Die Hüter des Friedens

Der Diakalysium-Skandal

©1984 by Stayka deyAvemta

Letzte Änderung: 2002/02/26


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Man schreibt den 15:04:2187TZ. Die Regierung des Planeten Partokla VII/Elbatro hat beschlossen, die Exporte des Katalysator-Minerals Diakalysium um 75% zu reduzieren.

Henri Chaufan, der Oberste Rat von Elbatro, übersendet Admiral Varys Sylvaine, der derzeitigen Vorsitzenden des Rates der Planeten der Galaktischen Union, eine entsprechende Note, die vom Planetenrat der GU widerwillig akzeptiert wird. Admiral Sylvaine informiert die Regierungen der GU-Planeten unverzüglich über den Entschluß des Rates von Elbatro.

Es kommt zu heftigen Debatten über die Berechtigung, mit der die Elbatroner eine dermaßen tiefgreifende Entscheidung treffen können, doch die Aufregungen darüber weichen bald ernsteren innenpolitischen Problemen -- wie zum Beispiel auf Engel II/Eden, wo sich die Geister daran scheiden, ob man nun zulassen darf, daß die Schauspieler des Planeten-Theaters das Traditionsstück "Dij iárde Khatán" auch in Chloka-Versen vortragen, oder ob diese Vortragsart alleine dem edenianischen Parlament zusteht, oder auf Yuzul V/Xaatztiudr, wo man sich nicht über die Zuständigkeit eines Ministers im Falle einer plötzlich aufgetauchten hochnotpeinlichen Geheimakte einigen kann. (Diese Akte wird momentan wie eine heiße Kartoffel von Dienststelle zu Dienststelle gereicht...)

Auf Sol III/Terra finden der Präsident Marco Prescer und die übrigen Mitglieder der Regierung nach mehrstündigen Debatten eine akzeptable Lösung, die die Versorgung Terras mit dem seltenen Mineral auch weiterhin sicherstellen würde.

Am 18:04:2187TZ mobilisiert Präsident Prescer die Showdown-Flotte unter General Tarebell Eiroon, die sofort von ihrer BL-P (Basis Luna-Phocylides) startet und am 25:04:2187TZ im Partokla-System materialisiert.

* * *

In der Showdown 1:

Im Flaggschiff der Showdown-Flotte sieht General Eiroon zu Zandra Wahol hinüber, die aufmerksam an der Funkkonsole sitzt und die Meldungen der Raumschiffe verfolgt. Der General ist Anfang vierzig, mittelgroß, schwarzhaarig und steckt in der üblichen schmucklosen, dunkelvioletten Uniform der Showdown-Flotte. Nur eine eher unauffällige Abwandlung des rautenförmigen Abzeichens der terranischen Flotten weist ihn als den Oberkommandierenden einer der sieben Teilflotten aus.

Eiroon: Leutnant Wahol, ist die Fernerkundung des Systems abgeschlossen?

Die rothaarige Funkerin dreht sich zu Tarebell um.

Zandra: Ja, Sir. Die Meldungen von Showdown 501 bis 1000 sind eingegangen.

Sie überspielt die Daten vom Speicher des Funkpultes in den Bordcomputer.

Eiroon: Leutnant Morton, Auswertung!

Andrew Morton, der dunkelhaarige Computerspezialist, muß einen Augenblick warten, bis der Computer die Sichtung der Daten abgeschlossen hat.

Andrew: Ja, Sir. Elbatro -- Planet VII des O9.5II-Sterns Partokla -- wird von sechs befestigten Monden umkreist. Der Computer hat anhand der Späher-Daten ermittelt, daß auf jedem Trabanten ein Flottenstützpunkt mit jeweils ungefähr 250 Kampfraumschiffen existiert. Der Planet VI, Kawikk, ist ebenfalls besiedelt. Für uns ist er allerdings uninteressant, da sich die Diakalysium-Vorkommen auf Elbatro beschränken.

Eiroon: Danke. Leutnant Locciu, wie weit sind die Flotten formiert?

Der RÜ-Offizier der Showdown 1, Adriano Locciu, zeichnet mit Hilfe des Computers ein dreidimensionales Bild auf den Schirm.

Adriano: 500 Raumschiffe riegeln Planet VII ab, 500 Raumer liegen noch auf den Basen und weitere 500 Raumer befinden sich in Warteposition zwischen Elbatro und Showdown-Flotte.

Zandra: General Eiroon, ich bekomme einen Funkspruch von Cenvay IV/Vie herein. -- Ich schalte durch.

Eiroon: Gut, Leutnant Wahol.

Auf dem Schirm erscheint das Bild einer Frau unbestimmten Alters. Sie trägt ihre welligen, dunkelbraunen Haare schulterlang und funkelt Eiroon aus violetten Augen ärgerlich an. Die tiefblaue, kimonoähnliche Robe weist sie als Vorsitzende des Rates der Planeten aus.

Varys: Hier spricht Admiral Varys Sylvaine vom galaktischen Planetenrat. Ich rufe General Tarebell Eiroon von dem terranischen Flottenverband. -- Bitte kommen!

Eiroon: Hier General Eiroon. Was wollen Sie, Admiral Sylvaine?

Varys: Vor einer halben Riòli (VZ) erreichte und eine Nachricht von Partokla VII/Elbatro, daß Sie das Partokla-System angreifen, General. Ich rufe Sie im Namen des Rats der Planeten der Galaktischen Union auf, sofort sämtliche Kampfhandlungen im Partokla-System einzustellen.

(1 Riòli VZ = ca. 50 Minuten TZ)

Eiroon: Das kann ich leider nicht tun, Admiral. Als terranischer Flottenkommandeur bin ich an meine Befehle gebunden.

Varys: Ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, daß diese Befehle von Präsident Prescer erteilt wurden?!

Eiroon: Durchaus nicht, Admiral Sylvaine. Und diese Befehle sind für mich absolut bindend!

Varys: Dann werde ich mich wohl an den Terra-Präsidenten wenden müssen. -- Ich bitte Sie jedoch, während der Zeit bis zur Klärung der Situation nicht anzugreifen.

Eiroon: Bedaure, bis zur Klärung der Situation bin ich -- wie schon erwähnt -- an meine Befehle gebunden. In diesem Sinne -- Ende, Admiral Sylvaine!

Varys(verärgert): Ende, General Eiroon.

Eine Supernova wäre bei dem Eis in Varys' Stimme auf der Stelle eingefroren. Tarebell Eiroon lehnt sich jedoch tiefbefriedigt zurück. Diese dumme Ziege vom Planetenrat hat ihm überhaupt nichts zu sagen! Der Titel 'Admiral' des Rates ist ohnehin nur eine überholte Tradition und ohne jedwede militärische Bedeutung. Diese Sylvaine kann sich ja seinetwegen bei Marco Prescer beschweren, solange sie will -- auf den Präsidenten wird das wenig Eindruck machen.

* * *

Auf Cenvay IV/Vie:

Admiral Varys Sylvaine verläßt die Funkzentrale des Ratsgebäudes, nachdem sie den Funkspruch an den Terra-Präsidenten abgesendet hat. Kurz darauf beruft Varys eine Ratsversammlung ein. Drei Stunden TZ später sitzt sie an ihrem Pult und checkt via Computer die Anwesenheit durch. Zwei Namen leuchten türkis auf dem Schirm: Ykkirà von Ssapajja und Schann deSistra von Amyshica.

Varys(kopfschüttelnd): Ts! Ykkirà fehlt jetzt schon zum achten Mal hintereinander. Wenn sie keine Zeit mehr hat, kann sie doch den Ausschluß aus dem Rat beantragen!

Sie aktiviert das übliche Identifikationsprogramm, das -- zusätzlich zu den Eingangskontrollen -- ausschließt, daß sich ein Unbefugter in den Planetenrat einschmuggeln kann. Negativ.

Varys: Gut.

Die Vorsitzende tastet eine einfache Kombination in die Sensorfelder. Dadurch sind nun sämtliche Pultcomputer der Plätze auf Empfang geschaltet. Varys' Ansprache erklingt in allen Lautsprechern an den Pulten der Räte -- notfalls mit Übersetzung, obwohl sie Transuhh, die allgemeine Verkehrssprache der Union benutzt.

(Manche Rassen verständigen sich ja auch mit Ultraschall, elektromagnetischen Wellen, Gerüchen, Tastimpulsen, Telepathie, Zeichensprachen, Ablegern, chemisch, sogar Neutrinostrahlung und mentale Beeinflussung der Zerfallsrate von Rn222 gehören zu den Kommunikationsmethoden diverser Völker in der GU.)

Varys: Ruà, vayráni sávhenyi -- Seid gegrüßt, verehrte Räte. Ich habe Euch zusammengerufen, um einen endgültigen Beschluß über die Diakalysium-Frage zu fällen. Um es noch einmal zusammenzufassen...

Das ist an diesem Tag bestimmt schon die vierte Zusammenfassung der Ereignisse.

Varys: Das Kernproblem ist die Verringerung der Exportrate des Diakalysiums von Partokla VII/Elbatro. Da Elbatro mit 27% den Hauptanteil des Diakalysiums für die GU lieferte, trifft uns die Exportdrosselung um 75% sehr stark, da nun 20% der Gesamtmenge des Katalysator-Minerals entfallen. Die übrigen Diakalysium-Planeten sind sich dessen Wertes durchaus bewußt, so daß wir nun damit rechnen müssen, daß der Diakalysium-Bund die Preise drastisch anhebt. Bisher hatte Elbatro die Preise üblicherweise gedrückt -- aber jetzt ist das ja nicht mehr möglich...

Rat Sracloi, ein olivgeschuppter Echsenmensch von Su IV/Evi, drückt eine Taste an seinem Pult, woraufhin sein Name auf Varys' Computerschirm purpurn aufleuchtet. Auf dem Bildschirm daneben kann die Ratsvorsitzende sein Gesicht sehen.

Varys: Bitte, Rat Sracloi?

Sie schaltet Sracloi in das Verbundnetz ein. Aus allen Lautsprechern (u.ä.) ertönt nun die Stimme des evirónischen Rates, und auf den Bildschirmen sieht man sein bräunlich/grünes Konterfei.

Sracloi: Wie hoch sind unsere Diakalysium-Vorräte? Könnten wir die Planeten des Diakalysium-Bundes nicht boykottieren, wenn sie ihre Forderungen zu hoch schrauben?

Varys: Abgesehen davon, daß niemand mit einem derartigen Vorfall gerechnet hat, und wir daher auch über keine Lagerbestände dieses Minerals verfügen, befinden sich die Vertreter der zwölf Diakalysium-Planeten ebenfalls hier im Rat der Planeten. Sie sind natürlich über unsere Vorräte ebenso informiert wie alle anderen. Ein Boykott wäre daher sinnlos.

Sracloi: Das ist bedauerlich.

Er desaktiviert die Ruf-Schaltung, und auf dem Computerschirm der Vorsitzenden wird sein Name wieder gelöscht. Dafür erscheint ein neuer Schriftzug: Seyna t'Avimer -- Ratsmitglied, verantwortlich für die Sparte Wissenschaft und Forschung. Wie alle Räte dieses Fachbereichs vor ihr, stammt auch Seyna von Accra II/Kara, dem 'Planeten der Wissenschaft' (Das heißt, eine Ausnahme hatte es einmal gegeben: Ieya-Ayam, eine Frau von der Rákhiswala IV/Ellykádja -- vor zwölf Jahren TZ.). Als Karanéa hat sie blauviolette Haare (eine der typischen Kara-Haarfarben, die von genetischen Experimenten in der Vergangenheit Karas herrühren), tiefblaue Augen und wirkt scheinbar alterslos.

Varys: Bitte, Rat t'Avimer?

Seyna: Besteht nicht die Möglichkeit, weitere Planeten mit Diakalysium-Vorkommen zu erschließen?!

Diese Idee schlägt wie eine Bombe ein. Auf Varys' Computerschirm erstrahlen in der genauen zeitlichen Reihenfolge der Meldung mehrere Namen.

Varys: Bitte, Rat Séry-C'arv?

Séry-C'arv, ein blauhäutiger Mann von Missaa-Y III/Pas-Come mit rötlich orangefarbenen Haaren, blickt den Räten zweifelnd von den unzähligen Bildschirmen entgegen.

Séry: Rat t'Avimer, soweit ich weiß, sind die Chancen ausgesprochen gering, einen Diakalysium-Planeten zu finden!

Da sie direkt angesprochen wurde, steht der karanischen Rätin das Recht zu, sofort eine Erwiderung anzubringen.

Seyna: Es wurde bisher auch noch nicht gezielt nach derartigen Planeten gesucht, Rat Séry-C'arv. Außerdem kommen nur Sterne der Spektralklasse O und der Leuchtkraftklasse II oder III in Frage -- und davon gibt es längst nicht so viele wie zum Beispiel M- oder K-Sterne. Und da nach den bisherigen Erfahrungen etwa jeder zehnte O9II- bzw. O9III-Stern einen Diakalysium-Planeten besitzt, sind unsere Chancen gar nicht so klein.

Sie löscht ihre Meldung wieder. Varys gibt das Verbundnetz nun für Konrad Farrol, den dunkelhäutigen, vodolinischen Schatzmeister des Rates frei.

Konrad: Aber bedenkt doch die Kosten, die ein Start der Explorer-Flotte verursacht!

Varys: Dagegen steht der Gewinn bei einem Erfolg der Flotte.

Konrad: Und wie lange soll der Raumaufenthalt der Explorer-Flotte dauern?

Seyna: Ich würde zunächst einmal eine Forschungsdauer von fünf Trisíradí (VZ) veranschlagen.

(1 Trisíradí VZ = ca. 31.21 Tagen TZ.)

Rat Ferrol ist immer noch an den Lautsprecher-Verbund angeschlossen, daher können alle hören, was ihm so spontan entfährt...

Konrad: Kéret-fas! -- Da rihh, das wird teuer!

Admiral Sylvaine schüttelt leicht amüsiert, aber dennoch verweisend den Kopf.

Varys: Ich bitte Euch, Rat Ferrol!

Konrad(leicht verlegen): Entschuldigt, Admiral Sylvaine...

Varys: Laßt es gut sein -- ich weiß ja, daß Ihr für unsere Finanzen zuständig seid...

Sie blendet ihn aus dem Verbundnetz aus. Ein weiterer Name erstrahlt purpurn auf ihrem Computerschirm: Rat Lars Cebut, der Ratsvertreter von Partokla VII/Elbatro.

Lars: Gut, Ihr habe jetzt eine feine Lösung für das Diakalysium-Problem gefunden, aber was ist mit diesem terranischen Angriff auf das Partokla-System?

Varys: Wartet bitte einen Moment, Rat Cebut. Wir müssen zunächst über den Start der Explorer-Flotte abstimmen. Würdet Ihr Euren Beitrag solange zurückstellen?

Lars: Sehr wohl, Admiral Sylvaine.

Die Ratsvorsitzende erhebt sich von ihrem Sitz und breitet die Arme aus.

Varys: Vayráni sávhenyi -- Verehrte Räte, ich darf Euch nun um die Abstimmung zum Einsatz der Explorer bitten.

Admiral Sylvaine aktiviert eine Schaltung, die die einzelnen Pulte der Planetenräte mit undurchsichtigen, tiefblauen Lichtvorhängen abschirmt. So kann jeder Rat sein Votum geheim und unbeeinflußt abgeben.

Zehn Minuten TZ später leuchtet auf dem Computerschirm des Admirals in hellblauen Lettern das Wort preyta (=fertig) auf. Varys desaktiviert die Lichtvorhänge wieder. Dann überspielt sie die Ergebnisse der Abstimmung auf die Sichtschirme der Pulte der übrigen Räte.

Varys: Vielen Dank. Die Abstimmung ist wie folgt ausgefallen:

a) positiv-- 78.01%
b) indifferent-- 13.42%
c) negativ-- 8.57%

Die Explorer-Flotte wird also zum nächstmöglichen Termin starten. -- Nun zu Euch, Rat Cebut!

Lars: Was hat der terranische Flottenkommandeur im Partokla-System zu Eurem Funkspruch gesagt, Admiral Sylvaine?

Varys: Vayráni sávhenyi -- ich werde Euch die Aufzeichnung des Funkgespräches vorführen, welches ich mit General Eiroon führte. Dann könnt Ihr Euch eine eigene Meinung bilden.

Sie gibt dem Pultcomputer den Befehl, das entsprechende Band aus dem Speicher abzurufen und auf die übrigen Pulte zu überspielen. Ein empörtes Raunen geht durch die Reihen der Anwesenden.

Varys: Ich habe vor 4.2 Riòli VZ einen Funkspruch an den Präsidenten von Sol III/Terra abgeschickt, bisher aber noch keine Bestätigung erhalten. -- Bitte, Rat t'Avimer?

Seyna: Ich schlage vor, eins der fünf Spähschiffe in das Partokla-System zu schicken.

Varys: Gut, Rat t'Avimer. Veranlaßt das bitte.

Seyna: In Ordnung, Admiral.

Die Planetenrätin für Wissenschaft & Forschung beugt sich über das energetische Mikrophon ihres Pultcomps und gibt dem schnellen Kreuzer Shírida unter C.Lyhko Convy den Einsatzbefehl. Der Kommandant bestätigt und startet unverzüglich in Richtung Partokla.

Seyna: Die Shírida oder Beobachter ist eins der neuen Spezialschiffe, die dem Rat der Planeten erst kürzlich vom Wissenschaftsrat von Accra II/Kara übergeben wurden. Die karanische Regierung verlangte ausdrücklich, daß diese Raumer ausschließlich dem Frieden dienen sollen. Sie sind neuartige, streng geheime Konstruktionen, die eine Maximalgeschwindigkeit von 21pc/R (21pc/Riòli = ca. 25 pc/h = ca. 81.5 Lichtjahre pro Stunde) erreichen können. Das bedeutet, daß die Shírida die 152pc von Vie bis Elbatro in nur 7.15 Riòli VZ überwinden kann.

Varys: Phantastisch. Die schnellsten konventionellen Raumschiffe haben bisher ungefähr 2 Tris 2.4 Riòli VZ benötigt!

(1 Tris VZ = ca. 75 Stunden TZ)

Sie schaltet Lars Cebut wieder in den Verbund ein.

Lars(interessiert): Könnte man nicht eine Flotte aus typgleichen Schiffen aufbauen? Mit dieser unglaublichen Geschwindigkeit sind sie allen anderen Flottenraumern um 2100% überlegen!

Seyna(verweisend): Accra II/Kara ist eine neutrale Welt, die anderen Welten sicherlich nicht die Konstruktionsunterlagen unseres verbesserten Leadil-Triebwerks weitergibt, damit diese auf diese Weise neue Kriegsflotten aufbauen können!

Varys: Dem muß ich zustimmen, Rat t'Avimer. Auch der Rat der Planeten der Galaktischen Union sollte neutral sein -- und gegebenenfalls Konflikte zwischen den Unionsmitgliedern beilegen.

Dem Rat der Planeten unterstehen deshalb auch nur drei Explorer-Flotten und auf jedem Planeten der GU mindestens ein Raumhafen mit einer unterschiedlich großen Handelsflotte.

Ein hochgewachsener, rotblonder Mann meldet sich zu Wort. Es ist Alvar Deylum, der Vize-Admiral des Planetenrates.

Varys: Bitte, Vize-Admiral Deylum?

Alvar: Nun, vayráni sávhenyi... Ich möchte Euch eine Idee zur Diskussion stellen, die mir vor kurzem gekommen ist... -- Admiral Sylvaine, Ihr spracht gerade die konfliktlösende Aufgabe des Planetenrates an. Da wir jedoch für solche Fälle keine ausführende Gewalt haben, würde ich vorschlagen, als Exekutive eine Art 'Polizei der Galaktischen Union' ins Leben zu rufen.

Varys gibt direkt an Rat Séry-C'arv weiter. Der blauhäutige Comaano macht eine abwehrende Geste.

Séry: Aber Vize-Admiral Deylum! Ich darf Euch darauf hinweisen, daß die meisten System-Polices völlig verfehlt sind! Und eine 'Rats-Polizei', wie Ihr sie ja wohl im Auge habt, wäre im Grunde genommen nichts anderes als eine System-Polizei. Wir haben doch gar nicht die Möglichkeiten, das gesamte Gebiet der Galaktischen Union zu kontrollieren. Außerdem befürchte ich, daß uns etwas Ähnliches passieren wird wie den Terranern im Sol-System. Die haben zwar ihre Flotten, die auf den Terra-Planeten für Ordnung sorgen, aber da diese -- wie ja allgemein bekannt ist -- weit verstreut sind, kocht doch jeder im Prinzip sein eigenes Süppchen!

Alvar: Sollte das eine Anspielung sein, Rat Séry-C'arv?! Ich weise darauf hin, daß Erde-Zwei sich nicht zu den Terra-Planeten zählt!

Zwischen Alvars Heimatplaneten Helios III/Erde-Zwei und Sol III/Terra herrscht seit dessen Kolonisierung von Terra aus versteckte bis offene Rivalität. Die Erde-Zwei-Menschen kämpfen seit etwa einem halben Jahrhundert TZ um ihre Unabhängigkeit, während die Terraner sich bemühen, ihre Kolonie-Planeten zu einem eigenen Imperium zusammenzufassen.

Varys: Ich bitte Euch, Vize-Admiral Deylum und Rat Séry-C'arv! -- Ja, Rat t'Avimer?

Seyna: Die Idee mit der 'Rats-Polizei' ist gar nicht schlecht. Wir könnten, um Koordinationsschwierigkeiten zu umgehen, einen Planetenrat speziell für unsere Weltraumpolizei abstellen.

Alvar: Genauso hatte ich es mir auch gedacht! Diese Space-Police sollte ebenfalls bei den Handelsraumhäfen stationiert sein.

Varys: Äh ja... Aber, Vize-Admiral Deylum, wie hattet Ihr Euch das praktisch vorgestellt?!

Konrad: Genau! Man bedenke die Kosten!

Varys: C'omást-s! Ist das hier eine offene Diskussionsrunde?!

Alvar: Das hatte ich doch vorgeschlagen...

Varys: Nun gut... Ich würde es aber erst einmal vorziehen, wenn die Sitzung für eine Weile unterbrochen wird, damit wir Vize-Admiral Deylums Idee erst einmal überdenken können. Wir treffen uns also in vier Riòli VR wieder hier im Ratsaal.

Die Versammlung ist aufgehoben, und alle Planetenräte strömen den Ausgängen entgegen.

* * *

Im Partokla-System:

In der Showdown 1 wendet sich General Tarebell Eiroon an seine Funkerin.

Eiroon: Leutnant Wahol, erstellen Sie bitte eine Rundruf-Schaltung.

Zandra: Ja, Sir.

Sie betätigte rasch einige Sensorfelder.

Zandra: General, die Rundruf-Schaltung steht.

Eiroon: Gut. -- General Eiroon an alle Einheiten: Wir greifen an! Showdown 501 bis 1000 besetzen Elbatro nach Plan Sorpresa Alfa. Showdown 1 bis 500 geben ihnen Deckung nach Plan Sequestro, in dem sie die Elbatro-Kampfraumer in Gefechte verwickeln. Eiroon, Ende.

Nachdem die Showdown-Raumer bestätigt haben, wendet sich Tarebell Eiroon noch einmal an Zandra.

Eiroon: Leutnant Wahol, rufen Sie bitte Showdown 501 unter C.Ting.

Zandra: Ja, Sir. -- Ich schalte durch.

Auf dem Schirm erscheint das Konterfei einer jungen Frau mit asiatischen Gesichtszügen: C.Ting Mei-ling, die Kommandantin der 501.

Mei-ling: Showdown 501 unter C.Ting. Ja, Sir?

Eiroon: Sie haben das Kommando über die Landetruppen von Showdown 502 bis 1000. Bestätigen Sie. C.Ting

Mei-ling: Verstanden, General Eiroon. Plan Sorpresa Alfa bestätigt.

Eiroon: Gut. Starten Sie, C.Ting. -- General Eiroon, Ende.

Mei-ling: Verstanden, General. -- C.Ting, Ende.

Sie salutiert und schaltet ab.

Eiroon: Leutnant Wahol, geben Sie Startbefehl an Showdown 2 bis 500 durch.

Zandra: Ja, Sir.

Die Funkerin wendet sich an die hellblonde Pilotin des Flaggschiffs. Wie die meisten Spitzenpiloten der terranischen Raumflotten stammt auch sie von der Weltraumstadt Antluna, die die Erde als zweiter Trabant umkreist.

Eiroon: C.Talczyk, gehen Sie auf Angriffskurs!

C.Ilka Talczyk nickt knapp.

Ilka: Ja, Sir. -- Leutnant Morton, legen Sie die Kursdaten bitte sofort auf das Steuerpult um.

Andrew: Die Schaltung steht, C.Talczyk.

Ilka: Danke, Leutnant Morton.

Eiroon: Leutnant Miller, legen Sie die Feuerleitungen auf mein Pult.

Robert: Ja, Sir. -- Die Leitungen stehen.

Eiroon: Danke, Leutnant Miller.

Ilka: C.Thompsom, schalten Sie bitte das zweite Steuerpult auf Überwachung.

