mond befindet sich offensichtlich im Bereich einer Strahlungsquelle... -- halt, das geht ja nicht, sonst müßte sich auf der Vejrera auch Leadil gebildet haben... Amyshica! Wo kommt das Zeug nun her...?

Fyu: Sag mal S'ci -- das fällt mir gerade auf... Wie alt ist dieses System eigentlich?

S'ci liest die Daten von ihrem Monitor ab.

S'ci: 700 Mio Jahre TZ.

Fyu(entgeistert): Siebenhundert Millionen Jahre TZ nur?!

S'ci: Na und?!

Fyu: Zu diesem Zeitpunkt müßten die Planeten noch wunderbar hübsch glühen! Das hat zumindest die gute, alte Sol III/Terra zu dieser Zeit getan...

S'ci: Ach stimmt ja, du kennst einige der sagenhaftesten Errungenschaften der Alten Völker immer noch nicht...!

Fyu: Hä?!

S'ci: Nun, wie du vielleicht -- oder auch nicht -- bemerkt hast, gibt es viele A--, B-- und sogar O-Sterne, die über besiedlungsfähige Planeten verfügen.

Fyu: Sicherlich. Partokla zum Beispiel ist ein O9-Stern, Alnair, Accra und Missaa-Y sind B-Sterne, Tìraan, Yuzul und Smaragd sind A-Sonnen... Da habe ich eigentlich noch gar nicht darüber nachgedacht!

S'ci: Siehst du -- und die Planetensysteme solcher jungen Sterne sind in fast allen Fällen von den Systeminstallateuren der S'selitez konstruiert worden. Damit wollten die Alten Völker von vorneherein Überbevölkerungsprobleme aus dem Universum schaffen.

Fyu: Unglaublich...!

S'ci(nachdenklich): Ayée... Die letzte große Planetformerin der s'selitez'schen Systeminstallateure war -- glaube ich -- T'Veysh...

Fyu: Ä-hem... Ich kenne die Dame nicht...!

Er muß diese unglaubliche News erst einmal verdauen.

S'ci: Schwerlich, wo die S'selitez vor 250 Mio Jahren TZ untergegangen sind... Eigentlich schade, denn sie waren wirklich mit Abstand das größte der dreizehn Alten Völker des Bundes der Vier Galaxien... Nach ihrem Tod geriet auch der Bund langsam aber sicher in Vergessenheit.

Fyu: Aber die Friedenshüter arbeiten doch wieder in den Vier Galaxien...!

S'ci: Ja, wir werden wieder damit beginnen, die Vier Galaxien erneut zu vereinigen. Mit den jungen Völkern der Jetzt-Zeit und den verbliebenen Alten Völkern werden wir einen Neuen Bund errichten -- aber das mag noch Jahrtausende TZ dauern...

Fyu: Sag mal, S'ci... Was die Systeminstallateure betrifft -- ist die Erde eigentlich auch ein künstlicher Planet?

S'ci: Sol III/Terra? Nicht daß ich wüßte. Sol ist ein G2V-Stern, wenn mich nicht alles täuscht... -- Nein, dann ist das Sol-System mit hoher Wahrscheinlichkeit natürlich. Es sei denn...

Fyu: Was?

S'ci: Es sei denn, die Ahnen hätten das System geschaffen...

Fyu(langsam etwas ungeduldig): Wer sind denn nun schon wieder die Ahnen?!

S'ci: Vermutlich Wesen einer anderen Zeitebene -- sie waren jedenfalls vor den Alten Völkern da. Aber von den Ahnen -- die S'selitez nannten sie Av'emtyi, 'die vom Anfang' -- gibt es als einziges nachweisbares Zeugnis die Tatsache, daß der Alte Planet H'alásta II/S'selite ebenfalls künstlich ist. Du mußt wissen, Fyu, die S'selitez waren das erste der Alten Völker... Ay, und jetzt gibt es nur noch fünf AVs...

Senic: mecon; Senic and Terra: Bitte kommen!

S'ci: Hallo Senic! Was gibt's?

Senic: Könnt ihr uns aus dem Orbit von Valyrà abholen?

S'ci: Können wir -- sollen wir auch?

Senic: Haha! -- Nebenbei, Valyrà ist eine A-Welt, wollte ich noch loswerden. Rundum perfekt für die Kolonisierung duch Humanoide der Cyrea-- oder auch Laan-Linie.

(In den Vier Galaxien gibt es drei große Blutlinien der humanoiden Rassen: die Cyrea-Linie (rotes - Hämoglobin - Blut); die S'selite-Linie (grünes - Chlorocruorin - Blut); und die Laan-Linie (blaues - Hämocyanin - Blut).

Jede dieser Blutlinien ist nach dem Alten Volk benannt, von dem sie abstammt. So gehören beispielsweise Karane und Terraner zur Cyrea-Linie, Comaany und Syaane zur Laan-Linie -- nur die alte S'selite-Linie scheint mittlerweile komplett ausgestorben zu sein.)

S'ci: Gut. Ich habe nichts anderes erwartet.

Fyu: Wir düsen dann mit der Terra zur Valyrà zurück.

Senic: Wir warten.

Fyu(grinsend): Es wird euch wohl nichts anderes übrig bleiben.

Senic: Haha! Ende.

Fyu: Ende.

Nachdem Senic und Marn wieder an Bord sind, schaut Fyu den Wissenschaftler erwartungvoll an.

Fyu: Was sagst du nun?

Senic: Der Planet ist 1A für eine Erschließung geeignet. Wir können getrost nach Cenvay IV/Vie fliegen und dem Rat der Planeten die Entdeckung eines neuen Varium-Planeten verkünden.

Fyu: Marn, setze bitte den Kurs ins Cenvay-System.

Marn: Wird gemacht, Fyu.

Sekundenbruchteile später...

Marn: Voici, wir sind da!

Rûn: Wir werden angefunkt.

Fyu: Auf den großen Schirm damit.

Rûn: Okay.

Nadine: Kreuzer Leeda unter C.Nadine Miville an anfliegendes Schiff: Bitte kommen!

C.Miville ist eine dunkelhäutige Frau in den mittleren Jahren. Sie trägt die dunkelgelbe Uniform des vienischen Geheimdienstes mit den roten Streifen der Raumpilotin und blickt Fyu aus ernsten, türkisfarbenen Augen an.

Fyu: Raumschiff Terra unter C.Fyu T-S'cèr. Ich höre.

Nadine: Ich muß Sie darum ersuchen, das Cenvay-System umgehend zu verlassen. Cenvay IV/Vie ist zur Zeit aufgrund einer Krisensitzung des Planetenrates für Außerplanetarier gesperrt.

Fyu: Entschuldigen Sie, C.Miville, wir haben eine wichtige Mittelung an den Rat der Planeten...

Nadine: Ich bedaure außerordentlich, C.T-S'cèr, aber ich bin an meine Weisungen gebunden.

Senic(kategorisch): Fyu, laß mich mal 'ran!

Fyu: Gute Idee...

Der Wissenschaftler fährt sich kurz durch seinen nicht mehr ganz so jugendlich dichten, meist etwas wirren Blondschopf und bemüht sich um einen würdevollen Gesichtsausdruck.

Senic: Hier spricht Planetenrat Senic Taim, Codenummer Alpha 7219415; Code Null-Eins-A-Zero-Zero-S. Planetenrat Taim. Ende.

Nadine: Oh, wenn das so ist... Hiermit erteile ich Ihnen selbstverständlich sofort die Landeerlaubnis. Entschuldigen Sie vielmals die Störung, Rat Taim. Ende.

C.Miville schaltet ab. S'ci und Fyu prusten los.

S'ci(grinsend): 'Entschuldigen Sie vielmals die Störung, Rat Taim...'... -- Sehr praktisch, wenn man so ein hohes Tier an Bord hat.

Auch Senic grinst über alle vier Backen.

Fyu: Marn, lande die Kiste bitte auf Vie-Spaceport.

Marn: Ist schon so gut wie erledigt, Fyu.

Die Terra schwebt zu nachtschlafener Zeit auf den Großraumhafen Vie-Spaceport herunter. Dort herrscht nichtsdestotrotz reger Flugverkehr, und die Terra muß geraume Zeit in einer Warteschleife über dem Landefeld kreisen. Endlich steht das Raumschiff auf dem selbstleuchtenden Boden, der das gesamte Raumhafenareal in ein taghelles Licht taucht, ohne jedoch zu blenden.

Rûn: Viel zu bombastisch, das alles hier...

Marn pflichtet ihm bei. Die Crew sichert die Anlagen, bevor die fünf Leute aussteigen. Senic blickt sich suchend um, dann entdeckt er die unvermeidliche Eskorte: vier Raumpolizisten unter der Führung eines Offiziers aus dem Volk der Coaxi, eines achtbeinigen, spinnenartigen Wesens von Kraz VII/Nollakho. Der Coaxi -- an der silbernen Zeichnung auf seinem dunkelblauen Fell erkennt man, daß er zum dritten männlichen Soldatengeschlecht gehört -- zirpt etwas in sein Translatorarmband. Der übersetzte Wortlaut läßt die vier vienischen Polizisten in Habacht-Stellung erstarren. Ein weiterer Befehl, und die rotuniformierten Vieni salutieren vor dem Rat der Planeten Senic Taim, der die ganze Prozedur leicht gestreßt über sich ergehen läßt. Fyu wendet sich zu S'ci um und rollt vielsagend die Augen. S'ci unterdrückt krampfhaft einen akuten Kicheranfall. Endlich setzen sich die Polizisten -- zwei Männer und zwei Frauen -- zackig in Bewegung und nehmen Senic & Anhang in Schlepptau.

Rûn(leise zu Fyu): Warum hat dieser Offizier Senic nicht begrüßt?

Fyu(achselzuckend): Laut Protokoll darf ein Planetenrat zuallererst nur vom Admiral des Rates begrüßt werden. Idiotie, aber was soll's?

Die zehn Personen erreichen einen luxuriösen Staatsgleiter, dessen goldblitzende Karosserie mehr als nur auf Hochglanz gebracht worden ist. Zwei Piloten in schneeweißen Uniformen sitzen mit arrogantem Gesicht hinter den Kontrollen. Die Frau im Sitz des ersten Piloten hat schulterlanges, eisweißes Haar, offensichtlich eine Marsianerin. Die Marskolonisten (ebenso wie die Bewohner der Weltraumstadt Antluna) sind galaxisweit als überaus begabte Piloten und Navigatoren bekannt, die sich meist eine ganze Menge auf diesen guten Ruf einbilden. Auch die Co-Pilotin ist eine platinblonde Dame von Sol IV/Mars.

