Die Hüter des Friedens

Cvoa-L'yyn

©1983 by Stayka deyAvemta

Letzte Änderung: 2002/10/06


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Man schreibt den 03:10:2253TZ.

Über Tâmeen, einer kleinen City auf Unaol-t'Vqùo IV/Cyrja-Irvén, steht die riesige, blaßrosafarbene Sichel des einzigen Mondes des Planeten im violetten Himmel. Die Hitze des Tages wird von einer kühlen Brise hinweggeweht, und doch flimmert die Luft über dem metallicgrauen Raumlandefeld Tâmeens immer noch leicht -- eine Folge des Statonetzes, das die heftigen Luftströmungen bei den Landungen größerer Raumschiffe abdämpft. Zur Zeit steht aber nur ein kleiner Kreuzer auf den Parkplanquadraten, denn der späte Nachmittag eines Vérbiqs (dem 12. Wochentag des irvénnischen Kalenders) gilt im allgemeinen als verkehrsschwache bis --lose Zeit.

Eine Adayli-Priester-Adeptin blickt vernichtend auf ihre Monitore im Religiösen Abfertigungsgebäude am Rande des Raumhafens, wo ankommende Besucher von anderen Planeten auf ihre moralisch-religiöse Eignung zum Betreten des geheiligten Bodens von Cyrja-Irvén untersucht werden. Ungeeignete Wesen (zum Beispiel die den Adayli-Priestern zutiefst verhaßten Amyshicy) müssen den Planeten umgehend wieder verlassen. -- So etwas! Wie können es diese Ignoranten von den anderen Welten wagen, die heilige Ruhe eines Vérbiq-Nachmittages zu stören?

Daß die meisten Bewohner der Galaktischen Union noch nie etwas von den Vérbiq-Nachmittagsriten der Adayli-Priester gehört haben, ist nebensächlich. Und auch die Tatsache, daß der Bekanntheitsgrad der Adayli-Priesterschaft außerhalb von Cyrja-Irvén 0.00 Prozent überhaupt kaum übersteigt, gilt ebensowenig als akzeptable Entschuldigung.

All dies beeindruckt Ashyra t'Avimer nicht im Geringsten. Sie gehört zu den Hütern des Friedens, einer Truppe, die in den Vier Galaxien für Frieden, Ordnung, Gerechtigkeit (und was der 'guten' Dinge mehr sind) zu sorgen hat.

(Zu den Vier Galaxien gehören die Milchstraße, die üblicherweise Nehgqù-Xuqù genannt wird, der Andromedanebel alias Gyr-Dao, der Triangulumnebel, den man als Cirenn-S'cirain bezeichnet und NGC7331 im Pegasus alias Gro-Wayth -- weiß der Quasar, warum gerade NGC7331, denn dieser Spiralnebel gehört nicht einmal in die lokale Gruppe.)

Zur Zeit würde man Ashyra aber die 'Friedenshüterin' nicht ganz abnehmen, denn sie brodelt supernovagleich vor Zorn auf einen gewissen Laé Al Tais-Sadir, der anscheinend ganz und gar nicht so viel von ihr hält wie sie von ihm.

Um genau zu sein, hat Laé lediglich ihre Schwärmerei für ihn ausgenutzt, um seinen Frust über die Tatsache abzureagieren, daß seine langjährige Gefährtin Keryam T-S'cèr-Coroun ihn für einen anderen Mann hat fallen gelassen. Insbesondere, wo es sich bei diesem auch noch um Tesco-Avenger L'hèr, den Sohn des Obergangsters Cvoa-L'yyn, handelte.

Ashyra beschließt also, erst einmal ein wenig Dampf abzulassen, indem sie den erstbesten Planeten, der ihr gerade einfällt, unsicher macht.

Wie es der Zufall will, ist dieses Cyrja-Irvén, der vierte der neun Planeten des G4-Sterns Unaol-t'Vqùo, den die Sol III/Terraner auch als Delta Phoenicis bezeichnen. Ashyra allerdings ist beileibe keine Terranerin. Ihr Vater stammt von Accra II/Kara, dem Planeten der Wissenschaft in Nehgqù-Xuqù, während ihre Mutter eine Cyrionca von einer Welt in Cirenn-S'cirain ist. Diese Mischung hat Ashyra zu einer ziemlich hellen Hautfarbe sowie faszinierenden metallicvioletten Augen und ebenso gefärbten, zur Zeit hüftlangen Haaren verholfen.

Sie erbittet Landeerlaubnis für Tâmeen-Spaceport, die sie als Friedenshüterin auch prompt erhält; außerdem entfällt für sie glücklicherweise auch die religiöse Abfertigung. Ashyras Rihkuun (Einsatzbeiboot) Lantáya setzt auf einem Planquadrat neben einem etwa 50m langen, glänzend silbernen Raumer mit goldenen Tragflächen und zinnoberroter Direktsichtscheibe auf: einwandfrei ein Raumschiff der Sol-System-Spezialeinheit -- und zwar nicht ein beliebiges, sondern deren Flaggschiff Terra. Die junge Friedenshüterin kneift die Augen zusammen und wendet sich knapp an Colan, den Bordcomputer ihres Schiffes.

Ashyra: Welche Terra ist das?

Dazu vielleicht noch eine kleine Erklärung. Es gibt drei Kreuzer namens Terra, die äußerlich vollkommen identisch sind.

Ashyra(ärgerlich): Nun Colan -- welche ist es denn jetzt?

Colan: Laß sie mich doch bitte erst einmal untersuchen. -- Du hast vielleicht eine Laune heute, Ashyra.

Ashyra(mit höchst sadistischem Unterton): Ich habe mir gerade eine Methode überlegt, wie ich Laé am besten um die Ecke bringen könnte.

Colan: Das wäre dann die 21. für heute.

Ashyra(eisig): Aber erst ein Bruchteil von dem, was er verdient.

Colan: Huch! Wenn man dich so hört, bekommt man ja richtig Angst!

Ashyra verzieht die z.Zt. violettgeschminkten Lippen verächtlich, und ihr Tonfall könnte zarter besaiteten Gemütern eine ordentliche Gänsehaut verursachen.

Ashyra(süffisant): Als mir Laé letztlich über den Weg lief, habe ich meine Gedanken nicht abgeschirmt. Er ist zwar telepathisch nicht so stark begabt wie ich, aber er hat doch so einiges aufgeschnappt. Ayée, seither bemüht sich der Junge, mir aus dem Weg zu gehen. Ich lasse mich doch nicht einfach so als Ersatz benutzen.

Colan: Was ich durchaus verstehen kann. Was hattest du vor? Ihn partiell zu desintegrieren?

Ashyra: Unter anderem. -- Also?

Colan: Das Schiffchen, welches dort auf dem Nachbarfeld steht, ist die Terra von Cvoa-L'yyn.

Ashyra: Cvoa-L'yyn... Ay, dann werde ich diesem Typen endlich einmal persönlich begegnen. Bau ein Transmit-Feld in die Terra auf. Er ist wieder einmal fällig, würde ich sagen.

Colan(zweifelnd): Glaubst du, daß es sinnvoll wäre, wenn du diesem gefährlichen Verbrecher in deiner augenblicklichen Gemütsverfassung gegenübertrittst?

Ashyra(funkelnd): Warum nicht? Ich bin gerade in der richtigen Stimmung.

Colan: Das ist es ja gerade. Laß ihn in einem Stück! -- Abgesehen davon, bist du überzeugt, daß Cvoa-L'yyn sich im Moment an Bord der Terra befindet? Ich wage das zu bezweifeln, denn sonst hätte er nämlich bestimmt irgendwelche Maßnahmen getroffen, als die Lantáya gelandet ist.

Ashyra: Ay, klingt logisch. Per Telepathie kann ich jedenfalls nichts anpeilen. Aber wer weiß, welche Abwehrschirme Cvoa wieder mal entwickelt hat. Der Typ ist einfach genial, das muß man ihm zugestehen.

Colan: Sonst hätte er die Friedenshüter wohl kaum die ganze Zeit derart in Atem halten können.

Ashyra: Wie lange düst er jetzt eigentlich durch die Vier Galaxien und macht allen das Leben schwer?

Colan: Seit 08:06:2179TZ -- also etwa vierundsiebzig Jahren Terrazeit.

Ashyra: Ganz schön. Und dabei sieht er immer noch aus wie Mitte oder Ende zwanzig nach terranischen Maßstäben.

Colan(dozierend): Cvoa-L'yyns Rasse gehört der laanischen Blutlinie an. Du solltest doch wissen, daß die Laan-Linie die langlebigste der drei großen Blutlinien ist.

Ashyra(genervt): Ich weiß.

Fast alle humanoiden Völker der Vier Galaxien stammen von den drei Alten Völkern von Cyrea, S'selite und Laan ab; nach diesen sind auch die drei großen Blutlinien benannt: 1) die Cyrea-Linie -- rotes (Hämoglobin) Blut; 2) die S'selite-Linie -- grünes (Chlorocruorin) Blut; und 3) die Laan-Linie -- blaues (Hämocyanin) Blut.

Ashyra: Aber wie Keryam von ihrem Gefährten Tesco erfahren hat, ist Cvoa-L'yyns Rasse vor Urzeiten entstanden, als sich zwei Kolonistengruppen -- Laan und Veríní -- vermischten. Was für ein Volk sind eigentlich diese Veríní? Sie scheinen zumindest bewirkt haben, daß das Genmaterial der Syaane mit dem der Karane kompatibel ist, sonst hätte sich Cvoa ja keine Kinder mit T'yla zulegen können.

Colan: Darüber sind mir leider keine Daten verfügbar -- Aber du kannst ihn ja selbst fragen -- ich sehe gerade, daß Cvoa-L'yyn dort auf einem Gleitband ankommt.

Der Comp zoomt das Bild auf der Panoramascheibe heran. Als Cvoa das knallrote Friedenshüter-Raumschiffchen neben seiner Terra stehen sieht, schüttelt er nur leicht fatalistisch den Kopf. Es beunruhigt ihn nicht im Geringsten, daß er offensichtlich wieder einmal von den Hütern des Friedens in sicheren Gewahrsam genommen werden soll, denn im Durchschnitt beträgt die Zeit, die er in Gefängnissen und ähnlichen Örtlichkeiten verbringen muß, nur etwa zwei Tage TZ pro Inhaftierung. Allerdings liegt dies darin begründet, daß die Friedenshüter selbst keine Gefängnisse unterhalten, sondern ihn stets einer Abteilung einer Systempolizei übergeben, weshalb es ihm unentwegt gelingt, sich dem rächenden Arm des Gesetzes ohne größeren Zeitverlust zu entziehen.

Per Bildschirm beobachtet Ashyra, wie der hochgewachsene, blauhäutige Mann mit den schneeweiß leuchtenden Haaren die Arme verschränkt und amüsiert zu ihrem Rihkuun herüberblickt. Wie stets steckt Cvoa in einem metallisch wirkenden, regenbogenschillernden Overall und sieht nachgerade phantastisch gut aus.

Ashyra: Colan, bau bitte ein Transmit-Feld nach draußen auf. Danke und bye, Colan.

Colan: Wie du meinst. Aber ich habe Bedenken. Viel Glück und bye, Ashyra.

Ashyra winkt ab und tritt durch das soeben entstandene, grünlich/goldene Transport-Feld. In Nullzeit befindet sie sich vor dem Schiff, wo sie bereits von Cvoa-L'yyn erwartet wird. Seelenruhig mustert er die junge Frau, die im Augenblick nicht die traditionelle weiß/silberne Kombination der Friedenshüter trägt, sondern einen einfachen, kupferroten Coverall mit dem HdF-Abzeichen. Er hat ein unverschämtes Grinsen im Gesicht und scheint sie mit seinem Blick förmlich auszuziehen.

Ashyra spürt wie sie knallrot wird, dann runzelt sie ärgerlich die Stirn. Was erdreistet sich dieser Kerl? Schließlich siegt aber ihre Neugierde, und fasziniert mustert Ashyra zurück. Cvoa muß knapp über 1,90m groß sein, schätzt sie, und er hat eine schlanke, athletisch wirkende Figur, die von dem engen Coverall auf das vorteilhafteste betont wird. Sie fragt sich, was sie eigentlich an Laé jemals so toll gefunden hat, denn Cvoa schlägt diesen garantiert um Längen. Alleine seine Präsenz ist beeindruckend, wie sie feststellen muß.

Ashyra(zögernd): Hallo...Cvoa!

Cvoa(nonchalant): Ich grüße dich, Ashyra.

Natürlich kennt der Syaane sämtliche seiner Erzgegner zur Genüge, und sei es nur aus dem Trivid. Er guckt sie ein wenig fatalistisch an.

Cvoa: Nun, beabsichtigst du nicht, mich mit einem TRAST-Feld zu fesseln und dann in irgendein garantiert ausbruchssicheres Verlies zu befördern?

In seiner sanften, dunklen Stimme klingt ein Unterton der Belustigung mit.

Ashyra kann den Blick nicht von Cvoas Augen abwenden -- tiefes Blauviolett mit silbernen Sprenkeln. Umwerfend...

Ashyra: Von was für einem Planeten kommst du?

Diese völlig unerwartete Frage bringt selbst Cvoa-L'yyn aus dem Konzept. Er blickt die Friedenshüterin reichlich irritiert an.

Cvoa: Hä? -- Wie bitte?

Ashyra: Wie sieht deine Heimatwelt aus?

Cvoa(entgeistert): Was interessiert dich mein Heimatplanet? Ich dachte, du wolltest mich arrestieren, wie es ja anscheinend die Lieblingsbeschäftigung einiger Friedenshüter ist.

Ashyra: Ich möchte es wissen.

Cvoa-L'yyn zieht die Augenbrauen in die Höhe und sieht Ashyra an.

Cvoa(amüsiert): Ja -- warum eigentlich nicht? Allerdings halte ich das Raumlandefeld nicht gerade für den geeigneten Ort, um sich zu unterhalten -- was hältst du davon, wenn wir uns in eine Disyei setzen?

Die ist eine Mischung aus Café, Hotel und Restaurant auf Cyrja-Irvén. Ashyra neigt zustimmend den Kopf.

Ashyra: Daccù -- einverstanden.

Cvoa deutet auf die Gleitbänder, die in die City Tâmeens führen. Es sind nur vereinzelte Passanten zu sehen; offenbar zelebrieren die meisten hiesigen Irvénni die von ihrer Religion erforderten Riten. Galant hilft er der Friedenshüterin auf die mittlere Spur, was diese mit einem Lächeln quittiert.

Ashyra: Danke, Cvoa. Wohin gehen wir?

Cvoa: Ich war schon häufiger in Tâmeen, daher würde ich die Disyei 'Yédyan' vorschlagen.

Ashyra: Gut.

Cvoa-L'yyn betrachtet sie von der Seite.

Cvoa: Du bist echt-telepathisch begabt, nicht wahr?

Ashyra: Bin ich. Warum?

Cvoa: Du bist von einer Art Aura umgeben. Meine Rasse ist unter anderem in der Lage, PSI-Talente zu erkennen.

Ashyra: Also eine empathische Begabung?

Cvoa: Ja -- und daher bemerke ich auch, daß du unter einer beträchtlichen emotionalen Spannung stehst.

Wieder dieser Unterton der Belustigung. Cvoa deutet auf eine türkisfarbene Markierung, die einen Ausstieg bezeichnet.

Cvoa: Hier müssen wir das Band verlassen.

In Tâmeen erregen Cvoa-L'yyn und Ashyra erhebliches Aufsehen. Einmal, da sie an einem späten Vérbiq-Nachmittag ganz ungeniert durch die Straßen flanieren (man sollte meditieren und dem Alles-Seienden für sein Dasein danken!), und zum anderen, da Cvoas mittelblaue und Ashyras helle Hautfarbe doch ziemlich auffällig auf einem mit zinnoberrothäutigen Humanoiden bewohnten Planeten sind.

Außerdem ist es ja wohl die Höhe, daß eine Friedenshüterin friedlich mit diesem Verbrecher Cvoa-L'yyn durch die Gegend spaziert -- geradezu skandalös, das Ganze, empörend! Da es jedoch Vérbiq-Nachmittag ist, und fast alle Leute auf Cyrja-Irvén frei haben (insbesondere jedoch die Polizei, da diese natürlich aus besonders religionstreuen Individuen besteht), unternimmt niemand auch nur den geringsten Versuch, Cvoa festzusetzen.

In der zum Glück vollrobotischen Disyei setzen sich Ashyra und Cvoa-L'yyn an einen kleinen Tisch und bestellen sich einen Imbiß. Während Ashyra an ihrem Glas nippt, fragt sie sich, ob es an Cvoas empathischer Begabung liegen kann, daß er ihr so ...vertraut erscheint. Ihm geht es offensichtlich ähnlich.

Ashyra: Warum mußt du eigentlich alles in den Vier Galaxien bekämpfen?

Cvoa: Hm? -- Karmasha, Ashyra, deine Gedankensprünge bringen mich ganz durcheinander!

Er ist sich jedoch nicht sicher, ob es nur Ashyras Gedankensprünge sind, die ihn so irritieren. Seine empathischen Talente übermitteln ihm nämlich höchst widersprüchliche Informationen von Seiten der jungen Friedenshüterin.

Cvoa: Warum ich gegen die Vier Galaxien vorgehe? Ihr vertretet das varys-Prinzip! Der Galaxienbund, dem ich angehöre, steht für das tescia-Prinzip. Du weißt doch, daß die beiden Prinzipien diametral entgegengesetzt sind -- für mich ist tescia das 'Gute' und varys das 'Böse', während es bei dir genau umgekehrt ist. Um iqùnah, das Gleichgewicht zu wahren, müssen sich die beiden Prinzipien bekämpfen.

Ashyra stützt den Kopf auf den Händen auf, und ihre langen, silberviolettschimmernden Haare fallen nach vorne. Sie wirft sie nach hinten und lehnt sich zurück.

Ashyra: Mein Hobby ist Prinzip-Philosophie. Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, daß es nicht stimmen kann, daß sich die Prinzipien iqùnah-halber zu bekämpfen haben. Also, es gibt zwei Prinzipien varys und tescia.

Cvoa: Richtig. Sie sind diametral entgegengesetzt, wobei die ethische Bewertung vom Standpunkt des Betrachters abhängig ist.

Ashyra: Ay. Iqùnah, das Gleichgewicht, ist den Prinzipien übergeordnet. Um es zu erhalten, muß das Gleichgewicht zwischen varys und tescia gewahrt bleiben. Und wo steht da, daß sich varys und tescia bekämpfen müssen?

Cvoa: Aber es war euer Bund der Vier Galaxien, der die Vereinigung Tressila damals angegriffen hatte, um unser Galaxienreich zum varys-Prinzip zu bekehren. -- Und ich wurde losgeschickt, um in der heutigen Zeit Informationen darüber zu sammeln, wie eine weitere Aktion der Vier Galaxien gegen uns von vorneherein verhindert werden könnte. Es ist daher nur logisch, wenn ich alles unternehme, um die Vier Galaxien so weit zu schwächen, wie es mir möglich ist, um eine neuerliche Gefahr für die Vereinigung Tressila bereits im Keim zu ersticken.

Ashyra: Cvoa, hast du dir schon einmal überlegt, was mit einem Vertreter eines der Prinzipien geschieht, der sich in einer Umgebung befindet, die nur das andere Prinzip repräsentiert?

Cvoa: Nein.

Unvermittelt kommt ihm mit einem Male seine eigene Situation zu Bewußtsein und er fühlt sich unendlich einsam in diesem fremden, varysian Sternensystem, das durch einen Abgrund von über zwei Megaparsec von seiner heimatlichen Galaxie Ssi-Srilna getrennt ist.

Auch Ashyra spürt Cvoas plötzliche, melancholische Stimmung; sie weiß aber nicht, wie sie darauf reagieren soll. Sie beschließt, einfach weiterzuerzählen.