C.Thom Thompsom, der ebenfalls hellblonde, antlunarische Co-Pilot der 1, bestätigt.

Thom: Ist erledigt!

Der General sieht den Antlunarier warnend an.

Eiroon: Würden Sie bitte bei der dienstlich-formellen Bestätigung bleiben, C.Thompson!

Wie üblich spricht Eiroon Thoms Namen falsch aus. Hinter Tarebells Rücken lächelt Ilka dem Co-Piloten äußerst unformell zu. Thom zuckt unmerklich mit den Schultern.

Thom: Ja, Sir.

Zandra: General, wir werden angefunkt -- von der Showdown 316...

Eiroon wendet sich von C.Thompsom ab, der nun schadenfroh vor sich hingrinst.

Eiroon(stöhnend): Was will C.T-S'cèr denn jetzt schon wieder?

(Der marsianische Name T-S'cèr wird 'Teskár' ausgesprochen - Anm.d.Verf.)

Zandra: Das will er Ihnen selbst sagen.

* * *

Auf der Showdown 316:

Der Kommandant des Raumers -- ein hochgewachsener Blondschopf mit einem frechen Grinsen -- legt einen Finger auf den Mund.

Pete: So, und jetzt Pssst und tut so, als ob ihr euch nicht kennt. -- Ich möchte nämlich mal schnell unseren Big-Boß kontaktieren, und der legt ja äußerst Wert auf die Form, wie ihr ja wißt... -- Also, Leutnant LaTerre, stellen Sie bitte eine Verbindung zur Showdown 1 her!

Valeria LaTerre, die rothaarige Funkerin, lächelt ihm mit strahlenden grünen Augen zu und dreht sich dann wieder zu ihrer Funkkonsole um.

Valeria: Jawohl, C.Pete -- pardon, C.T-S'cèr!

Sie schaltet an ihrem Pult herum und gibt Pete das Fertig-Zeichen.

Valeria: Sie können sprechen, C.T-S'cèr!

Pete: Danke, Leutnant LaTerre.

Der 316-Kommandant sieht das Gesicht des Generals auf dem Bildschirm.

Eiroon: C.T-S'cèr! Was wollen Sie?

Pete: Was machen wir mit den manövrierunfähigen Raumern?

Eiroon: Wir lassen Sie im Raum treiben. Wenn wir einen Krieg führen, haben wir keine Zeit, uns um so etwas zu kümmern!

Pete: Ich weise darauf hin, daß die Sauerstoffvorräte der Kampfraumer begrenzt sind! Der Paragraph 47/III der Raumstatuten des Rates der Planeten der Galaktischen Union sieht vor, daß jedes manövrierunfähige Raumfahrzeug von dem nächststehenden Raumer geborgen werden muß!

Eiroon: Ich pfeife auf die GU-Statuten! Das hier ist eine terranische Raumflotte! Diese GU-Paragraphen machen doch jeden vernünftigen Raumkrieg unmöglich!

Pete: Raumkriege sind nicht vernünftig! -- Aus diesem Grund wurde Paragraph 47/III schließlich in die GU-Raumstatuten aufgenommen.

Eiroon: Ich befehle Ihnen, sich über Paragraph 47/III hinwegzusetzen, C.T-S'cèr!

Pete: Das können Sie nicht. Gemäß Paragraph 2/II der GU-Raumstatuten weigere ich mich, Ihrem Befehl Folge zu leisten.

Eiroon: Das ist Meuterei! Sie werden sich vor dem terranischen Flottengericht zu verantworten haben!

Pete(kühl): Und Sie vor dem Rat der Planeten der Galaktischen Union, General!

Wutschnaubend schaltet General Eiroon das Funkgerät ab. Zur Hölle mit diesem C.T-S'cèr! Ständig setzt sich der 316-Kommandant über die Befehle der terranischen Flottenkommandantur hinweg, aber man kann ihn nicht dafür belangen, da er strikt nach den Raumstatuten des Planetenrates handelt. Dieser hat allen friedliebenden Raumerkommandanten in seinen Statuten ein Hintertürchen offengelassen, das sie berechtigt, Befehle, die direkt den Frieden zwischen den Welten der GU stören, zu ignorieren. In die Große Leere mit dem Rat der Planeten und seinen verfluchten Raumstatuten!

* * *

Auf der Showdown 316:

C.Cosmo Brogio, der dunkelhaarige Co-Pilot, schlägt Pete anerkennend auf die Schulter.

Cosmo(grinsend): Pete, dem Kerl hat du's aber gegeben! -- Heavens, der ist ja nicht auszuhalten!

Marc T'lee, der vierte im Bunde -- Panologe bzw. Bordwissenschaftler der 316 -- schaut besorgt drein. Er stammt von Accra II/Kara, was man an seinen blauvioletten Haaren und weltraumschwarzen Augen erkennen kann.

Cosmo: Hey, Herr Pannologe, welche Laus ist dir denn heute über die Leber gelaufen?

Marc: Keine Laus, nur ein vorwitziger Co-Pilot!

Der Kommandant der 316 nickt ernst.

Pete: Ich weiß, was dir Sorgen macht, Marc. -- Valeria, schalte bitten den Phased-Screen auf Maximum.

Valeria: Welches? Offiziell oder 316-Maximum?

Pete: Letzteres natürlich...

Er verzieht ironisch das Gesicht.

Pete: Weißt du, ich habe keine Lust, von einem unserer Raumer versehentlich abgeschossen zu werden.

Marc: Eben. In dieser Hinsicht ist Eiroon skrupellos. Ein Glück, daß wir unseren Schutzschirm verbessert haben!

Cosmo: Ohne den Phased-Screen würde ich ziemlich schwarzsehen!

Der Panologe gibt einige Daten in den Computer ein.

Marc: Ich habe unseren Rechenkasten einmal nachrechnen lassen: Wir verkraften jetzt einen Dauerpunktbeschuß von fünf Showdown-Raumern.

Cosmo: Ein Hoch auf Pete, Dani und unseren Herrn Pannologen!

Marc: Ich wünsche, wenn schon, dann die korrekte Bezeichnung meines Fachgebiets, Herr CoCoCosmo.

(CoCo steht üblicherweise für Co-Pilot und Computerspezialist)

Valeria: Hey, ihr Spezis! Ich habe ein Wrack in der Ortung! Und zwar im Planquadrat K/20:13:03, Entfernung 122007km.

Pete: Okay -- Marc und Cosmo, wenn ihr unbedingt Unterhaltung sucht, dann kann ich euch nur empfehlen, die Leute aus dem Wrack zu bergen.

Der Karanyo verzieht das Gesicht. Es gibt kaum etwas, das Marc so sehr haßt, wie die Durchführung von Außenarbeiten. Da aber er und Cosmo ach so gerne ihre (für Pete nervtötenden) Wortgefechte ausfechten, schickt der Kommandant die beiden zur Strafe üblicherweise hinaus. Und mit genauso schöner Regelmäßigkeit steht dann ein schwarzhaariger Engel auf, der Marc den verhaßten Außendienst abnimmt: Daniela Cinti, ihres Zeichens Feuerleitoffizier und Ingenieurin an Bord. Sie lächelt Cosmo zu und geht anstelle von Marc zu Schleuse.

Daniela: Pete, ich gehe für Marc 'raus, ja?

Pete(seufzend): Natürlich -- wie üblich. Donnerwetter noch mal, Marc, eines schönen Tages kriege ich dich doch noch ran!

Erleichtert huscht der Karanyo zum Computer zurück.

Marc: Danke, Dani! -- Aber Pete... Wenn Daniela doch viel lieber mit Cosmo rausgeht?

Pete: Naja. Solange die beiden über'm Süßholzraspeln nicht die Arbeit vergessen...

Der Kommandant setzt sich ans Steuerpult und manövriert die 316 zu dem angeschossenen Elbatro-Kampfraumer.

Valeria: Ich habe das Schiff angerufen. Die Besatzung der Une-134 wartet darauf, von uns abgeholt zu werden.

Pete: Na, dann los, Dani und Cosmo!

Cosmo: Okay.

Während die beiden die Besatzung der Une-134 bergen, lehnt sich Pete in seinem Pilotensessel zurück und macht ein nachdenkliches Gesicht.

Valeria: Hm? Ist was, Pete?

Pete(begeistert): Ich habe gerade eine grandiose Idee!

Valeria: Aha?!

Der Bordwissenschaftler hört momentan nicht zu, da er wieder einmal den Computer in Beschlag genommen hat und ein Programm durchtestet, das für Daniela eine Arbeitserleichterung bedeuten wird. -- Naja, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

Pete: Du weißt doch, daß 'unser Liebling General' augenblicklich nicht besonders gut auf uns zu sprechen ist.

Valeria: War er das etwa jemals?

Pete: Ä-hem... -- Aber dieses Mal bekommt der liebe Tarebell Eierkopf ein wunderschön formuliertes Kündigungsschreiben von mir, sobald wir wieder auf der BL-P sind.

Valeria: Aber was willst du danach machen? -- Beziehungsweise, was sollen wir dann machen? Ich bezweifle nämlich sehr, daß wir auf irgendeiner der sechs anderen Lunabasen eingestellt würden. Und als Frachtercrew...

Pete: Nee danke! Auf einem Frachter sowieso nicht, und bei den übrigen BLs würde der Zauber wieder von vorne anfangen. Wenn ich da an diese... Generalin Coleta Tacey von der neuen Nova-Flotte denke... 'Bloody Coly'! Oder General Hodge Shubert von der Thunderbolt-Flotte -- mich schaudert alleine schon bei dem Gedanken, unter deren Befehl zu stehen!

Valeria: Und was sollen wir dann machen?!

Pete: Ganz einfach. Wir bauen uns eine eigene Flotte auf.

Valeria: Hunderttausend Schwarze Löcher und noch ein paar mehr!

Auch Marc, der die letzten Worte Petes mitbekommen hat, tippt sich an die Stirn.

Marc: Größenwahnsinnig geworden, hm?

Sein Freund winkt ab.

Pete: Quaro! Ich meine es ernst! -- Als Karanyo dürftest du doch aus Prinzip nichts für unmöglich halten!

Marc: Habe ich das jemals getan?

Pete: Ä-hem! Also, wie ist es -- macht ihr mit?

Valeria: Klar doch!

Marc: Daa, ejr!

Pete: Top! Cosmo und Dani machen auch unter Garantie mit.

Marc: Cu, Cosmo alleine, weil ich mitmache -- sonst hätte er ja niemanden für seine ewigen Sticheleien...

Pete: Ja, ja, und du nicht mehr für deine!

Marc(ungerührt): Und was Daniela betrifft... Nun, wo Cosmo hingeht, da kommt Dani mit. -- C'omást-s, Cosmo hat mir kürzlich erzählt, daß er beabsichtigt, Dani nach irgendeinem überlieferten Terra-Ritus zu 'heiraten'...

Pete(grinsend): Könnte dir mit Thallia nie passieren, was?

Marc: Nein -- wir kommen schließlich von einer zivilisierten Welt und benötigen nicht derart primitive Riten.

Valeria: 'Zivilisierte Welt'! Terra ist genauso Mitglied der Galaktischen Union wie Kara!

Pete: Tja, tja... Ein Übermaß an Zivilisation bringt auch immer ein Übermaß an Selbstbewußtsein, scheint mir... Und das ist doch im Prinzip ein Anzeichen für beginnende Degeneration?

Marc: Pah! Ihr naseweisen Terraner seid schließlich auch nicht mehr als Nachkömmlinge von vergessenen Kara-Kolonisten!

Valeria: Pah! Und ihr Karane seid nicht mehr als Nachfahren von Cyrea-Kolonisten!

Marc: Tja, und die Cyraeer sind eins der legendären Alten Völker des Bundes der vier Galaxien.

Die Hobby-Historikerin in Valeria schlägt mal wieder durch.

Valeria: Genau wie der Feind der Cunnian. -- Du weißt doch über den Cunnian-Krieg Bescheid?

Marc: Denk mal ganz scharf nach, Val... Immerhin haben wir beide zusammen mit Senic die Speicher der cunnian Computerzentren geknackt...

Pete(rätselnd): Cunn -- Cunn... Also, ich kann mit darunter nichts vorstellen! In welcher Ecke der Galaxis liegt denn Cunn?

Sowohl Marc als auch Valeria blicken den Kommandanten der 316 feixend an.

Valeria: Aber Pete! Wir waren doch erst kürzlich dort!

Pete(perplex): Hä?!

Valeria(dozierend): Leemar IV/Cunn ist der alte Name von Sol IV/Mars.

Pete: Beim Schwarzen Loch im Sternbild Schwan! -- Und mir qualmen die grauen Zellen!

Valeria: Na, kennst du denn den Schlager von Silka Satyrn nicht?! Da heißt's:

"Ich bin auf dem vierten Planeten unserer Sonne


Wir nennen ihn Mars, doch sein Name ist Cunn..."

Pete: Also, ich weiß nicht... -- Da ist aber kein besonderer Reim drin.

Valeria: Silka singt schließlich nicht in GULUN, sondern in Alt-Englisch -- und das, obwohl sie eine Karanéa ist.

(GULUN ist neben Transuhh eine Hauptsprache der Galaktischen Union.)

Valeria(singt): "I'm on the fourth planet of our sun


We call it Mars, but its name is Cunn..."

Marc: Du solltest Schlagersängerin werden!

Valeria: Kein Bedarf!

Pete: Wie wär's, wenn wir uns jetzt wieder unserem eigentlichen Thema zuwenden?

Valeria: Okay -- also, Pete, zu deinem, bzw. unserem Plan: Du beabsichtigst, eine Flotte zu bauen. Zunächst einmal wohl ein Schiff. Was-wie-wo-wer-wann?

Pete: a) was: Ich würde sagen, am besten einen Superraumer.

Marc(sarkastisch): Ach, mehr Wünsche haben der Herr Kommandant nicht? Nur einen Superraumer?!

Pete: Sieh dir die 316 an und dann einen 'normalen' Showdown-Raumer. -- Was ist mit dem Phased-Screen? Vals Do-it-yourself-Ortungsanlage und -Funkgerät? Danis Doppel-Phasenstrahler?

Valeria glaubt mal wieder, sich wegen ihrer (unerlaubten) Verbesserungen verteidigen zu müssen.

Valeria: Ich mag es nunmal nicht, wenn Funksprüche zigmal über Relais gehen! -- Da können sie zu leicht abgefangen werden...

Marc(grinsend): Crí, und aus diesem Grund hast du einfach an deinen Geräten herumgebastelt und die Reichweite ungefähr verfünffacht! -- Cu, langsam habe ich doch das Gefühl, daß wir es schaffen können.

Pete: Natürlich schaffen wir es! Übrigens, Senic hat mir gesagt, daß er unseren Phased-Screen noch verbessern kann.

Marc: Unser 'Star von Terra' bringt das bestimmt fertig, wenn er nur die geringste Möglichkeit dazu sieht. Aber wie haben noch jemanden in petto. Ich habe euch doch schon einmal von Thallias neuesten Unternehmungen erzählt?!

Pete: Sicherlich... So oft wie du uns von deinem Schatz erzählst...

Valeria: Sie arbeitet jetzt im Team von Professor Jéthan t'Enia auf der Kara-University, nicht?

Marc: Richtig. Sie gehört schließlich zu den fähigsten karanischen Hyperphysikern. Mhm, Thallia k'Avimer -- der Name hat schon einen guten Klang, sogar unter karanischen Wissenschaftlern!

Valeria: Ist ihre Mutter nicht im Rat der Planeten?

Marc: Ja, Seyna t'Avimer ist Rat für Forschung.

Pete: Gee, Marc, wußtest du eigentlich, daß sich unser 'Star von Terra' vorgenommen hat, Planetenrat für Wissenschaft und Forschung zu werden?

Marc: Senic! -- Aber sicher! Er wäre erst der zweite Nicht-Karanyo auf diesem Posten...

Valeria: Sag nichts! Der 'Star von Terra' versteht was von seinem Fach.

Pete: Heavens, aber ich kann ihn mir absolut nicht in einer stundenlangen Ratsdebatte vorstellen...

Valeria: Andererseits wäre es aber doch nicht zu verachten, wenn einer von uns beim Rat der Planeten ist! -- Ich meine, falls wir mit der Terra-Regierung mal Krach kriegen sollten...

Sie wirft einen kurzen Blick auf ihren Kontrollschirm.

Valeria: Oh, ich sehe gerade, Dani und Cosmo sind wieder auf dem Rückweg. Mit acht Leuten aus diesem Elbatro-Raumer.

Der Co-Pilot und die Ingenieurin betreten, gefolgt von der Une-134-Crew, die Zentrale der 316.

Pete: Ich bin C.Pete T-S'cèr, Kommandant der Showdown 316. Ich begrüße Sie an Bord, C...?

Eine junge Frau mit dunkelgrün gefärbten Haaren tritt vor. Ihre orangefarben/schwarze Montur der Une-Flotte trägt das goldene Abzeichen eines Kreuzer-Kommandanten der elbatronischen Streitkräfte.

Caira: C.Caira Sésvail, Kommandantin der Une-134, Vayard. Haben wir uns als Ihre Kriegsgefangenen zu betrachten, C.T-S'cér?

Pete: Nein, C.Sésvail. In Berufung auf Paragraph 2/II der Raumstatuten des Rates der Planeten der Galaktischen Union habe ich mich über den Angriffsbefehl von General Eiroon hinweggesetzt. Sie kennen ja die Raumstatuten...

Caira(trocken): Es gibt also auch vernünftige Terraner.

Pete(grinsend): Danke... -- Hey, Marc, Cosmo, holt doch mal ein paar Kisten aus dem Lagerraum, damit unsere Passagiere hier nicht so rumstehen!

Marc(macht ein langes Gesicht): Muß ich?

Natürlich muß er nicht. Daniela und Cosmo machen sich auf den Weg. Wenig später tauchen die beiden wieder auf, jeder mit zwei hellblauen, stabilen Leichtmetallkisten beladen.

Cosmo: Eccole casse! Bitte sehr, wir holen gleich den zweiten Schub.

Nachdem die Crew der Vayard mit den Würfeln versorgt ist, setzen sich die zwei Frauen und sechs Männer hin.

Caira: Was gedenken Sie jetzt zu tun, C.T-S'cèr?

Pete: Nun, ich werde Sie irgendwo absetzen. Was ist Ihnen lieber -- Elbatro oder Kawikk?

Caira: Ich denke, es ist besser, wenn Sie uns auf Kawikk absetzen würden. Die elbatronischen Raumforts reagieren momentan leicht allergisch auf terranische Raumkreuzer.

Pete(belustigt): In Ordnung. Cosmo, setze bitte den Kurs.

Die Funkerin blickt wieder von ihrer RÜ-Konsole auf.

Valeria: Pete, der Phased-Screen hält wirklich, was er verspricht.

Pete: Ist ja auch auf Senics und Marcs Mist gewachsen...

Valeria: Nana! Stell dein Flämmchen mal nicht unter den Scheffel! -- War übrigens ein Dreifach-Treffer...

Raltay-Taûno, der kawiccianische Ingenieur der Une-134 -- zu erkennen an seiner dunkelbraunen Hautfarbe und den türkisfarbenen Haaren -- blickt zuerst Valeria und dann Pete erstaunt an.

Raltay: Dreifach-Treffer?! Verblüffend, daß der Schild gehalten hat!

Pete: Das Schirmfeld ist nunmal eine Spezialanfertigung der 316-Crew.

Valeria: Nicht nur das Schirmfeld...

Marc: Also, ich glaube jetzt wirklich, daß wir es schaffen.

Cosmo: Hey, was schaffen?

Die Leute der Vayard sind vorübergehend vergessen.

Pete(scheinheilig): Ach, haben wir dir das noch nicht erzählt?

Cosmo: Nicht daß ich wüßte...

Daniela(schmollend): Und mir auch nicht!

* * *

Caira schüttelt irritiert den Kopf. Diese fünf Terraner sind wirklich seltsame Vögel! Nicht nur, daß sie einen Angriffsbefehl ignoriert haben und sich jetzt auf eigene Faust als Hilfstrupp einsetzen -- auch der Umgangston unter den Besatzungsmitgliedern ist äußerst ungewöhnlich.

* * *

Pete: Nun, dann will ich euch mal einweihen! Also, Val, Marc und ich haben beschlossen, unserem lieben General Tarebell Eierkopp 'Adieu!' zu sagen und eine eigene Flotte aufzubauen. Wißt ihr, so eine 'Spezialeinheit', die den 'normalen' Flotten ein wenig auf die Finger sieht -- und ihnen im Bedarfsfalle auch auf dieselben klopft...

Cosmo: Ach, 'ne ganze Flotte willst du bauen? Du hast wohl 'n mittleres Schwarzes Loch, wie?

Pete(grinsend): Cosmo, Cosmo! Jetzt fängst du genauso an wie Marc vor ein paar Minuten...

Cosmo(entsetzt): Was?! Wie Marc? -- Ich nehme alles zurück!

Valeria: Ich breche zusammen! -- Verdammt noch mal, Pete, jetzt erzähle gefälligst in Stichpunkten, was läuft -- oder ich erledige das!

Pete: Okay, okay, ich mach' ja alles, was du von mir verlangst, Val...

Marc(feixend): Ts ts ts! Pete unter dem Pantoffel.

Pete: Pah! -- Marc, du gehst mir wieder mal auf den Geist. Wie wäre es, wenn du die 316 nach Partokla VI/Kawikk fliegst?! Dann wäre ich vielleicht in der Lage, Dani und Cosmo unseren Plan explizit zu erläutern...

Marc: Meinetwegen. -- Tej, ejr do'i...

Der violetthaarige Karanyo okkupiert Petes Pilotensessel mit einem Seufzer. Dies wird von der Vayard-Crew mit Erstaunen registriert. Es ist nicht üblich, daß z.B. der Bordwissenschaftler auch als Pilot fungieren kann.

Deroweil hat Pete Cosmo und Daniela erklärt, was er vorhat, wenn die 316 wieder im Sol-System ist.

Cosmo: Fabulös! Und wer soll sonst noch mitmachen? Ich meine, außer Senic und Thallia.

Pete: Hm. Ich dachte da unter anderem an Coralee Eileen. Eine Medizinerin und Biologin ist sicherlich von Nutzen.

Cosmo: Was macht denn deine liebe Ex-Freundin zur Zeit?

Pete: Soweit ich weiß ist sie auf Accra II/Kara.

Cosmo: Naja, als echte Karanéa wird Kupferköpfchen sicherlich an so einem verrückten Plan interessiert sein...

Valeria(belustigt): Wenn Coree das gehört hätte, hätte sie dich bestimmt ein paar Grade kälter gemacht! -- Du weißt doch, was sie von diesem albernen Spitznamen hält.

Cosmo: Was kann ich denn dazu, wenn Coralee derart kupferfarbene Haare hat?!

Pete: Hm. -- Dann gedenke ich noch, Corrado Schillaci zu verständigen. Der ist ein veritabler Genius und unter anderem Jurist, Soziologe und Psychologe...

Valeria: Ein Psychologe! Befürchtest du, daß du nicht mit einer Truppe zurandekommst, die unter anderem drei Karane, den 'Star von Terra' und Cosmo beinhaltet?

Pete(grinsend): So ungefähr... Aber im Ernst, ich befürchte eher, daß wir massiven Ärger mit diversen Behörden bekommen werden. Da können wir einen Juristen dringendst benötigen.

Daniela: Verständlich. Ich wüßte auch noch jemanden. Jelissaweta Lisinkova. Jelli ist Metallurgin und Planetologin.

Pete: Nicht übel. Tja, und dann dachte ich noch an Fourré Capet...

Cosmo: Fourré? Was willst du denn mit Fourré? Meines Erachtens düst der doch über die Erde und baut eine Luxus-Villa nach der anderen!

Pete(kopfschüttelnd): Cosmo, Cosmo! Glaubst du etwa, wir wollen im Freien übernachten? Wir brauchen doch auch eine Basis!

Cosmo: Aha. -- Und was ist damit?

Er macht eine bezeichnende Handbewegung.

Pete: Also, um das Kapital würde ich mir die geringsten Sorgen machen.

Daniela(zweifelnd): So?!

Valeria: Ah, ich weiß, was Pete vorhat. -- Nicht wahr, du meinst, wir nehmen einfach die 316 auseinander?

Cosmo: Dann macht uns 'unser Liebling General' endgültig kalt.

Pete: Quaro! -- Val hat es schon richtig erkannt. Wir werden einige unserer Verbesserungen an die Flotten verkaufen. Natürlich nicht alles, aber soviel, daß wir von dem Geld unser Vorhaben verwirklichen können.

Marc: Außerdem werden wir unsere Spezialinstrumente ohnehin entfernen. -- Wir schenken unserem Big-Boß nichts!

Valeria: Genau! Dem gönne ich noch nicht einmal das Schwarze unter den Fingernägeln -- und schon gar nicht mein RÜ- und Funkpult...

Marc: Ay, in ein paar Minuten leite ich den Landeanflug für Partokla VI/Kawikk ein. Willst du übernehmen?