Der Coaxi trillert eine Anweisung, und eine Seitenwand des Schwebers wird instabil. Nachdem alle an Bord sind, verstofflicht sie sich wieder. Fyu blickt sich in der pompösen Kabine um und schüttelt nur den Kopf.

Endlich schwebt das Fahrzeug über eine Rampe in die Tiefgarage neben dem grandiosen Ratsgebäude, das aus Millionen funkelnder, vielfarbiger Edelsteine errichtet zu sein scheint. Dieser kristallene Palast liegt inmitten einer exotischen Parklandschaft mit düstervioletten Buschgräsern und rötlich phosphoreszierenden Blüten unter dem gleißenden Sternenhimmel von Vie und schimmert in einem inneren, farblich changierenden Licht.

Fyu: Wieder einmal viel zu schön um wahr zu sein...

Senic: Die Baukosten haben Unsummen verschlungen. Es hat einiges an Protest von wegen 'Verschwendung von öffentlichen Steuergeldern' gegeben, aber wie du siehst, wurde der Schuppen trotzdem gebaut.

S'ci: Mir gefällt's. Die Farben sind ausgesprochen exquisit.

Fyu: Aber an der Gestaltung der einzelnen Formen hapert es ein wenig...

S'ci: Mir kommt es auf die Farben an.

Der Gleiter setzt in einer Parkbucht auf. Die Seitenwand destabilisiert sich wieder, und der Coaxi und seine Untergebenen steigen aus. Sie stellen sich in zwei Reihen neben dem Ausgang auf, so daß Senic & Co. wohl oder übel an ihnen vorbei defilieren müssen.

Irgendwann kommen sie dann auch in dem geräumigen Ratssaal an, dessen schillernde Kristallkuppel ein farblich verfälschtes Bild des prächtigen vienischen Sternenhimmels wiedergibt.

Admiral George Carsons, ein mittelgroßer, rothaariger Karanyo mit ruhigen, dunkelgrauen Augen, ist der momentane Vorsitzende des Planetenrates. Er trägt die zeremonielle, dunkelblaue Robe seines Amtes und steht erfreut auf, als er die Neuankömmlinge erblickt.

Allerdings kann er sie nicht so herzlich begrüßen, wie er es eigentlich wollte, denn das lassen die Konventionen nicht zu.

George: Seid gegrüßt, Rat Taim! -- Und S'ci Coroun und C.T-S'cèr junior! Was führt Euch zu uns?

Senic und Co. sind bei der Rednertribüne angekommen. Der Wissenschaftler macht eine angedeutete Verbeugung in Richtung Kamera und Admiral George Carsons.

Senic: Ruà, vayráni sávhenyi -- seid gegrüßt, verehrte Räte. -- Auch Euch erbiete ich Gruß, Admiral Carsons. Wir haben eine Mitteilung zu machen, die Eure augenblicklichen Sorgen auf einen Schlag beseitigen wird. -- C.T-S'cèr, bitte.

Fyu: Äh, seid gegrüßt, werte Räte, Admiral... Ich bin soeben mit der Terra von dem Planeten Payáva VI/Valyrà zurückgekehrt, der über beträchtliche Varium-Reserven verfügt. Gemäß Paragraph 1985 der Raumstatuten der Galaktischen Union ist der Entdecker eines Planeten dazu ermächtigt, ihn auszubeuten, solange seine Interessen nicht mit denen eines eingeborenen Volksstammes kollidieren. Der Planet Valyrà ist unbewohnt. Ich gebe mein Recht als Entdecker Payáva VI/Valyràs nach Paragraph 1985/b an den Rat der Planeten ab. So. Das wär's.

Totenstille im Sitzungssaal.

Dann stürzen diverse Reporter der bekanntesten Info-Gruppen der Galaktischen Union zur Rednertribüne.

Fyu(ehrlich entsetzt): Hilfe!

Senic(leise lachend): Sol III/Terra, Cenvay IV/Vie, Vekhi IV/Wittzeth-OBYU, Engel II/Eden, Accra II/Kara, Helios III/Erde-Zwei...

Er hält kurz inne und läßt seinen Blick über die links kommende Meute von Reportern schweifen.

Senic: ...sowie Shallh IV/Bavary, Success V/Home, Sayèrr IV/Nejaja, Vodaer IV/Vodoli, Evhao III/Sanra, Hemonda IV/Antae -- um nur ein paar von ihnen zu nennen... Tja, Fyu, ich glaube, diesmal kommst du nicht so glimpflich davon wie bei Petes Geburtstag...

Dort war Fyu mit S'ci klammheimlich verschwunden, bevor ihn die Damen und Herren Reporter beim Wickel kriegen konnten.

Inzwischen ist die erste Flutwelle angekommen. Fyu setzt einen fatalistischen Gesichtsausdruck auf. S'ci grinst verstohlen in sich hinein, Senic dagegen eher breit... Sehide Ekmekyemez, die schwarzhaarige terranische Reporterin von Terra-Trivid ist als erste da und hält Fyu ein Mikro unter die Nase.

Sehide: Woher wußten Sie, daß es auf diesem Planeten -- Payáva III/Valyrà -- Varium gibt, C.T-S'cèr?

Fyu: Weil ich gerade von dort gekommen bin!

Sehide(ärgerlich): Ich meinte damit, woher hatten Sie die Informationen, daß eben dieser Planet über Varium-Vorkommen verfügt?

Fyu: Von Codaa, dem Computerzentrum von Daa-Gesdah, wenn Ihnen das etwas sagt...!

Sehide: Nein. Würden Sie mir bitte erklären, was dieses Computerzentrum ist? Wer hat es errichtet? Woher verfügt es über diese Informationen?

Fyu: Die Erbauer waren das Alte Volk von S'selite, und sie haben es auch mit Daten versorgt...

Jetzt ist Philippe Fabien, der Reporter der Vie-News, der Meinung, daß nun endlich er an der Reihe sei. Der dunkelhäutige Viene drängt die Terranerin ab.

Philippe: Entschuldigen Sie vielmals, Frau Kollegin, aber dürfte ich C.T-S'cèr auch ein paar Fragen stellen? Danke... -- C.T-S'cèr, was haben Sie mit den Hütern des Friedens zu tun?

Laraine Danóva von der Selku-Newa-News ist der Ansicht, daß sich Philippe allzu vehement vorgedrängelt hat.

Laraine: Entschuldigen Sie, C.T-S'cèr...

Philippe: Meine liebe Kollegin, ich warte gerade auf eine Antwort C.T-S'cèrs! Würden Sie bitte so höflich sein, mich nicht einfach so zu unterbrechen?

Unterdessen hat sich der Vodoli-Trivid-Mann Kastor Mathews ganz nach vorne geschoben.

Kastor: C.T-S'cèr, bitte, könnten Sie mir sagen...

Sehide: Ich interviewe C.T-S'cèr gerade!

Die Reporterin Charmian Eiras von Bavary-Information setzt sich ganz resolut durch das Stimmengewühl durch.

Charmian: Ich habe auch noch ein paar Fragen!

Laraine: Ich bin jetzt dran!

Kastor: C.T-S'cèr, würden Sie mir bitte einige Fragen beant... Heeee! Wo ist er denn?

Weg.

Fyu hat blitzschnell die Gunst der Sekunde genutzt, seinen AsVA-Kombi-Schild aktiviert und ist mit S'ci verschwunden. Senic bleibt noch auf Cenvay IV/Vie, um die Formalitäten zu erledigen.

* * *

Wieder auf der Terra:

Fyu läßt sich erleichtert in den Kommandosessel plumpsen.

Fyu: Puh! Geschafft!

S'ci(kichernd): Die Reporter sicherlich auch...!

Ihr Team-Partner beginnt ebenfalls zu lachen.

Fyu: Schade, daß ich die Gesichter der Damen und Herren da nicht sehen kann!

S'ci: Da hat doch bestimmt mindestens einer die Geistesgegenwart besessen, die Szene aufzuzeichnen...! Rûn, geh doch mal die ganzen Trivid-Programme durch!

Rûn: Worauf du dich verlassen kannst. Na bitte! Der Shirìdaán von Accra II/Kara. -- Welche Info-Gruppe auch sonst?

Er schaltet das Bild auf den großen Frontschirm der Terra. Zunächst sieht man noch den Kopf des karanischen Reporters Roi-Ván mit seiner violetten Mähne und den goldfarbenen Augen im gutgeschnittenen Gesicht, dann wird zur Versammlungshalle umgeblendet. Im Hintergrund unterhält sich Senic leise mit George -- man kann nichts hören, doch der Admiral gestikuliert heftig mit den Armen -- vermutlich überlegt er, wie er es am besten schaffen kann, die Versammlung zur Ruhe zu bewegen. Immer noch umschwirren die Reporter die Rednertribüne und suchen nach Fyu und S'ci.

Roi-Ván: Hier kommentiert Roi-Ván, direkt aus dem Saal des Rats der Planeten auf Cenvay IV/Vie. Wie es uns während der Krisensitzung des Planetenrates zu Ohren gekommen ist, wurde auf dem Planeten Alnair VI/Creo-Exat durch eine unbekannte Waffe jegliches Varium vernichtet. Als der Rat noch darüber beriet, erschien der junge Raumschiffkommandant C.Fyu T-S'cèr in Begleitung des Planetenrates Senic Taim und der Friedenshüterin S'ci Coroun...

Fyu: Heavens, wenn ich mich jetzt noch mal unerkannt auf einen Planeten wagen kann...!

Roi-Ván: C.T-S'cèr teilte dem Rat mit, daß er einen neuen Varium-Planeten gefunden habe -- Payáva VI/Valyrà -- den er gemäß Paragraph 1985/b der Raumstatuten an den Rat der GU abtrat. Man war natürlich sehr überrascht über diese unerwartete Wendung, über Einzelheiten befragt, gab C.T-S'cèr jedoch nur nichtssagende Antworten. Kurz darauf gab es unter den anwesenden Reportern Mißstimmigkeiten, und die dadurch verursachte Verwirrung nutzte C.T-S'cér, um sich zu entfernen...

S'ci(kichernd): So kann man es auch nennen...!

Roi-Ván: Auch die Friedenshüterin S'ci Coroun tauchte in dem Gewühl unter -- sehr zum Leidwesen der Reporter.

Rûn(grinsend): Oha, die werden wohl auch ein Auge auf S'ci geworfen haben...

Fyu: Oha, denen hätte ich ganz schön was geflötet!

S'ci: Oha, du bist eifersüchtig...!

Fyu: Iiiich?!

Roi-Ván: ...und es ist bis jetzt rätselhaft, wie ihnen das so spurlos gelingen konnte.