Ashyra: Daccù -- nun, ein Tesciato in einer varysian Umgebung oder ein Varysiano in einer tescian Umgebung hat nur zwei Möglichkeiten. Entweder er paßt sich dem anderen Prinzip an, oder er stellt sich absolut gegen es, wie du es getan hast -- leider getan hast...

Cvoa(amüsiert): Wieso 'leider', Ashyra?

Ashyra: Es heißt zwar, daß varys und tescia einander ausschließen, aber derjenige, der sich absolut gegen eines der beiden Prinzinien stellt, wird zu einer Gefahr für beide, denn sie sind komplementär -- nur durch beide zusammen kann das Gleichgewicht gewahrt bleiben. In jedem Varysiano steckt ein tescian Anteil, wie auch in jedem Tesciato ein Teil varys vorhanden ist. Der Tesciato in varysian Umfeld unterdrückt nun den varys-Teil in sich, um nicht in Versuchung zu kommen, sich der varysian Umgebung anzupassen. Da aber jedes der Prinzipien unweigerlich auf das andere reagieren muß, bemüht sich nun die 'normale' Umgebung den Fremdkörper zu eliminieren. In diese Situation bist du hineingeschlittert, Cvoa.

Der blauhäutige Mann blickt sie nachdenklich an. Eigentlich hat er Ashyra eine spöttische Entgegnung auf die kosmische Moralpredigt geben wollen, aber irgendwie scheint sie unbeabsichtigt auf eine tiefere Wahrheit gestoßen zu sein.

Cvoa: Und was würdest du nun vorschlagen, Ashyra?

Ashyra guckt Cvoa-L'yyn ein wenig perplex an. Mit einer solchen Erwiderung hatte sie wirklich nicht gerechnet. Überhaupt scheint Cvoa nicht ganz ihren Erwartungen zu entsprechen.

Ashyra(sanft): Sei du, wie du wärst, wenn du dich nicht hier befändest.

Cvoa(verwundert): Meinst du, ich wäre 'sonst' anders?

Ashyra: Doch, das glaube ich. Zum Beispiel jetzt -- jetzt bist im Gleichgewicht.

Cvoa stützt das Kinn auf die Hände und blickt in weite Fernen.

Cvoa(nachdenklich): Vielleicht hast du recht.

Ashyra betrachtet Cvoa-L'yyns ebenmäßige Gesichtszüge und stellt fest, daß a) sein Mund ein Ideechen zu breit ist und b) dieser melancholische Blick ihn geradezu atemberaubend attraktiv macht.

Ein plötzlicher Impuls veranlaßt Cvoa, ihre Hände in die seinen zu nehmen.

Sehnsüchtig denkt er an seinen Heimatplaneten Syaana: Wenn in der Frühnacht der regenbogenfarben leuchtende Ring den dunkelvioletten Himmel teilt und sich in den silbrigen Seen spiegelt... oder am Tag die riesige, blauweiße Sonne Delha das Laub der Sternenbäume wie Gold erstrahlen läßt... Wenn in den Kristallbergen das Wasser die opalisierenden Hänge hinabströmt...

Unterbewußt nimmt er wahr, daß Ashyra seine Gedanken teilt. Dieser kurze telempathische Kontakt hat eine tiefere Verbindung zwischen ihnen geschaffen, als es stundenlange Gespräche erreicht hätten.

Cvoa: Ich werde nach Syaana zurückkehren. Ich war lange genug hier und habe irgendwann einmal mein Ziel aus den Augen verloren.

Er schließt die Augen und beschwört andere Bilder seiner Heimat hervor. Ashyra läßt sich von der Magie des Kontaktes einfangen. Irgendwie kann die junge Friedenshüterin es nicht so recht fassen, daß dieser Mann der erwiesenermaßen gefährlichste und skrupelloseste Verbrecher in den Vier Galaxien sein soll.

Schließlich zieht sie sanft aber bestimmt ihre Hände zurück und unterbricht die Verbindung, da sie fürchtet, sich zu sehr in Cvoas Gedankenwelt zu verlieren. Ashyra ist fasziniert von der Tiefe und Farbigkeit seiner Emotionen und fragt sich, wie es ihm gelingen kann, die ganze Zeit seine unnahbare, nonchalante Maske aufrecht zu erhalten.

Da sie nicht so recht weiß, was sie nun tun oder sagen soll, bestellt sie sich aus Verlegenheit noch ein Getränk, als ein leiser Gong ertönt.

Ashyra: Was ist? -- Sperrstunde?

Cvoa wirft einen Blick nach draußen und zuckt leicht amüsiert mit den Schultern. Prompt wirkt er wieder so sicher und unverwundbar wie eh und je.

Cvoa: Es scheint mir, als ob wir bis morgen hier festsitzen. Die Transportbänder sind abgestellt worden -- es ist Vérbiq-Abend.

Ashyra: So? Das macht nichts -- ich kann problemlos ein Transmit-Feld zum Raumhafen anfordern.

Der Syaane wirft ihr einen belustigt-bedauernden Blick zu.

Cvoa: Das ist schade. Ich hätte zu gerne die Nacht hier mit dir verbracht.

Ashyra(verblüfft): Bist du immer so direkt?

Sie wird wieder knallrot, als sie seine ziemlich eineindeutigen Gedanken wahrnimmt, die er offenbar absichtlich nicht abschirmt.

Cvoa: Abgesehen davon, daß du mir wirklich gefällst, muß ich doch meinem Image gerecht bleiben -- Nun?

Er lächelt sie herausfordernd an. Ashyra hält seinem Blick stand und schürzt amüsiert die Lippen. Der Gedanke ist reizvoll, befindet sie nach erneuter ausgiebiger Musterung Cvoa-L'yyns, und sein unabgeschirmter Gedankenstrom wirkt auch auf sie erregend.

Ashyra: Direkte Frage -- direkte Antwort: Warum nicht?

Im selben Augenblick fragt sie sich, was, bei allen Göttern, in sie gefahren ist. Sie ist doch sonst nicht so leicht herumzukriegen! Wie in Trance folgt sie Cvoa, der über die Bestelleinheit des Tisches eine kleine Suite direkt in der Disyei geordert hat.

* * *

Als sie am nächsten Morgen aufwacht, Cvoas Arm um ihre Taille geschlungen, entscheidet Ashyra sich, noch nicht aufzustehen, sondern lieber ein wenig länger die Situation zu genießen und nachzudenken. Cvoa-L'yyn schläft noch, wie sie an den bunten Traumfetzen erkennt, die sie telepathisch von ihm auffängt.

Was soll sie nun tun? Sie kann immer noch nicht verstehen, wie es Cvoa gelingen konnte, sie derart zu berühren. Sie war einige Male mit Laé zusammengewesen, doch mit ihm hatte sie nicht solch ein Verständnis geteilt. Laés Gedanken hatten grell gestrahlt, wie Sonnenstrahlen über einer Wüste -- Cvoa dagegen fühlt sich an wie Mondlicht über einem klaren Teich. Ashyra vermutet, daß es mit den unterschiedlichen PSI-Begabungen der beiden Männer zusammenhängt. Laé ist ein Telepath und gewohnt, fokussiert zu projizieren, während Cvoa als Empath eine sogenannte passive PSI-Fähigkeit sein eigen nennt. Letzterer ist ihr entschieden lieber. Abgesehen davon hatte Laé sie eh nur ausgenutzt.

Behutsam dreht sie sich um und schmiegt sich an Cvoa. Die Bewegung weckt ihn, und er lächelt sie an, während er mit einer Hand sanft über ihren Rücken streicht.

Cvoa: Wälzt du schwerwiegende Gedanken?

Ashyra errötet. Offenbar hat er zumindest einen Teil ihrer Überlegungen mitbekommen, da sie so entspannt ist, daß sie ganz vergessen hat, sich richtig abzuschirmen. Abgesehen davon ist es durch den engen körperlichen Kontakt ohnehin ziemlich schwierig, ihre Schilde dicht genug zu schließen.

Ashyra: So ähnlich. Ich wünschte, du würdest nicht in deine Heimatgalaxie zurückkehren.

Cvoa: Hier würde ich doch nur weiter gejagt werden, gefangen, nur um dann wieder zu fliehen... Ich möchte endlich nach Hause zurück.

Sein Blick ruht eigentümlich verloren und zärtlich auf Ashyra.

Cvoa: Möchtest du mit mir kommen?

Ashyra sieht Cvoa-L'yyn fassungslos an. Sie zögert. Und doch -- es erscheint ihr verlockend.

Ashyra: Cvoa... Ich weiß nicht...

Cvoa(sanft): Du brauchst nichts zu überstürzen, Ashyra. Ich habe hier noch einige Dinge zu erledigen.

Er stützt sich auf einem Ellenbogen auf und streicht ihr zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

Cvoa: Ich war schon so lange nicht mehr mit einer Frau zusammen, die ihre Gefühle mit meinen verbinden kann. Es ist so frustrierend, wenn man versucht, sein Glück zu teilen, dabei aber nur ins Leere greift.

Sie lächelt ihn an und küßt ihn als Antwort.

Ashyra: Wenn du mich für einen Augenblick entschuldigst, damit ich kurz mal verschwinden kann, dann können wir gleich da weitermachen, wo wir zuletzt aufgehört haben.

Cvoa(belustigt): Was immer du willst, Ashyra.

Er sieht ihr nach, wie sie ins Bad geht, ehe er sich entspannt zurücklegt und die Augen schließt. Das ist es, was er die ganze Zeit immer vermißt hat, endlich eine Frau, die nicht mental taubstumm ist, wie die meisten hier. Und hübsch, intelligent und anschmiegsam ist sie auch. Ein Lächeln stiehlt sich auf seine Lippen.

Als Ashyra zurückkehrt und Cvoa so da liegen sieht, bleibt sie fasziniert stehen und betrachtet ihn hingebungsvoll. Seine Hautfarbe wirkt ziemlich unwirklich, und der Kontrast zu seinen Haaren sieht mehr als exotisch aus. Sie tritt lautlos zu ihm hin und fährt die Konturen seiner Lippen nach. Cvoa schlägt seine tiefvioletten Augen auf, in denen silberne Funken zu tanzen scheinen und lächelt sie an, ehe er sie sanft zu sich herabzieht.

Ashyra: Mh, weißt du was, Cvoa -- ich könnte mich glatt in dich verlieben.

Cvoa: Du vergißt, daß ich der Empathie mächtig bin.

Ashyra(seufzend): Das ist unfair! Wo ich mir nicht einmal selbst klar darüber bin, was ich fühle.

Cvoa: Ach!

Er lacht und streichelt sie ausgiebig. Ashyra schnurrt wie ein Kätzchen und kuschelt sich an ihn.

Ashyra: Und du weißt genau, was ich mag und was nicht.

Cvoa: Natürlich. Was meinst du, wie ich zu meinem Ruf gekommen bin?

Ashyra: Du nutzt deine PSI-Begabung schamlos aus!

Cvoa: Exakt. Ich weise aber darauf hin, daß du keine Probleme hättest, mich abzuwehren.

Ashyra: Theoretisch.

Sie läßt sich lieber noch etwas von ihm verwöhnen.

Cvoa: Ich sehe schon, du bist genauso genußsüchtig wie ich.

Ashyra: Du bist ganz anders, als ich dich mir vorgestellt hätte.

Cvoa: Und das wäre?

Ashyra: Naja, jedenfalls nicht so.

Cvoa(amüsiert): Vermutlich gefällt dir die Tatsache, daß ich zumindest eine echte Schwäche habe -- ich liebe hübsche Mädchen.

Ashyra: Mir wäre es lieber, wenn du alleine mich lieben würdest.

Cvoa: Das kann ich dir nicht versprechen.

Ashyra: Zumindest bist du ehrlich. Habe ich denn wenigstens eine Chance, dich alleine für mich zu erobern?

Cvoa: Du hast auf jeden Fall eine größere Chance als jede andere Frau, die ich in letzter Zeit getroffen habe.

Ashyra: Na, das ist doch einmal ein Wort!

Cvoa: Das heißt, du wirst mit mir nach Ssi-Srilna gehen?

Ashyra: Ich glaube nicht -- wenn du mir mehr Sicherheiten bieten würdest... Ich gehöre nun einmal hierhin, meine ganzen Freunde und Verwandten leben hier. In der anderen Galaxie hätte ich niemanden außer dir, und auch dich hätte ich nicht sicher.

Cvoa: Das ist wahr.

Ashyra: Was uns aber nicht davon abhalten sollte, uns noch ein wenig aneinander zu erfreuen...

Auch Cvoa hält dies für eine gute Idee, und sie verbringen noch geraume Zeit auf ihrem Lager, nur unterbrochen von ein, zwei kurzen Mahlzeiten.

* * *

Irgendwann am späten Nachmittag des 04:10:2253TZ...

Ashyra: Ich glaube, ich sollte langsam zu meinem Rihkuun zurückkehren. Colan -- der Computer des Schiffs -- macht sich bestimmt schon Sorgen.

Cvoa: Das finde ich schade.

Er räkelt sich genüßlich, ehe er ihr noch ein paar Streicheleinheiten verabreicht.

Ashyra: Du bist unfair! Ich habe eh schon genug Probleme, dir zu widerstehen, und dann machst du es mir noch absichtlich schwer.

Cvoa(belustigt): Das tut mir furchtbar leid.

Ashyra: Das höre ich.

Nichtsdestotrotz rafft sie sich nun auf und sucht ihre Sachen zusammen. Sie braucht ihre ganze Willenskraft, um nicht wieder zu ihm ins Bett zu steigen.

Cvoa: Wo und wann sehen wir uns wieder?

Ashyra: Du bist dir ja sehr sicher.

Cvoa(grinsend): Solange du vergißt, deine Emotionen abzuschirmen...

Ashyra greift nach einem Kissen und wirft es Cvoa an den Kopf. Wenn er nur nicht so furchtbar von sich überzeugt wäre! Er befreit sich davon und sieht sie mit schiefgelegtem Kopf an.

Cvoa: Also -- wo und wann?

Ashyra: Wann und wo immer du willst...

Cvoa: Wie wär's mit hier und jetzt?

Sein Blick wandert genüßlich über ihre Formen.

Ashyra: Oh nein, ich muß mich erst einmal ein bißchen erholen!

Cvoa(den Gekränkten spielend): Von mir?

Ashyra: Liegt hier noch jemand auf jenem Bett herum?

Cvoa: Leider nicht mehr... -- Na gut, was hältst du von morgen? Oder spätestens übermorgen?

Ashyra: Übermorgen. Der heutige Tag ist ja schon bald herum, und ich habe noch allerlei zu erledigen.

Cvoa: Nun gut. Wo -- komm mit deinem Schiff hier ins Unaol-t'Vqùo-System. Ich werde mich bei dir melden. In 47 Riòli VZ dann. A-tás, Ashyra!

Die junge Friedenshüterin beugt sich zu ihm herab und küßt ihn noch einmal.

Ashyra: Bis dann.

Sie läßt sich ein Transmit-Feld zum Rihkuun erstellen.

* * *

Colan: Ashyra! Wo hast du so lange gesteckt?

Ashyra: Ich bin in einer Disyei hängengeblieben. Hier war so ein komischer Feiertag, und die haben alle Transportbänder und so abgestellt.

Colan: Du hättest ein Transmit-Feld anfordern können.

Ashyra: Mir war nicht danach.

Colan: Cvoa-L'yyn hat dich hypnotisiert oder sonstwie beeinflußt, nicht wahr?

Ashyra: Welchen Grund hätte er dafür haben sollen?

Colan: Er wollte dich bestimmt entführen.

Ashyra: Ich bin hier, oder? Sieht das nach einer Entführung aus?

Colan: Es gibt auch posthypnotische Beeinflussungen.

Ashyra: Mein lieber Rihkuun-Bordcomp, darf ich dich auf eine ziemlich schwerwiegende Tatsache hinweisen? Ich bin ausgebildete PSI-Technikerin mit den Fachgebieten Telepathie, Telekinese und Suggestion/Hypnose! Wenn hier jemand der Gefahr einer hypnotischen Beeinflussung ausgesetzt gewesen wäre, dann Cvoa-L'yyn.

Colan: Und warum hast du ihn dann nicht arrestiert und mitgebracht?

Ashyra: Weil ich mich mit ihm unterhalten habe.

Colan: Du weißt, daß du das nicht solltest.

Ashyra(angriffslustig): Und warum nicht?

Colan: Cvoa-L'yyn ist tescian. Er gehört zu dem Galaxienreich, das einen erbitterten Krieg gegen die Vier Galaxien geführt hatte. Er spioniert uns aus, um Schwächen zu finden, die seine Leute nutzen können, um uns zu vernichten.

Ashyra: Wer sagt das?

Colan: Das ist allgemein bekannt.

Ashyra seufzt. Als sie sich vor kurzem mit Tesco-Avenger L'hèr über dieses Thema unterhalten hatte, hatte dieser ihr eine etwas andere Geschichte erzählt. Allerdings lehnte er es ab, sich auf eine Diskussion mit den anderen Friedenshütern oder den Hauptcomputern einzulassen. Er meinte, sie wären alle voreingenommen und würden ihm ohnehin nicht glauben. Offensichtlich lag er mit dieser Einschätzung völlig richtig, wie Ashyra nun zugeben muß.

Ashyra: Colan, weißt du, wo sich Keryam gerade aufhält?

Colan: Auf Sna-Tgyhl in ihrem Bungalow.

Ashyra: Danke. -- mecon; Ashyra an Keryam: Bitte kommen!

Keryam: Hallo Ashyra! Du hast Glück, ich bin gerade aufgestanden.

Ashyra: Oh, ist es so früh bei dir? Entschuldige. Hast du eventuell ein bißchen Zeit für mich? Ich muß unbedingt mit dir reden.

Keryam: Sicher. Wenn du mir eine halbe Stunde läßt, damit ich mich anziehen und frühstücken kann.

Ashyra: Gegen ein Frühstück hätte ich auch nichts einzuwenden.

Keryam: Okay, dann komm!

Ashyra: Danke und bye, Keryam.

Keryam: Bye, Ashyra.

Ashyra weist Colan an, ins Viresta-System nach Sna-Tgyhl zu springen, während sie sich in einem der Sessel zurücklehnt und über Cvoa-L'yyn nachdenkt, seine unerwartete Zärtlichkeit und das Teilen seiner Gedanken.

* * *

Durch ein Transmit-Feld tritt sie in das Wohnzimmer von Keryams Bungalow, der am Ufer des Nordkontinents von Sna-Tgyhl liegt. Ashyra sieht durch das Panorama-Fenster, das die ganze Rückwand des Zimmers einnimmt, nach draußen. Der Himmel ist bewölkt und haushohe, goldene Wellen schlagen gegen den SETA-Kombi-Schild, der das Haus und den umliegenden Garten vor den Naturgewalten schützt.

Keryam kommt aus dem Bad. Sie bürstet ihre momentan bis zur Taille reichenden, leuchtend dunkelroten Haare.

Keryam: Oh, hallo Ashree, schon da?

Ashyra: Wie du siehst... Guten Morgen.

Keryam: Tess kommt vielleicht nachher noch vorbei, er spielt mit Shyl im Schnee in den gläsernen Bergen. Er ist ein chronischer Frühaufsteher.

Ashyra: Wie macht sich denn dein Töchterchen?

Keryam: Hm. Wenn ich das so genau wüßte... Shayla ist...anders. Sie sieht zwar meist aus wie ein Kind ihres Alters, aber die Amyshicy hatten recht, als sie sagten, sie hätte einen eigenen Platz im Universum. Shayla kann sich verwandeln, eine andere Gestalt annehmen, Dinge verändern... Es ist regelrecht unheimlich.

Ashyra: Du erzähltest, daß Shayla eines der universalen Prinzipien werden soll.

Keryam: Die Hohe Rätin der Amyshica sagte, sie wäre die Verkörperung des Vierten Prinzips, SHAVAL, 'die Sucherin'. Ich kann nicht sagen, daß ich darüber sonderlich begeistert wäre. Kerryth ist bei Laé, Shayla etwas anderes -- ich hätte gerne irgendwann mal ein ganz normales Kind, für das ich sorgen und das ich erziehen könnte.