Pete: Ist mir lieber. Bei deinen Landungen! -- Val, würdest du dich bitte um die Landegenehmigung bemühen?

Valeria: Okay, Pete.

Die Funkerin setzt sich an ihr Pult. Nach ein paar Minuten Schlacht mit der Bodenstation tippt sie auf ein letztes Sensorfeld und lehnt sich erleichtert zurück.

Valeria: Sieg! Sie lassen uns landen. Der Peilstrahl steht, Pete. Ich habe ihn auf dein Pult umgelegt. -- Himmel, warum müssen die Leute von den Bodenstationen die Funker der ankommenden Schiffe bloß immer so schikanieren? Wir tun ihnen doch gar nichts!

Pete: Danke, Val -- Du kannst sie ja nächstes Mal fragen.

* * *

Die acht Leute der Vayard sitzen immer noch auf den zweckmäßigen, hellblauen Kisten, die Cosmo und Daniela aus dem Laderaum geholt hatten. Sie haben Pete und Co. ungläubig zugehört. Diese Terraner sind ja noch verrückter als die Besatzung der Une-134 zunächst angenommen hatte!

* * *

Die 316 setzt auf dem Raumhafen von Sertelko, einer größeren Stadt Kawikks, auf.

Pete: Okay, da wären wir. C.Sésvail, sollen wir die Raumhafenverwaltung bitten, Ihnen ein Robotaxi zu schicken?

Caira: Ich bitte darum, C.T-S'cèr. Ich muß mich im Namen meiner Crew dafür bedanken, daß Sie uns gerettet und nach Kawikk befördert haben...

Pete: Nichts zu danken, C.Sésvail. -- Val, kümmerst du dich bitte um den Gleiter?

Valeria: Längst erledigt, Pete.

Pete: Danke. Marc, begleitest du bitte die Vayard-Crew nach draußen?

Marc: Cu, ejr do'i. -- Wenn Sie mir also bitte folgen würden?

Caira nickt ihrer Mannschaft zu. Sie gehen hinter Marc durch das Zentrale-Schott zur Schleuse.

Kurze Zeit später kehrt Marc T'lee zurück.

Marc: So. Die sind weg. -- Also, auf zu frischen Taten!

Cosmo(scheinheilig): Mann, bist du aktiv!

Pete hält sicherheitshalber die Luft an. Nur nicht nervös werden...

Pete: Auf eure Plätze! Wir starten wieder!

* * *

Während Pete und Crew mit der 316 im Partokla-System aufräumen, 'räumt' General Eiroon mit der restlichen Flotte auf -- nur in einem etwas anderem Sinn.

Den General hat es im Verlaufe des Gefechts nicht mehr auf seinem Sitz gehalten, und so hämmert er nun stehend auf die Auslöser der verschiedensten Vernichtungsgeräte seines Schiffes, wobei er jeden erfolgten Abschuß mit einem lauten, äußerst ungeneralischen Indianergeheul quittiert.

* * *

Zur Zeit sieht die Lage im Partokla-System folgendermaßen aus:

Es ist noch ungefähr jeweils ein Drittel der beiden gegnerischen Flottenverbände manövrier- und kampffähig. Der Rest ist entweder vollständig vernichtet oder schwebt auf mehr oder weniger komplizierten Bahnen durch das Sonnensystem.

* * *

Auf Partokla VII/Elbatro:

Hier berät sich augenblicklich der Rat von Elbatro im großen Ratssaal in Cardain, der Hauptstadt Elbatros.

Ein dunkelhaariger Endvierziger ergreift das Wort. Es ist Henri Chaufan, der Oberste Rat, der eine weitere außerordentliche Sitzung einberufen hat.

Henri: Es sieht so aus, als ob wir in der Lage wären, die terranischen Flottenverbände zurückschlagen zu können.

Telva(bitter): Was für ein Sieg!

Die orangegekleidete Elbatronerin mit der türkisfarbenen Löwenmähne denkt an die toten Raumsoldaten und ballt die Fäuste.

Telva: Wir haben 636 terranische Raumer abgeschossen und dabei 927 eigene Schiffe verloren. Insgesamt wurden auf beiden Seiten 119 Totalverluste gemeldet. Die Siss-Flotte ist praktisch nicht mehr vorhanden, ebenso die Doi-Flotte. Der Verband Kat besteht nur noch aus 47 Raumschiffen. -- Diese Schlacht war das sinnloseste Unterfangen, das Strategen des Partokla-Systems bisher unternommen haben!

Ein rotuniformierter Elbatroner mit giftgrünen Haaren und grünblauen Augen starrt die Ratsdame für Wissenschaft und Forschung pikiert an.

Tels: Sinnlos?!

Mit dieser Definition des Raumkrieges ist Tels Idsiht, Ratsherr für Verteidigung, ganz und gar nicht einverstanden.

Tels: Meine liebe Ratsdame Arouge, immerhin haben wir verhindern können, daß das System in die Hände dieser machthungrigen Terraner gefallen ist!

Telva Arouge lächelt ihren Kontrahenten mitleidig an.

Telva: Mein lieber Ratsherr Idsiht, ich weiß nicht, ob Sie darüber informiert sind -- aber Sie arbeiten doch stets sehr eng mit dem Ratsherrn Kiran-Thalên vom Geheimdienst zusammen?! -- Die Wissenschaftler der geheimen Siss-Labors (Abteilung Strahlenforschung) haben kürzlich eine hochinteressante Entdeckung gemacht. Sie hätte es uns ermöglichen können, die Terraner ohne Verluste an Menschenleben und Material aus unserem Sonnensystem zu vertreiben.

Tels: Warum haben Sie mich nicht sofort darüber unterrichtet, Ratsdame Arouge?

Der Oberkommandierende der elbatronischen Raumstreikräfte ist zutiefst verärgert.

Telva: Der HiMa wurde erst gestern endgültig fertiggestellt. Wir hätten ihn jedoch noch rechtzeitig einsetzen können. -- Wenn nicht der Einsatzbefehl für unsere Flotten bereits ausgegeben worden wäre, und Sie nicht irgendwo untergetaucht wären...

Die letzte Spitze überhört Tels geflissentlich.

Tels: Und was ist dieser ...'HiMa' für eine Wunderwaffe?

Telva: HiMa ist das Kürzel für Hirnstrom-Manipulator.

Tels(mittlerweile leicht ungeduldig): Ich wollte wissen, was dieser Hirnstrom-Manipulator eigentlich bewirkt!

Telva: Eine andere Bezeichnung für den HiMa wäre auch Tele-Suggestor. Das Gerät bewirkt eine Art Fernhypnose.

Tels(aufhorchend): Hochinteressant! Damit könnte man den Feindraumern doch auch den Befehl zur Selbstvernichtung geben.

Telva(verweisend): Der HiMa ist dazu konzipiert, Blutvergießen zu vermeiden!

Jetzt schaltet sich der Oberste Rat wieder in den hitzigen Dialog mit ein.

Henri: Warum haben Sie nicht angeordnet, daß dieses Gerät eingesetzt wird, Ratsdame Arouge?

Telva: Unsere Schiffe waren bereits im Raum. Wir können den Strahlenkegel des HiMa noch nicht hundertprozentig gezielt einsetzen.

Henri: Aha.

Tels: Kann dieser HiMa eigentlich auf unseren Kampfschiffen eingebaut werden?

Telva: Noch nicht. Bis jetzt steht erst die große, planetengebundene Versuchsanlage auf Partokla VII/Elbatro VI/Siss. Damit hätten wir allerdings die terranischen Raumstreitkräfte abwehren können...

Doraleen: Wir könnten den Flotten doch Befehl geben, sich zu ihren Basen zurückzuziehen!

Die neue Sprecherin, Doraleen von Etellen, eine Frau mit hüftlangen, hellgrünen Haaren und tiefblauen Augen, ist die jüngste Dame des Rates. Der Ratsherr für Verteidigung sieht die junge Elbatronerin verächtlich an. Es ist kein Geheimnis, daß Tels und Doraleen keinerlei freundschaftliche Gefühle füreinander hegen.

Tels(arrogant): Ich bin mir durchaus im Klaren darüber, daß Sie von der Taktik eines interstellaren Krieges keine Ahnung haben, Ratsdame von Etellen.

Doraleen: Ich bin schließlich keine Verfechterin des hirnlosen Militarismus!

Der Oberste Rat überlegt krampfhaft, wie er die Spannung ein wenig heruntertransformieren könnte.

Henri: Warum ist es nicht möglich, die Flotten zurückzuziehen, Ratsherr Idsiht?

Tels(etwas ruhiger): Die Terraner würden das Manöver sofort als taktischen Rückzug ansehen -- dabei wäre vor allem der psychologische Moment zu beachten. Es stärkt die Moral des Gegners, wenn sich der Feind zurückzieht. Entweder würden uns die Terra-Flottenraumer folgen, oder sich ebenfalls in Warteposition begeben.

Telva: Und was Punkt eins betrifft, kann der HiMa wieder nicht eingesetzt werden, da unsere Schiffe ebenfalls in der Nähe wären, bei Punkt zwei dagegen wären die Terraner sicherlich außerhalb der Reichweite des Projektors...

Doraleen(ätzend): Also bleibt uns nur übrig, die terranische Showdown-Flotte endgültig mit Waffengewalt zu vertreiben, nicht wahr, Ratsherr Idsiht?

Tels(überfreundlich): Richtig, Ratsdame von Etellen.

Doralee(eisig): Mir scheint, Sie sind darüber auch noch froh!

Henri: Bitte! Keine persönlichen Angriffe, Ratsdame von Etellen!

Doraleen(zuckersüß): Entschuldigen Sie, wenn Sie sich angegriffen fühlten, Ratsherr Idsiht.

Die Chefin der Partokla-System-Police, Kommandantin Ariadne Cozier, versucht, ein wenig abzulenken.

Ariadne: Ratsherr Idsiht, wie ist der augenblickliche Stand der Auseinandersetzung?

Tels: Wenn Sie sich einen Augenblick gedulden würden, Kommandantin Cozier, werde ich mit bei den Flottenkommandanten erkundigen.

Ariadne: Bitte.

Der Oberkommandierende der elbatronischen Raumstreitkräfte nickt der Polizei-Kommandantin freundlich zu und macht sich persönlich auf den Weg zur Funkstation, da persönliche Minifunkgeräte im Ratssaal nicht erlaubt sind. Henri Chaufan atmet auf. Situation entspannt... Die Frau mit den lichtblauen Haaren, der die Partokla-System-Police untersteht, ist immer wieder das ausgleichende Element, selbst bei den hitzigsten Ratsdebatten.

* * *

Es gibt sechs Monde, die um Elbatro kreisen: Une, Doi, Tro, Kat, Sen und Siss. Es auch gibt sechs Raumflotten, die jeweils nach dem Trabanten benannt sind, auf dem sie stationiert sind.

Und es gibt sechs Flottenkommandanten.

Aber es gibt nur eine Kommandantin Berenice Vercore...

Die Kommandantin der Une-Flotte, deren strahlend blauen Haare -- die genauso hellblau sind wie ihre Augen -- einen höchst aparten Kontrast zu ihrer orangefarben/schwarzen Uniform bilden, ist 37 Jahre TZ alt, von denen sie gut ein Drittel an Bord der verschiedensten Raumschiffe verbracht hat.

Zur Zeit sitzt Berry reichlich verärgert hinter den Kontrollen ihres Flaggschiffes Une-1 mit dem inoffiziellen Namen Zannah und erprobt ihr unwahrscheinlich umfangreiches Arsenal an Schimpfworten und ähnlichem Liebesgeflüster. Berenice und ihr Funker Tron Tarday versuchen schon seit geraumer Zeit, Tels Idsiht ans Funkgerät zu bekommen, aber der befindet sich in einer Geheimkonferenz, wie ihnen Leutnant Tishan-Márgay von der Funkstation Cardain unerbittlich versichert.

Berenice(wütend): Geheimkonferenz! Arr, Geheimkonferenz! -- Tron, kannst du wirklich nicht diese Trotteline hier dazu überreden, General Idsiht aus dem Rat an die Strippe zu kriegen?

Tron: Tut mir leid, Berry, aber Leutnant Tishan-Márgay läßt nicht mit sich reden.

Berenice: Arr, zur Hölle! Wenn diese Winestos nicht endlich die Notfallverbindung schalten, raste ich aus! Komplett! Die Eierköppe haben keine Ahnung, was hier läuft! -- Tron, gib mir bitte nochmal diese Hohlköpfe von der Funkzentrale -- aber diesmal will ich den Chef vom Dienst haben, nicht irgendsoeine kleine Nummer!

(Winestos - eine Art schleimiger Würmer von Partokla VI/Kawikk.)

Tron(grinsend): Wird gemacht, Berry!

Berenice: Danke, Tron. -- Und wenn die wieder nur Scheiße erzählen, dann werde ich denen mal eine H-Bombe unter dem Arsch zünden, diesen Illgattis, diesen!

(Illgattis - widerliche Insektenart von Partokla VII/Elbatro.)

Ein mürrischer Oberleutnant der Bodenstation nimmt den Spruch entgegen.

Mors: Funkzentrale Cardain, diensthabender Oberleutnant Mors Jahun. Identifizieren Sie sich bitte!

Berenice: Une-1, Zannah, unter Kommandantin Vercore. Ich möchte General Tels Idsiht sprechen! Sofort!

Mors(pflegmatisch): Bedaure, Kommandantin Vercore, Ratsherr General Idsiht befindet sich in einer Geheimkonferenz und ist zur Zeit nicht erreichbar. Melden Sie sich in drei Riòli (VZ) wieder.

(3 Riòli VZ = ca. 2.5 Stunden TZ)

Berry kann ihr aufbrausendes Temperament nur mit eisernster Willensanstrengung zügeln.

Berenice: Was ich dem Ratsherrn General mitzuteilen habe, ist von eminenter Bedeutung!

Mors: Bedaure, Kommandantin Vercore.

Berenice(explodierend): Arr, holen Sie mir Idsiht ans Gerät, Sie Islankanù!

(Islankanù - giftige Schlangenart von Partokla VI/Kawikk.)

Es hat den Anschein, als wäre Oberleutnant Jahun plötzlich aufgewacht.

Mors(verärgert): Ich verbitte mir diese Bezeichnung!

Berry ist mindestens eine Zehnerpotenz wütender als Mors und brüllt mit gut und gerne 110dB(A) in das Mikro der Funkanlage. Tron entfährt ein erstickter Laut, als er versucht, das Lachen zu unterdrücken.

Berenice: Ich habe noch ganz andere Bezeichnungen auf Lager, Sie Prentwik Talunta! Wenn Sie nicht bald einen dieser Kardicci vom Rat anschleppen, dann passiert hier mehr als nur etwas, Sie Salunta-Schnecke mit einem Hirn aus Valemta!

(Prentwik Talunta - Urmensch;


Kardicci - Mehrzahl von Kardikko -- Spinnenart von Partokla VII/Elbatro;
Salunta-Schnecke - tödlich giftiges Weichtier von Partokla VII/Elbatro;
Valemta - Schleimige Absonderung einer Lurchart von Partokla VI/Kawikk.)

Wutentbrannt schlägt Oberleutnant Jahun auf die Austaste seines Funkgerätes.

Tron(grinsend): Du hast ein bemerkenswertes Talent im Umgang mit anderen Leuten, Berenice.

Berenice: Arr, diese Prentwicci Taluntare können mir gestohlen bleiben! -- Was macht das Riesenschiff eigentlich im Augenblick?

Der Raumüberwachungs-Offizier Filly Renaud hat die Schirme nicht eine Mikrosekunde TZ aus den Augen gelassen. Sie hebt den Kopf mit der komplizierten, vielfarbig getönten Flechtfrisur und sieht Berry an.

Filly: Nichts. 'S steht da, wie's schon seit sei'm Auftauch'n dasteht -- völlig reglos.

* * *

Vielleicht sollte man besser noch einmal auf die Ereignisse eingehen, die sich vor etwa ca. 15 Minuten TZ abgespielt haben. Just zu diesem Zeitpunkt ereignete sich nämlich folgendes:

* * *

In der Une-1, Zannah:

Filly: Bash! Ber'nice! Berry! Sieh doch mal, was'ch hier auf mei'm RÜ-Schirm hab'! Wenn'ch nicht genau seh'n würd', daß's existiert, würd'ch sag'n, 's gibt's nicht!

Die Kommandantin sieht auf den Ortungsmonitor.

Berenice(entgeistert): Arr, Himmel, Arsch und Zwirn, was ist denn das? Helke, checke bitte mal die Werte ab!

Helke Tannen, die karanische Co-Pilotin und Kybernetikerin der Zannah, nickt kurz.

Filly: 'Ch hab' die Leitung auf'n Comp g'schaltet.

Helke: Cays. -- Danke, Filly.

Die violetthaarige Karanéa ruft die Auswertung ab.

Helke: Ungewöhnlich. Dieser Schiffstyp ist mir nicht bekannt.

Berry muß erst einmal schlucken. Dann starrt sie Helke mit weit aufgerissenen Augen an.

Berenice(fassungslos): 'Ungewöhnlich' -- mehr hast du dazu nicht zu sagen?

Die Frau von Accra II/Kara blickt die Kommandantin nur gelassen an. Letztere hat sich kopfschüttelnd in den Pilotensessel fallen lassen.

Berenice: Ungewöhlich!

* * *

Was ist nun eigentlich los?

Daccù, im Partokla-System ist ein Raumschiff materialisiert. Kein gewöhnlicher Raumer -- ein Trägerschiff.

Worin der Unterschied liegt?

Ein 'Raumschiff' im landläufigen Sinne ist ein Raumer der Showdown-Klasse -- oder, damit vergleichbar, ein Schiff der Elbatro-Klasse. Diese Raumer sind üblicherweise zwischen 50m und 200m lang, besitzen Ultralaser-- oder Phasenstrahl-Kanonen, meist einen Absorberschild und sind maximal 1pc/h schnell.

Ein Trägerschiff ist exakt 5200m lang, der kastenförmige Rumpf ist 500m hoch und ebenso breit. Es besitzt zwei Seitenleitwerke, die den Rumpf nochmals um 500m überragen und zwei Tragflächen mit einer Spannweite von insgesamt 5000m, in denen sich die Hangars für 1158 Rihkuun (=Einsatz-Beiboote) befinden.

* * *

Helke ist die einzige an Bord der Une-1, Zannah, die diesen Gigant-Raumer lediglich 'ungewöhnlich' findet. Die restlichen sieben Besatzungsmitglieder starren auf die Monitore, wo sich ein wahrhaft atemberaubender Anblick bietet: Das Trägerschiff wird von gut 500 winzigen Raumschiff-Mücken umkreist, die es mit den vielfältigsten Waffensystemen zu vernichten trachten. Allerdings ohne den geringsten Erfolg.

* * *

Auf Partokla VII/Elbatro, Funkzentale Cardain:

Gerade ist Ratsherr und Oberkommandierender der Elbatro-Flotten, Tels Idsiht, eingetroffen. Er ist gar nicht besonders überrascht, als es der diensthabende Oberleutnant mit purpurrot verfärbtem Gesicht ablehnt, eine Funkverbindung zur Une-1, Zannah, zu schalten. Tels schafft es mühsam, ernst zu bleiben, denn er kennt Berenice Vercores 'Taktgefühl'.

Tels(amüsiert): Oberleutnant Jahun, dürfte ich Sie trotzdem darum ersuchen, die Une-1 zu kontaktieren?

Jahun(widerwillig): Zu Befehl, General Idsiht.

Mit verkniffenem Gesicht nimmt der Elbatroner die erforderlichen Schaltungen vor.

Auf dem Bildschirm in Cardain erscheint das Konterfei der Flottenkommandantin.

Berenice: Une-1, Zannah, unter Kommandantin Berenice Vercore -- Na endlich! Das hat aber gedauert, Tels!

Der Ratsherr sieht Berenice streng an. Er bemüht sich aber vergeblich, die Belustigung in seiner Stimme zu verbergen.

Tels: Ich muß doch sehr bitten, Kommandantin Vercore! -- Also, was hast du zu berichten, Berry?

Berenice: Wurde ja Zeit, daß du dich endlich bequemt hast, dich zu melden, Tels! -- Hier ist etwas Unglaubliches aufgetaucht. Ein Gigantraumer, der einfach so, mir nichts, dir nichts, hier materialisiert ist! -- Wir konnten keine verläßlichen Daten bekommen. Ungefähr 500 Raumschiffe von Showdown-- und Tro-Flotte haben die Kiste beschossen -- ohne irgendeine Reaktion!

Tels(verblüfft): Wie bitte? -- Was ist das für ein Raumschiff?

Berenice(trocken): Ich sagte ja -- ein Gigantraumer. -- Filly, überspiele bitte die Daten nach Cardain.

Filly: 'kay.

Tels liest die Daten von der Folie ab, die der Printer des Funkgeräts ausdruckt. Er glaubt, seinen Augen nicht zu trauen.

Tels(fassungslos): Was soll das sein? -- Sind die Daten korrekt?

Helke: Verifiziert und korrekt. Hübsches Schiff, nicht wahr?

Auch Tels kann nur über die stoische Ruhe der Karanéa staunen.

Tels: Äh -- nun gut. -- Haben sich die ...Wesen aus diesem Raumer schon gemeldet?

Der Funker der Zannah macht eine verneinende Geste.

Berenice: Bis jetzt noch nicht, Tels.

Tels: Hm. Ich glaube, das beste wäre im Augenblick nur zu beobachten. Berrry -- wenn sich etwas tut, du kannst mich über die Alpha-Frequenz direkt erreichen.

Berenice: Okay, Tels -- ich nehme dich beim Wort. -- Und wenn nicht, dann kannst du dich darauf gefaßt machen, bei mir den ungeheuerlichsten Wutanfall der letzten drei Monate TZ provoziert zu haben.

Tels(augenzwinkernd): Okay, Berry -- ich mache mich darauf gefaßt... Ende.

Berenice: Ende, Tels.

* * *

Etwas später:

Von allen Stationen innerhalb des Partokla-Systems wird ein comset-Spruch höchster Intensität aufgefangen. Ein hellhäutiger, junger Mann mit strahlend silbernen Haaren und Augen, der in eine weiß/silberne Kombination gekleidet ist, erscheint auf den Schirmen.

(comset - lichtschneller 'Normalfunk')

C'olin: Trägerschiff Mysterion unter Cleopatra T'hèr und C'olin an die Bewohner des Partokla-Systems und den terranischen Flottenverband Showdown. Wir gehören zu den Hütern des Friedens und werden jede weitere Kampfhandlung in diesem Sonnensystem unterbinden.

Dieser Spruch löst zuerst Verwirrung und dann die verschiedensten Reaktionen aus.

* * *

Auf Partokla VII/Elbatro:

Die Ratssitzung war kurzfristig unterbrochen worden. Jetzt haben sich die Ratsmitglieder wieder im großen Ratssaal von Cardain eingefunden.

Henri: Haben Sie die Meldung der Interplanet-Funkstation Cardain schon gehört, verehrte Ratsdamen und Ratsherren?

Ein dunkelhäutiger, blauhaariger Kawicco ergreift das Wort: Kiran-Thalên. Wie alle Bewohner des sechsten Partokla-Planeten äußert er sich in dem abgehackt klingenden kawiccanischen Dialekt der elbatronischen Hochsprache.

Kiran: Nein. Inhalt der Meldung?

Henri: Tishan-Márgay von der Funkzentrale Cardain hat mich davon verständigt, daß über alle Systemkanäle ein Funkspruch mit Maximum-Intensität aufgefangen worden ist, Ratsherr Kiran-Thalên.

Der Oberste Rat schwenkt die Folie mit dem ausgedruckten Funkspruch aufgeregt hin und her. Nachdem Henri die Anwesenden über den Wortlaut informiert hat, ist es zunächst totenstill, dann reden alle durcheinander.

Henri: Ruhe!

Ziemlich schnell ebbt der Lärm ab.

Henri: So. Was sagen Sie nun dazu?

Ratsdame Telva Arouge legt die Stirn in Falten.

Telva: Wie Sie sicherlich wissen, habe ich mein Studium auf Accra II/Kara absolviert. Daher ist mir zumindest der Name Cleopatra T'hèr nicht unbekannt. Vor etwa neun Jahren TZ ist eine Chemie-Studentin unter mysteriösen Umständen aus einer Vorlesung verschwunden -- eben diese Cleopatra T'hèr. Sie soll angeblich entmaterialisiert sein... Vor nunmehr drei Jahren TZ ist sie genauso mysteriös wieder aufgetaucht. Sie behauptet, seither zu einer Truppe zu gehören, die den Frieden in den Vier Galaxien -- was auch immer man sich darunter vorzustellen hat -- sichern soll.

Gilbert: Das stimmt demnach mit der Aussage des Funkspruches überein.

Telva: Wir sollten den Spruch unter gar keinen Umständen als simplen Scherz abtun.

Allgemeine Zustimmung.

Mittlerweile hat auch Ratsherr Tels Idsiht wieder den Versammlungsraum betreten. Gerade spricht Ratsdame Doraleen von Etellen.

Doraleen(stirnrunzelnd): Aber was, bei allen Schwarzen Löchern des Alls, sollen wir uns unter einem 'Trägerschiff' vorstellen?