Man sieht nochmals den Versammlungssaal. George Carsons bemüht sich, ein wenig Ordnung in das wüste Gewimmel in der Halle zu bringen.

George: Ruhe, meine Damen und Herren, ich bitte um Ruhe!

Roi-Ván: Admiral Carsons, dem Vorsitzenden des Rats der Planeten scheint es nicht zu gelingen, die Sitzung wieder zur Ordnung zu rufen.

S'ci: Der Ärmste tut mir echt leid... Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis er das schafft...

George: Ich bitte um Ruhe!

Fyu(kichernd): Heavens, das hörte sich aber nicht unbedingt wie eine Bitte an...!

S'ci: Wer kann's ihm verdenken?

George: Ruhe!

Die Reporter wirbeln immer noch durcheinander und suchen nach den auf so unerklärliche Weise Verschwundenen.

Fyu: Jetzt wird es allmählich langweilig.

Rûn schaltet das Funkgerät ab.

S'ci: Hm. Und nun?

Fyu: Vielleicht sollten wir doch noch einmal versuchen, die Spur der IF aufzunehmen.

S'ci: Wo wir T'ylas Anschlag auf die GU abgewehrt haben, wird sie jetzt ziemlich wütend auf uns sein... Ich glaube, wir brauchen nur abzuwarten -- sie wird sich schon melden. Und wenn sie dann glaubt, sie hat uns in der Falle, dann schlagen wir zu!

Fyu: Phänomenaler Plan, S'ci, aber was machen wir, wenn wir wirklich in der Patsche sitzen?

S'ci: Pech gehabt.

Fyu: Zu allererst müssen wir herausfinden, wo die IF momentan steckt.

Rûn: Ich rufe mal Cosna. Der wird das ja wohl wissen.

Fyu: Gut.

Rûn: mecon; Rûn an Cosna: Bitte kommen!

Cosna: Hallo Rûn! Was ist los?

Rûn: Bist du in der Lage die augenblickliche Position der Invincible Fighter zu ermitteln?

Cosna: Moment -- hier in Cirenn-S'cirain steht das Schiff nicht. Ich frage bei den anderen Hauptcomputern nach.

Es gibt eine Pause von wenigen Sekundenbruchteilen, in denen sich das Symbol Cosnas nicht im Geringsten verändert, obwohl er in dieser Zeit Kontakt mit drei anderen Galaxien aufnimmt. Ruhig leuchtet seine grün/gold/silberne Planetenkugel auf regenbogenfarbenem Grund.

Cosna: Coen hat sie lokalisiert. Alnair XII/Compejjo. Koordinaten: 22h05mREK/-47:30DEK --Gru 28pc.

Rûn: Danke. Ende.

Cosna: Bye, Rûn.

Marn: Ich habe den Kurs ins Alnair-System gesetzt.

Fyu: Springen wir. Wer weiß, vielleicht können wir etwas über T'ylas Absichten in Erfahrung bringen.

Wie alle an Bord ist er sich über die nächsten Schachzüge nicht ganz im Klaren. -- Aber irgendetwas müssen sie ja machen...

S'ci: Ich würde ganz gerne mal wissen, was T'yla auf Compejjo zu suchen hat. Will sie Creo-Exat beobachten? Dort steht gerade die Shalcéna vai Tharnéa.

Fyu: Ach, ich weiß nicht. Ich weiß sowieso nichts. Woher auch? -- Marn, wirf die Triebwerke an.

Marn: Okay.

* * *

Im Alnair-System:

S'ci: Wo sind wir?

Rûn: Am Rand des Systems. Compejjo liegt 'vor' uns in Richtung auf Alnair. Sollten wir es nicht mit einem Blitzangriff versuchen? Vollschub Anflug, dann eine Paralyzer-Ladung, und wir haben die Lady.

Fyu: Wenn's so einfach wäre...

S'ci: Jaja, wenn das Wörtchen 'wenn' nicht wäre...!

Fyu: Wir können es immerhin versuchen. Position der IF?

Rûn: Ein Krater auf Compejjo. Marn hat die Daten.

Fyu: Gut. Marn, du übernimmst die Feuerleit, Rûn an die RÜ -- S'ci, kannst du mit dem Comp umgehen?

S'ci: Was für eine Frage!

Fyu: Okay -- und ich fliege.

Die Terra ist voll kampfbereit, beschleunigt und stürzt sich adlergleich auf die ruhig daliegende IF. Doch kaum ist die Terra nur eine Lichtsekunde von Compejjo entfernt, da schießt die IF auch schon pfeilschnell in den Weltraum. T'ylas Raumer kann noch kurze Zeit von der Ortung verfolgt werden und verschwindet dann auf Nimmerwiedersehen.

Fyu(entgeistert): Beim Schwarzen Loch im Sternbild Schwan, was war denn das?

Rûn: Ts! Futsch, als ob sie sich in Nichts aufgelöst hat...

S'ci: Daten, Rûn! Ich hänge hier nicht umsonst am Comp. Mal sehen, vielleicht kann ich ihre Abschirmung analysieren.

Rûn: Aye aye, Commander...

S'ci: Sie ist ohne Energieentfaltung transmittiert -- so sieht es zumindest aus. Ich schicke die Daten wohl besser an Cosna. Der wird wohl wissen, was er damit anfangen kann...

Postwendend kommt Cosnas Antwort.

Cosna: mecon; Cosna an S'ci: Bitte kommen!

S'ci: Hallo Cosna! Was gibt's?

Cosna: Ich glaube, ich hab's!

S'ci: Ach?!

Cosna: Anhand deiner Daten habe ich eine Abschirmung entwickelt, die die der IF sogar noch übertrifft. Und zusätzlich noch ein Ortungsgerät. Cosna macht's mal wieder möglich. Naja, ich muß gestehen, daß die gesamten Grundprinzipien bereits in anderen AV-Gerätschaften verwendet worden sind. Es ist keine Schwierigkeit gewesen, die einzelnen Grundideen miteinander zu verbinden, so daß eine funktionsfähige Abschirmung und der Spursucher enstanden sind. Ich habe die Pläne dur den Vejdeamarrvheikil geschickt. Wenn ihr schnell bei Sna-Tgyhl vorbeikommt, dann kann ich euch sofort ausrüsten.

S'ci: Gut. Wir sind gleich auf Sna Space-Center. Bye, Cosna.

Cosna: Aguqù. Bye, S'ci.

Die anderen haben das Gespräch mitverfolgt. Marn, wieder am Steuerpult der Terra, hat den Kurs gesetzt, und in Nullzeit materialisiert das Raumschiff am Rande des Viresta-Systems. Wie immer ist der Anblick atemberaubend: Im Zentrum der tiefrote M7-Überriese inmitten einer regenbogenfarbenen Aureole, denn eine Strahlung Virestas läßt die interstellare Materie in allen Farben des Spektrums fluoreszieren. Der Anflug auf den inneren der beiden Planeten des Systems gestaltet sich zu einem Farbenrausch. Endlich liegt die grün/gold/silberne Kugel von Sna-Tgyhl vor der Terra. Nachdem sie den silbernen Schutzschild des Planeten passiert hat, senkt sie sich durch goldschimmernde Wolken hinunter auf das gelbleuchtende Landefeld von Sna Space-Center. Einige Zentimeter über dem Boden kommt das Schiff zur Ruhe. Per Transmit-Feld begeben sich die vier Personen zum 'Orangefarbenen Turm'.

Marn: Fyu, ich glaube, du brauchst uns als Terra-Crew im Prinzip nicht mehr -- hättest du etwas dagegen, wenn Rûn und ich uns selbstständig machen würden?

Fyu: Aber... Marn... -- Nein, ich hätte nichts dagegen, aber -- nun, damit wäre wohl die Geschichte der Terra-Crew endgültig zu Ende...

Rûn: Also, Marn, das war ausnahmsweise mal eine gute Idee von dir...

Marn: Jetzt hör mal, Kleiner...

Rûn: Wegen der zwanzig Zentimeter brauchst du nicht so einen Aufstand zu machen...!

Marn: Weißt du, Fyu, ich hatte mir das so gedacht: Senic ist als Planetenrat sowieso recht häufig auf Cenvay IV/Vie, wir düsen mit unserem Schiff durch's All -- aber wenn Not am Mann...

S'ci: ...oder an der Frau!

Marn: ...oder an der Frau ist, dann genügt ein Ruf, und die Crew ist wieder komplett.

Rûn: Bis auf Yenna...

Marn: Pah! Auf die können wir verzichten!

Fyu: Richtig. Jetzt ist ja S'ci mit von der Partie.

Er blickt seine Gefährtin liebevoll an.

Rûn: Nun, Marn, du scheinst alles recht gut geplant zu haben. Hast du auch schon einen Namen für unseren Raumer?

Marn: Ich dachte an Gaia.

S'ci: Ay, das griechische Synonym für Terra...!

Rûn: Nicht schlecht.

Fyu: Heavens, wie viele 'Erden' gibt es denn dann? Moment... Die Earth von C.Meyna Ascott, die Terre von C.René de Chagny, meine Terra, Petes Terra, eure Gaia, C.Klaudia Schneiders Erde, C.Toy-Maya Scholtes Terre, C.Fjodor Markows Semlja, C.Antoinette Wu-Chings Terra, C.Toy-Lyra S'Lynnaths Terra...

S'ci: Reicht! Von den terranischen Raumern heißen eh über die Hälfte Terra oder entsprechend...

Marn: Ein Viertel, S'ci...

S'ci: Reicht immer noch...

Marn hat unterdessen Cosna verständigt, und der Hauptcomputer materialisiert den beiden ihre Gaia.

Sie ist das perfekte Ebenbild der Terra: 50 Meter lang, mit silberglänzendem Rumpf, goldleuchtenden Tragflächen und einer zinnoberroten Direktsichtscheibe aus Diamantoplast.

Rûn: Einfach schön, unsere Gaia...!

Marn: Wie die Terra.

Rûn: Tja, Fyu, dann mußt du jetzt alleine durch die Gegend schippern...

Fyu(lachend): Na, so alleine nun auch wieder nicht!

Er strahlt S'ci an, und diese strahlt zurück.

Rûn: Was soll man dazu sagen?

Marn: Am besten gar nichts. Du plapperst sowieso zuviel.

Fyu(kopfschüttelnd): Oh nein, wie soll das bloß werden, wenn ihr unbeaufsichtigt durch das All gondelt?

S'ci: Schlimm...!

Da die als erstes fertig ist, entschließen sich Marn und Rûn, sofort abzufliegen.

Rûn: Fyu, wir hauen dann ab.

Fyu: Okay.