Ashyra: Heißt es nicht, daß Syaane und Humanoide der Cyrea-Linie sich fortpflanzen können?

Keryam(lächelnd): Erstaunlicherweise ja, allerdings mit einiger Nachhilfe in Sachen Gentechnologie. Aber andererseits bin ich momentan so glücklich mit Tess, daß ich ihn nicht mit noch einem Kind teilen will. Naja, noch nicht.

Ashyra: Hast du eigentlich Cvoa-L'yyn einmal kennengelernt?

Keryam: Ja, vor etwa sechs Wochen TZ. Tess mußte mich doch unbedingt seinem Vater vorstellen, wie es sich gehörte, fand er. Warum fragst du?

Ashyra: Wie war dein Eindruck von ihm?

Keryam: Nun... Ich habe nicht so sehr auf ihn geachtet, muß ich zugeben. Soweit ganz nett.

Das ist zwar nicht die ganze Wahrheit, aber Keryam ist immer noch ziemlich perplex ob einer Tatsache, die Cvoa-L'yyn ihr damals bezüglich ihrer Mutter eröffnet hat.

Keryam: Was hast du mit Cvoa-L'yyn zu schaffen?

Ashyra: Ich habe ihn gestern getroffen.

Keryam: Und?

Ashyra: Kerry, erinnerst du dich an unser Gespräch, als du nicht wußtest, was du tun solltest?

Keryam(stirnrunzelnd): Sicher. Warum?

Ashyra: Naja, ich glaube, ich bin furchtbar in Cvoa verknallt.

Keryam: Und? Weiß er schon von seinem Glück?

Ashyra: Er hat mich gefragt, ob ich ihn in seine Heimatgalaxie begleiten will.

Keryam guckt sie entgeistert an.

Keryam: Er hat was?

Ashyra: Naja, ich soll mit ihm nach Ssi-Srilna gehen.

Keryam: Und?

Ashyra: Ich weiß nicht. Ssi-Srilna ist so weit weg, und meine Freunde und Verwandten leben alle hier in den Vier Galaxien. Du lebst hier.

Keryam: Ich glaube, Tesco würde umkippen, wenn er die News hören würde.

Ashyra: Vermutlich. Wenn ich nur wüßte, was ich tun soll... Es ist verlockend, aber andererseits habe ich Angst.

Keryam(bedauernd): Ich kann dir leider nicht raten. -- Ich erinnere mich an die Frage, die du mir stelltest: Weißt du, welchen Preis du zu zahlen bereit bist, damit sich deine Wünsche erfüllen? Ich denke, das trifft heute auf dich genauso zu wie damals auf mich.

Ashyra: Es wäre viel einfacher, wenn ich klar denken könnte. Aber alles, was mir in den Sinn kommt, ist Cvoa, und diese wundervolle Nacht, die wir miteinander verbracht haben...

Ashyra schließt die Augen, und es ist ihr, als ob sie immer noch seine Zärtlichkeiten spürt. Sie atmet tief ein, um den Bann abzuschütteln.

Keryam(belustigt): Du hast wohl nicht viel Zeit verloren, hm?

Ashyra: Naja, es hat sich halt so ergeben.

Keryam(ironisch): Ich würde sagen, das ist eine sehr sichere Basis für ein längerdauerndes Verhältnis.

Ashyra: Mach dich bitte nicht über mich lustig! Du vergißt, daß ich Telepathin bin. Du wärst sicherlich erstaunt, daß Cvoa ganz anders ist, als gemeinhin angenommen wird.

Das hat Keryam auch schon mitbekommen, als sie ihn getroffen hat.

Keryam: Mag sein. Und was gedenkst du nun zu tun?

Ashyra: Wenn ich das wüßte. Colan ist jedenfalls nicht davon angetan, daß ich Cvoa nicht verhaftet habe, wie es sich gehört hätte.

Keryam: Genau wie Coat in Sachen Tesco.

Ashyra: Es ist frustrierend, finde ich.

Nun erscheint ein grünlich/goldenes Transmit-Feld, und Tesco tritt mit Shayla Varys auf dem Arm hindurch. Die beiden sind in dicke Kleidungstücke gehüllt, und Shyl hält noch einen golden schimmernden Schneeball in der Hand.

Tesco hat ebenso strahlend weiße Haare und mittelblaue Haut wie sein Vater, während das anderthalb Jahre alte Mädchen eher wie ein Ebenbild Keryams wirkt, bis auf die Tatsache, daß das Rot von Shaylas Haaren einen stark metallischen Schimmer aufweist.

Tesco: Hallo, dhévha! Endlich wach?

Keryam: Ich arbeite noch daran...

Er setzt Shayla auf der Couch ab und küßt Keryam erst einmal zur Begrüßung, ehe er Ashyra zuwinkt.

Tesco: Oh, hallo Ashyra... Entschuldigt mich kurz, ich muß nur eben Shyl aus den nassen Sachen pflücken.

Tesco bringt Shayla in deren Zimmer und versorgt sie. Keryam sieht ihm liebevoll hinterher.

Ashyra(nachdenklich): Tesco scheint seinem Vater ziemlich ähnlich zu sein.

Keryam: Inwiefern?

Ashyra: Ich spüre seine Gefühle. -- Er hat vergessen, sich abzuschirmen.

Keryam: Zu Hause denkt Tess nicht unbedingt daran. -- Ashree, ich sollte dich daran erinnern, daß du weder mich noch Shyl scannen solltest. Auch nicht versehentlich.

Ashyra: Äh, Kerry, das brauchst du nicht.

Ashyra denkt mit Grausen daran, was ihr ein unbewußtes Tasten nach Keryams Gedanken eingebracht hatte, kurz nachdem diese von der Amyshica zurückgekehrt war: eine telepathische Rückkopplung, die sie für gut eine Woche in die Medostation geschickt hatte.

Keryam hatte ihr dann erklärt, woran es lag: Telepathie und Telekinese gehören zu den sogenannten 'aktiven PSI-Fähigkeiten', die sich nicht mit den Talenten der Amyshicy vertragen.

Schließlich kommt Tesco ins Wohnzimmer. Er trägt nun einen metallisch schimmernden Freizeitanzug, und Ashyra fragt sich, ob es eine Eigenschaft der syaanischen Rasse ist, daß die Herren dort so unverschämt gut aussehen, oder ob es 'nur' in der Familie liegt. Auf jeden Fall ist Tesco etwa genauso groß wie sein Vater und hat eine ähnliche Statur. Nur seine Frisur ist etwas kürzer, und seine Gesichtszüge wirken ein wenig jungenhafter.

Tesco: Ich glaube, Shyl hat sich in ihr Schicksal ergeben und schläft erst einmal ein Weilchen. --- Gibt es eigentlich etwas zu Essen? Die ganze Herumtoberei mit der Kleinen hat mich doch ziemlich hungrig gemacht.

Keryam: Sicher. Ich habe alles in der Küche aufgebaut.

Tesco: Du bist meine Rettung!

Er reicht ihr eine Hand und zieht sie in die Höhe.

Die drei wandern in die Küche und setzen sich an den von Keryam reich gedeckten Tisch.

Tesco: Und was führt dich hierhin, Ashyra?

Ashyra: Halte dich fest -- dein Vater.

Tesco(erstaunt): Cvoa?!

Ashyra: Genau der.

Tesco: Was ist mit ihm?

Keryam(kichernd): Wer weiß, vielleicht wird Ashyra demnächst deine Stiefmutter werden.

Tesco guckt reichlich verdutzt. Ashyra ist fünf Jahre jünger als er.

Ashyra(leicht genervt): Keryam!

Tesco(ungläubig): Du hast dich in meinen Vater verguckt?

Ashyra: Ich bin immer noch dabei, mir darüber klar zu werden! Insbesondere, da Cvoa mich gefragt hat, ob ich ihn nach Syaana begleiten möchte.

Tesco(verwundert): Das hat er getan?! Das klingt irgendwie nicht nach Dad.

Ashyra: Das hat er getan. Und er meinte es sogar ernst.

Tesco(nachdenklich): Hm, stimmt, du bist Telepathin. Du solltest so etwas beurteilen können.

Keryam schüttet allen terranischen Kaffee ein. Sogar Tesco hat sich mittlerweile an das bittere Gebräu gewöhnt, obwohl er immer noch jederzeit einen heißen Rij-Sian vorziehen würde, die comaan Variante des terranischen Kakaos. Er lächelt seine Lebensgefährtin an, und Ashyra merkt, wie sie ein wenig neidisch auf die beiden wird. Dann wieder denkt sie an Cvoa und fragt sich, ob sie das Wagnis eingehen soll. Alles in ihr brennt darauf, so bald wie möglich in seine Arme zurückzukehren.

Keryam(kichernd): Heavens, ich muß gerade daran denken, was wohl Laé sagen wird. Erst gebe ich ihm wegen Tess den Laufpaß, und nun wirst du ihn wegen Cvoa los.

Ashyra: Vorausgesetzt, ich entscheide mich tatsächlich für Cvoa.

Tesco(belustigt): Was hast du an meinem Vater auszusetzen?

Ashyra: Hm, eigentlich nur, daß er mir nicht garantieren will, daß er auf Dauer mit mir zusammen bleibt.

Keryam: Ayée, die Garantie hast du niemals!

Ashyra: Aber es ist ein größeres Problem, wenn man sich dann alleine in einer fremden Galaxie befindet.

Tesco: Zugegeben. Hm. Überrede ihn doch einfach dazu, dir einen Cuween-Raumer zu besorgen. Dann kannst du jederzeit zurückkehren.

Ashyra: Das wäre eine Idee.

Sie seufzt.

Ashyra: Ich glaube, ich muß noch etwas länger darüber nachdenken.

Sie ertappt sich dabei, daß sie ihre Entscheidung eigentlich schon gefällt hat, dann zwingt sie sich, noch einmal alle anderen Optionen Revue passieren zu lassen. Viele sind es nicht, die ihr zusagen.

Keryam: Das würde ich dir auch vorschlagen. Du bist doch sonst nicht so hoppla-hopp!

Ashyra: Ich weiß auch nicht...

Tesco: Mein Vater hat dir wohl schwer den Kopf verdreht, hm?

Ashyra(tragisch): Das hatte ich doch schon erwähnt, oder?

Keryam: Hm. Ich glaube, du solltest abwägen, worüber du dich mehr ärgern würdest. Wenn du ihn wiedertriffst -- oder wenn nicht...

Ashyra: Daß ich ihn wiedertreffen will, ist kein Thema -- nur ob ich seinen Vorschlag annehmen soll, mit ihm nach Ssi-Srilna zu gehen...

Tesco: Cvoa hat mir Holos von Syaana gezeigt. Die Welt muß wunderschön sein. Ich wünschte, ich könnte sie einmal besuchen.

Ashyra: Ich habe sie in seinem Geist gesehen.

Gedankenversunken tunkt sie ein Croissant in eine Honig-Nuß-Mixtur und beißt ein Stück davon ab.

Keryam: Und was gedenkst du als nächstes zu unternehmen?

Ashyra: Cvoa erwartet mich übermorgen um 15:00 Uhr Terra-Standard-Zeit im Unaol-t'Vqùo-System.

Keryam: Du solltest am besten nicht dein Rihkuun nehmen.

Ashyra: Warum das nicht?

Keryam: Weil ich befürchte, daß Colan Ärger machen könnte.

Ashyra: Ich bin immerhin die Kommandantin, und der Bordcomputer hat mir zu gehorchen!

Keryam: Nicht wenn er der Ansicht ist, du wirst beeinflußt oder handelst gegen die Interessen der Friedenshüter.

Ashyra: Das ist mir ja ganz neu!

Keryam: Das glaube ich. Nach der Geschichte mit T'yla -- du weißt, es gab ja einen ziemlichen Ärger, als die Mehrheit der Friedenshüter beschloß, ihr falsche Erinnerungen zu geben und sie 'umzuprogrammieren' -- also, als ich von dieser Sache erfuhr, habe ich mich damit beschäftigt, was wir eigentlich dürfen, und auch, welche Rechte die Hauptcomputer und ihre Ableger haben. Das Ergebnis dieser Recherche hat mich ziemlich schockiert. Nebenbei, ich habe in diesem Haus keinen Ableger von Cosna oder einem der anderen Hauptcomputer. Ich habe Cosna davon überzeugt, daß ich meine Privatsphäre brauche, sonst würde ich irgendwohin auswandern. Soweit ich weiß, haben die Hauptcomputer das bislang respektiert.

Ashyra: Ist das nicht ein bißchen paranoid?

Keryam: Nun, ich mag es halt nicht, wenn ich permanent unter Überwachung bin. Insbesondere da Tesco mit mir zusammenlebt, und er keine Lust hat, dauernd von den Hauptcomputern bespitzelt zu werden. Ich ja habe zudem immer noch meinen mecon-Sender, der es mir ermöglicht, Befehle an die diversen Computer zu erteilen, so daß ich nicht ganz ohne den Komfort von z.B. Transmit-Feldern auskommen muß. Naja, sicherheitshalber hat Tesco hier ein paar Gerätschaften untergebracht, die es vermelden würden, wenn irgendwer herumschnüffelt.

Sie zerzaust liebevoll Tescos leuchtend weißes Haar, bis er ihre Hand einfängt und ihre Fingerspitzen küßt. Diese Geste erinnert Ashyra sofort wieder an Cvoa-L'yyn, aber sie bemüht sich sogleich, sich wieder zusammenzureißen.

Ashyra: Gut, gut, aber worauf willst du nun eigentlich hinaus, Kerry?

Keryam: Naja, solange du brav all das tust, was die Hauptcomputer von dir verlangen, ist es ja in Ordnung. Zum Glück decken sich die meisten Aufträge auch mit den Dingen, die man selbst als sinnvoll erachtet, wie zum Beispiel hier eine Umweltkatastrophe auf einem Planeten verhindern, da einen Krieg schlichten etc. Und außerdem gibt es meist ein anderes Team, das eine Sache übernehmen würde, wenn man selbst aus irgendwelchen Gründen keine Lust dazu hätte.

Ashyra: Ich sehe deinen Punkt immer noch nicht.

Keryam: Naja, aber dann war da zum Beispiel die Sache mit T'yla... Weißt du, wer den Vorschlag gemacht hat, sie umzuprogrammieren? Coen, also einer der Hauptcomputer! Und anfangs war die Mehrheit der Friedenshüter dagegen. Aber aus irgendwelchen mysteriösen Gründen änderten immer mehr ihre Meinung, bis die Operation dann durchgeführt wurde. Ich habe Ginger gefragt, warum sie es getan hat. Sie meinte nur, der Computer ihres Trägerschiffs hätte sie von der Richtigkeit dieses Vorhabens überzeugt.

Ashyra: Das klingt mir aber nach einer ziemlich wilden Verschwörungstheorie.

Keryam: Coat hat zum Beispiel permanent versucht, Tesco und mich auseinanderzubringen.

Ashyra: Und? Er hat doch keinen Erfolg gehabt.

Tesco: Zum Glück!

Er strahlt seine Gefährtin an.

Keryam: Er hat gegen meinen ausdrücklichen Befehl vertrauliche Informationen an Laé weitergegeben.

Ashyra: Hm. Das ist auf jeden Fall befremdlich.

Keryam: Naja, was ich dir nur raten will -- sei vorsichtig, Ashree!

Ashyra: Ich werde mich bemühen. Naja, dann will ich Euch zwei Turteltäubchen mal nicht weiter stören.

Sie trinkt ihren Kaffee aus und erhebt sich.

Ashyra: Danke für das Frühstück.

Keryam: Gern geschehen.

Ashyra fordert per mecon ein Transmit-Feld an und springt in ihr Rihkuun. Am liebsten würde sie sofort ins Unaol-t'Vqùo-System zurückfliegen.

* * *

Colan: Das war ja ein Kurzbesuch -- was habt ihr denn Weltbewegendes unternommen?

Ashyra: Gefrühstückt. Ich muß mir unbedingt mal die Rezeptur ihrer Honig-Nuß-Creme geben lassen.

Colan: Und sonst?

Ashyra: Nichts weiter.

Colan: Was hast du jetzt vor?

Ashyra: Ich möchte erst einmal nach Hause.

Das ist zwar eine glatte Lüge, denkt sie in einem Anflug von Selbstironie, aber sie will zumindest versuchen, sich etwas zu beherrschen.

Die Lantáya springt also nach Accra II/Kara, wo Ashyra am Rande der Metropole Antrea-Máryn ein kleines Appartement ihr eigen nennt.

* * *

Ashyra verbringt den 05:10:2253TZ erst einmal dort und beschließt, vorsichtshalber mal ein paar Sachen für ein, zwei Wochen zusammenzupacken, die sie in eine ziemlich große Reisetasche stopfen muß, während sie unentwegt an Cvoa-L'yyn denkt. Sie kann es gar nicht erwarten, ihn wiederzusehen.

* * *

Als sie am 06:10:2253TZ gegen 14:00 Uhr mit der Lantáya ins Unaol-t'Vqùo-System springt, hat sie ganz vergessen, daß sie sich eigentlich ein anderes Schiff mieten wollte.

Colan: Ashyra, was willst du wieder hier?

Ashyra: Ich will ein bißchen Urlaub machen.

Colan: Alleine?

Ashyra: Du bist neugierig!

Colan: Sicherlich. Ich habe den Auftrag, neugierig zu sein.

Ashyra(lachend): Das ist nicht mein Problem.

Ashyra läßt ihr Rihkuun die Wartezeit in einem Orbit um den Gasriesen Unaol-t'Vqùo IX/Neeva-Evand verbringen. Dessen 10 Monde sind nicht im mindestens von Interesse, wie Colan gelangweilt bemerkt.

Schließlich erreicht Ashyra ein Funkspruch ohne analysierbare Bild-- und Toninformationen von einer nicht anpeilbaren Quelle.

Cvoa: Ich erwarte dich am selben Ort wie zuvor.

Colan: Wer war das?

Ashyra: Eine überaus nette Person, die ich kürzlich kennengelernt habe.

Sie beschließt, Keryams impliziten Ratschlag zu beherzigen, Colan nicht alles zu erzählen. Es ist zu dumm, dass die Computer mit einem Scan der Körperfunktionen Lügen bequem durchschauen können.

Colan(mißtrauisch): Es handelt sich dabei nicht zufällig um Cvoa-L'yyn?!

Ashyra: Ich habe dir die Person noch nicht vorgestellt.

Colan: Und wie heißt die Person?

Ashyra: Laß dich überraschen.

Sie fordert ein Transmit-Feld an, das sie auf das Landefeld vor dem Rihkuun befördert. Die Terra steht momentan nicht hier; vermutlich hat Cvoa sie sicherheitshalber irgendwo versteckt. Ashyra klettert auf eins der Transportbänder und läßt sich in die Stadt tragen. Ihr Herz schlägt ihr bis zum Hals, und sie fühlt sich, als hätte sie eine ganze Flotte Raumschiffe im Bauch, die Formationsflug üben.

In der Disyei wird sie bereits von Cvoa erwartet. Er hält ihr die Hände entgegen, und sie ergreift diese, nachdem sie ihre Reisetasche losgelassen hat. Das Gepäckstück schwebt unbeachtet herum.

Cvoa: Ich grüße dich, meine verehrte Ashyra t'Avimer!

Die verbale Begrüßung ist völlig überflüssig, denkt Ashyra, die sich von einem Schwall sanfter, sie willkommen heißender Gedanken eingehüllt fühlt.

Ashyra: Cvoa.

Sie lächelt ihn an und beschließt ihrerseits, ihre Gedanken für sich sprechen zu lassen. Ein ganzer Sturm von Gefühlen brandet über ihn hinweg - Verlangen, Unsicherheit, Begehren...

Cvoa mustert sie amüsiert. Er hat offenbar einen tieferen Eindruck hinterlassen als er angenommen hatte. Diese Tatsache gefällt ihm ungemein.

Cvoa: Hast du es dir überlegt?