Tels: Ich hege die Vermutung, daß es sich dabei um einen etwa 5000m langen, quasi unangreifbaren Gigantraumer handelt.

Ratsdame von Etellen dagegen hegt die Vermutung, daß Tels sie nur Auf den Arm nehmen will. Sie funkelt den Oberkommandierenden ärgerlich an.

Doraleen: Wie kommen Sie denn auf diesen Blödsinn?

Tels(arrogant): Ratsdame von Etellen, ich würde Ihnen raten, auf derart unqualifizierte Äußerungen zu verzichten, wenn Sie keine Ahnung haben.

Doraleen(giftig): Ach, und Sie haben Ahnung?

Henri(verweisend): Würden Sie bitte diese persönlichen Angriffe einstellen, Ratsdame von Etellen?

Erbost setzt sich Doraleen wieder auf ihren Platz, von dem sie gerade aufgesprungen war.

Henri: Nun, Ratsherr Idsiht, was veranlaßt Sie zu dieser Annahme?

Tels: Auf Vorschlag von Ratsdame Kommandantin Cozier...

Er nickt der Polizeichefin zu.

Tels: ...habe ich die Flottenkommandantin Vercore kontaktiert. Dabei meldete mir Berry -- pardon, Kommandantin Vercore -- daß die Une-1 einen unglaublich großen, scheinbar unangreifbaren Raumer geortet habe. Dieses Schiff sei von circa 500 Raumern der Showdown-- und Elbatro-Klasse angegriffen worden, ohne daß irgendeine Reaktion provoziert wurde.

Doraleen: Erzählen Sie Ihre Märchen einem anderen, Ratsherr!

Henri: Wenn Sie nicht endlich diese unsachlichen Einwürfe lassen, dann muß ich Sie aus dem Saal weisen, Ratsdame von Etellen! -- Fahren Sie bitte fort, Ratsherr General Idsiht!

Tels: Kommandantin Vercore hat mir eine Aufzeichnung der Auseinandersetzung übermittelt.

Die Ratsdame für Wissenschaft und Forschung beugt sich interessiert vor.

Telva: Haben Sie diese Aufzeichnung hier, Ratsherr Idsiht? In diesem Falle möchte ich Sie darum ersuchen, das Band abzuspielen.

Tels: In Ordnung, Ratsdame Arouge.

Der Oberkommandierende der elbatronischen Raumstreitkräfte schiebt die Karte in den Abtaster. Die Ereignisse erscheinen als Tridi-Projektion in der Mitte des Versammlungssaales. Die Räte sind mehr als beeindruckt.

Tels: Die Feuerkraft der 500 Kampfraumer hätte einen halben Planeten ins Vakuum sprengen können!

Telva(fasziniert): Ein phantastisches Schiff. Dieser Schutzschild zeigt nicht einmal bei einem konzentrierten Punktbeschuß von mehreren Raumern irgendwelche Schwächen. Dieses 'Trägerschiff' könnte zweifelsohne die Korona Partoklas durchfliegen, ohne Schaden zu nehmen.

Man merkt, daß Telva Arouge geraume Zeit auf Accra II/Kara verbracht hatte...

Doraleen von Etellen ist von der Aufzeichnung reichlich geschockt und schnappt nach Luft.

Doraleen: Für Sie scheint so etwas ja ganz alltäglich zu sein, Ratsdame Arouge!

Telva(lässig): Ich leide lediglich nicht an hysterischen Anfällen, Ratsdame von Etellen.

Kiran: Irgendeine Idee betreffs des militärischen Standpunktes?

Tels: Tut mir leid, keine, Ratsherr Kiran-Thalên.

Kiran: Bedauerlich. Schlage vor, Sitzung zu unterbrechen. Kurzfristig.

Der kawiccianische Geheimdienstchef blickt in die Runde.

Henri: Ich bin ebenfalls dieser Ansicht.

Der Oberste Rat steht auf.

Henri: Wir treffen uns -- sagen wir in drei Riòli VZ -- wieder hier.

Damit ist die Sitzung des Rates von Elbatro aufgehoben.

* * *

Auch auf dem Flaggschiff der Tro-Flotte -- Tro-1, Gernili -- hat man C'olins Funkspruch empfangen. C.Mishqa-Dûrgam, der Kommandant des Raumers -- ein dunkelhäutiger, grünhaariger Kawicco -- sitzt nachdenklich in seinem Kontursitz.

Mishqa: Die Friedenshüter haben recht. Wir dürfen nicht wegen Diakalysium Krieg führen. Mindestens tausend Menschen auf beiden Seiten tot. -- Das wiegt Diakalysium nicht auf.

Sélin Vascone, ein dunkelhaariger Elbatroner, runzelt die Stirn.

Sélin: Aber die Terraner haben uns angegriffen! -- Wir haben uns lediglich verteidigt.

Mishqa: Sie wollen ganze Schuld auf Showdown-Leute schieben, Leutnant?

Sélin: Die Showdown-Leute haben uns schließlich angegriffen, Kommandant Mishqa-Dûrgam!

Mishqa: Auf Befehl.

Sélin: Wenn Sie mich fragen, diese Befehle müssen von einem Wahnsinnigen gegeben worden sein.

Mishqa: General Eiroon.

Das ist wohl ein und dasselbe...

* * *

Auf der Une-1, Zannah:

Berenice: Endlich wird jemand vernünftig!

So lautet auch die einhellige Meinung der restlichen Besatzung.

* * *

Völlig entgegengesetzt ist dagegen General Eiroons Ansicht...

Eiroon: Was war denn das? Hüter des Friedens? Nie gehört! -- Die haben sich nicht in die höhere Politik einzumischen!

Andrew: Ich habe die Speicher abgefragt. Diese 'Hüter des Friedens' existieren tatsächlich!

Eiroon: Das interessiert mich nicht! Ich habe einen Auftrag, und der heißt, dass wir das Diakalysium von Elbatro für Terra sichern. Und wer etwas dagegen hat, bekommt halt die geballte Feuerkraft unserer Flotte zu spüren!

Adriano: Mit Verlaub, General, dieses Schiff hat das Dauerfeuer von über 500 Einheiten ohne Beeinträchtigungen überstanden...

Eiroon: Leutnant Locciu, kümmern Sie sich gefälligst nicht um die Gefechtstaktik! Darüber habe ich zu bestimmen!

Adriano: Jawohl, Sir...

Eiroon: Hüter des Friedens! Die müssen größenwahnsinnig sein!

* * *

Auf der Showdown 316:

Valeria: Na, Pete, was sagst du dazu?

Pete(nachdenklich): Cleo T'hèr...

Seine Freundin sieht ihn mit leicht gerunzelter Stirn an.

Valeria: Kennst du die?

Pete: Ja. Ich habe Cleo vor sechs Jahren TZ einmal getroffen, als ich noch auf der Raumakademie von Antluna war. -- Marc, vielleicht interessiert es dich, was ich damals von Cleo bekommen habe...

(Sol III/Terra II/Antluna, die Weltraumstadt, kreist -- genau wie Luna, der natürliche Trabant von Sol III/Terra -- in durchschnittlich 384000km Entfernung um die Erde. Die Position der Weltraumstadt ist der des Mondes jedoch stets genau entgegengesetzt, daher die Bezeichnung Antluna.)

Marc: Sollte es das?

Pete: Na, schon allein wegen der geradezu sprichwörtlichen Neugierde der Karane!

Marc: Dann schieß los!

Pete: Sie hat mir eine Formel gegeben. Die Formel von Accrum.

Marc: Aha.

Pete ist ein wenig enttäuscht. Er hätte eine stärkere Reaktion von Marc erhofft... Aber der Karanyo hat sich lediglich entschlossen, endlich mal vom Computer aufzusehen, den er -- wieder einmal -- an Cosmos statt okkupiert.

Marc: Accrum ist eine streng geheime Legierung, die auf Accra II/Kara für den Raumschiffbau verwendet wird. Es würde mich in der Tat einmal interessieren, wie Cleopatra T'hèr auf den Gedanken gekommen ist, dir die Formel zu vermachen.

Valeria: Es gab doch vor ein paar Jahren einige unbestätigte Gerüchte um diese Cleo T'hèr, n'est-ce pas?

Marc: Wenn du willst, kann ich dir ja die Story einmal erzählen... -- Du weißt doch, daß mein Vater -- Alan T'laj -- Professor der Chemie an der Kara-University ist...

Valeria: Cu -- wie du immer sagst.

Der Bordwissenschaftler der 316 nickt zustimmend.

Marc: Cu.

Daraufhin muß der Rest der Crew lachen. Marc schneidet eine Grimasse.

Marc: Also, am 08:09:2178TZ ist Alan etwas sehr Merkwürdiges passiert. Er hielt wie üblich eine seiner Vorlesungen, als plötzlich eine Studentin verblüfft aufschrie. Alan sah sofort in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Was er dort erblickte, hat ihn ziemlich erstaunt, denn um dieses Mädchen -- Cleo, wie ihr bereits richtig vermutet -- hatte sich eine grünlich/goldene Aureole gebildet, und Sekundenbruchteile TZ später war sie verschwunden...

Valeria: Logischerweise waren alle Suchaktionen umsonst?

Marc: Cu. Am 23:02:2184TZ tauchte sie wieder auf. Sie behauptete, jetzt zu den sogenannten Hütern des Friedens zu gehören. Zur Zeit unterrichtet sie an der Kara-University im Fach Chemie. Cleopatra T'hèr hat bereits Dutzende sensationeller Entdeckungen gemacht -- diese Legierung Accrum geht übrigens auch auf ihr Konto. Hin und wieder verschwindet sie zusammen mit ihrem Partner C'olin für einige Tage TZ -- angeblich im Auftrage dieser Friedenshüter.

Pete: Unglaublich!

Marc(schulterzuckend): Wieso? Wir haben doch etwas Ähnliches vor. Die Hüter des Friedens erledigen diese Aufgabe eben auf galaktischer Ebene.

* * *

Auf der Mysterion:

C'olin, ein Mann von dem Alten Planeten Konja I/Cyrea in Cirenn-S'cirain (NGC 598/M33), sieht seine Team-Partnerin Cleopatra T'hér fragend an.

C'olin: Was meinst du, Cleo -- Ob die darauf reagieren?

Cleopatra, eine Karanéa mit schulterlangen, blauschwarzen Haaren und ebenso dunklen Augen, sieht vom Bildschirm auf.

Cleo: Wir werden sehen, délho. Ich hoffe es aber doch.

C'olin: Wenn nicht, dann werden wir den kämpfenden Raumschiffen eben die Energie abziehen. Eine EAF-Barriere ist ein überzeugendes Argument, auch für die blutrünstigsten Kommandanten...!

(EAF = EnergieAbsorbierendes Feld)

Cleo: Warten wir erst einmal ab. -- Was machen eigentlich Elaine und Robin?

C'olin: Die Kleine hat bei Cosna Flugunterricht. Sie ist ja ständig mit ihrem Rihkuun Galaxycrosser unterwegs. Und Robin wollte -- soweit ich weiß -- ein paar Freunde auf Shasta IV/Konnatta besuchen.

(Rihkuun - Beiboot-Typ der Vhaaki, d.h. Friedenshüter-Flotte)

Cleo: Naja, Robin kann schon auf sich selbst aufpassen -- und Elaine... Solange Coga auf sie achtet...

(Coga - Bordcomputer der Galaxycrosser)

C'olin: Außerdem müßte Alpha-L, Larky Alpha bei ihr sein.

(Alpha-L - einer der Robots der Alpha-Serie)

Cleo: Was? Larky?! Jetzt weiß ich endlich, von wem Elaine die Ideen für ihre dummen Streiche herbekommt!

C'olin: Ich habe Cosna extra darum gebeten, Larky Alpha zur "Galaxycrosser" abzukommandieren. Elaine und er hecken zwar immer nur Dummheiten aus, aber auf diese Weise lernt die Kleine spielend, mit der Technologie der Alten Völker umzugehen. -- Oder hast du vielleicht die TRAST-Falle vergessen, mit der Elaine dich schon so richtig professionell festgesetzt hatte?!

Cleo(lachend): Alleine wäre ich da nicht mehr 'rausgekommen.

C'olin: Tja, unser Töchterchen!

Cleo: Sensation!

C'olin: Hm?

Cleo: Du hast einmal nicht 'meine Tochter' gesagt!

Der Cyraeer grinst und sieht dann wieder nachdenklich auf einen Bildschirm, der eine Simulation des Partokla-Systems zeigt.

C'olin: Cleo, délha, hast du dich eigentlich mal mit den politischen Verhältnissen von Partokla-- und Sol-System auseinandergesetzt?

Cleo: Ich habe die Daten von Comy angefordert.

Der Bordcomputer der Mysterion läßt lange Reihen von Buchstaben und Zahlen über den Sichtschirm laufen.

Cleo: Ah, da ist es!

Sol-System -- Hauptplanet Sol III/Terra:

An der Regierung ist die sogenannte 1.Terra-Partei mit dem Präsidenten Marco Prescer. Es gibt drei starke Gegenparteien, von denen jede ihr eigenes Süppchen kocht. Die besten Chancen bei den nächsten Wahlen an die Regierung zu kommen, hat die 2.Terra-Partei von Sîfrit Olessen.

C'olin: 1. und 2.Terra-Partei... Nicht sehr einfallsreich, diese Terraner.

Cleopatra schüttelt amüsiert den Kopf.

Cleo: Sieht wirklich nicht so aus... Es gibt noch eine 3.Terra-Partei mit der Kandidatin Nadjeschda Markowna, und dann zum Schluß die extrem pazifistische Terranische Galaktische Partei TGP, unter dem Vorsitz von Eyrma Yuconda. 3.T-P und TGP erringen jedoch bestenfalls Achtungserfolge.

C'olin: Sol III/Terra scheint mir ja keine sehr friedliebende Welt zu sein!

Cleo: Sol III/Terra im jetzigen Sinne ist eine verhältnismäßig junge Welt. Der Planet wurde zwar bereits vor 10000 Kayo (VZ) von Accra II/Kara aus besiedelt -- damals nannte man ihn Leemar III/Lantáya -- aber kurz darauf im Cunnian-Krieg von den S'selitez beinahe vollständig entvölkert. Die wenigen Überlebenden fielen alsbald in die Primitivität zurück. Die Nachfahren der alten Ayámka -- wie sich die Kolonisten nannten -- die jetzigen Terraner, beherrschen den Raumflug erst seit etwa 500 Jahren ihrer Zeitrechnung.

(1 Kayo VZ = 25600 Jahre TZ)

C'olin: Daccù, dann ist das ja noch verständlich.

Cleo: Weiter zur terranischen Regierung. Offiziell hat sie die Regierungsgewalt über das gesamte Sol-System, sowie die 'Terra-Planeten', also die Kolonien im Success-System, auf Aztrona, Eden, Ge, Péras, Doggy und Victory, sowie eigentlich auch über das Helios-System...

C'olin: Wieso eigentlich?

Cleo: Eigentlich -- weil die Erde-Zwei-Menschen von Helios III seit geraumer Zeit um ihre Unabhängigkeit kämpfen...

C'olin: Diese andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen gehen mir auf den Geist!

Cleo: Mir auch, mir auch... Nun ja, die Terra-Regierung regiert offiziell -- praktisch sieht das Ganze aber ganz anders aus, da auch hier jeder sein eigenes Süppchen kocht... Auf den Kolonien außerhalb des Sol-Systems sowieso, aber auch innerhalb desselben sieht die Sache nicht anders aus. Sol IV/Mars hat mittlerweile auch eine eigene Regierung, ebenso die Weltraumstadt Sol III/Terra II/Antluna. Die militärischen Basen auf Sol III/Terra I/Luna handelns ohnehin meist nach Gutdünken ihrer Kommandanten, und was die Forschungsstationen betrifft -- dabei vornehmlich Sol VI/Saturn VII/Titan und Sol V/Jupiter II/Io -- die lassen sich nicht vorschreiben, wonach sie zu forschen haben...

C'olin: Da rihh, und wer überblickt das Chaos?

Cleo: Auf Sol III/Terra schon lange niemand mehr, da fast alles vollbürokratisiert ist.

C'olin: Das klingt nicht sehr erfreulich. Was ist mit dem Partokla-System?

Cleo: Moment. -- Comy, bitte die Daten über das Partokla-System!

Comy: Aguqù. Doyé. In Ordnung. Wird sofort erledigt.

Cleo: Danke, Comy. Also...

Partokla-System -- Hauptplanet Partokla VII/Elbatro:

Ah, das sieht schon besser aus. Die hiesige Regierung ist wirklich um einiges besser durchdacht. Es existiert ein Rat von Elbatro, der aber auch für den Kolonie-Planeten Partokla VI/Kawikk zuständig ist. Aus diesem Grund besteht der Rat aus Abgeordneten beider Planeten. Der Oberste Rat und Vorsitzende ist Henri Chaufan, seine Vertreterin und gleichzeitig Ratsdame für Wissenschaft und Forschung ist Telva Arouge. Ratsherr für Kawikk ist Taij-Titù, für die Partokla-System-Police ist Ratsdame Kommandantin Ariadne Cozier zuständig. -- Der einzige, der mir hier Sorgen macht, ist Ratsherr General Tels Idsiht, der Oberkommandierende der elbatronischen Raumstreitkräfte. Er ist -- laut Comys Speicherdaten -- immer schnell mit seinen Flotten dabei.

C'olin: Ich glaube aber nicht, daß er so militant ist wie dieser schießwütige Terra-General Tarebell Eiroon von der Showdown-Flotte.

Cleo: Das wage ich auch zu bezweifeln.

Sie blickt wieder auf den Sichtschirm.

Cleo: Das Wahlsystem ist ebenfalls hervorragend durchdacht. Ein Computer wählt aus der Bevölkerung einige hundert besonders geeigneter Personen aus. Diese können ihre Nominierung annehmen oder ablehnen. Die verbleibenden Kandidaten werden der Bevölkerung der beiden Planeten zur Wahl gestellt. Dabei können auch alte Räte neugewählt werden, aber maximal zweimal hintereinander. Die Wahlen finden alle sieben Jahre TZ statt. Ein Jahr lang werden die neuen Ratsmitglieder speziell für ihre Aufgabe von den vorhergehenden Ratsmitgliedern ausgebildet.

C'olin(anerkennend): Das garantiert stets eine reibungslose Übergabe der Amtsgeschäfte!

Cleo: Richtig. Dieses System wird im Partokla-System bereits seit einigen Jahrhunderten TZ praktiziert.

* * *

Auf Partokla VII/Elbatro:

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit konnten die Truppen Sol III/Terras unter der Führung der 501-Kommandantin C.Ting Mei-ling tatsächlich den Planeten besetzen. Dies liegt aber vor allem darin begreündet, daß Henri Chaufan die Anweisung gegeben hat, nicht mit schweren Waffen auf die Terraner loszugehen, um überflüssige Zerstörungen zu verhindern. Sehr zum Bedauern von Tels Idsiht, versteht sich. Auf Vorschlag des Ratsherrn Kiran-Thalên hat sich der Rat von Elbatro in seinen Geheim-Konferenz-Raum unter dem Tasra-Gebirge (dem höchsten Gebirgsmassiv auf Elbatro) zurückgezogen. Selbstverständlich werden die Debatten umgehend wieder aufgenommen.

* * *

Auf der Mysterion:

C'olin: Da rihh! Wir haben doch glatt den besten Zeitpunkt zum Eingreifen verpaßt. -- Jetzt sind die Terraner schon gelandet...

Cleo: Immer mit der Ruhe, délho! Dann können wir uns erst einmal in Ruhe daranmachen, die havarierten Raumfahrer aus den Wracks zu bergen. Die Partokla-System-Police schafft es alleine nicht.

C'olin: Du hast recht. Comy, schleuse bitte alle Rihkuun aus. Sie sollen mecon mit den Schiffbrüchigen aufnehmen und sie per Transmit-Feld aus den Wracks holen.

(mecon -- MEntal CONnection -- ist eine Funkverbindung auf Gedankenbasis)

Comy: Aguqù. Ejr doyé. -- In Ordnung. Wird erledigt.

Nachdem der Bordcomputer des Trägerschiffs bestätigt hat, werden die Beiboote ausgeschleust.

Die Besatzungen der manövrierunfähigen Schiffe sind zunächst auf das Höchste überrascht, als sie 'Stimmen' in ihrem Geist hören.

* * *

Auf der Siss-129, Lerkas:

Der Kommandant C.Hisko-Arlten, ein Kawicco mit leuchtend türkisfarbenen Haaren in der beige/weißen Uniform der Siss-Flotte, schaut verwirrt in die Runde.

Hisko: Was war das? -- Glaube, ich spinne!

Arkadia: Wenn du diese ...Stimme meinst -- die höre ich auch.

Hisko: Was hält man davon? 'Die wollen uns per Transmit-Feld holen'?

Das bedeutet nichts anderes, als das Comy511, der Computer des Rihkuun "Mysta-Semgara-Amizamí" (Mysta-511) mitten in der Zentrale der Lerkas das grünlich/golden schimmernde Feld aufbaut, das in Nullzeit Personen und/oder Gegenstände zu fast jedem beliebigen Ort befördern kann.

Arkadia(verblüfft): Was ist denn das?

Hisko: Wird wohl das Transmit-Feld sein.

Arkadia: Sollen wir da wirklich hindurchgehen?

Hisko: Willst du ersticken? Sauerstoffvorrat der Lerkas reicht noch maximal zehn Stunden TZ.

Gerta Larkins, die Kybernetikerin der Siss-129, betritt die Zentrale. Die blauhaarige Elbatronerin hat sich vier Raumanzüge über den Arm geworfen. Einen trägt sie selbst bereits.

Gerta: Roy, Saskya und Swen sind schon fertig. Hier, schnappt euch die Dinger!

Hisko: Danke, Gerta.

Die vier Leute in der Zentrale steigen in die leichten Raumanzüge. Dann deutet Hisko-Arlten auf das grünliche Feld.

Hisko: Hilft nichts. Wir müssen's riskieren. Wo bleiben die anderen?

Saskya: Sind schon da. Habe eben noch den Meiler abgeschaltet. War kurz vorm Hochgehen. Ungesund.

Auch die Triebwerksspezialistin Saskya-Thall ist eine Kawicca. Nicht zu überhören.

Hisko: Gut.

Der Kommandant macht eine vielsagende Handbewegung in Richtung Transmit-Feld.

Hisko: Es ist riskant.

Saskya: Riskant?! Sollten den Leuten drüben danken.

Der Feuerleitoffizier Swen Finnen grinst und ahmt die kawiccianische Sprechweise nach.

Swen: Hast recht, Sasky -- sollten wirklich gehen...!

Um weiteren Diskussionen zuvorzukommen, durchquert Hisko das Feld.

Der Rest der Crew folgt mit gemischten Gefühlen. Die acht Leute der Lerkas materialisieren in einem etwa 10 × 10m großen Raum. Er hat nur eine Wand mit einem Bildschirm. Genau entgegengesetzt befindet sich eine Panorama-Scheibe, die nach oben hin abgeschrägt ist und mit der einzigen 'echten' Wand zusammenstößt. Der Raum wirkt in etwa wie ein Zelt mit einer rechtwinkligen, undurchsichtigen, und drei schrägen, durchsichtigen Wänden. Der Boden besteht aus einem leicht nachfedernden, silbrigen Material, und verläuft in drei flachen Stufen bis zu einem Kommandopult, welches die ganze Breite der Zentrale einnimmt. "Unpraktisch!" denkt sich Hisko.

Die Sichtscheibe zeigt momentan die Situation im Partokla-System. Die Vergrößerung läßt vermuten, daß es sich eher um einen Panorama-Bildschirm handeln muß. Die Crew der Lerkas schaut sich verwundert um.

Saskya: Scheint die Zentrale zu sein. Aber keine Besatzung?

Hisko: Vermute, das Schiff ist robotgesteuert.

Comy511: Computergesteuert, meine Freunde. Darf ich mich vorstellen -- ich bin Comy511, der Bordcomputer dieses Rihkuun. Herzlich willkommen an Bord der Myste-Semgara-Amizamí. Ich habe den Auftrag, euch nach Partokla VI/Kawikk zu bringen.

Hisko: Hallo... Comy511. -- C.Hisko-Arlten, Kommandant der Siss-129, Lerkas -- nun, jetzt wohl nicht mehr... Bedanke mich im Namen meiner Crew. Warum aber nach Kawikk? Unsere Basis ist Elbatro VI/Siss.

Comy511: Partokla VII/Elbatro wird augenblicklich von der terranischen Showdown-Flotte abgeschirmt. Es ist besser, ihr bleibt auf Partokla VI/Kawikk, bis wir die Situation bereinigt haben.

Hisko: Wenn der Planet besetzt ist, ist es unsere Pflicht, die Besetzer zu bekämpfen.

Comy511: Habt ihr vom Krieg immer noch nicht die Nase voll? -- C'olin und Cleo werden die Sache friedlich regeln, ohne, daß noch irgendjemand zu Schaden kommt.

André: C'olin? Der Typ, der mir mit seinem Höchstintensitäts-Funkspruch fast meine Funkanlage demoliert hätte?