Marn: Bis bald, Fyu und S'ci.

Fyu: Auf bald, Freunde.

S'ci: Bye, ihr beiden!

Über ein Transmit-Feld gehen Marn und Rûn an Bord. Kurz darauf gleitet die Gaia federleicht in den regenbogenfarbenen Himmel von Sna-Tgyhl.

S'ci: Cosna meinte, es würde noch etwas dauern, bis die Dreamlight mit allen Rihkuun umgerüstet ist. Sollen wir solange zu unserem Domizil auf der Elfenlichtung fliegen, bis unser Trägerschiff komplett ist?

Fyu: Gute Idee. Etwas Erholung hat noch keinem geschadet.

Auf der Elfenlichtung beim singenden Wasserfall vergessen die beiden Friedenshüter für kurze Zeit ihre Aufgabe.

* * *

Man schreibt den 07:03:2226TZ.

Alle Schiffe sind wieder einsatzbereit.

Cosna: Die Trägerschiffe der anderen werde ich umrüsten, sobald sie nach Sna-Tgyhl oder Jano-Horas kommen. Ihr seid fertig.

S'ci: Danke, Cosna.

Fyu: Ebenfalls.

S'ci läßt den Bordcomp der Dreamlight die Terra einschleusen. Auch Fyu und S'ci gehen an Bord. Kaum in der Zentrale angekommen, erreicht sie ein Funkspruch von Cosmo Brogio. Da dieser sich in Nehgqù-Xuqù befindet und weder über mecon, noch Siedkom, noch über ein vergleichbares Funkgerät verfügt, wird der Spruch über die 720kpc zwischen den beiden Galaxien von Coen weitergeleitet.

Cosmo: Hallo Fyu! Melde dich!

Fyu: Ja, Cosmo?

Cosmo: Es gibt Probleme. Du wolltest dich doch daranmachen, die Invincible Fighter dieser T'yla Brit-T'hèr aufzuspüren und unschädlich zu machen. Ich habe Pete gebeten, zusätzlich noch einen Raumer der Sol-System-Spezialeinheit zur Überwachung abzustellen.

Fyu: Und?

Cosmo: Nun, Pete ließ die Venus von C.Bitrolph Merell starten...

Fyu(geschockt): Ich glaube, Pete hat nicht mehr alle Beiboote im Hangar! Das ist doch keine Aufgabe für C.Merell!

Cosmo: Auch meine Meinung. Nun gut. C.Merell flog also durch die Gegend, um die IF ausfindig zu machen. Eigentlich hatte keiner so recht mit einem Erfolg gerechnet, aber wie auch immer, das Unglaubliche geschah, und C.Merell fand die IF. Weiter. Er ist ja -- wie du sicherlich weißt -- davon überzeugt, daß es kein Schiff gibt, das es mit einem Raumer der Sol-System-Spezialeinheit aufnehmen kann. Eine gefährliche Ansicht, muß ich sagen...

Fyu: Allerdings. Und?

Cosmo: C.Merell griff also mit der Venus die IF an. Letztere reagierte darauf nicht sehr erfreut und schoß ihrerseits auf die Venus...

Fyu: Und Bitrolph und seine Crew? Leben sie noch?

Cosmo: Zum Glück. Aber die Venus ist nicht mehr zu retten. Das ist aber nicht so wichtig -- es ist viel schlimmer, Fyu...

Fyu(ungeduldig): Erzähl keine Operetten, Cosmo, was ist los?

Cosmo: Nach dem Angriff der Venus nahm die IF Kurs auf den Erdmond. Sie beschoß die Basis Luna-Endymion und vernichtete sie vollständig. T'yla Brit-T'hèr meldete sich über Funk und sagte, sie hätte mit der Vernichtung jener Basis lediglich ein Exempel statuieren wollen. Sie hätte genausogut den gesamten Planeten Sol III/Terra desintegrieren könne. Sie verschone die Erde lediglich deshalb, weil sie sie eventuell noch gebrauchen könne. T'yla teilte uns weiterhin mit, wir würden in kurzer Frist ohnehin unter ihrer Herrschaft stehen, und daß sie beim geringsten Anzeichen von Widerstand unseren Planeten doch noch eliminieren würde.

S'ci(wütend): Arr, as shád vheicim da rihh! -- Zur Hölle mit ihr! Das bedeutet vermutlich, sie will die Galaktische Union noch einmal mit den Xihdanen angreifen. Ich frage mich bloß, wie sie das schon wieder geschafft hat! Ay, Cosmo, wir werden sehen, was sich machen läßt.

Sie überlegt kurz.

S'ci: Wir müssen noch einmal ins Negativ-Universum und die drei xihdanischen Flotten endgültig ausschalten.

Cosmo: Ich hoffe, ihr habt Erfolg. Sonst sieht es düster aus für das Sol-System. Und nicht nur für das Sol-System, wie ich fürchte...

S'ci: Korrekt. Wir kommen kurz bei Terra I/Luna vorbei. Bye.

Fyu: Gut. Ich setze den Kurs. Ende, Cosmo.

S'ci: Ich fordere von Cosna eine Time-Scope-Kugel an.

Fyu: Time-Scope-Kugel? Eine 'Zeitsonde'?

S'ci: Genau. Cosna rückt sie aber nur sehr ungerne heraus, denn wenn man sie zu häufig benutzt, kann es durchaus zu Zeitparadoxonen kommen.

Fyu: Kann ich mir vorstellen. So eine TSK wäre ein perfektes Spionage-System.

S'ci: Eben. Aber in diesem Fall... mecon; S'ci an Cosna: Bitte kommen!

Cosna: Hallo S'ci! Was gibt es?

S'ci: Ich brauche eine TSK.

Sie erläutert dem Hauptcomputer den Sachverhalt.

Cosna: Okay. Ich schicke dir Alpha-A, Acy Alpha vorbei.

S'ci: Danke und bye, Cosna.

Cosna: Bye, S'ci.

Ein Transmit-Feld stabilisiert sich in der Zentrale des Trägerschiffs, und ein orangefarbener Robot der Alpha-Serie tritt hindurch. Er schiebt einen Kraftfeld-Behälter mit der 66cm durchmessenden, tiefschwarz schimmernden TSK vor sich her.

S'ci: Ah, Acy Alpha, besten Dank!

Acy: Bitte sehr und bye, S'ci und Fyu.

Mit einem freundlichen Nicken seines glockenförmigen Kopfes verabschiedet sich der humanoide Robot wieder und transmittiert nach Viresta I/Sna-Tgyhl zurück.

S'ci: So, dann wollen wir mal sehen, ob T'yla tatsächlich wieder in Jahaol-Xihd war, oder ob sie eventuell mit Hilfe des Zeitwandlers ein anderes Volk manipuliert hat... -- Ayée -- die Folgen will ich mir gar nicht vorstellen! Codre, transmit!

Codre: Doja. Wir sind bei der Pluto-Bahn.

S'ci: Transmit-Feld zur Firefall. Für zwei Personen. Danke und bye, Codre.

Mit S'cis Rihkuun Firefall springen sie zum Mond. Das Einsatz-Beiboot überfliegt den ehemaligen Krater Endymion, wo nur noch ein kilometertiefes Loch anstelle der natürlichen Mondformation gähnt. Die Friedenshüter blicken erschüttert auf den Monitor.

S'ci: Fyu, kennst du den Raumer da unten?

Fyu: Laut Kennung ist es die Photon von Cosmo. -- comset; Fyu an Cosmo: Bitte kommen!

Cosmo: Fyu? Du bist schon da?

Fyu: Ja, Cosmo.

Cosmo(kopfschüttelnd): Es ist grauenhaft, was diese T'yla angerichtet hat. Es gab keine Überlebenden, die gesamte Besatzung der BL-E wurde getötet. Zehntausend Menschen! Wie kann ein Mensch nur so böse sein?

S'ci: Für T'yla gibt es kein gut oder böse.

Cosmo: Unglaublich.

Er wendet seinen Blick vom Schirm ab. Noch immer haben sich die Gas-- und Staubschwaden in der niedrigen Mondgravitation nicht vollständig gesetzt.

Cosmo: Was habt ihr nun vor?

Auch Fyu sieht S'ci fragend an.

S'ci: Wir werden zunächst einmal versuchen herauszufinden, wo T'yla herkam und wo sie hingeflogen ist.

Cosmo: Und wie? Wir haben keine Daten ermitteln können, da sie über das grandioseste Ortungsschutzsystem verfügt, das mir jemals untergekommen ist. Selbst auf der BL-C hat keiner irgendetwas herausgefunden.

S'ci: Es gibt eine Möglichkeit.

Sie bemerkt Cosmos verständnislosen Blick und erklärt ihm ihr Vorhaben. Derweil hat Fyu die TSK programmiert und gestartet. Als er sie wieder zurückgeholt hat, übernimmt Cofir, der Computer der Firefall die Auswertung.

Cofir: Analyse positiv. Kurs der IF: Von der Unea nach Sol, dann Sol Richtung Unea.

S'ci: Das reicht schon. Sie hat sich wirklich wieder mit den Xihdanen verbündet. Danke, Cofir. Transmit auf Nehgqù-Xuqù; 19h25mREK/+36:30DEK --Cyg 83058pc.

Cofir: Aguqù.

Fyu: Cosmo, wir werden dann noch einmal ins Negativ-Universum starten.

Cosmo: Gut. Ich wünsche euch viel Glück!

Fyu: Besten Dank. Bye, Cosmo.

S'ci: Ich schließe mich Fyu an und bye, Cosmo. Cofir, transact!

Cofir: Aguqù. Doja.

Auf dem Frontschirm zeichnet sich das Bild der Unea ab. Farbenfunkelnd ergießt sich der Mahlstrom der sterbenden Materie in den eisglitzernden Schlund der Anti-Sonne. Mit einem weiteren Transmit-Sprung passiert die Firefall das Tor in das goldene Universum Jahaol-Xihd.

Cofir: Ich kann drei Flotten zu je mehreren tausend Einheiten ausmachen. Ich schlage vor, einen Teil der Eingefrorenen Reserve zu mobilisieren.

(Die Eingefrorene Reserve (EF) ist ein riesiges Raumschiffkontingent, das -- in Zeitstarre versetzt und somit quasi wartungsfrei -- in den sogenannten Schwarzen Planeten untergebracht ist. Deren Name rührt von der Tatsache her, daß sie jeweils die äußersten Umläufer in ihren Sonnensystemen sind. Die EF wird normalerweise nur in Notfällen von Cosna aktiviert.)

S'ci: Ganz meine Ansicht. Cofir, transmit retour!