Ashyra: Nach Ssi-Srilna mitzukommen? Nein. Ich habe mich mit Keryam T-S'cèr-Coroun und deinem Sohn unterhalten.

Cvoa(belustigt): ...und deren Meinungen über mich eingeholt?

Ashyra(augenzwinkernd): Sicherlich. Die beiden haben nur das Schlimmste über dich erzählt.

Cvoa: Und ich hatte schon befürchtet, daß mein Ruf nun endgültig dahin ist.

Ashyra kann sich ein Kichern nicht verkneifen und schüttelt den Kopf.

Cvoa: So, und was für Pläne hast du nun geschmiedet?

Ashyra(seufzend): Wenn ich das nur wüßte!

Sie nimmt Cvoas rechte Hand und legt sie an ihre Wange, was er mit einem Lächeln quittiert.

Ashyra(nachdenklich): Hm. Ich glaube, momentan will ich erst einmal dich. Mit Haut und Haaren und dem ganzen Rest.

Ashyra errötet und verwünscht sich insgeheim. Was ist nur in sie gefahren? Irgendwie kann sie offenbar nur an das eine denken, sobald Cvoa in Reichweite ist.

Cvoa(grinsend): Bist du immer so direkt?

Sie reißt sich zusammen und beschließt, die Flucht nach vorne zu wagen.

Ashyra: Ich habe mir gedacht, es geschieht dir nur recht, wenn ich gleiches mit gleichem vergelte.

Sie öffnet ihre Gedankenschilde und läßt ihn wissen, was sie momentan alles gerne mit ihm unternehmen würde.

Ashyra: Später können wir über irgendwelche Pläne meditieren.

Cvoa hebt belustigt eine Augenbraue. Dafür, daß sie so jung ist, hat Ashyra eine ganze Menge Phantasie. Zugegeben, es ist nichts neues für ihn dabei, aber es verspricht, dennoch ein exquisiter Genuß zu werden.

Cvoa: Du bist überaus überzeugend...

Er erhebt sich und reicht Ashyra galant einen Arm, wobei er gleich noch ihre Tasche einfängt.

Cvoa(amüsiert): Laßt mich Euch entführen, meine schöne Dame. -- Ihr scheint Euch ja auf solch ein Unterfangen vorbereitet zu haben.

Ashyra: Sicher.

Sie schmiegt sich an ihn und fragt sich, ob Colan nicht vielleicht doch recht hat und Cvoa sie auf irgendeine Art mit seinen PSI-Kräften beeinflußt. Cvoa-L'yyn spürt dieses über den telempathischen Link und schaut sie kopfschüttelnd an.

Cvoa: Das habe ich nicht nötig. Und außerdem bist du auch nicht ganz unschuldig.

Ashyra(tadelnd): Na, na... Ein echter Kavalier genießt und schweigt.

Cvoa sieht sie erst sprachlos an, dann lacht er und küßt sie. Er hat sich schon lange nicht mehr so glücklich gefühlt wie jetzt, jedenfalls nicht, seit er T'yla verloren hat.

Es ist wirklich an der Zeit, daß er nach Hause, nach Syaana, zurückkehrt, überlegt er. Und wenn es nach ihm ginge, dann würde er Ashyra mitnehmen.

Ashyra: Wohin gehen wir?

Cvoa: Ich habe einen Mietgleiter in der Garage dieser Disyei stehen. Wir können mit diesem zu meinem Schiff fliegen und uns zunächst an einen ruhigen Ort zurückziehen. Ich fürchte, hier bin ich nicht mehr lange sicher.

Ashyra: Ah, du willst mich also nun doch entführen...

Sie lächelt ihn an.

Ashyra: Solange wir dann ein Weilchen unsere Ruhe haben, komme ich gerne mit.

Cvoa: Gut. Ich hasse es nämlich, von irgendwelchen Hütern des Gesetzes bei gewissen Tätigkeiten gestört zu werden.

Er geleitet sie zu seinem Gleiter, und sie fliegen in eine gebirgige Gegend, wo er die Terra versteckt hat.

Cvoa(seufzend): Karmasha, ich bin dieses dauernde Flüchten und Verstecken langsam wirklich leid.

Ashyra lehnt sich an ihn.

Ashyra: Ich weiß.

Sie steigen in die Terra um, und Cvoa schickt den Gleiter zur Taxi-Zentrale zurück, ehe er von Cyrja-Irvén startet.

Er bleibt im Ortungsschatten des Planeten, damit Ashyras Rihkuun ihn nicht anpeilen kann, ehe er das Schiff in den Plus-x-Raum wechseln läßt.

Ashyra: Wohin fliegst du?

Cvoa: Nach Dissilùvo IX/Blaccóllo in Aralanka-Coveen. Dahin konnten mir die Friedenshüter bislang nicht folgen.

Ashyra: Hm. Ich frage mich, ob mein mecon-Sender bis dorthin erreicht werden kann.

Cvoa: Vermutlich nicht. Immerhin liegt Aralanka-Coveen hinter einer Fur'ra, also ist einem Schwarzen Loch mit Durchgangspunkt.

Ashyra: Prima, dann bin ich mal ausnahmsweise eine Zeitlang vor Anrufen sicher. -- Wie weit ist es denn noch dorthin?

Cvoa: Nicht weit.

Ashyra steht aus dem Co-Pilotensitz auf und geht zu Cvoa-L'yyn herüber. Seine Nähe ist ungemein erregend.

Ashyra: Das finde ich gut.

Sie setzt sich auf die Armlehne des Sessels und fängt an, Cvoas Frisur zu zerpflücken, wobei sie ihm einige anregende Gedanken übermittelt.

Cvoa: Nana, einen Moment noch Geduld!

Ashyra: Hey, du bist doch daran schuld, daß ich dir nicht widerstehen kann.

Cvoa: Das ist wieder typisch. Immer bin ich an allem Schuld.

Ashyra: Immerhin stylst du dich doch bestimmt absichtlich so, daß du derart umwerfend aussiehst.

Cvoa: Bestimmt nicht. Für so etwas wäre ich viel zu faul.

Ashyra mustert ihn kritisch.

Ashyra: Und warum hast du dann dunkelblaue Wimpern, obwohl du eigentlich weiße Haare hast? Ich meine, schließlich sind deine Augenbrauen auch weiß.

Cvoa (schulterzuckend): Hm. Frag den genetischen Bauplan der syaanischen Rasse. Es ist halt so.

Ashyra: Hm. Auf jeden Fall wirkt es sehr attraktiv.

Sie betrachtet ihn ausgiebig und findet erneut, daß er definitiv einer der bestaussehendsten Männer ist, die sie bislang gesehen hat, trotz der mittelblauen Hautfarbe.

* * *

Bald darauf erreichen sie den Bereich des Schwarzen Lochs Fur'ra Aralanka. Die gewaltige Akkretionsscheibe leuchtet in allen Farben des Spektrums.

Ashyra: Und da sollen wir wirklich durch?

Cvoa: Genau. Aber keine Panik, das Schiff hat einen Fur'raán-Antrieb.

Ashyra: Ich bin wirklich gespannt, wie es 'dahinter' aussieht.

Cvoa: Ich fürchte, du wirst enttäuscht sein. Nicht anders als hier, wenn man von den anderen Konstellationen absieht.

Ashyra: Also nicht wie das Negativ-Universum?

Cvoa: Nein. Wir befinden uns schließlich nur in einem Paralleluniversum zu diesem hier.

Ashyra: Und was ist das für ein Planet, zu dem wir fliegen?

Cvoa: Blaccóllo ist der neunte Planet eines blauweißen Riesensterns. Als solcher ist er relativ jung und geologisch aktiv. Ich habe ihn lediglich aufgrund seiner Position zur Fur'ra Aralanka ausgewählt.

Ashyra: Das klingt nicht nach einer sonderlich wirtlichen Welt.

Cvoa: Ich wohne ja nicht auf Blaccóllo, sondern in etwa zwei Kilometern Höhe darüber.

Ashyra: Klingt faszinierend, solange dir nicht die Energie ausgeht.

Cvoa(grinsend): Mir geht die Energie nicht so schnell aus.

Er zieht sie von der Lehne auf seinen Schoß und küßt sie. Ashyra kuschelt sich in seine Arme.

Ashyra: Ay, hier fühle ich mich wohl, hier bleibe ich.

Cvoa: Hm. Dann mußt du mit nach Syaana kommen.

Ashyra: Mach es mir doch nicht noch schwerer, einen klaren Gedanken fassen!

Cvoa-L'yyn streichelt sie ausgiebig, wobei er den Konstrukteuren der Terra für den Autopiloten des Schiffs dankt. Als Empath genießt er Ashyras Reaktionen darauf fast so sehr wie sie selbst.

Das Andockmanöver an die 'Wolkenvilla' muß er jedoch persönlich übernehmen, weshalb sich Ashyra sehr zu seinem Bedauern auf den Co-Pilotensitz verdrückt.

Ashyra: Wohnst du eigentlich alleine hier?

Cvoa: Seit meine Tochter beschlossen hat, nach Pas-Come auszuwandern und Tesco mit Keryam zusammenlebt, ja.

Ashyra: Ah, dann sind wir ja gänzlich ungestört.

Cvoa(amüsiert): Stimmt. Beunruhigt dich das?

Ashyra(trocken): Ich hoffe, meine Kondition reicht aus...

Cvoa-L'yyn sieht sie an und prustet los.

Cvoa: Karmasha, du bist unglaublich!

Ashyra: Eher praktisch veranlagt.

Cvoa(kopfschüttelnd): Ich fasse es nicht. -- Nun gut, wenn du schon so praktisch veranlagt bist, was hältst du davon, zunächst etwas zu essen?

Ashyra: Oh ja, aber nur eine Kleinigkeit.

Cvoa: Gut. Dann folge mir in mein bescheidenes Domizil.

Ashyra erhebt sich und angelt ihre Tasche aus einer Ecke. Als sie den Hangar betreten, sieht sie sich fasziniert um. Das Hangartor ist aus einem durchsichtigen Material, ebenso wie der Boden.

Man sieht etwa zwei Kilometer tiefer die kraterübersäte, braunrote Oberfläche eines Vulkanplaneten. Der Himmel ist orangegelb mit gelbgrünen Dunstschwaden, und eine flammende weißblaue Sonne lünkert hin und wieder zwischen glühenden Wolken hervor.

Ashyra: Das sieht ja gewaltig aus!

Cvoa: Finde ich auch.

Nach einer angemessenen Betrachtungszeit führt er sie zum Axial-Lift, einem Antigravschacht, der längs durch die Station (ein Haus ist es ja im Sinne der Definition nicht ganz) reicht.

Ashyra: Wo geht es jetzt hin?

Cvoa: Zunächst zur Küche, dachte ich. Ich wollte doch etwas zu essen machen. Danach kann ich dir in Ruhe die Station zeigen. Und die Räumlichkeiten, in denen du so lange wohnen kannst, wie du dich hier aufhalten möchtest, sofern du meiner Gegenwart einmal überdrüssig sein solltest, was ich aber irgendwie zu bezweifeln wage.

Ashyra gluckst auf. Cvoas Ego ist wirklich kaum zu überbieten. Allerdings hegt sie die Befürchtung, dass er nicht ganz unrecht hat.

Die Küche ist ein großer, heller Raum mit integriertem Eßbereich.

Cvoa: Setz dich, Ashyra. Was soll ich dir ordern?

Er geht zum Nahrungsmittelsynthetisizer und gibt schon mal rasch für sich einen Code ein.

Ashyra: Einen Fruchtsaft und ein bißchen Obst. Irgendwelches.

Prompt kehrt er mit zwei Tabletts zurück und setzt sie auf dem Tisch ab. Ashyra lächelt ihn an.

Ashyra: Danke.

Sie knabbert an einer gelben, birnenförmigen Frucht und kann den Blick nicht von Cvoa-L'yyn abwenden. Es ist ihr völlig schleierhaft wie es ihr geschehen konnte, daß sie sich in so kurzer Zeit derart in ihn verlieben konnte. Und das gerade, wo er beschlossen hat, in seine Heimatgalaxie zurückzukehren. Seufz, das ist irgendwie unfair, überlegt sie, aber sie will versuchen, das beste daraus zu machen.

Cvoa spachtelt derweil seine Mahlzeit in sich herein. Schließlich nippt er an seinem Getränk und sieht Ashyra über den Rand des Glases an.

Cvoa: Und was sollen wir jetzt unternehmen?

Ashyra betrachtet ihn ausgiebig, während er noch einen Schluck trinkt.

Ashyra: Wie wäre es mit ein, zwei Runden wildem, leidenschaftlichen Sex?

Cvoa verschluckt sich beinahe.

Cvoa: Karmasha! Wenn deine Eltern jemals versucht haben, dich zu einem anständigen, zurückhaltenden Mädchen zu erziehen, müssen sie ihr Ansinnen als gescheitert betrachten.

Ashyra prustet los, als sie Cvoas entgeisterten Gesichtsausdruck betrachtet.

Ashyra: Du bist süß, und ich will dich. Und abgesehen davon bin ich immer noch eine Telepathin und weiß nur zu genau, was du willst.

Cvoa(belustigt): Ich fürchte, ich muß mich wohl in mein Schicksal ergeben.

Er ruft ein paar Robots, die die Küche wieder aufräumen sollen, ehe er sich dezent mit Ashyra zurückzieht.

* * *

Man schreibt den 20:10:2253TZ, etwa 09:35 Uhr.

Gemäß dem Motto 'den Glücklichen schlägt keine Stunde' haben sich Cvoa-L'yyn und Ashyra in keinster Weise um Kalender oder Uhr gekümmert, bis der Bordcomputer der Station einen dezenten Hinweis fallen läßt, daß am nächsten Tag immerhin Cvoas Sohn Tesco Geburtstag hat.

Cvoa-L'yyn setzt sich auf seiner Liegestatt auf und blickt leicht bis mittelschwer geschafft aus der Wäsche. Sein schneeweißer Schopf ist rettungslos zerstrubbelt, und Ashyra, die von unten zu ihm hochpeilt, findet ihn wie immer umwerfend süß.

Cvoa(gähnend): Ich habe keine Lust aufzustehen.

Ashyra kichert und räkelt sich verführerisch. Sehr zu Ihrer Genugtuung ist sie ebenso erfolgreich darin, Cvoa zu verführen wie es ihm mit ihr gelingt.

Ashyra: Dann bleib liegen. Ich erhebe jedenfalls keine Einwände.

Cvoa: Auf der anderen Seite habe ich seit zwei Wochen nichts Richtiges mehr unternommen. Es wird Zeit, daß ich mich mal wieder aufraffe.

Ashyra: Soso, das verstehst du also unter 'nichts Richtiges'?!

Cvoa: Wenn du Bett-Akrobatik und mein sonstiges Pensum an sportlicher Betätigung als ausreichend erachtest?

Auch wenn er sich noch so gerne mit Ashyra beschäftigt, eine gewisse Zeit hat er immer für seine körperliche Ertüchtigung eingeplant. Seine schlanke, durchtrainierte Figur kommt schließlich nicht vom Faulenzen. Ashyra hat sich dabei auf einige leichtere Übungen eingelassen, und ihm ansonsten interessiert zugesehen. Cvoa nur in silbernen Sportshorts beim Training wirkt überaus anregend.

Cvoa: Ich habe noch allerlei angefangene Dinge in meiner Werkstatt, die der Beendigung harren. Und außerdem wollte ich ein paar Meßsonden ausschicken, um festzustellen, ob es hier irgendwo eine Fur'ra gibt, die nach Ssi-Srilna führt.

Ashyra(seufzend): Ich war so glücklich, und jetzt redest du schon wieder davon wegzugehen.

Cvoa: Mein Angebot steht. Komm mit nach Ssi-Srilna.

Ashyra: Wie lange dauert eigentlich der Flug von Nehgqù-Xuqù dorthin?

Cvoa: Es sind knapp zwei Megaparsec. Mit der umgebauten Terra heißt das nicht ganz vier Tage Flugzeit.

Ashyra: Hm. Du hast mich schon fast überzeugt. Vier Tage sind schließlich nicht die Welt. Ein Vhaaki-Raumer würde fast drei Monate für die Entfernung brauchen!

Cvoa: Das freut mich zu hören.

Ashyra: Was -- daß ein Vhaaki-Raumer drei Monate dafür braucht?

Cvoa: Das auch.

Da Ashyra es nicht unterlassen kann, ihn ausgiebig zu streicheln, läßt er sich zurück in die Kissen sinken und zieht sie erneut in seine Arme, um sich abermals hingebungsvoll mit ihr zu beschäftigen. Eine Weile später betrachtet er sie bedauernd.

Cvoa: Ich sollte wirklich langsam aufstehen.

Ashyra: Was hindert dich daran?

Cvoa: Hm. In erster Linie du.

Ashyra guckt ihn entrüstet an.

Ashyra(kopfschüttelnd): Ich weise darauf hin, daß du im Augenblick oben liegst.

Cvoa: Womit du nicht ganz unrecht hast.

Er küßt sie noch einmal, rafft sich aber dann doch auf und sucht seine Klamotten zusammen, ehe er sich ins Bad zurückzieht. Ashyra sieht ihm hinterher, ehe sie es ihm gleich tut.

* * *

Etwa eine Stunde und diverse Plantschereien später:

Cvoa: Frühstück?

Ashyra: Gerne.

Sie wandern also zur Abwechslung mal wieder gen Küche, wo sie sich auf allerlei Köstlichkeiten stürzen.

Ashyra: Und was hast du also nun vor?

Cvoa: Tesco hatte doch eine Nachricht hinterlassen, daß er eine Geburtstagsfeier in einem Hotel in Keara-Lerát auf Accra II/Kara geplant hat. Ich dachte, ich sollte dort vorbeischauen, und ich gehe doch wohl recht in der Annahme, daß du mich begleiten wirst?

Ashyra: Auf jeden Fall. Schon alleine, um ein wenig mit Keryam zu plaudern.

Cvoa: Das freut mich. -- So, ich muß gleich einmal nachsehen, wo ich das Geschenk für Tesco gelassen hatte. Ich glaube, irgendwo in der Werkstatt.

Ashyra: Wie alt wird er eigentlich?

Cvoa: Tesco? Vierundzwanzig.

Ashyra: Irgendwie ist es doch ein wenig komisch, daß dein Sohn älter ist als ich.

Cvoa: Stört dich das? -- Mich jedenfalls nicht.

Ashyra(trocken): Stimmt, du bist definitiv gut genug erhalten.

Der Kommentar bringt Cvoa-L'yyn zum Lachen, und er ergreift ihre Hände, um ihre Fingerspitzen zu küssen.

Ashyra: Was für ein Geschenk hast du denn für Tesco?

Cvoa: Eine K'hár-yala. Das ist eine syaanische Wasserharfe.

Ashyra: Hm. Kenne ich nicht.

Cvoa: Dann komm mit.

Er erhebt sich und führt Ashyra in eine Art Lagerraum.

Cvoa: Ich habe das Instrument aus Ssi-Srilna mitgebracht, aber schon eine Ewigkeit nicht mehr drauf gespielt. Ich fürchte, ich habe es so ziemlich verlernt.

Aus einem Schrank gräbt er einen Kasten hervor, dem er ein eigenwilliges Instrument entnimmt. Es besteht aus vierundsechzig Röhrchen, unter denen in verschiedenen Abständen Plättchen aus unterschiedlichen Materialien angebracht sind. Das Ganze ist mit einer Klaviatur versehen, die elektronisch die Ventile unten an den Röhrchen betätigt.

Cvoa: Da ich die K'hár-yala eingemottet habe, ist natürlich zur Zeit kein Wasser mehr drin.

Ashyra: Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie so etwas klingen soll.

Cvoa: Bitte mich lieber nicht, dir momentan etwas vorzuspielen. Da müßte ich erst einmal wieder ein paar Wochen bis Monate üben. Aber ich habe irgendwo bestimmt noch ein paar Musikkristalle.

Ashyra: Das wäre auch eine Idee.