Gerta: Ach, hör doch mit deinem Jammerkasten auf! Ich werde dagegen bald verrückt, wenn ich mir überlege, daß das, was da so gekonnt mit uns Konversation betreibt, ein Computer sein soll. Mir kommt dieser Comy511 ziemlich menschlich vor.

Comy511: Ich besitze immerhin eine Ego-Programmierung, wie auch alle anderen HdF-Compis.

André: HdF-Compis?

Comy511: Anders formuliert: Die Computer der Hüter des Friedens.

André: Aha.

Die Lerkas-Kybernetikerin knabbert immer noch an dem ausgesprochen Computer-untypischen Verhalten von Comy511.

Gerta: Eine Ego-Programmierung... Du meinst also, du besitzt eine Persönlichkeit?

Comy511: Natürlich. Und -- falls jemand das bezweifeln sollte -- intelligent bin ich auch!

Gerta(kopfschüttelnd): Als Kybernetikerin kann ich das einfach nicht glauben! Es ist bisher noch niemandem gelungen, einem Computer ein glaubhaftes Persönlichkeitsmuster einzuprogrammieren, das auch selbständig agieren kann.

Comy511(trocken): Doch. Meinen Konstrukteuren, den Alten Völkern. -- Kennst du zufällig den Planeten Trélll IV/Eqixa?

Gerta(verwundert): Nein. Warum?

Comy511: Auf Eqixa gibt es eine echte Robotzivilisation, die sich die Eqini nennen. Sie sind ebenfalls intelligent.

Gerta(fassungslos): Eine Robotzivilisation! Aber sie müssen doch von irgendjemandem gebaut und programmiert worden sein!

Comy511: Sicherlich. Die Eqini waren ein Experiment des Alten Volkes von S'selite. Einige Wissenschaftler wollten herausfinden, ob sich eine Robotzivilisation selbständig erhalten kann. Und jetzt haben die Eqini die S'selitez bereits um viele Mio Jahre TZ überlebt.

Hisko: Mich interessiert, wo du herkommst.

Comy511: Ich bin ein Rihkuun -- also ein Einsatz-Beiboot -- des Trägerschiffs Mysterion. Wir kommen von einem Planeten in Cirenn-S'cirain -- ich meine, dort liegt unsere Hauptbasis, der Alte Planet Viresta I/Sna-Tgyhl.

Swen: Ich verstehe nur Raumhafen und Fehlstarts! Jetzt das alles noch mal -- aber bitte in Klartext.

Comy511: Cirenn-S'cirain dürfte euch als 'Triangulum-Nebel', M33 oder NGC 598 besser bekannt sein.

Arkadia: Eine andere Galaxis! Sage mir einer, daß ich nicht träume... -- Swen, kneif mich mal!

Dieser grinst kurz, dann schreit die Bordärztin der Siss-129 empört auf.

Arkadia: Nicht in den Po, du Lustmolch!

Währenddessen ist die Myste-511 nach Partokla VI/Kawikk transmittiert. 15 Minuten TZ später steht das Rihkuun auf dem Raumhafen von Tentroân, einer mittelgroßen Stadt des sechsten Planeten.

Comy511: Wir sind da. Ich muß euch jetzt leider 'rausschmeißen.

Hisko: Schade. Hätte noch einige Fragen.

Comy511: Tut mir echt leid. Ich muß mich aber auch noch um andere abgeschossene Raumer kümmern.

Saskya: Verständlich.

Auch Hisko-Arlten nickt zustimmend.

Hisko: Natürlich. Nochmals besten Dank. Wo geht's raus?

Comy511: Durch ein Transmit-Feld -- wie ihr hineingekommen seid.

Das schon bekannte, grünlich/golden schimmernde Feld erscheint im Schiff.

Comy511: Na dann... -- Bye, Freunde.

Gerta: Auf Wiedersehen, du Supercomputer!

Die acht Personen verabschieden sich und verlassen die Myste-Semgara-Amizamí. Diese abenteuerliche Rettung wird ihnen noch lange als Gesprächsstoff dienen. Auch die Crews der übrigen wrackgeschossenen Raumschiffe erleben Ähnliches. Auf Partokla VI/Kawikk gibt es in der folgenden Zeit hauptsächlich ein Unterhaltungsthema: Diese geheimnisvollen Hüter des Friedens.

* * *

Auf der Mysterion:

Cleopatra überwacht den Einsatz der Rihkuun, während C'olin darüber nachgrübelt, wie man die Showdown-Leute von Partokla VII/Elbatro entfernen könnte. Er hat bereits mehrere Vorschläge von Comy abgelehnt.

Cleo: Hey, C'olin! Sieh dir das mal an!

C'olin: Hm?

Cleo: Comy312 hat mir da was Merkwürdiges gesendet. Da ist doch tatsächlich ein Showdown-Raumer, der nicht in der Gegend herumballert! -- Im Gegenteil, die Crew des Schiffes sammelt ebenfalls angeschlagene Besatzungen aus ebensolchen Raumern.

C'olin: Für einen terranischen Kreuzer wirklich ungewöhnlich.

Comy: Die Bergungsarbeiten sind komplett abgeschlossen.

Cleo: Danke, Comy. Ich glaube, wir sollten den Leuten dieser Showdown-Einheit Bescheid geben, daß sie nicht mehr weitermachen brauchen. Sonst suchen die sich noch dumm und dämlich.

C'olin: Aguqù. -- Du kannst sie ja mal kontaktieren.

Cleo: Hast du schon eine Lösung gefunden, wie wir die Showdown-Leute von Partokla VII 'runterkriegen?

C'olin: Ich glaube, die beste Möglichkeit wäre es, ein paar tausend Robots abzusetzen, die die Soldaten systematisch einsammeln.

Cleo: Das kann doch Wochen und Monate TZ dauern!

C'olin(schulterzuckend): Ich glaube, einen gefälschten Rückzugsbefehl würden sie nicht akzeptieren. Für General Eiroon gibt es kein 'zurück'...

Cleo: Hm. Was wäre mit einem Hypnostrahl-Einsatz?

C'olin: Soweit ich weiß, werden Hypnosestrahlen von Pelythium absorbiert. Die Raumanzüge der Terraner sind Pelythium-abgeschirmt.

Cleo: Warum denn das?

C'olin: Pelythium absorbiert auch Paralyzerstrahlen.

Cleo: Aha. -- Aber könnte man die Terraner dann nicht anpeilen? Du weißt doch, Pelythium sendet eine charakteristische Reststrahlung aus.

C'olin: Die elbatronischen Truppen haben auch Pelythium-beschichtete Raumanzüge und Kampfmonturen.

Cleo: Da rihh! -- Hey, ich habe eine Idee!

C'olin: Hm?

Cleo: Die Crew dieses einen 'friedlichen' Showdown-Raumers könnte uns vielleicht etwas erzählen.

C'olin: Mhm.

Die karanische Friedenshüterin bittet Comy, eine Funkverbindung zu bewußtem Showdown-Raumer herzustellen.

Comy: Aguqù. Doja. comset steht.

Cleo: Danke, Comy. Sávhi der Einheit?

(Sávhi - Kennung des Schiffes)

Comy: Showdown 316.

Cleo: Danke, Comy. comset; Cleopatra T'hèr an Showdown 316: Bitte kommen!

* * *

Auf der Showdown 316:

Valeria: Hey, Pete! Ich bekomme hier einen Spruch 'rein. Rate mal, von wem!

Pete: General Eiroon?! Was will der denn schon wieder?

Valeria: Nein. Laß dich überraschen. Ich schalte durch.

Auf dem großen Schirm erscheint das Bild einer jungen Karanéa mit schulterlangem, blauschwarzen Haar. Petes Gesicht ist eine Studie der Verblüffung.

Pete: Waaas? Cleopatra T'hèr! -- Hier spricht C.Pete T-S'cèr...

Cleo: Oh. Hallo Pete! Ich wußte nicht, daß du bei der Showdown-Flotte bist.

Pete(immer noch fassungslos): Jetzt weißt du's... -- Was gibt es?

Cleo: Ich hatte dich eigentlich nur kontaktiert, weil ich dir sagen wollte, daß wir die havarierten Crews sämtlichst geborgen haben.

Pete: Ah, gut.

Cleo: Ach -- ich muß mich mit dir über noch etwas anderes unterhalten. Du weißt doch, daß einige Showdown-Einheiten Raumlandetruppen auf Elbatro abgesetzt haben.

Pete: Sicherlich. Unter der Führung dieser Warlady C.Ting Mei-ling.

Cleo: Hast du etwas dagegen, wenn wir euch in unser Trägerschiff einschleusen?

Pete: Nein, wenn du uns einen Peilstrahl schicken würdest...

Cleo: Ich schicke dir ein Transmit-Feld.

Pete: Momentchen, die 316 hat doch einen ganz anderen Impuls als dein Schiff!

Cleo: Durch den Transmit-Vorgang werden die Eigenbewegungen der Raumer automatisch angeglichen. -- Comy, Transmit-Feld auf Showdown 316. In den Laderaum. Danke.

Comy: Aguqù. Do'i. -- In Ordnung. Ich bin dabei.

Pete setzt zu einer Frage an, als Val nur auf den Direktsichtschirm deutet.

Valeria: Dort! Dieser grünlich/goldene Schimmer!

Sie legt eine Leitung des Computers auf ihr Pult.

Valeria: Mhm.

Pete: Mhm -- was?

Valeria: Computerauswertung und Raumüberwachung stimmen völlig überein. Das ist anscheinend eine Art 'hyperdimensionales Feld'. -- Jetzt könnten wir tatsächlich Thallia gebrauchen.

Marc: Siehst du, das meine ich auch immer.

Der dunkelhaarige Computerspezialist stemmt die Fäuste in die Seiten.

Cosmo(empört): Jetzt auch noch Valeria!

Daniela: Was ist denn, tesoro?

Cosmo(entrüstet): Meiner Ansicht nach reicht es, wenn außer mir noch Marc an meinem Computer herumspielt. Aber jetzt auch noch Val!

Valeria: Sei doch froh, dann hast du nicht mehr soviel Arbeit.

Cosmo: Bei allen Quasaren! Ich komme mir allmählich reichlich überflüssig vor! Das einzige, was Pete mir immer aufbrummt, sind diese blöden Außenarbeiten! Marc macht den Kybernetiker für mich, als Co-Pilot komme ich eh kaum zum Zuge... Wenn Marc sich wenigstens darauf beschränken würde, nur Wissenschaftler an Bord zu sein!

Pete(entsetzt): Bloß nicht! -- Noch einmal lasse ich es nicht zu, daß er mir bei einem Versuch den halben Laderaum in die Luft sprengt!

Valeria: Himmel, Cosmo, wenn wir anfangen, unsere Flotte zu bauen, wirst du dich nicht mehr über einen Mangel an Arbeit beklagen müssen.

Pete: Richtig. Außerdem -- bis jetzt hat sich hier an Bord doch noch keiner gelangweilt, oder?

Die Funkerin, die einen kurzen Blick auf den RÜ-Schirm geworfen hat, sieht überrascht auf.

Valeria: Nom de Dieu! Wir sind schon an Bord dieses Trägerschiffs!

Daniela: Phantastisch! Kaum zu glauben, daß das ein 'Laderaum' sein soll.

Sie zeigt auf den Schirm, wo man eine riesige Halle sehen kann.

Valeria: Ich messe wieder ein hyperdimensionales Feld an.

Daniela: Da flimmert es auch schon...

Valeria: Die können uns verdammt gut einpeilen.

Das Feld steht mitten in der Zentrale der Showdown 316. Cleopatra T'hèr materialisiert. Sie trägt eine metallictürkis/silberne Kombination mit dem Friedenshüter-Abzeichen.

Cleo: Hallo! Kommt ihr?

Pete: Hallo, Cleo. -- Mit dem größten Vergnügen.

Valeria: Moment, ich sichere nur schnell die Anlagen.

Daniela: Und ich muß auch noch den Meiler abschalten.

Die Ingenieurin geht zum Heck des Raumers, wo die Maschinenstation untergebracht ist. Nachdem alles erledigt ist, verläßt die Crew zusammen mit Cleo die 316.

* * *

In der Zentrale der Mysterion:

Der silberhaarige Friedenshüter tritt auf die 316-Mannschaft zu.

C'olin: Hallo. Seid mir gegrüßt.

Cleo: Das ist mein Team-Partner -- C'olin.

Sie stellt ihm Pete vor, und dieser den beiden seine Leute.

C'olin: Da rihh! Wir sollten endlich auf Partokla VII/Elbatro eingreifen!

Cleo: Ich stimme dir voll und ganz zu. Deshalb habe ich doch Pete und seine Leute an Bord gebeten.

Der Kommandant der 316 blickt die Friedenshüterin erstaunt an.

Pete: Wieso denn das?

Cleopatra verschränkt die Arme vor der Brust und sieht nachdenklich auf den Panorama-Bildschirm.

Cleo: Wir suchen eine Möglichkeit, die terranischen Raumsoldaten auf möglichst einfache und friedliche Art und Weise wieder von Elbatro zu entfernen. Ein gefälschter Rückzugsbefehl geht nicht -- du kennst ja General Eiroon und C.Ting. Hypnose funktioniert nicht wegen der Pelythium-beschichteten Kampfmonturen. Einfach so Robots loszuschicken, die die Soldaten einzeln einsammeln, dauert viel zu lange. -- Es sei denn, wir finden etwas, über das wir sie anpeilen können.

Pete: Nicht daß ich wüßte.

Valeria: Die Raumschiffe sind leicht zu unterscheiden. Die haben eine unterschiedliche Kennung...

Marc: Na logo! Die Soldaten doch auch!

Valeria: Kennung?! Meinst du etwa die Identifikationsplaketten?

Marc: Cu. Die bestehen doch aus dieser neuartigen, 'unfälschbaren' Legierung Sirium. Kann man die vielleicht anpeilen?

Cleo: Sirium? Moment, das enthält doch geringe Spuren von Varium...

C'olin: Varium anzupeilen ist ein Leichtes für uns. Das Energieüberträgermineral ist ein starker Hydi-Strahler in den suprahohen Frequenzen.

Cleo: Was meinst du, wie viele Robots benötigen wir?

C'olin: Das kommt darauf an, wie viele Raumsoldaten auf Elbatro gelandet sind. -- Pete?

Pete(nachdenklich): Moment... Da unten dürften so um die 2000 Showdown-Leute sein, und zwar unter der Führung unserer 'Warlady'.

C'olin: Ich glaube, zwanzigtausend Robots könnten wir schon gebrauchen.

Cleo: Ich gebe Cosna Bescheid. mecon; Cleopatra an Cosna: Bitte kommen!

Das Computerzentrum von Sna-Tgyhl und gleichzeitig der Hauptcomputer der Vier Galaxien meldet sich unverzüglich. Auf dem Bildschirm erscheint sein Symbol: Eine grün/gold/silberne Planetenkugel, die in einem regenbogenfarbenen Weltraum schwebt.

Cosna: Hallo Cleo! Was gibt es?

Cleo: Wir benötigen 20000 Robots, damit wir die Terraner von Partokla VII/Elbatro entfernen können...

Cosna: Aguqù. Ich schicke dir Elaine mit der Brightness. Wenn sie so weitermacht, kann sie bald mit Robin das Trägerschiff offiziell bekommen.

Cleo: Da sollte sie aber wenigstens noch fünf oder sechs Jahre TZ warten! -- Und Robin ist nach Shasta IV/Konnatta geflogen?

Cosna: Korrekt. Er wollte ein paar Freunde auf seinem Heimatplaneten besuchen.

Cleo: Ist wenigstens ein Robot dabei?

Cosna: Beta-V, Vaira-Beta.

Cleo: Dann ist es gut. Schicke also bitte Elaine mit den Robots her. Danke und bye, Cosna.

Cosna: Aguqù. Doyé. Bye, Cleopatra.

C'olin(kopfschüttelnd): Du behandelst Elaine und Robin immer noch, als ob sie nicht einmal bis drei zählen könnten.

Cleo: Elaine ist schließlich erst sechs Jahre TZ, und Robin ist zwar drei Jahre älter, aber erst vor einem Jahr TZ zu uns gekommen.

Pete(nach Luft schnappend): So?! Dieses Mädchen ist sechs Jahre TZ alt -- und ihr laßt sie schon so einen Raumschiffgiganten fliegen?

C'olin: Was ist denn dabei? Sie kommt gut damit zurecht. Außerdem braucht sie nur Anweisungen zu geben, den Rest erledigt der SChiffscomputer.

Pete: Unglaublich!

C'olin: Nein -- nur eine Frage des Standpunktes.

* * *

Auf Viresta I/Sna-Tgyhl:

Cosna: mecon; Cosna an Elaine: Bitte kommen!

Elaine: Hi Cosna! Ist was?

Cosna: Ja. Da Robin wieder mal nicht aufzutreiben ist, sollst du deinen Eltern ein paar Robots ins Partokla-System bringen. Ich habe dir die Brightness klargemacht.

Elaine(begeistert): Jeih! Das Trägerschiff!

Cosna: Genau. Es sind zwanzigtausend Robots an Bord. Beeile dich bitte -- Cleopatra und C'olin warten. Die Koordinaten sind Nehgqù-Xuqù; 16h35mREK/-10:20DEK --Oph 165.6pc.

Elaine: Klasse! Ich düse! -- Transmit-Feld zum Schiff. Danke und bye, Cosna!

Cosna: Aguqù. Doja. Bye, Elaine.

Ein kleiner, orange/silbern gekleideter Wirbelwind rennt durch das grünlich golden schimmernde Feld. Elaine ähnelt ziemlich ihrer Mutter, sie hat ebenfalls blauschwarze Haare und Augen.

* * *

In der Zentrale der Brightness:

Elaine: Hallo Cobri! Wir sollen ins Partokla-System in der anderen Galaxie -- Transmit auf -- äh, das müßte 16h35mREK/-10:20DEK --Oph 165.6pc sein. Stimmt's?

Cobri: Korrekt. Du mußt nur noch angeben, in welcher Galaxie das Partokla-System liegt.

Elaine: Nehgqù-Xuqù natürlich -- die 'Milchstraße'. Was für ein Name!

Cobri: Cirenn-S'cirain bedeutet ja auch nichts anderes als 'Weiter Himmelsweg'.

Elaine: Ja ja, ich weiß... ciré heißt weit oder groß, s'cira ist der Himmel und arhain ist der Weg.

Cobri: Immerhin hast du dir die Vokabeln gemerkt.

Elaine: Dann transact mal! -- AsVA-Kombi-Schild ein, dann können Cleo und C'olin uns nicht orten.

Cobri: Aguqù. Doja.

Elaine: Wo stehen wir, und wo ist die Mysterion?

Cobri: Wir befinden uns in der Nähe des äußersten Planeten, Partokla XVII/Taebenta, und die Myste kreist in einer weiten Umlaufbahn um Partokla VII/Elbatro.

(Myste - Kurzform von Mysterion)

Elaine: Gut. Au ja. Ich hab 'ne Idee! -- Cobri, wir schleichen uns an die Myste an und überraschen Mam und Paps! Transmit zum neunten Planeten. Und von dort aus mit Normalantrieb nach Elbatro!

Cobri: Mit Normalantrieb dauert das fast eine Riòli VZ.

Elaine: Zu lange. Dann geh auf Leadil-Antrieb. Überlichtschnell ist immer schneller. Das beste wäre, wenn wir so aus dem Plus-x-Raum kämen, daß der Planet zwischen Myste und uns steht.

Cobri: Aguqù. Doyé. Dann schaffen wir es in fünf Minuten TZ.

Elaine: Daccù, transact!

Alles verläuft wie ausgemacht.

Cobri: Wir sind da.

Elaine: Gehe auf 10 Kilometer Entfernung.

Cobri: Das ist gefährlich. Du weißt doch, der Sicherheitsabstand sollte stets etwa 100000km betragen. Bei der kurzen Distanz kann selbst ich nicht schnell genug reagieren, wenn die Mysterion ein unvorhergesehenes Manöver macht.

Elaine: Die Ortung besagt aber, daß die Myste ihren SETA-Kombi-Schild aktiviert hat. Wenn du deinen Schutzschirm auch einschaltest...

Cobri: ...dann geht es. Na gut. -- Doja. Wir liegen längsseits.

Elaine: Bau mir bitte ein Transmit-Feld auf. In die Zentrale der Myste.

Cobri: Doja. -- Bye, Elaine.

Elaine: Danke und bye, Cobri.

Sie rennt durch das Transmit-Feld -- und C'olin über den Haufen.

* * *

In der Mysterion:

C'olin: Elaine! Wie oft soll ich dir noch sagen, daß man aufpassen muß, wenn man durch ein Transmit-Feld geht!

Elaine: Ooch, Paps!

C'olin: Wo hast du dein Trägerschiff gelassen?

Elaine: Augenblickchen... mecon; Elaine an Cobri: Bitte kommen!

Cobri: Hallo Elaine, Was gibt's?

Elaine: AsVA-Kombi-Schild aus. Danke und bye, Cobri!

Cobri: Aguqù. Doja. Bye, Elaine.

Urplötzlich erscheint die Brightness in voller Größe auf dem Bildschirm. Cleopatra gibt einen erschreckten Laut von sich.

C'olin(ärgerlich): Was soll das, Elaine? Du weißt doch genau, wie groß die Sicherheitsentfernung für Trägerschiffe ist!

Elaine: Ooch, Paps! Beide Schiffe sind doch SETA-geschützt!

C'olin (immer noch verärgert): Wenigstens hast du darauf geachtet.

Cleo: C'olin, laß die Kleine doch! Sie hat die Robots schließlich gut hergebracht.

C'olin: Nun gut. Aber, Elaine, mach das bitte nicht noch einmal!

Elaine: Aguqù. Mey doyé.

C'olin: Versprochen?

Elaine: Versprochen...!

Das Mädchen mustert Pete und Co. interessiert.

Elaine: Hey! -- Wer seid ihr denn?

Valeria: Die Besatzung der Showdown 316.

Elaine: Aha. Terraner. -- Nee... Du bist ein Karanyo, nicht?

Sie sieht Marc fragend an, aber dessen blauviolette Haare sind unübersehbar.

Marc: Ja.

Cleopatra stellt Elaine die 316-Crew vor.

Elaine: Hallöchen!

Sie wendet sich an ihren Vater.

Elaine: Papa, wozu braucht ihr eigentlich die Robots?

C'olin: Der Planet Partokla VII/Elbatro ist von terranischen Soldaten besetzt. Die Robots sollen sie einsammeln und von dem Planeten entfernen.

Elaine: Und woran erkennen sie die Terraner?

C'olin: An den Sirium-Identifikationsplaketten. Die Robots können sie anpeilen.

Elaine: Darf ich die Robots nach Elbatro bringen?

C'olin: Warum nicht? Du setzt sie am besten über Cardain, der Hauptstadt des Planeten ab. AsVA-Kombi-Schild nicht vergessen!

Elaine: Also... Die Robots sollen die Terraner aufspüren, paralysieren und in die Brightness bringen?

C'olin: Richtig. Nur -- was das Paralysieren betrifft... Die Soldaten tragen Kampfmonturen, die mit Pelythium beschichtet sind. Du mußt also den Robots Anweisung geben, den wechselphasigen Paralyzer zu benutzen.

Elaine: Aguqù. Séd tej do'ima -- Okay, ist schon so gut wie erledigt.

Cleo: Transmit-Feld zur Brightness aufbauen. Danke, Comy.

Das Transport-Feld erstrahlt in grünem Glanz.

Comy: Aguqù. Doja.

Elaine stürmt wieder durch das Transmit-Feld in das andere Raumschiff. Cleo schüttelt nur den Kopf.

* * *

In der Brightness:

Elaine: Hi Cobri! Bin schon wieder da!

Cobri: Ich sehe es. Was ist nun geplant?

Elaine: Augenblickchen... Wir sollen die Robots auf Elbatro absetzen, sie sollen die Terraner aufspüren, paralysieren -- wechselphasig -- und sie dann zu uns hochbringen.

Cobri: Zweierlei: Wo genau sollen die Robots abgesetzt werden, und wie können wir die Terraner aufspüren?

Elaine: Wo -- In der Hauptstadt. Kardäjn oder so...

Cobri: Cardain.

Elaine: Und wie -- Die Soldaten haben ID-Plaketten aus Sirium. Die Robots sollen sie anpeilen. Ach ja, und alles mit AsVA-Kombi-Schild... So -- jetzt aber transact, Cobri!

Cobri: Aguqù. Do'i. -- In Ordnung. Ich bin dabei.

Elaine: Hach! Toll, daß Paps mir das erlaubt hat!

Cobri: Übung macht den Meister.

Elaine: Schalte den Bildschirm auf Vergrößerung, wenn wir über Kardähjn -- verflixt, ich krieg's nicht hin! -- sind.

Cobri: Car-dain...! -- Ich kann auch einen Robot nur als Beobachter nach unten schicken. Soweit ich weiß, ist Delta-L, Lyriél Delta an Bord.

Die Robots der Delta-Serie werden häufig zu Sondereinsätzen verwendet.