Cofir: Doja. -- Ich habe Cosna informiert. Er schickt tausend Trägerschiffe nach Jahaol-Xihd.

Wenig später treffen die 1000 Raumschiffgiganten ein. Sie durchspringen die Unea und räumen im Negativ-Universum unter den xihdanischen Flottenverbänden auf. Bald darauf sind sämtliche Raumer gefechtsuntüchtig und treiben hilflos im goldenen All herum. Die Trägerschiffe transportieren die Xihdane nach XI-Desda V/UN-Xihd zurück. Durch den blitzschnellen Eingriff der Vhaaki-Raumer konnte die Angelegenheit ohne Verlust an Lebewesen oder Material bereinigt werden. S'ci und Fyu atmen auf. Die Trägerschiffe sammeln sich im System des noch immer namenlosen K9-Sterns, der sich 0.2pc von der Anti-Sonne entfernt befindet. Die Firefall dagegen transmittiert zum fünften Planeten von XI-Desda.

(Vhaaki - Bezeichnung für die Raumflotte der Alten Völker, die von den Friedenshütern später übernommen wurde.)

S'ci: Also, ich möchte zu gerne erfahren, wie T'yla es geschafft hat, die Xihdane noch einmal zu 'überreden'...

Fyu pflichtet ihr bei.

S'ci: Man müßte einen der Verantwortlichen fragen.

Sie landet auf dem völlig überfüllten Raumhafen von JA-Kontix.

S'ci: Ich glaube, ich springe am besten in eines der Kommando-Schiffe. Die Flottenkommandeure sollten ja wohl wissen, was los ist.

Fyu: Aber diesmal komme ich mit. Noch einmal lasse ich es nicht zu, daß du gefangen genommen wirst!

S'ci(kopfschüttelnd): Jeih, du bist unverbesserlich!

Fyu organisiert sich noch eine zweite Strahlpistole.

S'ci(grinsend): Du bist bescheuert! Glaubst du, daß das etwas nützt?

Fyu: Man kann ja nie wissen...!

S'ci: Also, ich vertraue prinzipiell auf meinen Allzweck-Stab.

Sie klopft auf ihren extravaganten Silbergürtel, in dem bewußtes Gerät nicht sichtbar untergebracht ist.

S'ci: Strahler sind mir viel zu unhandlich.

Fyu: Aber da weiß man, was man hat.

S'ci: Wenn du meinst?! -- Cofir, hast du die Flaggschiffe angepeilt? Ihre Kennung unterscheidet sich von den übrigen Flottenraumern.

Cofir: Ich habe alle drei in der Ortung: Avenger, Destroyer und Dispatcher. Wohin möchtest du?

S'ci: Fangen wir bei "A" an. Transmit-Feld zur Avenger. Fyu und ich. Überwache uns bitte, Cofir. Wenn etwas Haarsträubendes passiert, kannst du uns sofort ein Transmit-Feld schicken. Danke und bye, Cofir.

Cofir: Aguqù. Doja. Bye, S'ci und Fyu.

Durch das grüngoldene Feld treten sie in die Zentrale der Avenger. Keye, der Kommandant ist selbstredend sehr erstaunt, aber dennoch äußerst reaktionsschnell. Er gibt einem Wachoffizier ein Zeichen, und die Frau entwaffnet Fyu. S'ci trägt keinen Strahler. Fyu macht ein betrübtes Gesicht.

Fyu: Normalerweise beschweren sich die Helden ja nie, wenn sie entwaffnet werden, hat aber einer mal an die Kosten gedacht? So eine Strahlenpistole ist teuer!

S'ci(grinsend): Selbst dran Schuld, Schatz!

Keye: Was macht Ihr hier? Wie seid Ihr hier hereingekommen?

Übliche Frage, unübliche Sprache. Besetrakhal. Fyu versteht kein Wort.

Fyu(irritiert): Was ist das für eine Sprache?

S'ci: Besetrakhal. -- Laß mich nur machen.

Sie wendet sich an den schwarzhaarigen Flottenkommandeur, der sie stirnrunzelnd betrachtet.

S'ci: Seid gegrüßt, Kommandant. Ihr kennt mich. Ich würde ganz gerne einmal wissen, aus welchem Grund Ihr die Galaxis im anderen Universum angreifen wolltet.

Keye: Was geht Euch das eigentlich an?

S'ci: Immerhin komme ich aus jenem Universum.

Keye: Unsere Gebieterin Teryann ti Jahaol-Xihd trug es uns auf.

S'ci: Teryann ti Jahaol-Xihd?!

Keye: Sie bekämpfte T'yla von Nehgqù-Xuqù, nachdem es sich herausstellte, daß diese Außenweltlerin uns lediglich ausnutzte.

S'ci(ratlos): Ja -- aber warum greift Ihr uns dennoch an? Das verstehe ich nicht ganz. -- Könntet Ihr mich zu Euerer Gebieterin bringen?

Keye(fassungslos): Entwaffnet, in meiner Gewalt -- und doch wagt Ihr es, gar Forderungen zu stellen? Ihr seid mutig, S'ci Coroun! Aber seid beruhigt, unsere Gebieterin ist stets daran interessiert, ~Gefangene aus dem anderen Universum persönlich zu verhören.

S'ci: Gut.

Keye: Nun, S'ci Coroun, Euch kenne ich, wie Ihr bemerktet, doch über Euren Begleiter bin ich mir im Unklaren.

Er wendet sich an Fyu, der das für ihn völlig unverständliche Gespräch mit wenig glücklichem Gesichtsausdruck verfolgt.

Keye: Wer seid Ihr?

Fyu: Tut mir leid, mein Freundchen, aber ich verstehe nicht die Bohne von dem, was du erzählst...

S'ci: Er beherrscht die Sprache nicht, Kommandant...? -- Ja, wer seid Ihr eigentlich?

Keye: Keye k'Avenger, Kommandeur der Avenger-Flotte.

S'ci: Keye -- Keye... Moment, habt nicht Ihr Befehl gegeben, mich abzuschießen?

Keye(irritiert): Euch abzuschießen? Wann?!

S'ci(kichernd): Als ich mit diesem Raumjäger vom Raumhafen von JA-Kontix abgeflogen bin...

Keye(entgeistert): Ihr?! Ihr habt die "Spaíro" entwendet und seid mit dem Schiff entkommen?

S'ci(grinsend): Sonst wäre ich schwerlich wieder hier...

Keye(kopfschüttelnd): Euretwegen wollte Tardom v'Avenger den Dienst quittieren -- der beste Pilot der Flotte! Ihr habt ihn ausmanövriert wie einen Kadetten...

S'ci: Danke für die Blumen, Keye k'Avenger...! -- Ach, Ihr fragtet ja nach dem Namen meines Gefährten: C.Fyu T-S'cèr.

Fyu(maulend): Verdammt, warum kannst du diese vermaledeite Sprache, und ich nicht? Ich sitze hier herum und drehe Däumchen, während du mit diesen Typen da Süßholz raspelst...!

S'ci(kichernd): Ayée, Fyu, wie war das noch -- du bist nicht eifersüchtig?

Fyu: Iiiich? Wie kommst du darauf?

S'ci grinst ihn nur an.

Fyu: Was hast du überhaupt vor?

S'ci: Ich möchte mich mit dieser Teryann ti Jahaol-Xihd unterhalten -- und dann abdüsen.

Fyu: Aha?!

S'ci: Ay. Ich habe da einen ganz dummen Verdacht...

Keye: S'ci Coroun, würdet Ihr bitte wieder Besetrakhal sprechen?

S'ci: Entschuldigt, Keye, aber Fyu ist nicht in der Lage, jene Sprache zu verstehen, daher muß ich ihm unsere Unterhaltung übersetzen...

Fyu hört zwar per mecon direkt mit -- aber was soll's?

Keye: Unterhaltet Euch trotzdem nicht mit ihm.

S'ci: Wenn Ihr unbedingt wollt...

Sie hat immer noch ihren mecon-Sender... Keye lotst S'ci und Fyu in einen kleinen Schweber, der sie vom Raumhafen zum Regierungsgebäude transportieren soll. Der Flottenkommandant fliegt den Gleiter höchstpersönlich.

Beim Regierungsgebäude angekommen, steuert Keye das Fahrzeug zu der kleinen Landeplattform auf dem Dach des Bauwerks. Dort werden die drei Personen von zehn (!) Wachen in Empfang genommen. Man wußte ja, daß S'ci alleine (und unbewaffnet) immerhin vier Wachmänner ausgeschaltet hatte.

Keye: Kommt mit.

Der Kommandeur geht voraus, ihm folgen S'ci, Fyu und die Wachoffiziere. S'ci kommt sich vor, wie bei einer Führung durch ein Museum. Es geht durch prunkvolle Säle und Gänge, alles ist mit dicken, von einer Art mineralischen Fäden durchwebten Teppichen ausgelegt. Von den Decken hängen feine, selbstleuchtende Gespinste in sanften Pastellfarben, und in den Sälen stehen faszinierende Lichtkunstwerke, die sich zu der leisen Hintergrundmusik fortwährend verändern. Als S'ci aber per mecon ihren Allzweck-Stab aktiviert, der auch arbeitet, wenn er im Gürtel versteckt ist, muß sie erkennen, daß unter dem ganzen Prunk versteckt, beinahe unglaubliche Ansammlungen von Verteidigungssystemen auszumachen sind... Dort ein versteckter Laser, da Düsen für Betäubungs-- und andere Gase, Säuresprüher, hier zwei bewegliche Wände, eine Falltür da drüben, einige Molekularschneidedrähte im Deckengespinst, eine Nadlerleiste rechts, während links ein abgeschirmter suprastarker Gammastrahlungsträger steckt, oben, ein wenig schräg rechts, kann S'ci einen Kühltank mit flüssigem Helium entdecken, dazu die passenden Düsen, absenkbare Hochspannungsdrähte, und -- und -- und...

Sie teilt Fyu ihre Analyse per mecon mit.

Fyu(trocken): Ziemlich mißtrauisch, die Leutchen hier...

S'ci: Scheint so. Ah, außerdem scheint es, daß wir gleich da sind.

Sie sind an einer noch prunkvolleren Tür angekommen. Tiefschwarz mit mineralischen Einlegearbeiten und Halbreliefs. Keye tritt an die Intercom-Anlage links neben dem Portal und tastet ein überaus kompliziertes Muster in die verschiedengetönten Felder ein.

Keye: Keye k'Avenger an seine Gebieterin: Ich wünsche eine Nachricht zu überbringen.

Teryann(hoheitsvoll): Sprecht, Keye k'Avenger. Was habt Ihr mir zu berichten?