Er packt das Instrument wieder weg, und sie gehen in das Wohnzimmer der Station. Ein riesiges Fenster gibt den Blick auf die Urgewalten des Planeten Blaccóllo frei.

Cvoa tritt an ein Regal und durchforstet die diversen Musikkristalle, die er im Laufe der Zeit angesammelt hat.

Cvoa: Éthá!

Er legt den Kristall in das Abspielgerät, und der Raum wird von ätherischen Klängen erfüllt. Ashyra drapiert sich auf eine der monumentalen, bequemen Sitzgelegenheiten und lauscht fasziniert.

Ashyra: Das klingt wie Meditationsmusik.

Cvoa(lächelnd): Das ist Meditationsmusik. "Stimmen der Meere" von Atvira-D'haan. Das war vor gut 100 Terra-Jahren auf Syaana absolut in.

Ashyra: Äh, Cvoa, darf ich dir mal eine indiskrete Frage stellen? Wie alt bist du eigentlich?

Cvoa: Sagen wir mal so -- umgerechnet bin ich am 13:11:2114TZ geboren.

Ashyra guckt ihn ziemlich entgeistert an.

Ashyra(ungläubig): 138 Jahre TZ?

Cvoa(amüsiert): Du bist offenbar der Grundrechenarten mächtig. Da aber die durchschnittliche Lebenserwartung meiner Rasse bei gut 900 Jahren TZ liegt, kannst du dir ausrechnen, daß ich noch gut im Rennen liege.

Ashyra: Äh, ja, sieht so aus.

Cvoa läßt sich neben ihr nieder und legt einen Arm um sie.

Cvoa: Wenn du nichts dagegen hast, sollten wir morgen ziemlich früh nach karanischer Ortszeit dort sein. Ich habe keine Lust, einigen übereifrigen Friedenshütern in die Hände zu fallen.

Ashyra: Ein weiser Entschluß.

Cvoa: Ich habe eine Station auf Accra V/Véléna eingerichtet, wo ich noch einige unauffällige Raumgleiter stehen habe. Die Terra ist ein wenig zu bekannt. Aber hübsch...

Ashyra: Kein Wunder, daß du immer entwischt bist.

Sie kuschelt sich an ihn und lauscht den Klängen von Atvira-D'haans K'hár-yala-Musik.

Ashyra: Nebenbei, wir könnten auch sofort losfliegen. Ich habe auf Kara in Antrea-Máryn ein kleines Appartement, wo ich unter anderem auch den Rest meiner Klamotten eingelagert habe.

Cvoa: Warum nicht? Ich ziehe mich nur rasch um.

Ashyra: Warum? Du siehst doch perfekt aus.

Er trägt zur Zeit einen bequemen schwarzen Overall.

Cvoa: Wenn ich in der Öffentlichkeit herumrenne, bevorzuge ich meinen Einsatzcoverall. Das Material ist resistent gegen die meisten gebräuchlichen Strahlwaffen und mittlerweile sogar gegen die Friedenshüter-Paralyzer. Und außerdem wollte ich mir noch einen Umhang mit Kapuze holen, damit ich nicht ganz so auffalle, wenn ich auf Kara durch die Gegend spaziere.

Ashyra: Aha, deshalb sieht man dich immer nur in demselben Outfit. Es gab schon Vermutungen, du hättest nichts anderes anzuziehen.

Lachend macht Cvoa-L'yyn sich davon, nur um fünf Minuten darauf in seinem obligatorischen metallisch-regenbogenfarben irisierenden Anzug zurückzukehren. Die Oberfläche sieht aus wie die Anlauffarben von Titan. Den Umhang hat er sich über den Arm geworfen.

Cvoa: Bist du fertig?

Ashyra: Ja. Ich ziehe mich bei mir zu Hause um.

Cvoa: Sehr gut.

Die beiden fliegen also mit der Terra zunächst zum äußersten der Accra-Planeten, wo Cvoa in einer Höhle einen Hangar eingerichtet hat. Dort stehen vier kleine Raumgleiter mit kurzem bis mittlerem Aktionsradius.

Ashyra: Sag mal, wie hast du das denn alles ganz alleine gebaut?

Cvoa: Ich allein? Aber nicht doch. Na gut, die Pläne sind von mir. Dann habe ich allerdings einen Trupp Arbeiter angeheuert, und die haben den Bau übernommen. Schließlich bin ich Wissenschaftler und kein Bauarbeiter.

Ashyra: Und wieso weiß dann niemand von dieser Station?

Cvoa: Nun, es waren 'Gastarbeiter' aus Gyr-Dao. Ich habe sie angeheuert, sie errichteten die Station, und am Ende der Vertragszeit habe ich sie wieder nach Gyr-Dao zurückgebracht.

Ashyra: Und da kein regulärer Kontakt zwischen Gyr-Dao und Nehgqù-Xuqù besteht, war das Geheimnis gewahrt. Geschickt.

Cvoa(selbstzufrieden): Finde ich auch.

Ashyra schüttelt den Kopf, stellt sich auf die Zehenspitzen und küßt ihn.

Ashyra: Du bist unmöglich, aber ich mag dich trotzdem.

Cvoa: Das beruht auf Gegenseitigkeit.

Er schließt die Arme um sie und meditiert darüber nach, daß er sie am liebsten hier und jetzt vernaschen würde. Ashyra fängt die Gedanken auf und kichert.

Ashyra: Ich dachte, wir wollten heute noch nach Kara.

Cvoa(seufzend): Zugegeben. Dann laß uns aufbrechen.

Kurz darauf setzt der Raumgleiter auf dem Interplanet-Raumhafen von Antrea-Máryn auf. Cvoa-L'yyn hüllt sich in den schwarzen Kapuzenumhang und begleitet Ashyra in deren Appartement.

Logischerweise versacken sie dort zunächst einmal wieder. Irgendwann wirft Ashyra einen Blick auf die Uhr...

Ashyra: Ayée, es ist schon 21:23 Uhr.

Cvoa: Zumindest sind wir schon mal auf Kara. -- Liegt Keara-Lerát nicht sogar in derselben Zeitzone wie Antrea-Máryn?

Ashyra: Keara-Lerát befindet sich nur 73km östlich von Antrea-Máryn. Wenn es dir gelingt, dich aufzuraffen, könnten wir ja versuchen festzustellen, ob Keryam und Tesco schon in dem Hotel sind, wo sie feiern wollten.

Cvoa: Ich will es versuchen.

Ächzend erhebt er sich, und Ashyra schaut ihm interessiert dabei zu. Sie kann sich immer noch nicht an ihm sattsehen. Nur dieses Kobaltblau seines Exterieurs wirkt absolut surreal.

Ashyra: Ich frage mich, ob ich mich jemals an deine Hautfarbe gewöhnen werde.

Sie steht ebenfalls auf, fängt ihn noch einmal ein und streicht über seine Wange und den Hals. Irgendwie erwartet sie immer noch, dass es sich vielleicht doch nur um Schminke handelt. Cvoa zieht amüsiert eine Augenbraue hoch.

Cvoa: Ich dachte, ich sollte mich aufraffen.

Ashyra seufzt und läßt ihn wieder los.

Ashyra: Mich würde mal interessieren, warum es mir einfach nicht gelingt, die Finger von dir zu lassen. Gibt es da noch irgendetwas, was du bislang vergessen hast, mir zu erzählen?

Cvoa: Ich könnte dich dasselbe fragen. Vor allem wo du -- wie du ja selbst zugegeben hast -- PSI-Technikerin mit unter anderem dem Gebiet Suggestion/Hypnose bist.

Ashyra: In der Hinsicht bin ich völlig unschuldig.

Cvoa(grinsend): Aber auch nur in der...

Ashyra(kichernd): Du bist frech.

Sie verschwindet im Bad, und als sie bald darauf in einem schneeweißen Freizeitanzug zurückkommt, steckt Cvoa auch schon wieder in seinem schillernden Coverall.

Ashyra schiebt Cvoa aus der Erfassung ihres Viphongeräts, ehe sie bei dem Hotel anruft und sich mit Keryam verbinden läßt.

Ashyra: Hallo Kerry, hast du gerade mal ein bißchen Zeit?

Keryam: Ashree! Wo hast du denn gesteckt? Der Bordcomputer der Lantáya war völlig außer sich, weil du die letzten beiden Wochen unauffindbar warst. Wo warst du bloß? Auch über mecon konnte man dich nicht erreichen.

Ashyra: Eins nach dem anderen und am besten alles nur persönlich. Kann ich vorbeikommen?

Keryam: Sicher. Die Fête wird eh hauptsächlich vom Hotelpersonal vorbereitet.

Ashyra: Bist du alleine?

Keryam: Tesco ist hier. Warum?

Ashyra: Tesco ist okay. Ich komme dann mit einem Robotaxi.

Keryam: Machst du es dir nicht ziemlich umständlich?

Ashyra: Wenn ich da bin, erkläre ich alles. Bis gleich.

Keryam: Bis gleich.

* * *

Um Aufsehen zu vermeiden, schleichen sich Cvoa und Ashyra über einen Hinterausgang in das Hotel.

Als Ashyra den Türsummer betätigt, öffnet Keryam und guckt Ashyra leicht irritiert an.

Keryam: Hallo Ashree, komm rein.

Dann erspäht sie die hochgewachsene Gestalt, die gänzlich von einem langen, schwarzen Kapuzenumhang verhüllt ist.

Keryam: Wer...?

Cvoa tritt auch in das Zimmer und wirft die Kapuze zurück. Er verbeugt sich leicht.

Cvoa: Ich grüße dich, meine liebe Keryam.

Keryam(erstaunt): Cvoa-L'yyn! Jetzt verstehe ich die Geheimnistuerei.

Cvoa: Ich habe momentan keine Lust auf irgendwelche Verfolgungsjagden. Wo steckt Tesco?

Keryam: Im Bad. Zumindest war er da, als ich zuletzt nachgesehen habe.

Cvoa legt den Umhang ab und sieht sich suchend um, ehe er einen Stuhl findet, über dessen Lehne er das Teil wirft. Er stellt einen gut verpackten Kasten daneben; das Geschenk für seinen Sohn.

Keryam: So, und was wolltest du nun alles erklären?

Ashyra: Nun... Also erstmal, wo ich die letzten zwei Wochen war -- in Aralanka-Coveen, also in dem Universum 'hinter' der Fur'ra Aralanka. Naja, und zum zweiten haben Cvoa und ich festgestellt, daß wir zusammen ausgesprochen viel Spaß haben.

Cvoa(lachend): So kann man es auch formulieren.

Er schlingt ihr einen Arm um die Hüfte.

Keryam: Das war wohl sowas wie Liebe auf den ersten Blick, hm?

Ashyra: Eher 'auf den ersten Gedanken'.

Mittlerweile ist es Tesco gelungen, seine Plantscherei zu beenden, und er erscheint, in einen Bademantel gewickelt, auf der Bildfläche. Als er seinen Vater und Ashyra erspäht, setzt er ein leicht verlegenes Grinsen auf.

Tesco: Oh, hallo Dad! Guten Abend, Ashyra. -- Äh, entschuldigt mich einen Moment, ich muß mich rasch anziehen. Ich wußte nicht, daß wir Besuch erwarten.

Er stürmt in einen Nebenraum.

Keryam: Oh, ich vernachlässige meine Gastgeberpflichten. Setzt euch doch. Wollt ihr etwas zu trinken oder zu essen?

Ashyra und Cvoa lassen sich auf einer Couch nieder, vor der eine rauchglasfarbene Glasplatte schwebt. Zwei Sessel und eine weitere Couch vervollkommnen die Sitzecke.

Cvoa: Ich hätte nichts gegen einen Becher Rij-Sian einzuwenden.

Keryam: Aha. Jetzt weiß ich auch, woher Tess seine Vorliebe dafür hat.

Ashyra: Ich schließe mich Cvoa an.

Keryam: Kommt sofort.

Rij-Sian ist ein dunkelgelbes Getränk, welches dem terranischen Kakao ähnelt. Obgleich es von Pas-Come stammt, ist es auch für Abkömmlinge der Cyrea-Linie genießbar, und Ashyra ist von Cvoa diesbezüglich auf den Geschmack gebracht worden.

Keryam trabt los und kehrt postwendend mit zwei großen Bechern des heißen Gebräus zurück, die dankend in Empfang genommen werden.

Ashyra: Mh, das ist wirklich immer wieder lecker!

Cvoa: Meine Rede.

Ashyra stellt den Becher auf den Tisch und wuschelt zärtlich in Cvoas Haaren herum. Keryam betrachtet die beiden lächelnd. Sie hat Ashyra schon lange nicht mehr so strahlend gesehen.

Keryam: So, Ashree, und was genau führt dich -- euch -- hierher?

Ashyra: Erst einmal der morgige Geburtstag von Tesco. Cvoa hat ein Geburtstagsgeschenk für ihn.

Cvoa: Stimmt. Ich finde diese Sitte, so wie sie auf Kara gehandhabt wird, nett.

Ashyra: Wieso? Gibt es das auf Syaana nicht?

Cvoa: Doch, nur beschenken da die Kinder zum Jahrestag ihrer Geburt ihre Eltern, sozusagen als Dank für alles.

Ashyra: Das macht auch irgendwie Sinn.

Keryam: Tesco hat davon nie etwas erzählt.

Cvoa: Ich habe ihm vermutlich zu wenig von den Sitten und Gebräuchen Syaanas beigebracht... Er ist ja mehr auf Pas-Come und Kara aufgewachsen.

Endlich ist Tesco frisch gefönt und gewandet.

Tesco: Entschuldigt meine kleine Verspätung. Willkommen.

Er tritt zu seinem Vater und streckt ihm eine Hand entgegen, Cvoa legt seine dagegen. Ashyra spürt die empathische Verbindung, die sich zwischen den beiden aufbaut: Willkommen, herzliche Zuneigung und einiges mehr, das Ashyra schwer zuordnen kann. Wenige Sekunden darauf lösen die beiden den Link wieder.

Tesco lächelt Ashyra zu, ehe er sich zu Keryam auf die Armlehne ihres Sessels setzt.

Tesco: Du hast ja einen ziemlichen Einfluß auf meinen Vater.

Ashyra(verlegen): Wie meinst du das?

Tesco: Er war schon lange nicht mehr so glücklich.

Cvoa(belustigt): Ich habe auch lange genug nach einer passenden Partnerin gesucht.

Er ergreift Ashyras Hand, und sie fühlt sich sofort wieder von einem Meer von Zärtlichkeit eingehüllt. Sie schließt genießerisch die Augen. Tesco, der ein ebenso starker Empath ist wie Cvoa-L'yyn, schüttelt amüsiert den Kopf und denkt sich seinen Teil.

Schließlich entzieht Ashyra Cvoa ihre Hand wieder. Noch ein paar Sekunden länger, und sie hätte wieder alle ihre Hemmungen verloren. Bei den Göttern von Cyrion, das war ja schlimm!

Ashyra(verlegen): Wir sind Kerry und Tesco gegenüber unhöflich.

Tesco: Also, ich fand das sehr informativ.

Cvoa: Du bist ziemlich frech, mein Söhnchen.

Keryams PSI-Fähigkeit funktioniert leider etwas anders und vor allem nur bei direktem Kontakt, daher guckt sie Tesco fragend an.

Tesco: Dhévha, kannst du dich noch daran erinnern, wie wir uns kennengelernt haben?

Keryam(lachend): Was für eine Frage! Du warst auf der Pirsch und wolltest arme, unschuldige Friedenshüterinnen erlegen.

Tesco: Quatsch!

Er spielt mit einer Strähne ihres Haars.

Tesco: Ich vermute, ich wollte Dad etwas beweisen.

Tesco lächelt sie an.

Tesco: Worauf ich hinaus will... Ich konnte dir einfach nichts tun. Du bist PSI-begabt, und ich fühlte mich irgendwie zu dir hingezogen.

Keryam: Ach, und deshalb mußten wir uns erstmal prügeln?

Tesco(belustigt): Hm, naja, das war etwas anderes. Eine indiskrete Frage: Warst du schon mal mit einem Mann zusammen, der nicht PSI-begabt ist?

Keryam(nachdenklich): Nein. Warum?

Tesco: Hm. Dann kann ich es dir schwer erklären.

Keryam(grinsend): Soll ich es mal ausprobieren?

Tesco(entrüstet): Wage es!

Er legt besitzergreifend die Arme um sie.

Keryam(kichernd): Na gut. Ich werde es mir überlegen.

Tesco: Nun, auf jeden Fall ist es zumindest für einen Empathen ziemlich unbefriedigend, wenn er nicht in der Lage ist, seine Gefühle mit der Partnerin zu teilen. Ich habe schließlich drei Terra-Jahre lang angestrengt versucht, dich zu vergessen, als du dich nicht wieder gemeldet hattest. Aber egal mit wem ich zusammen war, es fehlte einfach etwas. Es gibt irgendwie zu wenig PSI-Begabte hier.

Keryam: Aha, das heißt also, du liebst mich nur wegen meiner PSI-Begabung?

Tesco: Nun, sagen wir mal so, ohne die hätte ich mich nicht weiter um dich bemüht. Aber die Frage ist ohnehin nur akademisch.

Er küßt sie sanft.

Keryam: Dann habe ich ja Glück gehabt, daß du nicht Carmee, Ashyra oder Vivienne über den Weg gelaufen bist.

Tesco: Carmee ist eine dumme Pute, und Ashyra war zu der Zeit definitiv zu jung.

Keryam prustet los.

Keryam: Soso, Vivienne wäre also eine brauchbare Alternative gewesen?

Tesco mustert sie ausgiebig, dann schüttelt er entschieden den Kopf.

Tesco: Nein. Du gefällst mir besser.

Keryam: Dein Glück, dhévho.

Ashyra hat den Kopf an Cvoas Schulter gelegt und betrachtet Keryam und Tesco.

Ashyra: Du bist ziemlich stolz auf deinen Sohn, hm?

Cvoa(belustigt): Klar. Ist mir doch gut gelungen, oder?

Ashyra kichert, und Keryam prustet los.

Keryam: Doch, ich kann nicht klagen.

Ihr Blick wandert zärtlich über ihren Lebensgefährten.

Tesco: Das freut mich zu hören.

Ashyra: Wo hast du eigentlich Shayla gelassen, Kerry?

Keryam: Sie ist auf der BL-C. Pete hat darauf bestanden, sich um sie zu kümmern, während Tess und ich feiern. Finde ich riesig nett von ihm.

Ashyra: Wer kommt eigentlich alles?

Keryam(bedauernd): Von den Friedenshütern kaum jemand. Meine Eltern, Kenny, Vivienne und Mayéera. Du, wenn du möchtest. Ich habe dich ja nicht erreichen können. Sonst diverse Freunde von Tesco, die er auf Kara und Pas-Come eingesammelt hat.

Cvoa: Fur'raána nicht?

Tesco: Du weißt, was mein liebes Schwesterchen von Keryam hält.

Cvoa(seufzend): Du hast recht.

Ashyra(stirnrunzelnd): Du kommst mit deiner Tochter nicht so gut zurecht, scheint mir.

Cvoa(bedauernd): Nein. Ich weiß nicht, was ich bei ihrer Erziehung falsch gemacht habe, aber sie hat Spaß daran, grausam zu sein und andere zu verletzen. Ich vermute, es liegt daran, daß sie nicht die geringste Spur von empathischer Begabung hat.

Keryam(fasziniert): Cvoa, du bist mir ein Rätsel. Einerseits bist du praktisch der Staatsfeind Nummer Eins hier in Nehgqù-Xuqù, und andererseits bist du so...so... jeih, eben nicht böse. Ich verstehe das einfach nicht.