Elaine(kichernd): Wenn Sonny Alpha hier wäre... Der würde sich noch nicht einmal in einem Rihkuun hinuntertrauen!

Cobri: Du solltest dich nicht über ihn lustig machen. Alpha-S, Sonny Alpha ist nun einmal ausgesprochen ängstlich.

Elaine: Lyriél wohl nicht. Hm, mit der habe ich noch nie zusammengearbeitet.

Cobri: Lyriél ist eine eher ruhige Robot.

Elaine: Larky ist mir aber lieber! Der heckt genauso gerne Streiche aus wie ich.

Cobri: Alpha-L, Larky Alpha befindet sich zur Zeit auf Sna-Tgyhl.

Elaine: Aha.

Cobri: Wir sind jetzt auf der richtigen Höhe. Ich lasse die Robots plus Lyriél Delta ausschwärmen.

Auf dem Bildschirm erscheint die Landschaft aus dem Blickwinkel eines Robot (bzw. in diesem Fall einer Robot.)

Cobri: Die ersten terranischen Raumsoldaten sind bereits geortet worden.

Elaine: Du, Cobri, warum wollen die Terraner eigentlich Elbatro erobern?

Cobri: Du weißt doch, was Diakalysium ist?

Elaine: Klar. Ein gelbgrünes, kristallines Mineral mit der Härte 8.5 auf der mohs'schen Härteskala, das in Wasser gelöst in den Meeren von Partokla VII/Elbatro vorkommt. Es wird als Katalysator für chemische Reaktionen benötigt -- vorwiegend bei der Synthese von Diamantoplast. -- Hypnokurs Chemie 14, hat mir Cosna erst gestern verpaßt.

Cobri: Gut. Die Terraner haben nun vor, sich das Diakalysium mit Gewalt zu beschaffen.

Elaine: Das ist aber nicht sehr nett von denen!

Cobri: Deswegen brauchst du aber nicht zu glauben, daß prinzipiell alle Terraner so sind.

Elaine: Pete und seine Freunde nicht, cu?

Cobri: Und sicherlich noch viele andere. Es ist lediglich die Führung der Terraner, die die Macht derart mißbraucht.

Elaine: Und warum läßt man die nicht verhaften?

Cobri: Die Regierung wurde von der Bevölkerung gewählt.

Elaine: Aber warum wählen die so eine Regierung?

Cobri: Sie haben Versprechungen gemacht...

Elaine: Und das glauben die Leute?

Cobri: Man glaubt meistens denen, die die Macht haben.

Das Mädchen blickt wieder auf den Bildschirm.

Elaine: Da! Die ersten Robots kommen zurück!

Cobri: Die Terraner sind paralysiert und entwaffnet.

Elaine: Bring sie in die Brightness.

Cobri: Aguqù. Doyé.

Der Bordcomputer gibt den Robots entsprechende Anweisungen.

Elaine: Ich will mit ihren Anführern sprechen. Ich will wissen, warum sie solchen Kriegsbefehlen gehorchen.

Cobri: Sie müssen gehorchen -- sonst würden sie vor ein Kriegsgericht gestellt.

Elaine: Und was ist mit den Raumstatuten des Rats der Planeten der Galaktischen Union?

Cobri: Es gibt nur wenige Terraner, die das riskieren. -- Wie Pete.

Delta-L, Lyriél Delta, ist ebenfalls wieder an Bord zurückgekehrt. Sie trägt die bewußtlose 'Warlady' C.Ting Mei-ling auf den Armen. Die Robot ist exakt 1.80m groß und hat einen golden/kupferfarbenen Metallkörper.

Elaine: Hallo, Lyriél!

Lyriél: Hallo Elaine. -- Das hier ist C.Ting Mei-ling, die Kommandantin der Raumlandetruppen der Terraner.

Elaine: Weck sie bitte wieder auf.

Lyriél: Aguqù. Do'i.

DIe Robot stimuliert Mei-lings Nervenzentren mit einer Deparalyzer-Strahlung. Mei-ling beginnt sich wieder zu regen. Lyriél legt sie in einen freien Schwebesessel.

Mei-ling: Wo bin ich? Was ist geschehen?

Sie tastet nach ihrem Kombistrahler, aber das Halfter ist leer.

Elaine: Du bist auf der Brightness, meinem Trägerschiff. Ich bin Elaine T'hèr.

Mei-ling: Wie? Was? Was ist?

Die Kommandantin erspäht das Mädchen.

Mei-ling: Wer bist du?

Elaine: Elaine T'hèr. -- Du bist C.Ting Mei-ling?! Die Chefin der terranischen Raumsoldaten auf Elbatro?

Mei-ling: Ja. Was machst du so alleine in diesem Raumschiff? Und wo ist die Besatzung? Ich möchte den Commander sprechen!

Elaine: Ich bin hier der -- wie du sagst -- 'Commander'. Und eine Besatzung brauch ich nicht!

Mei-ling: Wie bitte? Du bist die Kommandantin? Wie alt bist du denn?

Elaine: Sieben Tríradí VZ. -- Wieviel ist das in Terrazeit, Cobri?

Cobri: Sechs Jahre TZ.

Elaine: Du hast's gehört. Sechs Terrajahre.

Mei-ling: Unfaßbar! -- Wer war diese Stimme im Hintergrund?

Elaine: Cobri, der Bordcomputer meines Schiffs. Warum kämpft ihr auf Elbatro?

Mei-ling: Die Elbatroner weigern sich, weiterhin genügend Diakalysium herzustellen.

Elaine: Habt ihr denn auf Sol III/Terra keins?

Mei-ling: Nein.

Elaine: Und warum nicht? Könnt ihr es euch nicht selbst herstellen?

Mei-ling: Wie denn? Es ist selbst den Karanen noch nicht gelungen, Diakalysium zu synthetisieren!

Elaine (verwundert): Man braucht doch nur eine Energieschablone davon herzustellen und sie dann in Mut'Imilkei zu bringen.

Mei-ling(kopfschüttelnd): Ich habe kein Wort verstanden... Was ist Mut'Imilkei?

Elaine(stirnrunzelnd): Mut'Imilkei ist -- ist... Ich glaube, ihr würdet Formenergie dazu sagen.

Mei-ling: Aha. Und diese Energieschablone?

Elaine: Das ist eine Art Programm, das die Formenergie interenmatriert und dann in den Materiezustand überführt.

Mei-ling(etwas ungehalten): Und was bedeutet nun schon wieder 'interenmatrieren'?

Elaine: Jeder Stoff hat einen sogenannten Intrem-Punkt. Was das ist weißt du doch hoffentlich...?

Mei-ling (gefrustet): Nein!

Elaine: Oh. Der Intrem-Punkt bezeichnet den Übergangspunkt zwischen Materie und Energie. Und interenmatrieren heißt entweder Materie zu Energie machen oder umgekehrt. Ist doch ganz einfach.

Mei-ling(nach Luft schnappend): 'Ganz einfach'! Höre sich das einer an! Da steht ein Mädchen, kaum im unterrichtspflichtigen Alter und hält physikalische Vorträge, daß mir schwindlig wird...!

Elaine: Ich bin eben eine Friedenshüterin.

Cobri: Noch nicht, Elaine.

Elaine(schmollend): Aber demnächst...

Cobri: Sobald Cosna Robin und dir offiziell die Brightness übergibt.

Mei-ling: Und was hast du jetzt mit uns vor -- Elaine T'hèr?

Elaine: Ja... Hm... Cobri?

Sie blickt ratsuchend zum Bildschirm, der Cobris Symbol zeigt: Ein leuchtend dunkelrotes Trägerschiff vor dem silbern/weiß/violetten VARYS-Symbol der Friedenshüter mit dem Namenszug COBRI in schimmernden Transuhh-Lettern. Der Bordcomputer fragt zunächst bei Comy, dem Comp der Mysterion von Cleopatra und C'olin nach.

(VARYS ist hier das Prinzip des 'Guten'. Der Gegensatz ist TESCIA -- wobei es allerdings stets auf den Standpunkt des Betrachters ankommt, was nun tatsächlich 'gut' oder 'böse' ist. Die VARYS-Farben sind üblicherweise silber und weiß, die TESCIA-Farben dagegen gold und schwarz.)

Cobri: Wir sollen die Showdown-Raumer einsammeln und ins Sol-System zurückbringen. C'olin meint, die haben im Partokla-System genug Verwirrung gestiftet.

Elaine: Aguqù, Cobri, das machen wir doch glatt.

Mei-ling(entgeistert): Wie bitte?

Elaine: Hast du's nicht gehört? Ich werde eure Flotte in euer Heimatsystem zurückbringen.

Mei-ling: Und wie bitte?

Die asiatische Kommandantin verschränkt die Arme vor der Brust.

Elaine: Ganz einfach. Cobri, schleuse die Rihkuun aus und schleppe die Showdownies ab!

C.Ting Mei-ling schüttelt nur noch stumm den Kopf. Eine Strähne ihres mittellangen, blauschwarzen Haars fliegt ihr ins Gesicht. Sie streicht sie zurück. Die Kommandantin wagt schon gar nicht mehr zu fragen, wie Elaine sich diese Aktion vorstellt.

Mei-ling: Was ist mit meinen Leuten?

Elaine: Ich habe sie paralysieren lassen. Die Terraner befinden sich in einem Kabinentrakt, der extra für sie hergerichtet worden ist.

Mei-ling: Als Gefangene?

Elaine: Als Gäste.

Mei-ling: So kann man es auch bezeichnen.

Elaine: Ich muß mich jetzt um die Rückführungsaktion kümmern. Die Robot Lyriél Delta wird dich in deine Kabine bringen.

C.Ting hält letzteren Satz zunächst für einen sprachlichen Fehler. Dann runzelt sie die Stirn.

Mei-ling: 'Die Robot'?

Elaine: Natürlich. Lyriél ist eine weibliche Robot.

Mei-ling(fassungslos): Ich glaube, ich verliere allmählich den Verstand...

Elaine(verständnislos): Warum? Es ist doch ganz normal, daß jede Ego-Programmierung ihre Eigenheiten hat. Es gibt nunmal männlche, weibliche und neutrale Programmierungen.

C.Ting Mei-ling ist einer Krise recht nahe.

Cobri: Ich hege die Befürchtung, du solltest C.Ting vorübergehend in die Medostation bringen.

Elaine: Sieht so aus. -- Lyriél! Erledige das bitte.

Lyriél: Aguqù. Do'i.

Sie führt die Kommandantin durch ein Transmit-Feld. Widerstandslos folgt Mei-ling der Robot. Dieser Tag war entschieden zuviel für sie.

Elaine: Cobri, was hat sie? Habe ich irgendwas falsch gemacht?

Cobri (belustigt): Ich befürchte, du hast sie etwas überfordert...

Elaine: Oh.

Derweil sammeln die Rihkuun unter Anleitung von Cobri die Showdown-Einheiten ein.

* * *

Auf der Mysterion:

C'olin: Elaine hat ihre Aufgabe gut gelöst, hat mir Cobri gemeldet.

Cleo: Gut. -- Pete, ich glaube, wir sollten euch ins Sol-System zurückbringen.

Pete nickt zustimmend.

Valeria: Cleopatra, wie sind Sie --

Cleo(lächelnd): Bitte, nicht 'Sie'...!

Valeria: Okay. Also, wie bist du eigentlich dazugekommen, Pete diese merkwürdige Formel -- Accrum war es, glaube ich -- zu geben?

Die schwarzhaarige Friedenshüterin blickt nachdenklich ins Leere.

Cleo: Ay... Das war eine eigentümliche Angelegenheit. Habt ihr schon einmal etwas von STAIE, 'tai khésta' gehört?

Marc: 'Tai khésta' -- 'die Frage'?! Nein.

Cleo: Stayka ist ein seltsames Wesen... Sie wandert durch Raum, Zeit und die Wahrscheinlichkeitsebenen, um 'tai ascyálth' -- 'die Antwort' zu finden...

Valeria: 'Die Antwort'?! Auf was?

Cleo: STAIE ist 'die Frage nach dem Ursprung des Universums und dem Sinn allen Lebens'.

Valeria: Und trotzdem ist sie ein Lebewesen?

Cleo: Nun -- ich halte sie zumindest dafür. Wenn du sie triffst, wirkt sie nämlich recht lebendig...

Valeria: Und 'die Antwort' -- ist das auch ein Lebewesen?

Cleo: Ich nehme es an. Aber noch ist 'tai ascyálth' nicht gefunden. Denn wenn 'die Antwort' dereinst gefunden wird, ist das Ende dieses kosmischen Zyklus erreicht. -- So erzählt STAIE.

Valeria: Aha. Und was hat 'die Frage' nun mit dem Accrum und Pete zu tun?

Cleo: Stayka gab mir den Rat, einem Terraner namens Pete T-S'cèr die Formel zu geben. Und die Vergangenheit hat gezeigt, daß es durchaus sinnvoll ist, STAIEs Ratschläge zu befolgen...

Valeria: Inwiefern?

Cleo: Sie gab in der fernen Vergangenheit schon oft Tips... Und jedes Volk, das nicht auf sie hörte, ging unweigerlich zugrunde.

Valeria: Incroyable! -- Wer ist diese STAIE?

Cleo: Ich sagte es -- sie ist 'die Frage', oder in der Alten Sprache von S'selite "S'ílestayka Tai'K'esta-natem Av'emta-drije-Oméfi-Elz'om Id t'Es'sa t'séim", kurz STAIE.

Valeria: Das sagt mir sehr viel...

Cleo: Mach dir nichts daraus, Valeria LaTerre... In allen Zeiten gab sie allen Wesen Rätsel auf.

Valeria: Aha... Und diese Dame gab dir also den Tip, Pete die bewußte Formel zu geben. Befremdlich.

Cleopatra breitet die Arme aus und kehrt die Handflächen nach oben.

Cleo: Was kann ich denn dazu?!

Comy: Cobri hat mir mitgeteilt, daß Elaine ihre Einsammelaktion beendet hat. Sie ist nun auf dem Weg ins Sol-System.

C'olin: Das ging aber schnell. Hat sie wenigstens einen Beobachter auf Partokla VII gelassen?

Comy: Laut Cobri ist jetzt Alpha-Y, Yappy Alpha, unten.

C'olin: Ausgerechnet die Quasselstrippe! Der Robot spricht doch völlig ohne Punkt und Komma!

Comy: Soll ich ihn rufen?

C'olin(leidend): Ja. Ich möchte wissen, wie es jetzt auf Elbatro aussieht.

Yappy: hallo c'olin was gibt es?

C'olin: Wie sieht's aus?

Yappy: wie was?

C'olin: Situation auf Partokla VII/Elbatro.

Yappy: besser als nach dem einfall der terraner zunächst angenommen es hat praktisch keine verwundeten oder toten gegeben der oberste rat von elbatro henri chaufan hat angeordnet jegliches blutvergießen zu vermeiden die elbatroner sollten sich kampflos zurückziehen die taktik war erfolgreich.

C'olin: Immerhin etwas. Danke und bye, Alpha-Y, Yappy Alpha.

Yappy: bye c'olin.

Cleopatra schüttelt den Kopf.

C'olin: Hat Elaine das gemacht, um mich zu ärgern?! Mir geht Yappy nämlich absolut auf den Geist.

Cleo: Xil, is sávhed tai?! -- Wer weiß?!

C'olin: Ejr séi ath ZS -- Ich jedenfalls nicht.

Cleo: Ich glaube, wir sollten Pete + Freunde jetzt allmählich nach Sol III/Terra zurückbringen...

C'olin: Cu. Xoi cu'imo tai -- Ja, dem würde ich zustimmen.

Cosmo: Anch'io...

Cleo & C'olin: Was?!

Cosmo(grinsend): Wenn ihr die ganze Zeit Transuhh sprecht, möchte ich auch einmal wieder ein paar terranische Klänge hören.

Daniela: Anch'io ist italienisch und bedeutet 'ich auch'.

Marc: Jetzt braucht nur noch Val anzufangen, französisch zu parlieren, und Pete Terranglo...

Cleo: C'olin Cyrá(N), und wir beide Karáanya...

Valeria: ...dann wäre die babylonische Verwirrung komplett.

C'olin: Bleiben wir lieber bei GULUN.

(GULUN ist -- wie auch Transuhh -- eine standardisierte Kunstsprache, die in der Galaktischen Union hauptsächlich gesprochen wird.)

Pete: Kleiner Scherz am Rande, wie?!

C'olin: Comy, bitte Transmit auf Cent-Nehg; Sol III/Terra! Danke. Transact.

Comy: Aguqù. Doja. -- Okay, ist erledigt.

* * *

Auf Cenvay IV/Vie:

Der Rat der Planeten der Galaktischen Union von Nehgqù-Xuqù tagt noch immer. Das kleine Spähschiff Shírida, das von Seyna t'Avimer ins Partokla-System geschickt worden ist, erscheint gerade rechtzeitig, um die Mysterion materialisieren zu sehen. C.Lyhko Convy, der rothaarige karanische Kommandant der Shírida erstattet sofort Bericht.

Eine blauuniformierte comaan Ordonanz betritt den Ratssal. Leutnant Dývo-T'han steuert zielstrebig Varys' Platz an.

Varys: Ja, Leutnant...

Sie studiert unauffällig die Identifikationsplakette des Comaano.

Varys: ...Leutnant Dývo-T'han...?

Dývo: Admiral Sylvaine, wir haben einen Funkspruch von der Shírida unter C.Convy erhalten. Dringlichkeitsstufe Null-Eins-A-Zero-Zero-S...!

Varys: Gebt mir bitte die Folie.

Der blauhäutige Ordonanzoffizier reicht sie ihr.

Varys: Danke, Leutnant Dývo-T'han. Ihr könnt wieder gehen.

Der Comaano salutiert und wendet sich ab. Varys überfliegt den Ausdruck und blickt ernst in das Objektiv der Kamera, die ihr Konterfei direkt auf die Pulte der übrigen Planetenräte überträgt.

Varys: Vayráni sávhenyi -- verehrte Räte, C.Convy meldet, daß im Partokla-System ein unbekanntes Raumschiff materialisiert sei, dessen Besatzung vorgibt, zu einer Gruppierung namens 'Hüter des Friedens' zu gehören. Sie fordern die sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen vor Ort -- sonst würden sie eingreifen...

Der Name Gus Juney leuchtet purpurn auf Varys' Computerschirm auf.

Varys: Ja, Rat Juney?

Der mittelblonde Mann von Success V/Home wirkt leicht irritiert.

Gus: Ihr sagtet ein Raumschiff?!

Varys: Ja, ein Raumschiff. C.Convy wird uns in wenigen Minuten TZ eine Bildaufzeichnung schicken.

Gus: Da bin ich aber gespannt!

Varys: Nicht nur Ihr, Rat Juney...!

Und wirklich, 15 Minuten TZ später erscheint Leutnant Dývo-T'han mit einem Datenkristall.

Varys: Macht bitte den Projektor klar, Leutnant. Danke.

Der Comaano beugt seinen rotvioletten Schopf über die Eingabe. Kurz darauf stabilisiert sich die dreidimensionale Projektion in der Mitte des Saales.

Die einzelnen Räte können die Aufzeichnung notfalls auch über ihren Pultcomputer abrufen. Die Beleuchtung wird zurückgeschaltet.

Ein blauweißer Riesenstern erstrahlt im Ratssaal auf Vie...

Varys kneift geblendet die Augen zusammen.

Von links hinten schiebt sich Partokla XVII/Taebenta ins Blickfeld der Vorsitzenden. Dann folgen die übrigen gerade auf 'dieser' Seite der Sonne befindlichen Planeten. Nachdem auch Partokla IX/Korekko am Betrachter vorbeigezogen ist, erscheint VII/Elbatro mit seinen sechs Trabanten. Ganz in der Nähe von Elbatro VI/Siss tut sich etwas Außergewöhnliches.
Es scheint, als bekäme der Weltraum eine undichte Stelle, in der es grünlich/golden schimmert und flimmert...
Dann geschieht das Unglaubliche: Ein gigantisches Raumschiff nimmt Gestalt an -- die Mysterion!

C.Convys Stimme gibt dazu einen sachlichen Kommentar.

Lyhko: Die Materialisation des Fremdraumers ist mit extremer Zeitdehnung aufgezeichnet. Maße des Schiffes...

Rumpflänge5200m
Rumpfbreite500m
Rumpfhöhe550m
Spannweite5000m...

Seyna: Faszinierend! Ich kenne kein Material, das den bei einem derartigen Schiffsriesen zweifellos auftretenden Kräften standhalten würde -- selbst bei energetischer Stabilisierung nicht!

Varys: Das ist doch augenblicklich von niederer Relevanz, Rat t'Avimer. -- Wichtiger ist es, daß diese 'Hüter des Friedens' anscheinend über die Mittel verfügen, ihrer Forderung nach Einstellung der Kampfhandlungen im Partokla-System Nachdruck zu verleihen.

Konrad Farrol meldet sich auf dem Computerschirm.

Varys: Ja, Rat Farrol?

Der dunkelhäutige Planetenrat ist jetzt auf allen Terminals zu sehen und zu hören.

Konrad: Wenn der Diakalysium-Konflikt von diesen Friedenshütern beigelegt wird, dann erübrigt sich doch der -- zugegebenermaßen ziemlich kostspielige -- Start der Explorer-Flotte!

Varys: Theoretisch ja, aber bedenkt doch den Gewinn, der beim Auffinden eines weiteren Diakalysium-Planeten für den Rat der Planeten abfällt. Partokla VII/Elbatro wird auf jeden Fall den Export des Katalysator-Minerals drastisch verringern. Wir könnten die Preise stabilhalten. Außerdem benötigt der Planetenrat -- wie Ihr sicherlich selbst am besten wißt, Rat Farrol -- stets flüssige Mittel. Und als letzten Punkt möchte ich anführen, daß zusätzliche Reserven an Rohstoffen niemals schaden könenn.

Konrad(achselzuckend): Gut, Admiral Sylvaine.

Er schaltet sich aus der Verbindung. Der Sprecher für Partokla VII/Elbatro meldet sich.

Varys: Ja, Rat Cebut?

Lars: Ist eigentlich bereits eine Antwort des terranischen Präsidenten Marco Prescer auf Eure Note vom 25:04:2187TZ eingetroffen?

Varys: Nein. Er scheint es nicht so eilig zu haben.

Lars: Was besagen die letzten Nachrichten aus dem Partokla-System?

Varys: Es tut mir leid, darüber bin ich momentan nicht informiert.

Sie ruft Leutnant Dývo-T'han. Der Comaano zieht den Speicherkristall aus dem Recorder, rafft die Folien zusammen, die das Funkgerät zusätzlich ausgedruckt hat und eilt in den Ratssaal.

Dývo: Zu Befehl, Admiral Sylvaine!

Varys: Leutnant Dývo-T'han, wie weit seid Ihr über die Lage im Partokla-System informiert?

Dývo: Laut C.Convy arbeitet auf Partokla VII/Elbatro keine Interplanet-Funkstation mehr. Die Terraner sollen den Planeten besetzt haben. C.Convy schlägt vor, nicht einzugreifen, und die Aktion diesen 'Hütern des Friedens' zu überlassen. Er beobachtet weiter mit der Shírida. Sobald sich eine Lageänderung ergibt, wird er uns wieder kontaktieren.

Varys: Vielen Dank, Leutnant.

Der junge Ordonnanzoffizier tritt ab.

* * *

Am Rande des Sol-Systems:

Cleopatra und C'olin haben die Showdown 316 auf Petes Wunsch am Rande des Sonnensystems ausgesetzt, denn der junge Kommandant der 316 ist der Ansicht, daß es taktisch günstiger wäre, wenn sich das Trägerschiff nicht allzusehr in der Nähe von Sol III/Terra sehen lassen würde.

Cleo: Aber warum denn? Wir haben doch unseren AsVA-Kombi-Schild, der uns von jedweder Ortung schützt!

Pete: Ich glaube, es sähe auch nicht so gut aus, wenn plötzlich eine Showdown-Einheit aus dem Nichts auftauchen würde.

C'olin: So?

Pete: Das gäbe auf jedenfall Unmengen an hochnotpeinlichen Verhören und Papierkram. Und darauf kann ich dankend verzichten.

Cleo: Cóme to sós. -- Wie du willst.

Und so kommt es, daß die Mysterion Petes Kreuzer knapp außerhalb des Erfassungsbereiches der terranischen System-Ortungsanlagen ausgesetzt hat.

Valeria: Funkspruch von Charon-Base. Sollen uns identifizieren.

Pete: Dann muß ich ja wohl...

Er beugt sich zum Mikro-Feld.

Pete: Showdown 316 unter C.Pete T-S'cèr -- Erbitte Einflugerlaubnis ins Sol-System.

Jurek: Leutnant Kiri Jurek, Charon-Base. Gehen Sie in einen Orbit um Sol IX/Pluto, Showdown 316, bis Ihre Identität überprüft ist.

Pete: Verstanden, Charon-Base. -- Cosmo!

Cosmo: Okay, ich hab's programmiert.

Nach rund einer Stunde TZ dürfen sie weiterfliegen. Bis zur Mondbahn.

Valeria: So. Der -- Nein, die nächste...