Keye: Meine Gebieterin, ich habe zwei Wesen aus dem anderen Universum inhaftiert. Es handelt sich um S'ci Coroun und einen Mann namens C.Fyu T-S'cèr.

Teryann: Schickt sie zu mir. Ihr mögt euch entfernen, Keye k'Avenger.

Keye: Jawohl, meine Gebieterin. Ende.

Er gibt den Wachoffizieren Anweisung, Fyu und S'ci zu der Gebieterin Teryann ti Jahaol-Xihd hineinzuführen. Er fliegt mit dem Schweber zur Avenger zurück.

S'ci und Fyu betreten mit ihrer Eskorte Teryanns Arbeitsraum, wo vor einem riesigen Kommandopult die derzeitige Gebieterin des Planeten steht. Die rothäutige Frau mit den türkisfarbenen Haaren dreht sich interessiert um und mustert die beiden Friedenshüter.

Teryann: So, und Ihr seid S'ci Coroun?

S'ci(angriffslustig): Allerdings. Ihr habt den Flotten den Befehl gegeben, Nehgqù-Xuqù anzugreifen?

Teryann: Das habe ich.

Fyu, der wieder nur dank S'ci versteht, was Sache ist, fühlt sich irgendwie übergangen. Außerdem ärgert es ihn, daß hier offensichtlich wieder einmal eine Frau das Sagen hat. Und S'ci sowieso...

Teryann(völlig ruhig): Wachen, eliminiert diese beiden Personen.

Bei dem Wörtchen 'eliminiert' hat S'ci per mecon ihren SETA-Kombi-Schild aktiviert und auch Fyu in dessen Schutzbereich gezogen. Die Strahlschüsse der Offiziere verpuffen wirkungslos, und die EAF-Komponente des Schutzschirms entlädt die Strahler der Wachen. Seelenruhig zieht S'ci ihren Allzweck-Stab aus dem Gürtel, betäubt die Wachposten und richtet dann einen Hypno-Strahl auf Teryann. Für alle Anwesenden ist es ein wenig zu schnell gegangen. Auch Fyu blickt sich zunächst etwas verwirrt um.

Fyu: Hä?! -- Äh, ah -- gut gemacht, S'ci...

Er blickt an sich herunter. Ohne seine Strahlpistolen fühlt er sich irgendwie nackt. Fyu zuckt mit den Schultern. Vielleicht sollte er sich doch einmal mit den Gerätschaften der Alten Völker anfreunden...

S'ci: Teryann steht unter Hypnose. -- Teryann ti Jahaol-Xihd, wer hat dir die Befehle gegeben?

Teryann(hochmütig): Ich habe keine Befehle entgegengenommen!

S'ci: Hä?!

Sie checkt mit dem Allzweck-Stap Teryanns Gehirntätigkeit ab.

S'ci(entgeistert): Amyshica! Der Hypno-Strahl kommt nicht durch. Die Lady ist abgeblockt!

Fyu: Kannst du den Block nicht lösen?

S'ci: Nicht hier und nicht mit meinem Allzweck-Stab. Da soll sich lieber Cofir dran versuchen. mecon; S'ci an Coci: Bitte kommen!

Cofir: Hallo S'ci! Was gibt es?

S'ci: Du hast uns in der Peilung. Transmit-Feld zum Schiff. Für drei Personen. Danke und bye.

Cofir: Aguqù. Doja.

Die Luft schimmert grünlich/golden auf. Die selig schlummernden Wachposten haben bei dieser Beleuchtung eine äußerst ungesunde Gesichtsfarbe. S'ci, Fyu und Teryann treten durch das Feld und sind im Rihkuun.

Cofir: Wen habt ihr denn da mitgebracht?

Fyu: Eine hypnogeblockte xihdanische Dame.

Cofir: Xihdanisch... Also, ich muß sagen, UN-Xihd ist eine UN-gastliche Welt. Es haben bereits mehrere Mannschaften versucht, sich gewaltsam Eingang zu mir zu verschaffen. Sie haben aber nicht mit der Widerstandskraft der Hülle gerechnet...

S'ci: Was meinst du, warum du ein Rihkuun bist?! Weil du immerhin aus dem fabelhaften Material Rihkù bestehst... Und dieses Material heißt Rihkù, weil es nahezu unzerstörbar ist.

('rihkù', ein Ausdruck aus der Alten Sprache S'selite, bedeutet schlicht und ergreifend 'unzerstörbar'.)

Fyu(mäkelnd): Das einzige, was mich an diesem Zeugs nervt, ist seine entsetzliche, leuchtend dunkelrote Farbe... Wie sieht das denn aus -- knallrote Raumschiffe...!

Cofir(schmollend): Das ist aber nicht nett! Ich fühle mich gekränkt.

S'ci(grinsend): Okay, genug geschäkert, jetzt ist Terry an der Reihe. Die Dame ist, wie Fyu schon sagte, hypnogeblockt. Kannst du sie wieder auf Vordermann -- respektive --frau -- bringen?

Cofir: Wenn ihr sie zunächst einmal in die Medostation bringt.

Fyu: Wird gemacht.

* * *

In der Medostation:

...

Cofir: Daccù, ich bin nicht in der Lage, ihren Block zu lösen. Ich habe einen der Robots angefordert. Die Trägerschiffe stehen immer noch bei Entrance.

S'ci: Wo?

Cofir: Cosna hat den K9-Stern bei der Unea Entrance getauft. Die beiden Planeten heißen Base respektive Hit.

S'ci: Aha.

Cofir: Gamma-I, Iadron-Gamma kommt.

Sekundenbruchteile darauf materialisiert ein 1.80m großer, schwarzer Robot von humanoider Gestalt in der Medostation. Das silberne Transuhh-Symbol auf seiner rechten Brustseite entspricht einem 'i' in unserer Schrift: Gamma-I, Iadron-Gamma.

S'ci: Hallo Iadron. Cofir hat dich unterrichtet?

Iadron: Ja.

Er macht sich mit einigen Instrumenten an Teryann zu schaffen.

Iadron: Der Block sitzt sehr tief.

S'ci: Und?

Iadron: Ich kann ihn lösen, keine Sorge.

Der Robot entwickelt eine hektische Aktivität mit den verschiedensten Gerätschaften. Nach einigen Minuten TZ stellt er seine Bemühungen ein.

S'ci: Nun?

Iadron: Ich habe den Block neutralisiert. Die Erinnerung wird von den Manipulationen nicht beeinträchtigt.

S'ci: Sehr gut.

Iadron: Gibt es noch etwas für mich zu erledigen?

S'ci: Nein, danke, Iadron-Gamma.

Iadron: Dann ist meine Aufgabe beendet, und ich kehre zur "Hal'asta T'ak Ovée" zurück. Bye, S'ci und Fyu.

Der Robot transmittiert in das betreffende Trägerschiff.

S'ci: So. Mal sehen, was Teryann uns jetzt zu sagen hat.

Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Xihdanerin, die sich nun verwirrt aufrichtet. Teryann schwingt ihre Beine von der Liege und blickt sich neugierig um.

Teryann: Was... Wo bin ich?

S'ci: Seid gegrüßt, Teryann ti Jahaol-Xihd. Ihr befindet Euch in meinem Raumschiff.

Teryann: S'ci Coroun! Bin ich Euere Gefangene?

S'ci: Mitnichten, Teryann.

Fyu: S'ci, wie wäre es, wenn du Transuhh sprechen würdest?

S'ci: Teryann versteht nur Besetrakhal. Cofir, übersetze Fyu bitte unsere Unterhaltung.

Cofir: Aguqù. Ejr do'i. -- Okay. Ich erledige das.

Fyu: Ich danke...!

Teryann: Was war mit mir los?

S'ci: Das würde ich eigentlich ganz gerne von Euch erfahren, Teryann... Warum habt Ihr den Befehl gegeben, Nehgqù-Xuqù anzugreifen?

Teryann(erstaunt): Aber ich habe keinen solchen Befehl gegeben -- Doch?! Aber warum? Laßt mich nachdenken, S'ci Coroun.

Sie setzt sich wieder auf die Liege und stützt den Kopf auf den Händen auf. Dabei fallen ihr die halblangen, türkisfarbenen Haare ins Gesicht.

Teryann: Stimmt...! Vor einigen Stunden TZ besuchte mich ein faszinierender Mann -- ich glaube meine Erinnerung wird deutlicher... -- Er bat darum, zu mir vorgelassen zu werden...

S'ci: Wie sah dieser Mann aus?

Schon bei dem Adjektiv 'faszinierend' ist sich S'ci ziemlich sicher, daß es sich da eigentlich nur um Cvoa-L'yyn handeln kann...

Teryann: Hochgewachsen, blauhäutig, mit weißen Haaren...

S'ci: ...und metallicvioletten Augen. Cvoa. Ich dachte es mir fast...

Teryann: Ihr kennt ihn?

S'ci: Das kann man wohl sagen... Außerdem ist er T'ylas Partner.

Teryann: So? Nun, dann kann ich mir denken, daß er mich wohl unter Drogen gesetzt hat -- oder etwas ähnliches. Er muß mir den Befehl gegeben haben, den ich dann den Flottenkommandeuren übermittelte.

S'ci: Was mich verwundert, ist die Tatsache, daß er Euch anscheinend auch einen Tötungsbefehl gegen uns eingegeben hat. Das ist so gar nicht Cvoas Stil...

Fyu: Aber der seiner lieben Partnerin...!

S'ci: Ay, das sähe T'yla ähnlich...

Sie wechselt wieder in Besetrakhal.

S'ci: Und was werdet Ihr nun machen, Teryann?

Teryann: Was meint Ihr?

S'ci: Was gedenkt Ihr zu unternehmen, wenn Ihr wieder auf UN-Xihd seid? Werdet Ihr Eure Eroberungspläne betreffs des anderen Universums jetzt zurückstellen?

Teryann: Warum sollten wir Feldzüge gegen Euch starten? Wißt Ihr, bevor dieser Cvoa-L'yyn mich beeinflußte, besuchte mich eine seltsame Frau, die sich STAIE, 'tai khésta' -- 'die Frage' nannte... Jetzt fällt es mir wieder ein! Diese STAIE erzählte mir von dem anderen Universum, das das Eure ist, und sie sagte, es wäre sicherlich das Vernünftigste, in Frieden auszukommen. Mir erschien der Rat STAIEs durchaus vernünftig.

S'ci(erleichtert): STAIE! Das ist wirklich erfreulich zu hören. Wenn sie auf der Szene erscheint, ergeben sich stets neue Perspektiven...

Teryann: Ihr kennt diese Person ebenfalls?