Cvoa: Alles, was ich getan habe, war nur darauf ausgerichtet, der Vereinigung Tressila zu dienen. Bei uns herrscht immer noch die Ansicht, daß die Vier Galaxien irgendwann wieder versuchen werden, uns in einem Krieg zu unterwerfen, wie sie es schon einmal versucht und dabei Tod und Zerstörung nach Ssi-Srilna und Thretno gebracht haben. Mittlerweile habe ich lange genug hier gelebt, um diese Ansicht anzuzweifeln. Ich habe keinen Gefallen daran, Menschen zu töten. Ihr habt keine Ahnung, wie schwer mir die Aufgabe gefallen ist, die man mir zu Hause auftrug. Ich bin ein Empath, das heißt, ich spüre, was andere fühlen. Wie kann ich es da wollen, daß jemand auf irgendeine Art verletzt wird? Kein Wunder, daß sie halbe Kinder für so etwas losschicken, da die sich nicht so viele Gedanken über die Konsequenzen ihres Handelns machen.

Alle sehen Cvoa erstaunt an. Im Moment wirkt er sehr jung und verletzlich, und Ashyra wird erstmals bewußt, daß er gemessen an der Lebenserwartung seiner Rasse eigentlich auch nicht viel älter sein dürfte als sie.

Sie nimmt ihn zärtlich in die Arme und sendet ihm eine Welle liebevoller Gedanken zu. Cvoa lehnt sich an sie.

Cvoa: Deshalb mag ich einfach nicht mehr. Ich möchte nach Hause und dort eine Stelle an der Wissenschaftsakademie von Alhd'yara annehmen. Dieses ganze Umhervagabundieren bin ich mittlerweile ziemlich satt. -- Tesco, ich bin froh, daß dir das erspart bleibt.

Cvoa-L'yyn löst sich aus Ashyras Umarmung und küßt ihre Fingerspitzen, bevor er zu Keryam geht und deren Hände ergreift. Kerry fühlt sich von einer Woge der Wärme eingehüllt.

Cvoa: Ich danke dir dafür, Keryam. Tochter.

Keryam sieht ihn sprachlos an. Tochter? Offenbar hat Cvoa-L'yyn sie nun endgütig als die Gefährtin seines Sohnes akzeptiert. Sie lächelt ihn dankbar an und stellt fest, daß sie niemals gedacht hätte, daß Cvoa solch ein fantastischer Mann ist. Kein Wunder, daß er sogar S'ci in Versuchung führen konnte... Der Syaane setzt sich wieder zu Ashyra und streicht ihr sanft durch die Haare.

Tesco(verwundert): Dad?

Cvoa: Ich wünschte, du würdest mit deiner Gefährtin auch nach Syaana mitkommen, aber ich kann es auch verstehen, wenn du hierbleiben willst.

Tesco: Du hast recht, ich werde hierbleiben. Ich habe immerhin eine Familie hier. Shayla ist zwar nicht von mir, aber Keryams Tochter ist auch meine.

Keryam strahlt Tesco an. Als Laé erfahren hatte, daß Shayla im Gegensatz zu Kerryth nicht von ihm war, sondern von einem Amyshico, hatte er sie nur eisig angesehen und gemeint, sie 'könne ihren Wechselbalg behalten', ehe er sein Recht einforderte, daß Keth ihm zugesprochen wurde. Was Keryam dabei am meisten getroffen hatte, war die Tatsache, daß bis auf einige wenige Ausnahmen die anderen Friedenshüter die Entscheidung gut hießen, daß Kerryth nun allein bei seinem Vater aufwachsen sollte. Und das alles nur, weil sie sich von Laé getrennt und Tesco als Lebensgefährten gewählt hatte.

Keryam: Weißt du was, Cvoa? Auch wenn ich dich heute erst zum zweiten Mal treffe, und du der allgemein anerkannte Staatsfeind Nummer Eins bist, bist du mir erheblich sympathischer als gut die Hälfte der Friedenshüter.

Ashyra: Nicht wahr? -- Aber mach dir keine Hoffnungen, Cvoa gehört mir!

Cvoa(belustigt): Nanü, was sind denn das für Töne? Hast du dich nun entschieden?

Ashyra: Ich glaube, ja. Ich komme mit. Aber nur, wenn du dann auf Syaana eine ehrbare Frau aus mir machst und mit mir einen Partnerschaftsvertrag abschließt oder was auch immer ihr dort in der Hinsicht tut.

Cvoa(perplex): Ist das eine Erpressung?

Ashyra: Du hast es erfaßt.

Cvoa(nachdenklich): Hm. Das muß ich mir erst mal überlegen. Immerhin kennen wir uns erst seit zweieinhalb Wochen TZ.

Ashyra: Ich dachte, du hattest etwas gesagt, daß du noch nicht sofort abfliegen wolltest.

Cvoa: Das ist wahr.

Er zieht sie auf seinen Schoß und hält sie fest.

Cvoa: Ich denke, wir haben Zeit genug, uns weiter kennenzulernen.

Ashyra: Das hoffe ich.

Derweil hat sich Keryam kurz auf den Weg zum Nahrungsmittelsynthetisizer gemacht und ein großes Tablett mit allerlei Häppchen geordert, ebenso wie ein große Thermokaraffe Rij-Sian und zwei zusätzliche Becher für Tesco und sich. Sie gießt allen das dunkelgelbe Getränk ein.

Keryam: Ich bin sicher, ihr habt mittlerweile ein wenig Appetit bekommen.

Tesco: Oh, daran hätte ich auch denken können. Danke, Kerry.

Cvoa setzt Ashyra wieder neben sich ab und stürzt sich auf die Hors D'Oeuvres.

Keryam: Hey, ich sehe gerade, es ist schon der 21.! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, dhévho!

Sie stürzt sich auf ihn und küßt ihn erst einmal hingebungsvoll und ziemlich ausdauernd, dann blickt sie leicht verlegen zu Cvoa und Ashyra herüber.

Keryam: Sorry, das mußte einfach sein.

Tesco(belustigt): Die Frau hat einfach kein Schamgefühl.

Keryam: Bisher hast du dich noch nicht darüber beklagt.

Cvoa: Nun, jetzt, da du wieder unokkupiert bist, kann ich dir ja auch gratulieren, Tesco.

Er hält ihm wieder eine Hand hin, und Tess legt seine dagegen, ehe er das Paket holt und ihm überreicht.

Cvoa: Hier -- weil ich weiß, wie gerne du Musik magst.

Tesco(neugierig): Was ist das?

Cvoa: Pack's aus, dann weißt du es.

Tesco stürzt sich auf die Kiste. Schließlich zieht er vorsichtig das Instrument heraus.

Tesco(andächtig): Eine K'hár-yala! -- Danke, Dad.

Keryam: Was ist das?

Tesco: Eine syaanische Wasserharfe. Ich habe mir immer die Kristalle mit der Musik angehört, aber bis jetzt habe ich nur Holos davon gesehen. Dad, kannst du mir zeigen, wie man darauf spielt?

Cvoa zieht eine Grimasse.

Cvoa: Ich habe schon seit Jahren keine K'hár-yala mehr angefaßt.

Tesco: Ach, bitte!

Cvoa: Na gut. Aber ich garantiere für nichts.

Er stellt das Instrument auf den Tisch und betätigt einige der Tasten, woraufhin einige ätherische Töne erklingen.

Keryam: Das ist ja ein höchst interessanter Sound.

Cvoa: Äh, das ist ein syaanisches Kinderlied, dessen Schwierigkeitsgrad in etwa meinen augenblicklichen Fähigkeiten entspricht.

Ashyra: Bringst du mir bei, wie man darauf spielt?

Cvoa: Sobald ich wieder genug Übung habe, gerne.

Ashyra: Prima.

Sie wuschelt wieder in seinem dichten, weißen Schopf herum. Cvoa schiebt die K'hár-yala zu seinem Sohn herüber, ehe er Ashyras Hand einfängt und streichelt.

Tesco versucht sich auch einmal an dem Instrument und entlockt ihm einige Sphärenklänge.

Tesco: Das gefällt mir. -- Noch mal vielen Dank, Cvoa.

Cvoa: Bitte sehr, Tess.

Nun kommt Keryam zurück und hat ihrerseits ein Paket in der Hand. Sie guckt ein bißchen amüsiert.

Keryam: Und hier ist mein Geschenk für dich. Es hat übrigens auch mit Musik zu tun.

Als Tesco das Päckchen geöffnet hat, kommt ein Saiteninstrument zum Vorschein. Ashyra kichert.

Ashyra: Na, dann hast du ja zwei Dinge, die du in deiner Freizeit lernen kannst.

Keryam: Das ist eine terranische Gitarre. Im Gegensatz zu den meisten karanischen Varianten hat sie nur sechs Saiten. Falls du allerdings wissen willst, wie man damit umgeht, mußt du schon Fyu fragen, der kann dem Teil im Gegensatz zu mir sogar anhörbare Töne entlocken.

Tesco: Danke, Kerry.

Er küßt sie.

Tesco: Hm. Eins würde mich mal interessieren -- steht irgendwo bei mir 'Musiker' dran, oder wie seid ihr auf diese Geschenke gekommen?!

Ashyra(trocken): Ich habe ja leider nichts für dich, aber wenn du magst, kann ich dir gerne noch eine Flöte besorgen.

Tesco guckt sie an und prustet los.

Tesco: Äh, danke, ich glaube, mit den beiden Sachen habe ich erst einmal genug zu tun.

Keryam: Hauptsache, du vernachlässigst mich nicht.

Tesco(großzügig): Ich denke, ich kann schon hin und wieder fünf Minuten für dich erübrigen.

Keryam sieht ihn entrüstet an.

Keryam: Cvoa, du hast offenbar doch nicht alles bei Tescos Erziehung richtig gemacht. Er ist unverschämt.

Cvoa(grinsend): Bin ich doch auch.

Keryam zieht eine Schnute und seufzt tragisch, als sie vom Vater zum Sohn schaut. Die beiden sind sich mehr als ähnlich.

Tesco: Sag mal, Dad, kommst du morgen auch zum Abendessen? Ich habe ein monumentales Buffet geordert.

Ashyra: Mir würde es gefallen, Cvoa. Ich möchte zu gerne mit dir angeben.

Cvoa(amüsiert): Zu irgendetwas muß ich ja gut sein.

Ashyra: Oh, da gibt es noch ein paar andere Dinge, zu denen du definitiv gut bist.

Sie sendet ihm einige sehr detailreiche Gedanken zu.

Cvoa: Sag mal, Tesco, wann soll das morgen stattfinden? Ashyra und ich haben noch etwas vor.

Tesco: Soso. -- Ich dachte an 19:00 Uhr. Ihr könnt euch doch hier ein Zimmer nehmen.

Cvoa: Gute Idee. Ist hier irgendwo ein Computerterminal?

Tesco deutet auf ein solches, und Cvoa beschäftigt sich ein Weilchen damit.

Cvoa: So, ich habe uns die Präsidentensuite gebucht. Netterweise haben die Friedenshüter sie für uns bezahlt.

Ashyra(tadelnd): Du bist kriminell.

Cvoa: Habe ich das je abgestritten? Abgesehen davon bist du doch eine Friedenshüterin, oder? Dann kann dein Verein auch ein bescheidenes Hotelzimmerchen für dich springen lassen.

Ashyra: Hm. Da hast du einen Punkt. Vor allem, wo uns das den Flug zurück nach Antrea-Máryn erspart.

Cvoa: Das war mein Hauptgedanke dabei.

Er legt besitzergreifend die Arme um sie.

Cvoa: Tess, Keryam, ihr habt doch sicherlich nichts dagegen, wenn wir uns zurückziehen?

Tesco: Nicht das mindeste.

Die beiden suchen also ihre frisch gebuchte Suite auf und werden bis zum Abend nicht mehr gesehen.

* * *

Man schreibt den 21:10:2253TZ, ca. 18:00 Uhr lokaler Zeit. In einem mittelgroßen Saal des Hotels ist schon alles aufgebaut, bislang sind aber noch keine Gäste eingetrudelt.

Keryam: Tess, meinst du, Cvoa taucht wirklich auf?

Tesco: Sicher. Ich hoffe nur, daß Laé nicht aufkreuzt, nur um Ärger zu machen.

Keryam(seufzend): Bedauerlicherweise ist dem alles zuzutrauen.

Sie legt die Arme um seine Mitte und den Kopf an seine Schulter. Tesco hält sie fest.

Keryam: Ich bin so froh, daß ich dich habe, Tess.

Tesco(lächelnd): Das beruht auf Gegenseitigkeit. -- Ah, da kommen die ersten Gäste. Hallo Taros, Cyri-V'hal!

Ein schwarzhaariger Karanyo und eine Comaana mit einer flammend orangefarbenen Mähne winken ihm zu. Die Menschen von Pas-Come sind Laan-Abkömmlinge und haben ebenso blaue Haut wie die Syaane, nur die Haar-- und Augenfarben weichen beträchtlich vom syaanischen Standard ab.

Die Comaana lächelt Tesco strahlend an, als sie ihm zum Geburtstag gratuliert.

Keryam(leise): Wer ist die hübsche Dame? Eine alte ...Freundin von dir?

Tesco: Äh, ja. -- Aber kein Grund zur Eifersucht, Cyri ist mittlerweile auch in festen Händen.

Keryam: Sag mal, ma-délho, wie viele deiner Gäste sind eigentlich 'alte Freundinnen' von dir?

Tesco(treuherzig): Nur ein paar...

Keryam: Wie viele paar?

Tesco: Ich habe nicht so genau nachgezählt.

Keryam(kategorisch): Du wirst dich nicht weiter als zwei Meter von mir entfernen.

Tesco: Und wenn ich mal für kleine Jungs muß?

Keryam: Dann werde ich vor der Tür Wache stehen.

Tesco: Du bist nicht zufällig eifersüchtig?

Keryam: Wie kommst du auf diese absurde Idee?

Tesco: Nur so... Weißt du, dhévha, ich habe immerhin drei Jahre verzweifelt versucht, dich zu vergessen. Da sammelt sich so einiges an.

Keryam(kopfschüttelnd): So kann man es auch formulieren.

Im Laufe der Zeit trudeln weitere Personen ein, von denen Keryam so gut wie niemanden kennt. Tesco stellt sie ihr vor, doch sie vermutet, daß sie 90% der Namen schon wieder vergessen hat, wenn die Leute sich hingesetzt haben. Nun erscheinen zwei Comaani mit purpurfarbenem Haar, offenbar Zwillinge.

Tesco: Das sind Daro-Ceen und Melo-Ceen, sie waren vor Jahren meine Spielgefährten und sind jetzt noch sehr gute Freunde von mir.

Er stellt den beiden Keryam vor. Nachdem sie pflichtschuldig gratuliert haben und sich nun einen Platz suchen, sieht Kerry den jungen Männern hinterher.

Keryam: Spielgefährten?

Tesco: Als ich noch ein kleines Kind war, hat Cvoa beschlossen, daß es besser für mich und meine Schwester wäre, wenn wir wenigstens halbwegs normal aufwachsen, also hat er ein paar Jahre mit uns auf Pas-Come verbracht. Ich bin sogar eine Weile dort zur Schule gegangen. Natürlich hat Dad uns noch separat unterrichtet. Später waren wir auch einige Zeit auf Kara, allerdings auch als Comaani maskiert.

Keryam: Cvoa wird mir immer sympathischer.

Tesco: Ich hoffe, du vergißt nicht, daß du mit mir liiert bist.

Keryam: Ich bemühe mich, daran zu denken. Außerdem glaube ich, daß Ashyra deinen Herrn Vater momentan mit Leib und Seele verteidigen würde.

Tesco: Das ist auch wieder wahr. Hm. Wie lange hat Cvoa es bislang mit ihr ausgehalten? Zwei Wochen? Ich bin wirklich erstaunt.

Keryam: Ist er so schlimm?

Tesco: Naja, soweit ich mich erinnern kann, war sonst sein Rekord vier Tage, bis er wieder auf der Suche war.

Keryam: Ts. Er sollte sich schämen.

Tesco: Du wirst es nicht glauben, aber er hat sich die ganzen Jahre sehr einsam gefühlt. Als er gestern bei uns vorbeikam, wirkte er richtig glücklich.

Keryam: Ich würde es Ashyra gönnen. Sie hatte bislang auch wenig Glück bei ihrer Partnerauswahl.

Ein grünlich/goldenes Transmit-Feld erscheint, und eine junge Frau mit schulterlangen goldenen Haaren in einem rot/violett changierenden Overall tritt hindurch.

Kenny(fröhlich): Hi Leute! Herzlichen Glückwunsch, Tesco!

Tesco(lächelnd): Danke, Kenny.

Auch Keryam begrüßt ihre Freundin. Kenny gehört zu den wenigen Friedenshütern, die Tesco auf Anhieb mochten. Sie überreicht Tesco ein gut verschnürtes Paket.

Tesco(mißtrauisch): Da ist diesmal zur Abwechslung keine Bombe drin?

Kenny(tragisch): Hat Keryam dir wieder Gruselstories über mich erzählt? Ich habe bislang nur an zwei Leute Geschenke verteilt, die ihnen um die Ohren flogen, und das waren Laé und Carmee.

Sie grinst über alle vier Backen.

Kenny: Und das war nur zur Strafe dafür, daß die immer unerlaubt meine Gedanken gelesen haben. Bis mir C.Alya beigebracht hat, wie man sich dagegen abschirmen kann.

Also wagt Tesco es, das Geschenk auszupacken. Es handelt sich um Ausdrucke der Noten von einer Vielzahl bekannter Lieder. Tesco zieht eine Augenbraue hoch.

Tesco: Es ist eine Verschwörung im Gang.

Kenny: Hm? Ich habe nur von Keryam gehört, daß sie dir eine Terra-Gitarre schenkt, und da dachte ich, ein paar Noten würden dir nichts schaden.

Tesco: Oh. Weißt du, von meinem Vater habe ich eine K'hár-yala -- eine Wasserharfe -- bekommen, und Ashyra hat mir eine Flöte angedroht.

Kenny(entgeistert): Ashyra? Die ist doch seit zwei Wochen spurlos verschollen!

Tesco: Ihr scheint es momentan ausgesprochen gut zu gehen. Sie sagte, sie wolle vielleicht nachher noch vorbeikommen.

Kenny: Sie soll sich unbedingt bei ihren Eltern melden. C.Alya und Christopher sind außer sich vor Sorge. Und Vivienne hat gedroht, sie wollte ihrem Schwesterherz den Hintern versohlen.

Tesco: Ich glaube, du kannst ihr die Kunde direkt persönlich überbringen.

Er deutet auf die Tür, wo Ashyra Hand in Hand mit Cvoa hereinspaziert kommt. Sie ist in ein bodenlanges weiß/silbernes Kleid gewandet und trägt die langen, metallisch violetten Haare offen. Kenny fällt fast die Kinnlade herunter.

Kenny: Aber sie ist ja mit Cvoa-L'yyn zusammen!

Keryam: Und ich bin mit Tesco zusammen. Na und?

Kenny: Aber Cvoa ist eben Cvoa. Ist sie freiwillig mit ihm...?

Tesco(amüsiert): Sieht es so aus, als würde sie zu irgendwas gezwungen? Du solltest sie vielleicht lieber selber fragen.

Kenny: Das werde ich!

Sie stürmt Ashyra entgegen.

Kenny: Ashyra! Wo warst du die ganze Zeit?

Ashyra(lächelnd): Hallo Kenny. Wie wär's erst mal mit 'Guten Abend'?

Kenny: Äh, ja. Hallo... Aber... Ich meine... -- Was machst du mit Cvoa-L'yyn?

Ashyra schlägt gekonnt sittsam die Augen nieder, ehe sie die Arme um Cvoas Taille schlingt und sich in eineindeutiger Manier an ihn schmiegt.

Ashyra(unschuldig): Möchtest du eine detaillierte Auflistung der Dinge, die wir tun?

Cvoa hat ernsthafte Probleme, nicht vor Lachen loszuprusten. Er vergräbt sein Gesicht in Ashyras Mähne. Kenny wird knallrot.

Kenny(verlegen): Äh, ich meine... Er hat dich nicht entführt?

Cvoa(belustigt): Éthá, mein hinreißendes Opfer hier schleppte extra für die Entführung einen gepackten Koffer mit sich herum.

Kenny(tadelnd): Ashyra!