Caren: Leutnant Caren Beryl, Basis Luna-Fracastiores. Ich rufe das anfliegende Schiff. Identifizieren Sie sich und schwenken Sie in einen Orbit um Sol III/Terra I/Luna ein.

Pete: Showdown 316 unter C.Pete T-S'cèr -- Erbitte Einflugerlaubnis für erdnahen Raum.

Caren: Verstanden, Showdown 316. Gehen Sie in Parkbahn, bis Ihre Identität überprüft ist.

Pete: Okay, BL-F. -- Cosmo...!

Cosmo: Längst erledigt, Pete.

Nach etwa zwei Stunden TZ dürfen sie weiterfliegen. Bis zum Erfassungsbereich der Bodenstation Terra-Central/L'Angles.

Valeria: Ich habe schon die Landekontrolle von Thekla and der Strippe.

(Thekla - Pilotenjargon für Bodenstation Terra-Central/L'Angles.)

Den Kommandanten der 316 kann schon gar nichts mehr erschüttern.

Pete: Hier Showdown 316 unter C.Pete T-S'cèr -- Erbitte Landeerlaubnis für Raumhafen Terra-Central/L'Angles.

Marijke: Leutnant Marijke Zandhuus, Bodenstation Terra-Central/L'Angles an Showdown 316: Gehen Sie in Warteposition, bis Ihre Identität überprüft ist.

Pete(fatalistisch): Verstanden, BT-C/L'A.

Schließlich wird die Landefreigabe erteilt. Endlich setzt die 316 auf dem ihr zugewiesenen Planquadrat auf.

Cosmo: Wir sind unten.

Marc: Ach nee! -- Das hast du auch schon gemerkt?!

Pete sieht Marc und Cosmo gestreßt an.

Valeria: Ich hole meinen Gleiter her.

Pete: Tu's. -- Bei meinem Computer zu Hause ist leider der Funkempfänger defekt. Wir müssen also auf mein Fahrzeug vorerst verzichten.

Valeria: Das macht doch nichts. Du mußt die 316 doch ohnehin noch zur Mondbasis zurückbringen. In meinen Gleiter passen vier Leute.

Sie gibt per Funk dem Computer ihrer Wohnung den Befehl, ihren Schweber zum Raumhafen von L'Angles zu fliegen.

Marc: Ich glaube, ich werde als erstes zum Archiv düsen.

Comos: Was willst du denn da?

Marc: Entsinnst du sich eventuell nach ganz entfernt, welche grandiose Schnapsidee Pete kürzlich überkommen hat? -- Wir wollen eine Raumflotte basteln! Und da werde ich -- sofern nicht allzu geheim -- mir schon einmal diverse Konstruktionsunterlagen, Datenblätter etc, was wir so benötigen, organisieren.

Daniela: Wo sollen wir unser Hauptquartier aufschlagen?

Pete: Ich schlage vor in Frisco, in meiner Wohnung. Da haben wir genügend Platz.

Valeria: Mein Gleiter ist da.

Marc: Kannst du mich im Archiv absetzen?

Valeria: Klar.

Cosmo: Ich fliege mit zum Mond.

Daniela: Ich auch.

Valeria: Dann mache ich mich mal auf den Weg. Ich warte in deiner Behausung, Pete.

Pete: Okay.

Die rothaarige Funkerin und der karanische Wissenschaftler verlassen die 316 und steuern Vals Schweber an, der auf dem zum Landefeld gehörigen Gleiterparkplatz steht.

Nachdem sie Marc im Archiv von L'Angles abgeliefert hat, begibt Val sich nach Frisco, um dort die Ankunft der restlichen Crew abzuwarten.

Valeria: Das dauert bestimmt noch ein Weilchen... Vor allem wenn sie unsere Verbesserungen an der 316 spurlos beseitigen wollen.

Um sich die Wartezeit zu verkürzen, sieht Valeria sich die defekte Funkanlage von Petes Heim-Computer einmal näher an.

Valeria: Der Energieüberträgerkristall ist gesplittert? -- Wie hat Pete denn das schon wieder hingekriegt?!

Sie geht in Petes gutbestückten Hobbyraum und sucht nach einem Ersatz. Einer der Laserschneider hat einen passenden Varium-Kristall.

Valeria: Voilà!

Sie baut ihn aus und komplettiert den Empfangsteil des Funkgeräts. Ein kurzer Test verläuft positiv.

Zufrieden ordert Val sich ein Erfrischungsgetränk und setzt sich auf die bequeme, goldockerfarbene Matratze, die Pete neuerdings anstelle seiner alten Sitzcouch sein eigen nennt. Die 'Variowand' zeigt heute einen Doppelsonnenuntergang über einer Wüstenlandschaft von Proxima II/Victory; gelber und roter Schein über hellvioletter Sandebene.

Valeria (denkt sich): Ich könnte ja eigentlich schon einmal Senic, Coree, Thallia, Fourré und Jelly kontaktieren. Hm. Jemanden vergessen? -- Corrado! -- Das sind sie aber jetzt alle.

Sie ruft zunächst den 'Star von Terra', Senic Taim an.

Valeria: Hallo Senic!

Auf dem Bildschirm erscheint der blonde Wissenschaftler. Val hatte ihn und Marc vor drei Jahren TZ auf dem Sol IV/Mars kennengelernt, als sie noch die Raumakademie von Antluna besuchte, und Senic & Marc gerade ihr wissenschaftliches Praktikum absolvierten.

Senic(vorwurfsvoll): Valeria! Mußt du eigenlich immer genau dann anrufen, wenn ich gerade arbeite?!

Im Hintergrund kann Val Berge von Aufzeichnungen, Fachzeitschriften, Lexika und sonstigem Material sehen, die wild über das ganze Arbeitszimmer verstreut sind. Sehr wild.

Valeria(belustigt): Was heißt hier 'gerade'? -- Du arbeitest doch immer!

Senic: Nun gut. Auf jeden Fall hast du meine Auswertung bestreffs der Umschaltung des Phased-Screen in die Over-Phase unterbrochen.

Valeria: Tut mir leid, Senic.

Senic: Schon gut... Was willst du?

Sie erläutert Senic alles Wissenswerte.

Valeria: Nun? Kommst du?

Senic: Ehrensache! Außerdem habe ich hier etwas für Pete.

Er wühlt hektisch in seinen zahllosen Notizzetteln herum und zieht dann triumphierend ein ganz bestimmtes Blatt hervor.

Senic: Auf diesem Zettel befindet sich eine umwälzende Erfindung!

Valeria: So? -- Bring am besten alles mit.

Der Wissenschaftler blickt etwas konsterniert von einem Bücherstapel zum anderen Zettelhaufen.

Valeria(grinsend): So war das nun auch nicht gemeint! -- Ende, Senic.

Senic: Ende, Val.

Sofort macht sich die Funkerin der 316 daran, Jelissaweta Lisinkowa -- kurz 'Jelli' genannt -- zu verständigen. Die karanische Biologin Coralee Eileen befindet sich zur Zeit auch bei ihr. Jelli und Coree beschließen, ebenfalls nach Frisco kommen.

Valeria(denkt sich): So. Jetzt stellt sich die Frage: Wo treibe ich Fourré auf? Der Junge ist doch dauernd überall und nirgends zu finden. Meistens nirgends...

Nach einigen vergeblichen Versuchen entschließt sie sich, zunächst den Antlunarier Corrado Schillaci anzurufen. Der ist da, und hat vor, in den nächsten Stunden bei Pete einzutrudeln.

Valeria: Kannst du dich mal darum kümmern, wo Fourré steckt?

Corrado: Fourré... Ist der nicht gerade unten in Moscvá-U?

Valeria: Was macht der denn in der Unterwasserstadt?

Corrado: Da lebt doch seine derzeitige Freundin.

Valeria: Aha. Wohl nicht mehr Natascha Boderowa?!

Corrado: Nein. Jetzt hat er sich eine marsianische Pilotin angelacht: C.Sonyam Y-Lârgum.

Valeria: Glaubst du, du kannst ihn trotzdem dazu überreden, bei unserem Unternehmen mitzumachen?

Corrado: Ach, doch! -- Ich bin ja nicht umsonst Psychologe.

Valeria: Okay, bis dann. -- Ende, Corrado!

Corrado: Ende, Vally.

Der Bildschirm wird wieder neutral.

Valeria: Jetzt nur noch Thallia...

Da dies ein Interplanet-Funkspruch nach Accra II/Kara ist, muß Valeria zuerst das terranische Comcenter kontaktieren. Von dort aus wird die Verbindung nach Kara, dem 2. Planeten von Beta Tauri bzw. Accra, geschaltet. Zum Glück meldet sich die karanische Hyperphysikerin sogleich. Thallia hat lange, blauviolette Haare und tiefblaue Augen.

Auf ihrem goldschimmernden Hosenanzug prangt das Symbol einer karanischen Wissenschaftlerin: ein blaues 'k' in Cyrá(N)-Schrift in einem weißen Kreis.

Thallia: Sei gegrüßt, Valeria. Was verschafft mir die Ehre?

Valeria: Hast du Zeit und Lust, mal wieder nach Sol III/Terra zu kommen?

Thallia: Ich muß sagen, du hast einen glücklichen Zeitpunkt getroffen. Ich habe vor drei Tagen TZ meine letzte Forschungsarbeit für dieses Trimester abgeschlossen. Worum geht es?

Valeria: Marc hat Sehnsucht nach dir... -- Im Ernst, wir planen, eine eigene Raumflotte aufzubauen.

Thallia: C'omást-s!

Valeria: Wir beide sollen uns um Funk, Raumüberwachung und zum Teil auch die wissenschaftliche Ausrüstung kümmern.

Thallia: Ihr habt mich wohl schon fest eingeplant?!

Valeria: Das war Marcs Idee.

Thallia: Natürlich. Wessen sonst?!

Valeria: Aber du kommst?

Thallia: Moment.

Die Karanéa begibt sich zu einem Computerterminal und ruft einige Daten ab.

Thallia: Ich kann den Passagierliner Soleil nehmen. Dann bin ich voraussichtlich am 02:05:2187TZ um 13:30 Uhr Ortszeit auf dem Raumhafen Terra-Central/Bajkonur.

Valeria: Okay. Bis dann, Thallia. Ende.

Thallia: Bye, Valeria.

Thallia k'Avimer verschwindet von der Bildfläche. Val desaktiviert das Funkgerät.

* * *

Geraume Zeit später in Petes Wohnung:

Pete, Daniela und Cosmo sind mit der planmäßigen Raumfähre zwischen Lunaport Eratosthenes und Terra-Central/Atlantic von der Basis Luna-Phocylides zurückgekehrt. Auch Marc hat sich wieder in Frisco eingefunden.

Daniela: Ah, ich sehe, Senic, Jelli & Co. sind auch schon da!

Pete: Die haben sich aber mächtig beeilt!

Marc(schmollend): Nur Thallia fehlt!

Cosmo: Deswegen brauchst du doch nicht Trübsal zu blasen!

Pete: Gee, ich freue mich riesig, daß ihr alle so schnell gekommen seid. Hat Val euch schon eingeweiht?

Senic: Hat sie.

Er schüttelt den Kopf.

Senic: Eine Raumflotte bauen!

Corrado: Plus Basis...

Der Türsummer erklingt.

Valeria: Das wird wohl Fourré sein!

Corrado(lachend): Hat er sich aus den Armen seiner Liebsten reißen können...

Fourré: Bon soir, mes amis!

Der Architekt ist mittelgroß, dunkelhaarig und steckt in einem lässigen weißen Overall.

Valeria: 'allo, mon ami!

Fourré: Corrado! Was gibt es denn hier so Dringendes?

Er blickt sich neugierig um.

Fourré: Vollversammlung?!

Und wieder erklärt Val die Situation.

Valeria: Langsam kann ich die Story singen.

Fourré: Unglaublich!

Coralee: Das gibt Arbeit. Und was soll ich tun? Ich bin Biologin und Medizinerin.

Marc: Du bist mit für die naturwissenschaftliche Ausrüstung verantwortlich.

Die kupferhaarige Karanéa nippt an ihrem Fruchtsaftgetränk.

Coralee: Aha. Nicht schlecht.

Jelli: Und ich?!

Pete: Wir zwei beiden werden uns über die Legierungen für das Schiff einigen.

Valeria: Wie soll es eigentlich heißen?

Pete: Ich hatte an Terra gedacht. Was meint ihr?

Coralee: Ich bin Karanéa!

Corrado: Und ich Antlunarier...

Pete: ...und Marc und Thallia sind auch Karane, ich weiß.

Cosmo: Also, ich bin für Terra. Wir sind hier schließlich im Sol-System und wollen demnächst die terranischen Flotten überwachen.

Fourré: Außerdem sind hier die Terraner in der Überzahl.

Marc: Und was ist mit den Rechten der Minderheiten?

Cosmo(grinsend): Die werden eiskalt ignoriert!

Senic kaut am Trinkhalm seines Drinks. Der Wissenschaftler trägt immer noch seinen Laborkittel über einer schwarzen Hose.

Senic: Wo soll denn die Basis gebaut werden?

Pete: Auf Sol III/Terra, würde ich vorschlagen.

Corrado: Einspruch!

Der weißblonde Psychologe, Jurist & Soziologe stellt sein Cocktailglas auf dem niedrigen Metalltisch vor seiner Sitzgelegenheit ab.

Corrado: Das erlauben die Behörden nie und nimmer!

Pete: Und warum nicht? Es gibt doch da genügend wüste Wüsten.

Corrado: Die stehen entweder unter Naturschutz wie zum Beispiel die Sahara oder werden zu Naturschutzgebieten umgeformt wie die Große Sandwüste in Avstrália.

Jelli: Was heißt hier 'werden'?! Die Umgebung von Avstragórod ist bereits vollständig zu einem Naturreservat umgestaltet!

Pete(etwas ratlos): Das habe ich gar nicht bedacht. -- Wie wäre es denn mit der Antarktis?

Senic: Jetzt wo da die Geheimlabors eingerichtet werden sollen?

Pete: Was für Geheimlabors?!

Senic: Das hätte ich eigentlich gar nicht erwähnen dürfen. -- Diese Labs sind dem Militär untergeordnet und befinden sich seit wenigen Wochen im Bau. Naja, als freier Mitarbeiter der Terranian Academy of Sciences (TAS) bekommt man so einiges mit.

Pete: Also da auch nicht. -- Was nun?

Valeria: Wie wäre es mit einer Raumstation?

Corrado: Das gibt Ärger mit der Systempolizei.

Coralee: Wie wäre es denn mit Sol IV/Mars?

Corrado: Da sind die Gesetze mindestens genauso streng wie auf Sol III/Terra.

Cosmo: Wie wäre es dann mit Proxima II/Victory?

Pete: Proxima ist zwar der nächste Fixstern, aber von dort aus können wir doch das Sol-System nicht überwachen! Für Barásta I/Péras gilt selbiges.

Cosmo(wenig geistreich): Tja...

Pete: Im Sonnensystem sollte es also schon sein. Rekapitulieren wir mal.

Corrado: Irrtum: Die Behörden!

Pete: Also doch nichts. Hm.

Cosmo: Es hört sich ja fast an, als wäre die Sache mit einer Basis gestorben.

C.Pete T-S'cèr blickt trübselig in die Runde.

Valeria: Wenn alle Stricke reißen, gibt es noch eine Möglichkeit.

Pete(hoffnungsvoll): Und welche?

Valeria: Sol III/Terra I/Luna.

Pete(entgeistert): Was? Direkt in die Höhle des Löwen?

Valeria: Warum nicht? Es gibt dort einen gewissen Krater, der ziemlich zentral liegt und nicht genutzt wird. Er ist für unsere Zwecke phänomenal gut geeignet, denn man kann von ihm aus die Flottenbasen sehr gut überwachen. Desweiteren ist er groß genug für ein ausgedehntes Landefeld. Und was diesen Krater vor allen anderen auszeichnet, ist die Tatsache, daß praktisch der ganze Boden im Besitz der Familie meines Vaters Verryth A'Láric ist. Er hatte nie besonderes Interesse an diesem Besitz und wollte ihn bereits verkaufen. Bis jetzt hat sich aber noch kein Interessent gemeldet, bzw. einer schon, aber Verryth verkauft definitiv nicht an das terranische Militär.

Pete: Da schlägt doch der grüngestreifte Raumkobold einen Doppelsalto! Das lassen wir uns nicht entgehen!

Valeria: Vielleicht überschreibt Paps mir das Bodenareal. Er hat doch noch seine Grundstücke auf dem Sol IV/Mars.

Pete: Ts! Grundstücke auf dem Mars, aber auf der Erde leben...

Valeria: Du vergißt, daß Valesca eine Terranerin ist. Meine Mutter würde ihren Heimatplaneten niemals verlassen. -- Ich fliege mal kurz nach Marséy, um Paps zu fragen...

Marc: Welcher Krater ist es denn?

Valeria: Copernicus. Der liegt bei Luna Nordwest-Quadrant 10N/20W.

Marc: Sávhi. -- Ich weiß.

Valeria: Dann müßten wir am besten unsere Gleiter umrüsten, damit sie raumtauglich werden. Ich könnte das hinkriegen, wenn Dani mir hilft.

Cosmo: Das wäre top! Dann hätten wir auch die Frage des billigen Materialtransports geregelt. Wären wir nämlich alleine auf die planmäßige Fähre zwischen Lunaport Erastosthenes und Terra-Central/Atlantic angewiesen, würde es ziemlich kostspielig werden.

Valeria: Aber erst muß ich nach France, Marséy fliegen.

Pete: Okay. Ich drücke dir -- und uns -- die Daumen!

* * *

Man schreibt den 29:04:2187TZ.

Valeria ist aus Marséy zurückgekehrt. Sie hat die Zeit auch gleich dazu genützt, sich umzuziehen. Nunmehr trägt sie einen leichten, helltürkisfarbenen Overall, der ihre schulterlangen, roten Haare gut zur Geltung bringt. Auch der Rest der 316-Crew hat die Showdown-Uniform für immer abgelegt. Als Pete seiner Freundin öffnet, blickt diese ihn geschockt an. Zu einer weltraumschwarzen Hose, die mit funkelnden Sternen übersät ist, trägt Pete eine extravagante, weite, goldfarbene Hemdbluse und ebenfalls goldene Stiefel.

Valeria: Au nom du ciel! Was hast du denn da an?

Fourré: Ich fand, daß Pete immer viel zu langweilig herumläuft. Ich habe ihm mal den neusten Modegag verpaßt.

Pete: Öfter mal was neues! Außerdem -- mir gefällt's.

Valeria: Aha.

Pete: Was hat dein Daddy gesagt?

Valeria: Er ist einverstanden! Ich bekomme das Areal. Unter der Bedingung, daß ich es nicht leichtfertig verspekuliere.

Pete: Da braucht Verryth gar keine Angst zu haben. Wir werden uns da oben häuslich einrichten...

Fourré(mit einem Unterton staunender Verwunderung): Also werde ich eine Mondbasis entwerfen müssen...

Corrado: Ich kümmere mich schon einmal um die Baugenehmigung. Das wird ein Spießrutenlaufen, das kann ich jetzt schon sagen. Ich denke, die Militärs werden uns einen Knüppel nach dem anderen vor die Beine werfen!

Cosmo: Ich freue mich trotzdem schon auf General Eiroons blödes Gesicht!

Daniela: Was basteln wir uns denn für einen Raumer?

Marc: Ich war ja im Archiv von L'Angles. Ich würde als Grundform einen Meteor-Raumer vorschlagen.

Daniela: Aber die sind nur etwa vierzig Meter lang!

Valeria: Wir werden sowieso andere Triebwerke einbauen. Daher müssen wir das Heck ohnehin vollständig umkonstruieren.

Pete: Ich glaube, in Endeffekt bekommen wir einen fünfzig bis sechzig Meter-Raumer.

Jelli: Dann brauchen wir aber auch andere Tragfächen für das Schiff.

Cosmo: Brauchen wir denn überhaupt Tragflächen?

Daniela: Auf jeden Fall. In den 'Flügeln' werden normalerweise die Speicher für die Strahlenergie untergebracht.

Valeria: Außerdem kann ich dann dort die Antennenschleifen für meine Plus-x-Ortungsanlage unterbringen. Bei der 316 habe ich mit dem Gerät ja fast überhaupt nichts reingekriegt, weil ich die Empfänger immer auf die Normalortungsantenne schalten mußte.

Pete(belustigt): Es wäre auch zu sehr aufgefallen, wenn unsere Tragflächen golden geglüht hätten.

Valeria: Das läßt sich bei Plus-x-Antennenschleifen nunmal nicht vermeiden!

Jelli: Benötigst du ein besonderes Material als Träger?

Valeria: Ja. Pelythium.

Jelli(stirnrunzelnd): Pelythium ist eine sehr weiche Legierung. Reicht ein Überzug nicht aus?

Valeria: Das müssen wir am besten ausprobieren.

Corrado: Ich kann doch annehmen, daß ich hier nicht mehr gebraucht werde?

Pete: Du kannst abziehen, wenn du willst.

Corrado: Ay. Dann kann ich auf juristischem Gebiet schon einmal alles in die Wege leiten. Ciao, amici!

Der Antlunarier macht sich auf den Weg nach Nyork.

Senic: Hey, Pete! Fourré, Marc und ich haben mal einen Entwurf für die Basis skizziert. Wie gefällt dir das?

Pete: Klasse! Und total erweiterungsfähig. Das ist wichtig.

Auf der Folie sieht man einen überkuppelten, flachen Zylinder, der teilweise unterlunarisch angelegt ist. Das Landefeld liegt halbkreisförmig außerhalb der Druckkuppel.

Pete: Ich ärgere mich nur, daß wir nicht schon längst fertig sind. Ihr ahnt nicht, wie gerne ich General Eiroon jetzt schon den Marsch blasen würde...

Valeria: Wir könnten doch schon einmal unsere Aufzeichnungen veröffentlichen.

Jelli: Was für Aufzeichnungen?

Valeria: Ich habe alle Phasen des Diakalysium-Krieges aufgezeichnet, dann das 'Eingreifen' der Showdown-Flotte bei Tazzre, den Blitzkrieg gegen Kraz VIII/Don, den Success-Zwischenfall...

Jelli: Mmh, phantastisch! Wenn die terranische Bevölkerung diese Kriegsmethoden sieht, werden wir innerhalb kürzester Zeit einen anderen Präsidenten haben! Die 2.Terra-Partei von Sîfrit Olessen brennt ja schon seit Jahren darauf, an die Regierung zu kommen!

Daniela: Nur glaubst du, daß Olessen friedlicher als Prescer ist?

Jelli: Friedlicher als Prescer auf jeden Fall!

Valeria: Mir wäre die TGP lieber...!

Senic: Wenn wir Pech haben, bleibt aber Prescer an der Macht. Die Stimmung der Bevölkerung ist für ihn. Durch Prescers Propaganda hat sich innerhalb eines Großteils der Bevölkerung eine feindselige Haltung gegen die Elbatroner herauskristallisiert. Deshalb wird der Einsatz der Showdown-Flotte im Partokla-System durchaus begrüßt.

Marc: Tescia! -- Schlecht! Von dieser Warte aus gesehen, hätten wir tatsächlich nur geringe Chancen.

Coralee: Müssen wir uns überhaupt unbedingt in die Politik einmischen?

Pete: Um Frieden zu schaffen, müssen wir das Übel an der Wurzel packen.

Fourré: Die glorreichen Zehn gegen Terra, wie?

Pete: Elf. Thallia k'Avimer von Accra II/Kara kommt auch noch dazu.

Senic: Wann kommt sie?

Valeria: Am 02:05:2187TZ, also in drei Tagen TZ.

Coralee: Und ich kann mir immer noch nicht vorstellen, wie ich eigentlich großartig mithelfen kann. Vom Raumschiffbau habe ich nämlich überhaupt keine Ahnung! Ich bin Medizinerin und nebenberuflich Biologin.

Pete: Also noch einmal. Wir wollen in absehbarer Zeit die sogenannte Sol-System-Spezialeinheit gründen...

Fourré: Ach, aber das wissen wir doch mittlerweile!

Pete: Die Aufgaben dieser Spezialeinheit werden sich nicht allein auf die Überwachung der terranischen Flottenverbände beschränken. -- Obwohl das natürlich unser Hauptanliegen bleiben wird. Ich hatte mir gedacht, daß wir eingreifen, sobald Not am Mann bzw. an der Frau ist, und dabei soll es egal sein, ob es sich um Verbrecher handelt, Naturkatastrophen, Unfälle oder was auch immer...

Coralee: Also eine Art 'Interstellare Feuerwehr'.

Pete: Du hast es erfaßt.

Fourré(kichernd): Pete als Weltenretter! Ich lach mich krümelig!

Jelli: Das ist wahrer Idealismus.

Pete(gekränkt): Es ist immerhin einen Versuch wert.

Fourré: Aber was wollen wir elf Männekes da schon ausrichten?

Marc: Sicherlich, wir brauchen in Zukunft noch mehr Leute, aber als Stamm sind wir eigentlich ausreichend.

Cosmo: Wenn wir uns bei Robotronics Inc. eine Staffel Arbeitsroboter ausleihen, müßte es klappen.