S'ci: Sicherlich. Ihr tut gut daran, STAIEs Rat zu befolgen, Teryann. Wenn sie sich dazu herabläßt, einen Tip zu geben, dann ist er ausgesprochen wertvoll. Das hat sich durch alle Zeiten immer wieder gezeigt. Nun möchte ich Euch nicht weiter auf meinem Raumschiff festhalten. -- Ach, wißt Ihr vielleicht zufällig, ob T'yla noch einen Stützpunkt auf UN-Xihd hat?

Teryann: Sie hat einen hier, doch leider ist mir dessen Position nicht bekannt.

S'ci: Bedauerlich.

Die Friedenshüter und Teryann verabschieden sich voneinander. Teryann begibt sich durch ein Transmit-Feld nach UN-Xihd zurück.

S'ci: Und nun? T'yla und Cvoa haben einige grandiose Ortungsschutzsysteme entwickelt...

Cofir: Also, zumindest kann ich nichts einpeilen, was eventuell auf einen Stützpunkt der beiden hindeuten würde.

Die Luft schimmert golden auf, und eine schwarzhäutige Frau mit goldenen Haaren und Augen, in einer goldenen Kombination, materialisiert.

STAIE: Gruß und Frieden! -- Ich habe mir gedacht, es könnte nicht schaden, wenn ich euch einen kleinen Tip in bezug auf T'ylas und Cvoas HQ hier gebe. Dann braucht ihr euch nicht mit einer stunden-- bis tagelangen Suche aufzuhalten, die die Story nur unnötig verkompliziert...

S'ci: Amyshica! STAIE, sei gegrüßt...

STAIE: Ich komme also gleich zur Sache. Der Stützpunkt liegt unter dem höchsten Berg im Gebirge TU-Taiuun. Dieser Berg ist gleichzeitig die höchste Erhebung auf diesem Planeten überhaupt. Übrigens, Cvoa und T'yla sind inzwischen wieder in Nehgqù-Xuqù.

'Die Frage' löst sich zu schimmerndem Nebel auf und ist verschwunden. S'ci blickt ihren Gefährten schulterzuckend an.

S'ci: Das macht STAIE immer so...

Fyu: Toll. Cofir, steuere dieses Gebirge an -- TU-Taiuun, oder wie auch immer es heißt.

Cofir: Aguqù. Ejr do'i. -- Ich kann übrigens ein Transmit-Feld unter den Berg errichten. Das bedeutet, daß sich dort ein Bereich aus nicht-festem Material befinden muß. Anzupeilen ist aber nichts.

Fyu: Äh, sind wir etwa schon da?

Cofir: Ich bin eben von der schnellen Truppe...

Fyu: Wie wär's, können wir in den Stützpunkt springen?

Cofir: Sicherlich. Es ist aber gefährlich. Ihr kennt Cvoa und T'yla ja...

S'ci: Na und?! Bau uns bitte ein Transmit-Feld auf. Für zwei Personen. Lasse es aber stehen, damit wir sofort zurückgehen können. Danke und bye, Cofir.

Fyu: Und wenn wir in einer natürlichen Tropfsteinhöhle landen?

Cofir: Eine natürliche Tropfsteinhöhle wäre sicherlich nicht ortungsgeschützt.

Fyu: Wahrscheinlich...

Die beiden Friedenshüter treten durch das grünlich/goldene Feld in einen Raumschiffhangar. Dort steht ein kleines Schiff, dessen Länge Fyu auf etwa 50 Meter schätzt, also ungefähr wie die Terra. Damit erschöpfen sich jedoch die Ähnlichkeiten. Der fremde Raumer besteht zur Hälfte aus einem gleichmäßigen Oktaeder, an den sich ein zehn Meter langer, 3.5 Meter durchmessender Fortsatz anschließt, von dem vier Verstrebungen ausgehen, die jeweils eine 25 Meter lange, drei Meter durchmessende, goldene Triebwerksgondel halten. Der gesamte Raumer besteht ansonsten aus einem silberweiß schimmernden Material, während die vordere Hälfte des Oktaeders eine energetisch stabilisierte, türkisblaue Direktsichtscheibe ist. Unterhalb dieser 'Kanzel' steht in tiefschwarzen Transuhh-Lettern der Name des Schiffs: Else-X, also in Kurzform EX.

S'ci: Wow! Ich wußte gar nicht, daß die IF ein Schwesterschiff hat!

Fyu: Deshalb hat Cvoa wohl lieber seine Quasar aufgegeben, als sie uns in die Hände fallen zu lassen. Bestimmt ist er momentan mit T'yla in der IF unterwegs und hat sein Schiff hier zurückgelassen.

S'ci: Ay, Else-X, damit haben die beiden Recht: 'Noch eine unbekannte Größe'...

Fyu: Die für uns aber nicht mehr lange eine Unbekannte bleiben wird!

Cofir: mecon; Coci an S'ci und Fyu: Kommt sofort zurück!

S'ci: Jeih, wenn Cofir uns so ruft, dann heißt es Alarmstufe Rot!

Sie wartet keine Antwort ab, sondern zieht Fyu mit sich durch das Transmit-Feld.

* * *

In der Firefall:

Cofir: Ich habe eine Strahlung angemessen. Desintegrator, wie ich vermute. Ihr müßt einen Selbstzerstörungsmechanismus in Gang gesetzt haben.

Auf dem Schirm sieht man, wie der höchste Berg des Gebirge bläulich zu flimmern beginnt und sich dann auflöst.

S'ci und Fyu sitzt der Schreck tief in den Knochen.

S'ci: Puh, das war knapp!

Fyu: Verdammt, jetzt ist die EX hinüber!

S'ci: Und der Stützpunkt dazu. Ich glaube kaum, daß die beiden noch einmal versuchen werden, hier eine Basis zu errichten.

Cofir: Cosna überwacht außerdem die Unea von Entrance I/Base aus.

S'ci: Gut, dann ist auch das geklärt.

Sie lehnt sich in ihrem Sitz zurück und schließt die Augen. Fyu tritt zu ihr und streicht ihr zärtlich über das Haar.

S'ci: Ayée... -- Wo jetzt nach Cvoa und T'yla suchen? Was werden sie als nächstes manchen? Was sollen wir als nächstes machen?

Sie zieht Fyu zu sich herunter und küßt ihn. Sie hofft, dass es ihr nun endlich gelingen kann, Cvoa aus ihren Gedanken zu verbannen.

S'ci: Jeih, am liebsten würde ich diese ganze Geschichte ganz einfach für ein paar Wochen TZ vergessen...

Fyu: Heavens, du willst es vergessen? Wir strampeln uns seit geraumer Zeit ab, Cvoa-L'yyn und T'yla zu erwischen, und du hast vor, das ganz einfach zu vergessen? Wir haben immerhin den Stützpunkt im Negativ-Universum aufgespürt und unschädlich gemacht, da können wir doch nicht so einfach resignieren!

S'ci(seufzend): Du scheinst mich wohl für eine Art von Supergirl zu halten! Diese ganze Herumjagerei durch die Unea und so weiter ist doch reichlich sinnlos, wenn es uns nicht gelingt, die beiden zu überwältigen. Wir müssen abwarten, bis einer eine wirklich zündende Idee hat!

Fyu: Wir können doch aber jetzt, wo wir Cvoa & Co. durch diverse Galaxien und Universen auf der Spur geblieben sind, nicht einfach aufgeben!

S'ci: Wer redet hier von aufgeben? Ich bin nur der Ansicht, daß uns kopfloses Hinterherdüsen rein gar nichts bringt. Wir müssen sehen, daß Cosna oder einer der anderen Computer die zwei aufspürt -- und bis dato eine Idee haben.

Fyu: Oder mal zur Abwechslung ein bißchen Glück!

S'ci: Jee... Fortuna ist eine launische Dame.

Fyu: Wir werden sehen.

Das Rihkuun passiert die Unea in Richtung Nehgqù-Xuqù; Sol-System.

Fyu: Wir sollten Cosmo sagen, daß wir die Gefahr einer Invasion aus dem Negativ-Universum jetzt endgültig gebannt haben.

S'ci: Gut. Cofir, nimm bitte Kurs auf Cent-Nehg; Sol III/Terra I/Luna. Transact.

Cofir: Aguqù, Doja. -- Wir sind in der Nähe von Sol IX/Pluto aus dem T-Raum gekommen.

S'ci: Geh auf System-Geschwindigkeit und steuere den Mond der Erde an.

Während die Firefall mit 25000 km/sec in Richtung Luna schleicht (Übertretungen werden von der Space Police mit empfindlichen Geldstrafen geahndet), nutzen S'ci und Fyu die Anflugzeit für eine willkommene Ruhepause.

* * *

Ein paar Stunden später auf der BL-A:

Cosmo(ungeduldig): Hey, Dani, hast du die letzten Checks der Photon durchgeführt? George hat mich gebeten, schnell nach Cenvay IV/Vie zu kommen...!

Daniela Cinti-Brogio, ihres Zeichens Chefingenieurin der BL-C, befindet sich zur Zeit auf der Archimedes-Basis ihres werten Herrn Gemahls, um dessen Flaggschiff durchzuchecken. Die Photon gehört zu den von Pete & Co. im Laufe der letzten sechs Wochen TZ umgerüsteten Raumern und bedarf daher noch besonderer Überwachung.

Daniela(kopfschüttelnd): Mein Lieber, du hast mir vor drei Minuten TZ den Auftrag gegeben, die Photon durchzuchecken. Du solltest wissen, daß selbst der normale Kurz-Check vor einem Start mindestens eine Viertelstunde TZ in Anspruch nimmt. Dieser Raumer jedoch muß wenigstens noch eine Woche lang vor jedem Start gründlich überprüft werden. Gründlich. George darf sich also noch zwei Stunden länger gedulden. Basta.

Cosmo(flehend): Dani, Liebling, die Photon hat seit einem Monat TZ keinerlei Probleme gemacht!

Daniela(unerbittlich): Das tut nichts zur Sache. Sie wird komplett durchgecheckt. Die Photon kommt nicht aus der Basis, solange sie nicht vollständig überprüft worden ist! Hai capito?

Cosmo(geschlagen): Si, tesoro...! Dann frage ich eben Pete, ob er mir die Terra leiht. Sie ist noch schneller.

Er eilt in die Funkzentrale der Basis Luna-Archimedes. Kaum daß er dort angekommen ist, leuchtet Petes Gesicht feuerrot vom Monitor. Seine hellblonden Haare bilden einen aparten Kontrast dazu, und seine grauen Augen versprühen Laserblitze.

Cosmo(verblüfft): Was hat den denn gestochen?

Er tritt in den Erfassungsbereich der Kamera.