Die errötet zart.

Cvoa(grinsend): Weißt du, was sie zu mir gesagt hat? "Du bist süß, und ich will dich." -- Wie sollte ich da widerstehen?!

Ashyra(schmollend): Cvoa, du bist unmöglich.

Kenny(fassungslos): Das hast du gesagt?!

Ashyra(leicht verlegen): Naja, ich glaube schon.

Kenny: Wenn das deine Eltern wüßten!

Ashyra: Ein Wort darüber, und ich erzähle, wer die Stinkbomben in Carmees Kleiderschrank geworfen hat.

Kenny(flehend): Das würdest du nicht tun!

Ashyra: Also sei brav.

Kenny mustert Cvoa-L'yyn ausgiebig. Sie hat den Syaane bislang nur auf Bildaufzeichnungen gezehen. In Person wirkt er noch viel eindrucksvoller, vor allem geht von ihm eine Anziehungskraft aus, der sich Kenny nur mit Mühe entziehen kann. Sie runzelt die Stirn und fragt sich, wie er das wohl macht.

Kenny: Ich glaube, du hast recht. Er sieht wirklich süß aus.

Cvoa(amüsiert): Mann dankt.

Ashyra(besitzergreifend): Er ist aber meiner.

Kenny: Keine Panik. Ich stehe nicht auf Bigamie.

Ashyra: Entschuldigt ihr mich einen Moment? Ich wollte Tesco noch sein Geschenk überreichen.

Sie gibt Cvoa einen zärtlichen Kuß, ehe sie mit einem kleinen länglichen Paket in der Hand auf Tesco zustürmt.

Ashyra: Für dich, Tess. Gratuliert habe ich dir ja schon.

Tesco: Danke. Ich hege schon so eine Vermutung.

Und tatsächlich, es handelt sich um die bewußte Flöte. Tesco schüttelt den Kopf und grinst über alle vier Backen. Ashyra zwinkert ihm zu, ehe sie wieder zu Cvoa-L'yyn zurückkehrt.

Kenny hat die Zwischenzeit damit verbracht, Cvoa nicht aus den Augen zu lassen. Ashyras Äußerungen hin und her, sie traut ihm nicht. Vor allem, wo sie sich bei dem Gedanken ertappt, wie es wohl wäre von ihm in den Armen gehalten zu werden, und...

Cvoa-L'yyn amüsiert sich königlich darüber. Ein Empath zu sein hat so seine Vorteile. Und Kenny ist tatsächlich ziemlich niedlich. Bevor er den Gedanken weiterverfolgen kann, kehrt allerdings Ashyra zurück.

Sie streckt ihm die Hände entgegen, Cvoa ergreift sie und küßt sie, bevor er die junge Frau an sich zieht und die Arme um sie legt. Er sollte vielleicht doch einmal versuchen, sich auf ein Mädchen zu konzentrieren.

Kenny(kopfschüttelnd): Tut ihr eigentlich noch etwas anderes als herumzuturteln?

Ashyra: Hm. Im Moment wenig. Sollten wir? -- Außerdem, freu dich doch darüber. Solange Cvoa mit mir zusammen ist, kann er keine fürchterbaren Untaten aushecken.

Kenny: Da hast du einen Punkt.

Cvoa(belustigt): Aha, das ist also der Grund, warum du mich unentwegt verführst. Ihr könnt mich nicht in einem Gefängnis festsetzen, also versucht ihr es diesmal mit weiblichen Waffen.

Ashyra(kichernd): Ich liebe es, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

Sie lehnt sich an ihn.

Cvoa(kopfschüttelnd): Und du sagst, ich sei unmöglich!

Nun erscheint ein weiteres Transmit-Feld, und diesmal erscheint Vivienne t'Avimer. Nachdem sie Tesco gratuliert hat, erspäht sie ihre kleine Schwester. Im Gegensatz zu Ashyra hat Vivienne die metallicvioletten Haare kurz geschnitten, und sie trägt wieder einmal eins ihrer verwegenen Outfits, die ziemlich wenig Stoff, aber dafür ein extravagantes Design haben.

Vivienne: Ashyra! Wo-- Moment, das ist ja Cvoa-L'yyn!

Cvoa(seufzend): Manchmal ist es ganz schön stressig, daß mich jeder sofort erkennt.

Vivienne: Würdest du gefälligst die Finger von meiner Schwester lassen?

Ashyra: Cvoa, laß bitte deine Finger genau da, wo du sie hattest. Gut. -- Hi Vivienne.

Vivienne(entrüstet): Was hat das zu bedeuten, Ashree?

Ashyra: Wonach sieht es denn aus?

Vivienne: Heißt das, du warst die ganze Zeit mit diesem...diesem...

Ashyra(trocken): Sein Name ist Cvoa-L'yyn.

Sie dreht sich zu Vivienne um, wobei Cvoa sie nicht aus den Armen läßt.

Vivienne: ...eben mit dem zusammen?

Ashyra: Du hast es erfaßt.

Vivienne(stirnrunzelnd): Hm.

Cvoa-L'yyn hat derweil einen ziemlich tragischen Blick aufgesetzt. Wenn jedes Mitglied der Friedenshüter, das hier noch vorbeikäme, exakt dieselben Fragen stellte, dann würde es bald ziemlich langweilig werden.

Vivienne: Ist er es denn wenigstens wert?

Cvoa(entrüstet): Also, ich muß doch wohl sehr bitten.

Ashyra gluckst auf und legt ihre Hände über seine.

Ashyra: Nun, Vivi, wenn ich die letzten beiden Wochen Revue passieren lasse, dann würde ich sagen: Ja.

Vivienne: Du hast Glück, Cvoa. Eine Beschwerde von meinem Schwesterherz, und du bekämst es mit mir zu tun!

Cvoa-L'yyn mustert sie von oben bis unten.

Cvoa: Das könnte ich mir fast überlegen.

Ashyra(tadelnd): Cvoa-L'yyn! Muß ich dich daran erinnern, daß ich dich zu meinem Eigentum erklärt habe? Das beinhaltet die Exklusivrechte an dir.

Cvoa(tragisch): Du bist hart.

Vivienne schüttelt amüsiert den Kopf. Wenn sie das recht betrachtet, scheint Ashyra Cvoa um den Finger gewickelt zu haben. Aber trotzdem...

Vivienne(formell): Cvoa-L'yyn, gewährst du mir die Erlaubnis, dich zu scannen?

Cvoa(verwundert): Wieso das?

Vivienne: Ich möchte mich vergewissern, ob du dich Ashyra gegenüber korrekt verhältst, oder ob du sie nicht doch vielleicht beeinflußt.

Cvoa: Meinst du nicht, Ashyra ist in der Lage, das ebensogut zu beurteilen wie du?

Vivienne: Sie ist in dich verliebt und daher kaum zu einem objektiven Urteil fähig.

Ashyra(verweisend): Vivienne!

Cvoa(belustigt): Wenn es dich glücklich stimmt.

Seufzend läßt er Ashyra los und hält Vivienne die Hände entgegen, die sie prompt ergreift.

Cvoa: Nun, was willst du von mir wissen?

Vivienne: Die Wahrheit. Was ist meine Schwester für dich?

Cvoa: Eine wundervolle Frau und so, wie es aussieht, demnächst meine Gefährtin.

Vivienne(entgeistert): Dann meinst du das wirklich ernst?!

Cvoa(gestreßt): Das erwähnte ich bereits. Bist du jetzt zufrieden?

Vivienne(verwirrt): Ja, bin ich.

Cvoa entzieht ihr seine Hände, woraufhin der telempathische Link zusammenbricht und nimmt lieber wieder Ashyra in die Arme. Viviennes Gedanken sind hart und sachlich gewesen, und er sehnt sich nach Ashyras sanftem, zärtlichen Geist.

Ashyra: War sie sehr schlimm?

Cvoa(betont tragisch): Ja!

Ashyra: Du willst ja nur von mir getröstet werden.

Cvoa(grinsend): Natürlich.

Während Ashyra sich hingebungsvoll Cvoa widmet, wandert Vivienne kopfschüttelnd zum Buffet und organisiert sich erst einmal einen ziemlich prozentigen Drink. Ihre kleine Schwester und Cvoa-L'yyn -- das ist...grotesk!

Und doch, wenn sie die beiden so ansieht... Vivienne genehmigt sich noch ein Glas. Wie sollte sie das ihren Eltern erklären? 'Tut mir leid, Mom und Dad, aber Ashree ist mit unserem Erzgegner Cvoa-L'yyn liiert'? Sie seufzt vor sich hin, als Keryam vorbeikommt.

Keryam: Vivienne, was hast du denn?

Vivienne: Das fragst du?

Sie deutet auf Ashyra und Cvoa-L'yyn.

Keryam: Hm. Solange sie glücklich sind...

Vivienne: Du hast gut reden. Hast du schon ganz die netten Überraschungen vergessen, die Cvoa-L'yyn hier veranstaltet hat? Er hat Fyu und T'yla entführt, dann war da die Sache mit den Sonnenparasiten, der Diebstahl der Terra, die Sache mit dem exenischen Präsidenten, die diversen Raubzüge...

Keryam: Zugegeben. Aber hast du dir schon mal überlegt, aus welchen Motiven Cvoa gehandelt hat?

Vivienne: Ist das denn so relevant?

Keryam: Ich finde schon.

Vivienne: Ich fasse es nicht, sag bloß, du willst ihn in Schutz nehmen?!

Keryam: Nicht direkt. Aber nehmen wir einmal an, es herrscht ein Krieg zwischen zwei Planeten. Wenn jetzt jemand von der Welt A sich auf der Welt B einschmuggelt und versucht, den Krieg für seine Welt zu entscheiden -- ist der dann ein Verbrecher?

Vivienne: Die Vier Galaxien liegen mit niemandem im Krieg.

Keryam: Bist du dir da so sicher?

Vivienne: Wovon redest du?

Keryam: Daß der Bund der Vier Galaxien in der Vergangenheit einige schwere Verbrechen an den Völkern der Vereinigung Tressila begangen hat.

Vivienne: Hat dir das Tesco erzählt?

Keryam: Unter anderem.

Vivienne: Aber das ist doch Ewigkeiten her!

Keryam: Für die Vereinigung Tressila scheint es sich dabei aber immer noch um ein schweres Trauma zu handeln. Cvoa-L'yyn ist im eigentlichen Sinne nicht böse.

Vivienne: Ich würde sagen, es gibt eine ganze Menge Leute, die dir da energisch widersprechen würden. Immerhin ist es seine Schuld, daß T'yla so böse geworden. Sie hat während ihrer Laufbahn Tausende von Leuten umgebracht!

Keryam: Ich glaube nicht, daß Cvoa für T'ylas Entwicklung verantwortlich ist.

Vivienne: Ich habe das Gefühl, dein ständiger Umgang mit Tesco beeinträchtigt dein Urteilsvermögen bezüglich dessen Vater beträchtlich.

Keryam: Wenn Cvoa tatsächlich so einen schlechten Einfluß auf T'yla gehabt haben soll, wie erklärst du dir dann Tesco? Der ist doch einfach nur lieb und nett und alles.

Vivienne: Vielleicht ist der das weiße Schaf in der Familie.

Keryam: Ach, Quatsch! T'yla war immerhin zwölf Terra-Jahre alt, als Cvoa sie entführte. Du glaubst doch nicht, daß er sie tatsächlich 'umprogrammiert' hatte? Ich erinnere an ihre Aussage, kurz bevor sie von den Friedenshütern tatsächlich umprogrammiert wurde! Sie sagte doch selbst, sie wäre freiwillig bei ihm geblieben.

Vivienne: Das war ja zu erwarten gewesen.

Keryam: Und was ist mit Ashyra? Bist du der Ansicht, sie ist auch umprogrammiert worden?

Vivienne: Nein, das nicht. Aber ich kann sie auch nicht verstehen.

Keryam: Wieso das nicht? Sieh dir die beiden doch an. Glaubst du, Cvoa veranstaltet nur eine Show?

Vivienne(zögernd): Es kommt mir nicht so vor.

Keryam: Wenn Cvoa nur ein bißchen seinem Sohn ähnelt -- und mir kommt es so vor, als ob sie sich sehr ähnlich sind --, dann kann ich dir garantieren, daß Ashyra sich einen der wundervollsten Männer weit und breit geangelt hat.

Vivienne(ungläubig): Cvoa-L'yyn?!

Keryam: Allerdings.

Vivienne: Man könnte meinen, du seist auch in ihn verknallt.

Keryam(belustigt): Ich habe Tess. Einer aus der Familie reicht.

Vivienne(seufzend): Warum hat sich Ashree nicht an Laé halten können?

Keryam: Weil Laé ein Kotzbrocken ist.

Vivienne(verweisend): Aber Keryam!

Keryam: Tut mir leid, du weißt doch, wie ich zu ihm stehe.

Vivienne: Ich frage mich bloß, wie ich das meinen Eltern erklären soll.

Keryam: Warum solltest du überhaupt etwas erzählen? Ist das nicht Ashyras Sache?

Vivienne: Naja, ich bin doch aber die ältere Schwester.

Keryam: Na und? Ich habe keine Geschwister und mußte Tesco auch irgendwie erklären.

Vivienne: Und?

Keryam: S'ci und Fyu haben es bemerkenswert gelassen aufgenommen. Cvoa übrigens auch.

Vivienne: Hm.

Keryam bedient sich nun auch von dem Buffet.

Keryam(genießerisch): Dieser Salat ist einfach köstlich.

Vivienne(seufzend): Du hast recht. Warum soll ich mir Ashrees Kopf zerbrechen? Und eins muß man Cvoa-L'yyn lassen -- er sieht zumindest unverschämt gut aus.

Keryam: Außerdem ist er ein Empath, genau wie Tesco. Du kannst sicher sein, daß er Ashyra niemals absichtlich in irgendeiner Art und Weise verletzen würde.

Vivienne: Wie ist es denn, mit einem Empathen zusammen zu sein?

Keryam: Sehr praktisch. Tess merkt immer, in was für einer Stimmung ich mich befinde und handelt dementsprechend. Außerdem sind wir stets absolut ehrlich zueinander, weil irgendwelche Schwindeleien sofort auffallen würden. Und überhaupt ist es einfach wundervoll, seine Gedanken mit dem geliebten Partner zu teilen.

Vivienne: Dabei bist du doch nicht einmal telepathisch oder empathisch begabt -- wie funktioniert das denn überhaupt bei dir?

Keryam: So genau habe ich das auch nicht verstanden. Ich kann sowieso nur mit einem Empathen einen Link formen. Ein Telepath ist nicht kompatibel zu mir.

Vivienne: Stimmt. Das hat Ashyra mir erzählt, als sie versehentlich einmal deine Oberflächengedanken gestreift hat.

Keryam: Da kann ich aber nichts zu. Naja, auf jeden Fall scheint meine Amyshica-Fähigkeit zu bewirken, daß ich mich mit Tesco sogar gedanklich unterhalten kann, obwohl das bei reinen Empathen eigentlich nicht möglich wäre.

Vivienne(sinnierend): Ich kann meine Gedanken generell in andere Personen hineinprojizieren, sofern sie nicht abgeschirmt sind oder diese Amyshica-Fähigkeit haben.

Derweil hat Tesco seine Gefährtin gesucht und hier am Buffet wiedergefunden. Er tritt hinter sie und nimmt sie in die Arme.

Tesco: Da bist du, dhévha! Ich habe dich vermißt.

Keryam: Mh, Tess...

Sie lehnt sich an ihn.

Vivienne: Sag mal Tesco, was hältst du von der Liaison von deinem Vater mit meiner Schwester?

Tesco: Nun, eins ist sicher, Cvoa scheint es überaus ernst zu meinen.

Vivienne: Ich fasse es einfach nicht!

Tesco: Was? Hältst du es für so unwahrscheinlich, daß mein Vater zu solchen Gefühlen fähig ist?

Vivienne: Das eigentlich nicht -- aber ausgerechnet Ashyra!

Tesco: Ashyra ist eine intelligente, hübsche junge Frau mit telepathischen Fähigkeiten. Ich finde, sie paßt hervorragend zu meinem Vater, auch wenn sie noch ziemlich jung ist. Wie alt war sie noch? 18 oder 19?

Vivienne: Mein Schwesterherz wird in zwei Monaten 19. Hm... Vermutlich hast du recht.

Sie sieht zu den Subjekten der Unterhaltung herüber. Cvoa und Ashyra stehen sich gegenüber und halten sich an den Händen. Es sieht so aus, als hätten sie sich in ein Privatuniversum zurückgezogen.

Keryam: Ich finde die zwei total süß. Vor allem kann ich mich nicht entsinnen, wann ich Ashree in der letzten Zeit so wunderschön und strahlend gesehen habe.

Vivienne: Hm. Das ist wahr. Vor allem hatte sie ihr Outfit in den letzten Wochen immer mindestens einmal pro Woche total umgekrempelt, weil sie unzufrieden mit sich und der Welt war.

Tesco: Wenn du mich fragst ist sie momentan alles andere als unzufrieden mit sich und der Welt. -- Soll ich dir mal was verraten? Sie hat Cvoa einen Antrag gemacht.

Er grinst Vivienne an, die ziemlich schockiert dreinblickt.

Vivienne: Wie bitte?!

Tesco: Und er meinte, er würde es sich überlegen.

Vivienne: Hast du noch so ein paar Schocks für mich? Zum Beispiel, daß sie ein Kind von ihm erwartet?

Tesco(belustigt): Nicht daß ich wüßte. Du kannst sie ja fragen.

Vivienne: Ich glaube, darauf werde ich lieber verzichten.

Keryam: Ich frage mich, ob S'ci und Fyu noch kommen.

Tesco: Abwarten. Kerry, meinst du, sie wären sehr irritiert, hier auf Dad zu treffen?

Keryam: Ich denke, sie werden darauf verzichten, ihn festzusetzen. Abgesehen davon findet meine Mutter Cvoa höchst ...faszinierend.

Keryam kann es immer noch nicht fassen, was Cvoa ihr erzählt hatte, als Tesco sie ihm vorgestellt hatte. Der Syaane hatte sie angesehen und meinte beinahe wehmütig: "Du bist genauso schön wie deine Mutter." Auf ihre Frage, was er damit sagen wollte, gab er zu, daß er eine heimliche Liaison mit S'ci Coroun hatte - auch wenn sie sich schließlich für Fyu als Gefährten entschied. Dies ist auch einer der Gründe dafür, warum Cvoa immer noch nicht sonderlich gut auf Fyu zu sprechen ist.

Vivienne: Welches weibliche Wesen findet das nicht? Sogar ich muß zugeben, daß ich ihn sehr attraktiv finde. Er ist überaus intelligent, charmant und charismatisch, und was mich besonders fasziniert ist, daß er einerseits so dominant und männlich und andererseits ausgesprochen gefühlvoll ist. Das ist eine verheerende Mischung, würde ich sagen.

Unbemerkt von den dreien sind Cvoa-L'yyn und Ashyra hinzugetreten. Der Syaane grinst breit, als er Viviennes Äußerung hört.

Ashyra: Du hast noch ein paar Punkte vergessen, Schwesterherz.

Vivienne wird knallrot.

Ashyra: Außerdem ist er humorvoll, zärtlich, leidenschaftlich, erotisch...

Cvoa-L'yyn sonnt sich sichtbar in dem Lob.

Ashyra(trocken): ...und schrecklich eingebildet.

Cvoas darauffolgender Gesichtsausdruck verursacht einen heftigen Heiterkeitsausbruch bei Keryam, Tesco und Vivienne. Ashyra grinst ihn an, ehe sie ihn hingebungsvoll küßt.

Ashyra: Irgendwer muß doch dafür sorgen, daß du auf dem Teppich bleibst.

Cvoa seufzt tragisch.

Vivienne(neugierig): Hat er eigentlich auch schlechte Eigenschaften?

Ashyra mustert ihn von oben bis unten.

Ashyra: Nun, abgesehen davon, daß er anmaßend, unverschämt und frech ist, nicht.