Pete: Ihr seht alle immer viel zu schwarz!

Senic: Übrigens, Pete, was ich dir zeigen wollte...

Er kramt in seinem nicht mehr ganz blütenweißen Laborkittel nach diversen Folien.

Pete(neugierig): Was?

Senic: Das.

Pete verrenkt sich fast den Kopf, um einen Blick auf die Notizen werfen zu können, die Senic leicht zerknuddelt in der Hand hält.

Pete: Was ist das? -- Och, das sind doch die Unterlagen von unserem alten Phased-Screen!

Senic: Irrtum. Das sind die Unterlagen von meinem neuen Over-Phased-Screen.

Coralee: Und wo liegt der Unterschied?

Senic(erschüttert): Coree! Der OPS ist eine Weiterentwicklung des Phased-Screen!

Coralee(schmollend): Ich habe doch gesagt, daß ich vom Raumschiffbau nicht die leiseste Ahnung habe.

Senic: Schon gut. Der OPS hat jetzt eine weitaus größere Kapazität als der PS.

Valeria: Und der hält dank Petes Verstärker schon einiges!

Marc: Wo steckt die Verbesserung?

Senic: Der Phased-Screen hat sechs Belastungsphasen. Nach der sechsten, also bei 150% Belastung bricht er unweigerlich zusammen. Der OPS dagegen baut eine neue Phasen-Serie auf, die gegenüber energetischen Strahlen unempfindlich ist. Diese Over-Phase wird alleine von der Strahlenergie des Gegners gespeist. Je mehr Energie der in seinen Angriff legt, desto stärker wird also der OPS.

Pete: Aber bei einer derart großen Energieflut fliegen uns doch die Projektoren um die Ohren!

Senic: Nein, das ist ja der Trick. Wenn der OPS umgeschaltet hat, dann arbeiten die Projektoren nur so lange, bis der Schirm in Over-Phase steht. Danach erhält er sich, in dem die auftreffende Strahlenergie umgelenkt wird, und so selbst als Schild wirkt. Dadurch bilden sich immer neue Ablenkfelder, gestaffelt um den eigentlichen Schirm.

Cosmo: Ein Zwiebel-Schirm!

Senic: Autsch...

Pete: Und wenn die Energiemenge zu niedrig wird?

Senic: Dann bricht die Over-Phase zusammen und der PS schaltet in die 4th-Phase zurück.

Pete: Und wo liegt der Haken bei deinem Wunderschirm?

Senic: Ich weiß nicht, ob er auch bei niederfrequenter Strahlung funktioniert. Aber das werde ich demnächst noch prüfen. Naja, und was immer durchgeht, sind Raumtorpedos.

Daniela: Kann dieser OPS auch unseren Doppel-Phasenstrahler abwehren?

Senic: Problemlos. Und Paralyzer auch.

Daniela: Beachtlich. Dann ist das Schirmfeld wirklich gut.

Senic: Sag ich doch!

Valeria: Wie lange wird Corrado noch brauchen?

Fourré: Wenn wir Pech haben, Monate...

Valeria: Schock mich doch nicht so!

Fourré: Weißt du, wie lahmarschig die Behörden sein können?!

Cosmo: Ziemlich...

* * *

Auf Cenvay IV/Vie:

Der blauuniformierte comaan Ordonnanzoffizier Dývo-T'han betritt wieder den Sitzungssaal des Planetenrates und steuert geradewegs auf Admiral Sylvaine zu. Die Vorsitzende blickt ihn fragend an.

Varys: Bitte, Leutnant Dývo-T'han?

Dývo: Admiral...

Er hält ein Bündel Printerfolien mit den neuesten Nachrichten aus dem Partokla-System in der Hand.

Dývo: Admiral -- es ist unglaublich!

Varys(ungeduldig): Was ist 'unglaublich'?

Dývo: Diese Hüter des Friedens! -- Sie haben mit zwei Raumschiffen die gesamte terranische Showdown-Flotte aus dem Partokla-System befördert.

Varys: Wie bitte?!

Der Sprecher für Partokla VII/Elbatro, Lars Cebut, lehnt sich befriedigt zurück.

Lars: Wie mich das freut... Endlich haben diese arroganten Terraner auch einmal eine empfindliche Schlappe hinnehmen müssen!

Varys: Rat Cebut! Ich muß doch sehr bitten!

Insgeheim muß Varys Sylvaine jedoch dem dunkelhaarigen Elbatroner recht geben. Sie wendet sich wieder an die comaan Ordonnanz.

Varys: Leutnant, habt Ihr noch weitere Informationen?

Dývo: Negativ, Admiral Sylvaine. Diese Friedenshüter Cleopatra T'hèr und C'olin haben sich mittlerweile mit ihren Schiffen zurückgezogen.

Varys: Und was ist nun mit der Showdown-Flotte?

Dývo: Die Terraner sollen sich wieder im Sol-System befinden.

Alvar: Hoffentlich bleiben sie dieses Mal, wo sie hingehören!

Damit spielt der EII-Mensch Alvar Deylum auf die terranische Intervention auf seiner Heimatwelt Helios III/Erde-Zwei an.

Tchuma N'guro, der dunkelhäutige Sprecher für Sol III/Terra, blitzt den Vize-Admiral des Rats der Planeten der GU verärgert an.

Tchuma: Unterlaßt gefälligst diese versteckten Beleidigungen, Vice Deylum!

Varys: Ruhe im Saal!

Es beruhigt sich ein wenig.

* * *

Auf Sol III/Terra; Frisco:

Die Freunde haben sich in Petes Wohnung häuslich niedergelassen. Dani und Cosmo haben ihre Sachen aus Miláno geholt, Valeria aus Marséy, Corrado von Antluna, Marc und Senic aus Munic-U, Coralee und Jelli aus Vienna, Fourré aus Moscvá-U, und Thallia ist mittlerweile auch angekommen.

Gerade kehrt Corrado Schillaci vom x-ten Gang zur terrestrischen Baugenehmigungsbehörde zurück. Triumphierend wedelt er mit einem Bündel Folien vor Petes Nase herum.

Corrado: Ha!

Pete: Hä?

Corrado: Geschafft!

Valeria: Hast du die Baugenehmigung?

Corrado: Nach endlosen Verhandlungen! Gee, ihr habt vielleicht ein Glück, daß ich außer der Juristerei auch noch Psychologie und Soziologie studiert habe!

Thallia: Vorsicht. Gleich hebt er ab.

Marc: Dazu müßte er erst mindestens einen halben Zentner abnehmen...

Corrado: Macht mich doch fertig!

Cosmo: Gerne -- Auf ihn!

Corrado(leidend): With friends like these!

Valeria(lachend): Mit solchen Freunden hast du ausgesorgt.

Corrado: Dies glaub ich unbesehn und ungehört.

Valeria: Na gut. Scherz beiseite, Gag komm raus -- Wer kümmert sich jetzt um die Robots, mit denen wir die Basis basteln werden?

Corrado: Wer wohl?! Ich naturalmente! Welche Firma ist die billigste?

Valeria: Die billigste ist einwandfrei Morris' Mechanical Men -- aber die kannst du vergessen. Android Enterprises ist zwar gut, aber viel zu teuer. Ich glaube, am besten kommen wir mit Robotronics Inc. hin.

Cosmo: Das meine ich doch auch immer!

Daniela(belustigt): Nur wegen deiner einsamen Aktie von Robotronics...

Cosmo: Wartet es nur ab! Ich werde noch mal ganz groß einsteigen!

Pete: Wir könnten doch eine Basis Luna-Copernicus-AG gründen...

Valeria: Und wenn dann jemand die Majorität erhält -- Vergiß es!

Pete(grinsend): Okay, war ja nur ne dumme Idee.

Corrado: Ich düse dann -- wo ist das Hauptbüro von Robotronics?

Cosmo: Wir können die Robots doch per Viphon mieten!

Corrado: Ich weiß nicht. Es könnte Leute geben, die sich dafür interessieren, wer so viele Robots braucht. Und vor allem auf Luna. -- Ihr wißt doch, daß die Militärs eifersüchtig über ihr Hoheitsgebiet da oben wachen.

Pete: Okay.

Valeria: Mehr fällt dir wohl nicht mehr ein, hm?

Pete: Ja, Himmel, warum verlangen bloß immer alle Leute geistreiche Kommentare von mir?!

Corrado: Also, ich düse jetzt!

Jelli: Bist du immer noch nicht weg?!

Corrado: Das ist der Dank dafür, daß man sich um alles kümmert.

Pete: Undank ist der Welt Lohn!

Der hellblonde Antlunarier steht bereits auf der Türschwelle, als ihm etwas ausgesprochen Wichtiges einfällt.

Corrado: Maledetto, jetzt wäre ich fast losgegangen, ohne zu wissen wohin -- wo ist nun das Büro von Robotronics?

Cosmo: In Norwich auf der Insel Britain.

Corrado: Ah, danke.

Jetzt verschwindet Corrado endgültig.

Valeria: Wir sollten uns vielleicht doch mal um die Reportagen kümmern.

Pete: Du hast doch gehört, was Senic dazu meinte.

Valeria: Das betraf die Elbatro-Angelegenheit. Wir haben aber noch einiges an anderem Material auf Lager.

Daniela: Ein Versuch kann nichts schaden.

Valeria: Ich suche den Krempel zusammen.

Senic: Wir müssen subtil vorgehen. Am besten lassen wir uns dabei von Corrado helfen.

Valeria: Aber der ist gerade in Richtung Norwich abgedüst.

Daniela: Also warten...

Mit einem Tablett in der Hand betritt Coralee Petes Wohnzimmer. Die karanische Medizinerin ist in einen verwegenen, hautengen schwarzen Overall ohne Ärmel gekleidet.

Coralee: Ich habe euch ein paar Kleinigkeiten gemacht.

Sie stellt den Imbiß auf den niedrigen Tisch vor der Sitzmatratze.

Pete: Ah, super! Das nenne ich Service.

Cosmo: Ts! Eigentlich hättest du als Hausherr dich darum kümmern sollen!

Pete: Ä-hem!

Während die Freunde den Imbiß verspeisen und auf Corrado warten, verbringen sie die Zeit weiterhin mit der Planung der Bauarbeiten auf dem Erdmond.

Jelli: Njebo! -- Wie die Zeit vergeht. Wo bleibt nur Corrado?

Es ist bereits ziemlich spät geworden.

Pete: Was weiß ich?! Ich schlage vor, daß wir schlafen gehen. Corrado übernachtet bestimmt in Norwich...

Allgemeine Zustimmung. Alle ziehen sich in die Gästezimmer zurück.

* * *

Am nächsten Morgen, dem 04:05:2187TZ, versammelt die Truppe sich -- bis auf Corrado Schillaci -- zum Frühstück. Diesmal hat Pete sich aufgerafft, das Essen vom Küchen-Comp anzufordern.

Der Türsummer meldet sich.

Pete: Das wird Corrado sein!

Valeria betätigt die Fernsteuerung der Tür, und der rotgekleidete Antlunarier betritt die Wohnung.

Cosmo: Nun?

Corrado: Am 12:05:2187TZ können wir anfangen. Ab da haben wir unsere Kompanie Robots.

Pete: Gut.

Fourré: Wir sollten uns schon mal auf Luna umsehen.

Valeria: Dann sollten wir uns erst einmal daranmachen, die Gleiter umzurüsten.

Sie macht sich auf den Weg zur Garage.

Valeria: Hey, Pete, kommst du nicht mit?

Pete: Äh, ja, natürlich!

Er sprintet hinter seiner Freundin her. Auch Daniela als Ingenieurin folgt den beiden.

Innerhalb weniger Tage sind die Gleiter raumtauglich gemacht worden. Zum Glück waren die Fahrzeuge ohnehin schon für Stratosphärenflüge geeignet und benötigten lediglich einen Upgrade der Triebwerke und Sauerstofftanks. Sie durften sich nur nicht von der Systempolizei erwischen lassen, da die Umbauten nicht vom RÜV (Raumfahrttechnischer Überwachungsdienst) genehmigt waren.

Valeria: So, das wär's. Übermorgen kommen die Robots, bis dahin sollten wir uns das Baugelände ansehen.

Die elf Freunde verteilen sich auf die drei Gleiter. (Auch Danielas Schweber ist inzwischen umgerüstet worden.)

* * *

Auf Sol III/Terra I/Luna, Krater Copernicus:

Fourré: Ah, das sieht gut aus! Ich schlage vor, daß wir die Gebäude dort am Innenhang des Kraters errichten. Die Fläche erscheint mir als äußerst geeignet.

Die Leute steigen in die Raumanzüge -- bis auf Corrado.

Corrado: Äh, tut mir leid, ich habe meinen Raumanzug vergessen...

Pete(stöhnend): Oh, du Vollchaot! Wenn man zu einem atmosphärelosen Himmelskörper fliegt, dann nimmt man doch einen Raumanzug mit!

Corrado: Ich bin nunmal kein Raumfahrer...

Pete: Das merke ich!

Da die Gleiter normalerweise keine Raumfahrzeuge sind, verfügen sie auch über keinerlei Raumanzüge als Notausrüstung.

Fourré(schulterzuckend): Dann mußt du eben drinnen bleiben...

Pete & Co. steigen aus, während Corrado schmollend zurückbleibt.

Über dem Kraterwall geht die Vollerde auf. Eine Nova-Einheit nimmt Kurs auf die heimatliche Basis Luna-Gassendi.

Cosmo: General Tacey läßt grüßen.

Pete: Gee, auf die Dame kann ich dankend verzichten. 'Bloody Coly' ist mindestens genauso schlimm wie Eiroon.

Daniela: Und dann hat die Lady auch noch die schlagkräftigste Flotte bekommen!

Pete: Es wird Zeit, daß wir unsere Flotte haben.

Cosmo: Richtig!

* * *

Die folgende Zeit vergeht mit angestrengtester Aufbauarbeit, auch wenn die Robots den Großteil der groben Arbeiten übernehmen.

* * *

Man schreibt den 28:05:2187TZ. In Petes Wohnung haben sich Valeria und Corrado unter gewaltigen Folienstapeln vergraben.

Valeria: Was hältst du von der Formulierung: 'Die Regierung erzwang somit die Herausgabe der Verbrecher mit Methoden, die denen dieser nicht nachstanden.'?

Corrado: 'die denen dieser' -- das ist nichts, das muß anders gebracht werden. Hm.

Valeria: Eine Idee?

Corrado: Moment. 'Die Regierung erzwang die Herausgabe'... Oder sollten wir schreiben 'die terranische Regierung'?

Valeria: Hm. Das finde ich nicht so gut. Das geht zu sehr gegen alle Terraner.

Corrado: Stimmt. Also -- 'Die Regierung erzwang somit die Herausgabe der...' Ach, verdammt, ich hänge einfach fest!

Valeria: Vielleicht sollten wir die Passage ganz umformulieren. Viel sachlicher. 'Während die Verbrecher nach galaktischem Recht auf Success V/Home Asyl erbaten, respektierte die Regierung unter...'

Corrado: Moment! Wenn du es so sagst, dann muß es schon die 'terranische Regierung' heißen!

Valeria: Okay. Also noch einmal. -- 'Während also die Verbrecher...'

Corrado: Ohne 'also'.

Valeria: Haha! 'Während die Verbrecher nach galaktischem Recht auf Success V/Home Asyl erbaten, respektierte die terranische Regierung unter Präsident Marco Prescer die Bitte der Regierung von Home nicht, ihnen erst einmal Zeit zu lassen, den Fall zu prüfen, sondern entsandte sofort Truppen, um die Herausgabe der neun Personen zu erzwingen.'

Corrado: Viel zu lang und umständlich formuliert!

Valeria: Au nom du ciel, ich hätte nie gedacht, daß das so anstrengend ist! Ich glaube, wenn wir das geschafft haben, werde ich mich so bald nicht noch einmal als Schriftstellerin versuchen.

Corrado: Reporterin, Val!

Valeria: Na gut. Auch das.

Irgendwann haben die beiden es doch noch vollbracht und ihre Reports über die verschiedensten -- nicht ganz legalen -- Aktionen der Terra-Flotten geschrieben.

Valeria: Puh! Und wer bekommt nun die Stories?

Corrado: Wir schicken die Kopien an alle namhaften Info-Gruppen -- 'Terra-View', 'All-Star', 'Image-Corporation'...

Valeria: Was? An 'Image' auch?!

Corrado: Wenn es ist, wie ich befürchte, werden die 'seriösen' Info-Gruppen sich weigern, unsere Reportagen zu bringen...

Valeria: Glaubst du etwa, daß 'Terra-Trivid' das nicht bringen wird?

Corrado: Hm. Naja, Terra-Trivid dürfte genug Mumm haben... -- Aber zum Beispiel Sol-System-Relation wird sich weigern. Die reden doch immer nur der Regierung nach dem Mund.

Valeria: Aber ausgerechnet Image! -- Du weißt doch "Image ruft selbst Daten aus gelöschten Speichern ab."

Corrado: Naja. Aber dafür wird Image von den meisten Leuten eingeschaltet.

Valeria: Nun gut. Also auch Image.

* * *

Einige Stunden später:

Valeria: Zût alors! Totaler Reinfall. Bis auf 'Image' und 'All-Star' absolute Flaute.

Corrado: Feiglinge!

Valeria: Aber wenigstens zwei Info-Gruppen, die es bringen...

Corrado: Ts! Aber daß 'Terra-Trivid' sich weigert, das hätte ich nicht gedacht!

Valeria: Denkst du, ich?

* * *

Am nächsten Tag, dem 29:05:2187TZ:

Die Info-Gruppe 'Image-Corporation' veröffentlicht den ersten Teil des aktuellen Tatsachenberichts über die Aktionen der terranischen Flottenverbände.

Eine Supernova geht hoch!

Überall werden Proteste laut. Die Regierung bemüht sich, eine weitere Verbreitung der Berichte zu verhindern. Image weigert sich und beruft asich auf die freie Berichterstattung.

Dementis der Regierung erzeugen genau das Gegenteil des gewünschten Effekts. Jetzt entschließt sich auch Terra-View, die Stories zu bringen.

Präsident Prescer tobt. Wie konnte das nur passieren? Wer zum Teufel hatte da nicht dichtgehalten?

General Eiroon ist es ganz klar, daß nur C.T-S'cèr und seine Freunde dahinterstecken können. Auch er ist rechtschaffen wütend.

Auf Cenvay IV/Vie bekommt man mit einiger Verzögerung auch Wind von der Angelegenheit im Sol-System. Admiral Sylvaine ist irritiert. Schann deSistra, die Sprecherin für die Rákhisvala VI/Amyshica, lächelt still vor sich hin, denn als Amyshica-Priesterin hatte sie die Entwicklung schon länger vorausgesehen.

Pete und Co. reiben sich zufrieden die Hände. Mit einem derart durchschlagenden Erfolg hatten sie nicht gerechnet.

Als an den folgenden Tagen auch noch die Berichte über den Blitzkrieg bei Kraz VIII/Don, wo zum Teil auch die Zivilbevölkerung bombardiert wurde, das Eingreifen der Showdown-Flotte bei Tazzre, und jetzt zum Schluß noch der Diakalysium-Skandal veröffentlicht wird, ist für die Regierung der Zug abgefahren. Die Opposition unter der Führung der 2. Terra-Partei fordert den sofortigen Rücktritt Präsident Prescers und baldige Neuwahlen.

Eine kurze Zeit kann Marco Prescer die Rufe der Bevölkerung ignorieren, dann muß er dem Druck der 2.T-P nachgeben und seinen Rücktritt bekanntgeben.

Die Neuwahlen werden für den 13:03:2188TZ angesetzt. In der Zwischenzeit wird von 2.T-P, 3.T-P und TGP eine Übergangsregierung eingesetzt.

* * *

Auf Cenvay IV/Vie:

Am 25:10:2187TZ kehrt die Explorer-Flotte ins Cenvay-System zurück. Kurz darauf beruft Seyna t'Avimer eine Versammlung ein.

Seyna: Ruà, vayráni sávhenyi -- Seid gegrüßt, verehrte Räte. Ich habe Euch zusammenrufen lassen, um Euch über die Erfolge der Explorer-Flotte zu informieren.

Der Planetenrat für Finanzangelegenheiten lauscht besonders interessiert. Seynas Blick streift Konrad Farrol amüsiert.

Seyna: Es wurden drei weitere Diakalysium-Planeten ausfindig gemacht: Kattra VII/Tovaree, Tarécco VII/Xélxe und Daudre VII/Sévant. Wer genauere Daten über diese Planeten haben möchte, kann sie vom Archiv-Computer des Planetenrates abrufen.

Die Wissenschaftsrätin bemerkt mit Belustigung, wie Konrad aufatmet. Durch die Entdeckung der drei Planeten ist das Loch in der Kasse, das der Start der Explorer-Flotte aufgerissen hatte, wieder gestopft worden.

* * *

Auf Sol III/Terra I/Luna:

Am 01:02:2188TZ, an Petes 26. Geburtstag, wird die Basis Luna-Copernicus eingeweiht. Auch das erste Raumschiff der Sol-System-Spezialeinheit, der Schnelle Kreuzer Terra wird heute getauft und in Betrieb genommen.

Mehrere Reporter der führenden Info-Gruppen haben sich auf der Basis eingefunden, um das bahnbrechende Ereignis der Einweihung der ersten privaten Luna-Basis mitzuerleben.

Cariyélla Idúrah, die antlunarische Reporterin der Sol-System-Relation (SSR) überträgt live.

Cariyélla: Guten Abend, meine Damen und Herren, heute melde ich mich live von Sol III/Terra I/Luna aus der Basis Luna-Copernicus, der ersten und bisher einzigen privaten Basis auf dem Erdmond. Ich werde mich bemühen, ein exclusives Interview mit dem Chef der Copernicus-Basis --C.Pete T-S'cèr zu machen.

Die weißhaarige Antlunarierin blickte sich suchend um. Dann erspäht sie Pete.

Cariyélla: C.T-S'cèr! C.T-S'cèr! Kann ich mich einen Augenblick mit Ihnen unterhalten?

Pete: Wenn's denn unbedingt sein muß, Madame--?

Cariyélla: Cariyélla Idúrah von der SSR.

Pete: Gut, Madame Idúrah.

Cariyélla: Wann ist Ihnen das erste Mal die Idee gekommen, eine private Basis auf dem Erdmond zu errichten?

Unauffällig holt Pete tief Luft. Das ist jetzt schon die fünfte Reporterin, der er diese Story erzählen muß.

Pete: Sie haben bestimmt auch die Berichte über den Diakalysium-Skandal gehört?! Während der terranischen Intervention im Partokla-System dachte ich mir, daß es vielleicht ganz sinnvoll wäre, wenn es jemanden gäbe, der den Terra-Flotten ein wenig auf die Finger sähe.

Cariyélla(belustigt): Und dieser jemand sollten Sie sein?

Pete: Kennen Sie einen besseren?!

Der BL-C-Kommandant grinst die Reporterin frech an.

Cariyélla: Ä-hem!

Pete: Würden Sie mich jetzt bitte entschuldigen? -- Mein Typ wird verlangt...

Valeria(belustigt): Mon Dieu, Pete, jetzt bist du eine Berühmtheit geworden!

Pete: Ich weiß nicht, ob ich das übermäßig toll finden soll.

Fourré: Also, ich finde es super, daß ich jetzt bekannt bin.

Valeria: Du bist doch eh ein Publicity-Typ!

Fourré: Nicht wahr?

Er fährt sich etwas affektiert duch seine dunklen Haare. In seinem topmodischen schneeweißen Overall sieht er mehr wie ein Dressman denn ein Architekt aus.

Daniela: Wollt ihr noch etwas zu trinken?

Sie schiebt ein Schwebe-Tablett vor sich her.

Valeria: Hey, Dani, warum läßt du das keinen Robot machen?

Daniela: Weil Marc, dieser Scherzkeks, die Robots umprogrammiert hat.

Valeria: So?

Daniela: Sie tanzen jetzt Ballett.

Valeria: Aha. -- Na, dann gib mal bitte einen Ananas-Saft her!

Daniela: Ecco!

Valeria: Danke.

* * *

Auf Sol III/Terra:

Am 13:03:2188TZ ist die große Neuwahl nach dem Rücktritt der Regierung.

Die 1.Terra-Partei hat einen verheerenden Stimmabfall zu verzeichnen. Das war zu erwarten gewesen. Doch überraschenderweise gehört die absolute Mehrheit nicht der favorisierten 2.Terra-Partei unter Sîfrit Olessen, sondern der Terranischen Galaktischen Partei (TGP) unter Eyrma Yuconda.

Valeria: Na, das habe ich die ganze Zeit gehofft! Endlich haben wir mal eine pazifistische Regierung!

Senic: Das wurde ja auch mal Zeit!

Pete: ...und damit können wir hoffen, daß nunmehr friedlichere Zeitalter im Kommen sind. Und wenn doch noch jemand glaubt, über die Stränge schlagen zu müssen, dann gibt es außer unserer wachsamen Sol-System-Spezialeinheit auch noch diese fabelhaften Hüter des Friedens...!

-- Bye --


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