Pete(explodierend): Himmelherrgottkreuzdonnerwetter noch einmal! Cosmo, weißt du, wo Fyu ist? Man hat mir die Terra geklaut!

Das erklärt einiges.

Cosmo: Wer?

Pete(schäumend): Wer wohl? T'yla Brit-T'hèr und ihr Kumpan Cvoa-L'yyn! Unglaublich! Die haben mir meine Terra unter dem Hintern weggestohlen! Heavens, wenn ich die beiden erwische, dann gibt es Kleinholz! Metallspäne!

Cosmo: Pete, reg dich ab...!

Pete: Später! Wo ist Fyu? Der muß diese Banditen mit seinem Wunderraumer zur Strecke bringen! -- Verdammt noch mal, wenn ich die zwei in die Finger kriege...

Cosmo: Beruhige dich endlich! -- C.T-S'cèr senior!

Pete: Nein! -- Verdammt, wo steckt die halbe Portion?

Cosmo: Wenn du endlich einmal die Klappe hältst, dann kann ich sogar versuchen, Fyu per Funk zu erreichen.

Der Kommandant der Copernicus-Basis gleicht zwar immer noch einer Sonne im Novastadium, aber bereits in der Postnova-Phase.

Pete: Okay.

Cosmo schaltet an der Funkkonsole herum. Es meldet sich jedoch nicht C.T-S'cér junior...

Cofir: Hallo Cosmo! Was gibt's? -- Hier spricht Coci, der Bordcomputer von S'cis Rihkuun. Ist es sehr wichtig? Fyu wollte eigentlich nicht unbedingt gestört werden.

Cosmo: Oh, es ist wirklich wichtig. Hole Fyu bitte ans Gerät, Cofir.

Cofir: Aguqù. Ejr doyé. -- Einen Moment...

Kurz darauf erscheint C.T-S'cèr junior. Er gähnt herzergreifend, und seine knallroten Haare sind hoffnungslos zerzaust.

Fyu: Jaaaaa? Was ist los?

Cosmo: Pete hat Probleme -- ich gebe ihn dir...

Pete(schnaubend): Hallo Jüngelchen! 'Probleme' ist gut gesagt! -- Weißt du was los war?

Fyu(gähnend): Nein. Bin ich Hellseher?

Pete: Offensichtlich nicht. Also: T'yla und Cvoa haben die Terra geklaut!

Schlagartig ist Fyu hellwach.

Fyu: Waaas?

Pete: Jawohl. Die Terra. Du mußt sie ihnen wieder abjagen. Unglaublich! Mir so einfach, mir nichts, dir nichts das Flaggschiff der Sol-System-Spezialeinheit zu kapern!

Der alte Raumhase ist fassungslos.

Fyu: Keine Frage, Pete, ich verfolge die beiden.

S'ci: Hm? Was ist? Mußtest du mich wecken, Fyu?

Fyu: Sorry, Schatz, es ging nicht anders. Pete hat mich angerufen. Unsere speziellen Freunde haben die alte Terra von Pete geklaut.

S'ci: Jeih, wie war denn das möglich?

Pete: Wir waren plötzlich wie gelähmt -- niemand in der ganzen BL-C konnte sich von der Stelle rühren.

S'ci(nachdenklich): Stationäres TRAST-Feld vielleicht...

Pete: Als wir wieder fit waren, mußten wir feststellen, daß die Terra futsch war. T'yla hat ein Magnetband hinterlassen, auf dem sie verkündete, daß sich ihr und Cvoa-L'yyn 'niemand in den Weg stellen kann'... -- Langsam glaube ich ihr das auch...

Fyu(entschlossen): Die beiden sollten sich vor S'ci und mir in acht nehmen!

S'ci: Hm...

Fyu: Pete, wann haben die euch mattgesetzt?

Pete: Ich weiß es nicht genau, ich habe fast das Gefühl, als ob die etwas mit der Zeit selbst angestellt hätten... -- Mir kam die Paralyse ziemlich lange vor, dann stellte sich jedoch heraus, daß praktisch gar keine Zeit vergangen war... Ich verstehe das nicht so ganz.

S'ci(verblüfft): Wow! ich wußte gar nicht, daß T'yla und Cvoa einen Plus/Minus-Zeitgenerator besitzen! Damit können die beiden den Zeitablauf manipulieren. Amyshica, es wird wirklich höchste Zeit, daß wir sie aus dem Verkehr ziehen...! Cofir, höre dich doch bitte einmal bei Cosna & Co. um, ob einer die IF und die alte Terra geortet hat.

Cofir: Do'i. -- Positiv. Coen hat sie erfaßt. Sie bewegen sich in der Nähe von Ert'n-Fayr II/Hidn-Inteim, mit Kurs auf das Schwarze Loch Fur'ra Aralanka bei 20h06REK/-67DEK --Pav 20pc.

S'ci(entgeistert): Die wollen doch glatt durch Fur'ra Aralanka fliegen! -- Wer weiß, wo die dann auskommen. Cofir, transmit nach Ert'n-Fayr. Wir müssen die IF aufhalten, bevor sie die Fur'ra erreicht! -- Bye, Pete, wir haben jetzt keine Zeit für Small-Talk.

Fyu: Bis dann, Senior!

Pete: Okay. Tschüs, Jüngelchen.

Er schaltet ab.

* * *

In der Firefall:

S'ci: Cofir, transact.

Cofir: Aguqù. Doja. -- Wir sind am Rande des Ert'n-Fayr-Systems. Die Raumer IF und Terra haben die Umlaufbahn von Ert'n-Fayr III/Noo-Ledsz durchquert und befinden sich bereits wieder außerhalb des Sonnensystems.

Fyu: Geh auf Leadil-Antrieb und verfolge sie.

Cofir: Do'i. -- Wir haben sie überholt.

Fyu: Setze ihnen eine Paralyzer-Ladung vor den Bug.

Cofir: Doja. -- Keine Reaktion.

S'ci: Die IF ist bestens abgeschirmt, und die Terra wird zweifelsohne ferngesteuert.

Fyu(ratlos): Was schlägst du dann vor?

S'ci: Ich...

Cofir: Alarm! Sied-Dalp...

Fyu: Was...

Für eine winzige Zeitspanne -- oder eine Ewigkeit? -- setzt bei den Insassen des Rihkuun und bei Cofir jegliches Wahrnehmungsvermögen aus. Dieser Zustand des Nichts scheint Stunden oder Tage anzudauern. Nach einer subjektiven Ewigkeit kommen S'ci und Fyu wieder zu sich.

Fyu: Was war das?

S'ci: Cofir sagte 'Sied-Dalp'. Das ist -- im wahrsten Sinne des Wortes -- eine Zeit-Bombe.

Fyu: Und die IF?

S'ci: Die ist längst weg.

Fyu: Wie funktioniert diese Zeit-Bombe?

S'ci: Ein Sied-Dalp entzieht dem Opfer Zeitenergie. Dabei wechselt der Angreifer in eine Plus-Zeitebene über -- Cvoa und T'yla sind also jetzt bereits durch Fur'ra Aralanka auf und davon.

Fyu: Meinst du wirklich, daß sie sich in das Schwarze Loch gestürzt haben?

S'ci: Warum nicht? Es ist durchaus möglich, eine Fur'ra zu passieren. Der einzige Haken ist die Tatsache, daß sie eine Einbahnstraße ohne Rückflugticket ist. Man kann nur in sein Universum zurückkehren, wenn man in dem Universum 'dahinter' die korrespondierende Fur'ra findet.

Fyu: Also ist es Cvoa-L'yyn und T'yla wieder einmal gelungen zu entkommen!

S'ci: Stimmt genau.

Fyu: Wenigstens sind wir sie jetzt los. Durch das Schwarze Loch werden sie wohl kaum zurückkehren. -- Aber was soll ich bloß Pete sagen?

S'ci: Ganz einfach: Daß Cvoa und T'yla uns glatt geschlagen haben.

Fyu: Verdammt! -- Aber was bleibt uns anderes übrig als einzugestehen, daß die zwei besser sind?

Er hockt in seinem Sessel und läßt den Kopf hängen.

Fyu: Sollen wir wirklich aufgeben?

S'ci: Was bleibt uns anderes übrig? Die sind in dem Universum hinter Fur'ra Aralanka, und dahin möchte ich ihnen beileibe nicht folgen. Das wäre eine hübsche Reise ohne Wiederkehr... -- STAIE würde es schaffen, aber sie hat anderes im Sinn, als auf Gangsterjagd zu gehen...!

Fyu: Heavens, ich weiß nicht, wie ich Pete das beibringen soll -- es hat ihn zutiefst gekränkt, daß man ihm die alte Terra gestohlen hat. Immerhin war sie sein erstes eigenes, selbstkonstruiertes Schiff... Und jetzt schaffen wir es noch nicht einmal, die Übeltäter zu fassen. Oh, verdammt noch mal!

Sie fliegen zur BL-C zurück, um Pete die unliebsame Botschaft zu überbringen. Fyus Pflegevater nimmt sie aber verblüffend gelassen auf.

Pete: Gut. Heute sind sie uns entwischt -- aber sie dürfen sich auf das nächste Mal freuen!

Er läßt seine geballte Fause auf die Konsole des Funkgeräts krachen, ohne eine Miene zu verziehen...

Pete: Heavens! Cvoa und T'yla wissen nicht, worauf sie sich eingelassen haben, als sie sich die Terra geschnappt haben...!

S'ci: Na, dann viel Glück...!

Pete: Du kannst mir ruhig glauben...

S'ci: Naja...?! Die beiden sind hinter einer Fur'ra!

Pete: Einen Mann wie Cvoa-L'yyn sagt man nicht tot... Der kommt immer wieder...

S'ci: Das ist wohl wahr....

Sie verabschieden sich und kehren in die Firefall zurück.

S'ci: Und was sollen wir jetzt machen? Da Cvoa und T'yla uns so fachgerecht abgehängt haben, ist unser Auftrag damit erledigt...

Fyu: Sag mal, war eigentlich schon einmal jemand von den Friedenshütern in der Großen oder Kleinen Magellanschen Wolke? Ich hätte gute Lust, einmal die GMW zu besuchen.

S'ci: Es war überhaupt noch niemand von den Alten Völkern in Tarjan-Hilkha, wie sie die GMW respektive LMC nannten.

Fyu: Dann wird es aber entschieden Zeit!

S'ci: Keine schlechte Idee. Wir machen die Dreamlight startklar und düsen dann los zu neuen Ufern!

Fyu: Das sind einmal erfreuliche Perspektiven...

-- Und eine neue Story...

-- Bye --


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