Cvoa(amüsiert): Ich bin nun mal so gut wie perfekt.

Vivienne(ungläubig): Sonst nichts?

Ashyra betrachtet Cvoa nachdenklich und malt mit dem Finger Muster auf seine Vorderfront. Das changierende Material seines Overalls wechselt bei Berührung die Farben.

Ashyra(ein wenig erstaunt): Nein, sonst nichts. Zumindest habe ich bislang keine festgestellt.

Cvoa(grinsend): Wieso? Sollte ich welche haben?

Er legt die Hände auf ihre Hüften und sieht sie belustigt an. Ashyra spürt sein Verlangen über den telempathischen Link und schmiegt sich an ihn.

Ashyra(kichernd): Ich muß mich korrigieren, da ist doch eine schlechte Eigenschaft. Er ist sexbesessen.

Cvoa(noch breiter grinsend): Bis jetzt hast du dich noch nicht darüber beschwert.

Vivienne schüttelt nur den Kopf.

Vivienne: Ihr habt Glück, daß es hier nicht sehr viele Telepathen gibt, sonst müßte man euch wegen kontinuierlicher Jugendgefährdung einsperren. Aber in getrennte Zellen!

Ashyra guckt ertappt und errötet.

Cvoa: Ich dachte, Folter wäre hier verboten.

Er macht so ein tragisches Gesicht, daß alle losprusten.

Vivienne: Ashree, ich glaube, du bist zu beneiden.

Ashyra(strahlend): Endlich siehst du es ein!

Sie legt den Kopf an Cvoas Schulter.

* * *

Unbemerkt ist eine weitere Person angekommen, ein hellhäutiger junger Mann mit goldenen Haaren, der eine standardmäßige weiß/silberne Friedenshüter-Kombination trägt.

Laé(entgeistert): Was haben wir denn hier? Cvoa-L'yyn in trauter Gemeinschaft mit diversen Damen von den Friedenshütern. Sag mal Ashyra, bist du von allen guten Geistern verlassen? Ich dachte eigentlich, du wärst mit mir zusammen?!

Ashyra(liebenswürdig): Vergiß es, Laé.

Laé(ärgerlich): Was soll das heißen?

Ashyra: Ich habe kein Interesse mehr daran, von dir dazu benutzt zu werden, um dein von Keryam so sehr gebeuteltes Ego wieder aufzupäppeln. Such dir jemand anderen dafür.

Keryam(verärgert): Sag mal, Laé, warum bist du überhaupt hier hergekommen? Nur um herumzustänkern? Du bist nicht eingeladen.

Laé(süffisant): Mir scheint aber, es war eine sehr gute Idee, insbesondere, da ich hier endlich die Chance habe, Cvoa-L'yyn einzukassieren. Und wir beide werden uns noch über unsere Beziehung unterhalten, Ashyra.

Ashyra: Davon träumst du aber nur.

Sie schüttelt den Kopf und fragt sich, warum sie nicht auf Keryam gehört hat, die ihr von jeher abgeraten hatte, sich mit Laé einzulassen.

Sicherheitshalber läßt sie Cvoa los, um diesen nicht zu behindern, falls Laé irgendwelche dummen Aktionen plant. Entschlossen funkelt sie Laé an. Sie würde es nicht zulassen, daß dieser sich in irgendeiner Art und Weise an Cvoa vergriff.

Laé: mecon; Laé an Cole: Bitte kommen!

Cole: Hallo Laé! Was gibt es?

Laé: Ich habe Cvoa-L'yyn erwischt. Transmit-Feld für zwei Personen. Danke und bye, Cole.

Prompt erscheint ein grünlich/goldenes Feld.

Laé: Gehst du freiwillig, Cvoa, oder soll ich dich per Telekinese hindurchbefördern?

Ashyra: Du wirst gar nichts!

Völlig überraschend stürzt sie sich auf Laé und schubst ihn durch das Feld. Cvoa-L'yyn guckt ziemlich verdutzt, vor allem, da Ashyra die Hände vor das Gesicht schlägt und aufschluchzt, ehe sie tief ein-- und ausatmet und sich wieder unter Kontrolle bringt. Vivienne starrt ihre Schwester schockiert an.

Vivienne: Was hast du getan?!

Ashyra(ganz ruhig): Keryam, ist dein Rihkuun hier?

Keryam: Sicher. Warum?

Ashyra: Wärst du bitte so lieb, für mich ein Transmit-Feld zum Raumhafen von Antrea-Máryn anzufordern? Für zwei Personen. Ich werde vermutlich so bald nicht zurückkommen.

Vivienne: Ashree!

Keryam: Bist du dir wirklich sicher?

Ashyra nickt stumm. Sie wirkt, als stünde sie unter einem Schock. Cvoa-L'yyn spürt, daß irgendetwas nicht mit ihr stimmt und nimmt sie in die Arme. Keryam schaut sie fragend an.

Ashyra: Kerry, weißt du, was ich getan habe? Ich habe Laé mit meinen PSI-Fähigkeiten attackiert, bevor ich ihn in sein Rihkuun zurückgeschickt habe. Du weißt, wie stark meine kombinierte Hypnose/Telepathie-Begabung ist. Wenn er Pech hat, habe ich seine PSI-Fähigkeiten für immer ausgebrannt. Er könnte sogar tot sein! Ich weiß nicht, ob er seine Schilde schnell genug aktiv hatte.

Keryam: Aber ...warum?

Ashyra(hilflos): Ich habe einfach zugeschlagen. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, daß er mir Cvoa wegnehmen wollte. Kerry, ich kann nicht mehr hier bleiben, das ist dir doch auch klar.

Sie bemüht sich mit aller Kraft, ruhig zu bleiben, doch Cvoa fühlt ihr Entsetzen über das, was sie getan hat. Er streicht ihr sanft über das Haar.

Ashyra(verzweifelt): Bitte!

Keryam: mecon; Keryam an Coat: Bitte kommen!

Coat: Hallo Keryam! Was gibt es?

Keryam: Peil mich ein und bau ein Transmit-Feld für zwei Personen zum Raumhafen von Antrea-Máryn auf. Danke und bye, Coat.

Ashyra(erleichtert): Danke, Keryam.

Sie umarmt erst ihre Freundin, dann Vivienne.

Cvoa: Ich denke, wir werden noch eine Weile auf Blaccóllo bleiben. Keryam, du kannst jederzeit mit Tesco vorbeikommen. Du auch, Vivienne. A-tás.

Ashyra: Auf Wiedersehen.

Cvoa-L'yyn und Ashyra treten durch das Transmit-Feld und stehen prompt am Rand des Raumhafens von Antrea-Máryn.

Ashyra(verzweifelt): Himmel, Cvoa, ich habe totalen Mist gebaut.

Cvoa: Sagen wir mal, du hast gehandelt, ohne nachzudenken. Komm, laß uns erst einmal die Terra von Véléna holen.

Sie fahren mit einem Zubringer zu Cvoas Raumgleiter und starten zum fünften Accra-Planeten.

Cvoa: Was meinst du, wann werden sie versuchen, dich zurückzuholen?

Ashyra: Nun, Keryam und Vivienne werden nichts sagen, und ich glaube, Kenny hat gar nicht mitgekriegt, was passiert ist. Es hängt davon ab, wann Laé wieder aufwacht. Wenn er wieder aufwacht. Sein Rihkuun-Computer weiß ja nicht, was vorgefallen ist, und ein PSI-Schock ist von einem der Computer schwer festzustellen.

Cvoa: Was würden sie denn mit dir tun?

Ashyra: Ich habe Laé mit meinen PSI-Fähigkeiten angegriffen und das nicht zum Schutz meines Lebens. Insbesondere habe ich dadurch dir zur Flucht verholfen. Laé oder seine Verwandten könnten verlangen, daß man mir meine PSI-Talente nimmt, und um so mehr, wenn ich ihn tatsächlich ausgebrannt habe.

Cvoa: Aber das ist doch genau so schlimm, als wenn man einem Dieb die Hand abschlägt!

Ashyra: Diese Regeln sind von Leuten ohne PSI-Begabungen gemacht worden. Für die klingt das nicht nach einer grausamen Strafe.

Cvoa(geschockt): In meinen Augen bedienen die Friedenshüter sich ziemlich barbarischer Strafmaßnahmen. Nicht alleine, daß sie T'yla töteten, indem sie ihre Erinnerungen vollständig löschten, nun auch noch so etwas! Ich glaube, ich habe Glück gehabt, daß ich bislang immer nur den Systempolizeien in die Finger gefallen bin.

Ashyra: Stimmt. Ich glaube, als erste Maßnahme sollte ich meinen mecon-Sender und --Empfänger loswerden. Darüber kann ich überall in den Vier Galaxien eingepeilt werden.

Cvoa: Wo liegt das Problem?

Ashyra: Das Gerät ist in meiner rechten Schulter eingepflanzt. Traust du dir zu, das Ding herauszunehmen? Ich komme da leider selber nicht dran, da ich mit der linken Hand nicht so präzise arbeiten kann. Ich hoffe, du hast auch eine Medo-Ausrüstung für Cyrea-Abkömmlinge dabei.

Cvoa: Ich denke, ja.

Ashyra: Gut. Hauptsache, du hast ein gutes Lokalanästhetikum und einen Wundkleber da. Das Gerät ist nur etwa 2cm lang und hat einen Durchmesser von 0.5cm, es dürfte also nicht allzu problematisch sein.

Cvoa: Ich bin erstaunt, wie gefaßt du das alles betrachtest.

Ashyra: Soll ich etwa in Hysterie verfallen?

Ashyra schließt geschafft die Augen und lehnt sich im Co-Pilotensitz zurück. Cvoa stellt das Schiff auf Autopilot, geht zu ihr hinüber und setzt sich auf die Armlehne. Während er zärtlich die Arme um sie legt, sendet er ihr beruhigende Gedanken zu.

Cvoa: Ich bin bei dir.

Ashyra(leise): Ich weiß. -- Aber so hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt.

Sie lehnt sich an ihn.

Ashyra: Ich sollte Keryam bitten, meine Sachen aus dem Appartement in Antrea-Máryn zu holen.

Cvoa: Noch hast du deinen mecon-Sender.

Ashyra: Stimmt.

Sie ruft Keryam an und leitet alles in die Wege.

Ashyra: Tesco wird alles mit der EX nach Blaccóllo bringen.

Cvoa: Sehr gut.

Mittlerweile sind sie in der Station auf Accra V/Véléna in die Terra umgestiegen und nun auf dem Weg zur Fur'ra Aralanka.

Cvoa: Hier in der Terra bist du erst einmal sicher. Die habe ich nämlich nach meinen leidvollen Erfahrungen mit dem Transmit-System entsprechend abgeschirmt.

Ashyra: Das ist beruhigend. -- Wetten, daß diese ganze Aktion wieder einmal dir zugeschrieben werden wird? Der böse, böse Cvoa-L'yyn hat es wieder einmal geschafft, eine Friedenshüterin zu entführen und zu seinem Werkzeug zu machen.

Cvoa(seufzend): Bestimmt.

* * *

Schon bald darauf sind sie wieder in der Station über dem Planeten Blaccóllo.

Ashyra: Ich bin müde.

Cvoa: Du siehst auch nicht besonders gut aus. Komm, ich bringe dich ins Bett.

Er hebt sie auf die Arme.

Cvoa(ächzend): Uff, zu leicht bist du aber nicht.

Das entlockt Ashyra ein Lächeln, und sie schlingt ihm die Arme um den Hals.

Ashyra: So etwas erwähnt ein wahrer Kavalier normalerweise nicht.

Cvoa: Sorry, Training hin oder her, Gewichtheben ist nunmal nicht meine Spezialität.

Ashyra: Du bist un-mög-lich!

Mit etwas Mühe gelingt es Cvoa dennoch, sie die ganze Strecke vom Hangar bis zu ihrem Quartier zu transportieren und auf dem Bett abzulegen.

Cvoa(fürsorglich): Möchtest du noch etwas zu essen oder zu trinken -- oder hast du noch einen anderen Wunsch?

Ashyra: Nein. Bloß, daß du dich zu mir gesellst und mich einfach nur festhältst.

Dieser Aufforderung leistet Cvoa nur zu gerne Folge. Ashyra kuschelt sich an ihn, dann läßt sie endlich ihren Gefühlen freien Lauf und weint, bis keine Tränen mehr kommen. Cvoa hält sie in den Armen, streichelt sie und fühlt sich ansonsten völlig hilflos. Irgendwann beruhigt sie sich jedoch.

Ashyra(niedergeschlagen): Als ich davon sprach, mit dir zu gehen, dachte ich eigentlich nicht daran, alle Brücken hinter mir abzubrechen.

Cvoa: Was geschehen ist, läßt sich nicht mehr rückgängig machen. Aber ich kann dir versprechen, daß ich dir Syaana zu deiner Heimat machen werde.

Ashyra: Ich dachte, du wolltest und konntest mir keine Sicherheiten bieten?

Cvoa: Ich habe meine Meinung geändert.

Er läßt sie seine Emotionen teilen, und sie sieht ihn ein wenig verwundert und zärtlich an.

Ashyra(sanft): Du liebst mich?!

Cvoa: Seit mir klar wurde, was du tatsächlich getan hast, trotz der Folgen, die es für dich haben würde. Und warum du es getan hast.

Ashyra lächelt und schmiegt sich an ihn. Wenigstens das war eine positive Wendung in dem ganzen Chaos.

Ashyra(gähnend): Himmel, bin ich erledigt. -- Mh, Cvoa, und ich liebe dich auch.

Sie rollt sich in seinen Armen zusammen und schläft erschöpft ein. Cvoa-L'yyn schüttelt belustigt den Kopf und beschließt, sich auch zur Ruhe zu begeben.

* * *

Man schreibt den 22:10:2253TZ. Nach terranischer Standardzeit wäre es etwa später Nachmittag, doch auf Blaccóllo ist über der Station gerade die blauweiße Sonne Dissilùvo aufgegangen.

Cvoa-L'yyn ist es gelungen, sich aus dem Bett zu stehlen, ohne Ashyra aufzuwecken, und er hat die Zeit genutzt, ein ausgiebiges Frühstück zusammenzustellen und in sein Quartier zu bringen.

Da Ashyra immer noch im Land der Träume weilt, als er zurückkommt, beschließt er, einer ausgiebigen Dusche zu frönen und sich anzuziehen, ehe er sie dann doch liebevoll wachküßt.

Ashyra: Cvoa.

Sie räkelt sich ausgiebig, was Cvoa-L'yyn prompt zu einigen Streicheleinheiten verführt. Ashyra schnurrt behaglich und zieht ihn zu sich herab.

Cvoa(belustigt): Willst du nicht erst einmal frühstücken, Ashyra?

Ashyra: Cvoa, sag mir, daß das gestern alles nur ein böser Traum war.

Cvoa: Leider nicht.

Er nimmt sie in die Arme und sendet ihre liebevolle Gedanken zu.

Ashyra: Ich wollte das eigentlich nicht.

Cvoa: Ich weiß. Aber es ist nicht mehr zu ändern.

Ashyra: Du hast ja recht.

Sie rafft sich auf und verschwindet rasch im Bad. Als sie geraume Zeit später zurückkommt, ist sie in einen monumentalen, weißen Bademantel gehüllt.

Ashyra: Du hattest etwas von Frühstück gesagt -- steht das Angebot noch?

Cvoa: Glaubst du, ich lasse dich hier darben?

Er schiebt ein Antigravtablett heran.

Ashyra: Herrlich! -- Äh, ich hoffe, du kannst deinen Nahrungmittelsynthi auch mal zu Kaffee überreden...

Cvoa: Hm. Ich fürchte, ich muß demnächst noch ein paar Samples in den Synthi eingeben. Zur Zeit kann ich dir als warmes, koffeinhaltiges Getränk nur Rij-Sian, Tvara-Tee oder Askadris anbieten.

Ashyra: Dann bleibe ich erstmal bei Rij-Sian.

Cvoa: Das ist gut. Davon habe ich nämlich schon eine große Thermokaraffe geholt.

Sie speisen erst einmal in aller Ruhe. Nachdem die Robots alles bis auf die Becher und den Rij-Sian abgeräumt haben, zieht Ashyra eine Schnute.

Ashyra: Ich würde sagen, wir sollten jetzt langsam zusehen, daß ich diesen mecon-Sender loswerde.

Cvoa: Ich fürchte, du hast recht. Zum Glück habe ich ein paar Medorobots hier.

Ashyra: Hoffentlich welche von Kara...

Cvoa: Wenn, dann organisiere ich mir nur das beste Material.

Ashyra: Obwohl, den kleinen Schnitt könntest du doch auch selbst machen.

Cvoa(abwehrend): Lieber nicht!

Ashyra(belustigt): Cvoa, könnte es sein, daß du ein kleines Problem hast?

Cvoa(verlegen): Äh, ja, nun... Ich kann nun mal kein Blut sehen. Auch wenn es nicht blau ist...

Ashyra: Du bist süß. Was hast du denn gemacht, wenn du dich verletzt hast oder krank warst?

Cvoa: Naja, normalerweise können die Medorobots die meisten Sachen erledigen. Im Notfall wäre ich wohl nach Pas-Come gegangen, da die Comaani meiner Physiologie halbwegs ähnlich sind. Zum Glück war es jedoch nicht notwendig.

Ashyra: Haben sich die Medorobots auch um die Geburt deiner Kinder gekümmert?

Cvoa: Hm. Im weitesten Sinne. Weißt du, aus Sicherheitsgründen haben T'yla und ich entschieden, sie nicht von ihr austragen zu lassen, da es zu Blutunverträglichkeiten zwischen den Kindern und T'yla gekommen wäre. Wir haben einige Simulationen durchgerechnet, wobei ersichtlich wurde, daß das syaanische Erbgut T'ylas karanisches Erbgut komplett in den Hintergrund drängen würde. Daher blieb nichts anderes übrig, als die Kinder in einem künstlichen Uterus reifen zu lassen.

Ashyra: Oh. Aber ich finde es interessant, daß es überhaupt möglich ist, daß Syaane und Cyrea-Abkömmlinge genetisch kompatibel sind.

Cvoa: Vermutlich liegt es darin begründet, daß die syaanische Rasse ursprünglich ein Genetic Engineering Produkt der Veríní war.

Ashyra: Ich dachte, es hätten sich zwei Kolonistengruppen von Laan und Veríní vermischt?

Cvoa: Das ist die offizielle Version. Der tatsächliche Ursprung der Syaane wird nicht gerne diskutiert, aber es sind vor einigen tausend Jahren diesbezügliche Unterlagen gefunden worden. Im Alten Krieg der Vier Galaxien gegen die Vereinigung Tressila haben insbesondere die Laan fürchterlich gewütet. Einige Wissenschaftler der Veríní haben daraufhin laanische Kriegsgefangene zu Experimenten benutzt, um sich ihrerseits eine Kriegerrasse zu schaffen, die dann die Laan unterwandern und von innen her bekämpfen sollte. Natürlich sollte diese Kriegerrasse über entsprechende Fähigkeiten verfügen, besonders anpassungsfähig sein etc. Und sie wollten ihnen PSI-Talente anzüchten, die sie zu unüberwindlichen Gegnern für die Rassen der Vier Galaxien machen sollten.

Cvoa-L'yyn nippt von seinem Rij-Sian.

Cvoa: Allerdings haben die Veríní dabei nicht bedacht, daß sich die Natur nur begrenzt ins Handwerk pfuschen läßt.

Ashyra: Wieso? Was ist passiert?

Cvoa: Nun, die 'Prototypen' der Syaane schienen ihren Anforderungen zu genügen, aber als sie dann eine Großserie von etwa 20000 Individuuen auflegten, zeigte die sich ein wenig anders. Das Hauptproblem dabei war die PSI-Begabung. Anstatt starker Telepathen und Telekineten, wie beabsichtigt, hatten sie fast ausschließlich Empathen produziert. Logischerweise weigerten sich die Empathen, in Kriegseinsätze zu gehen, da sie alle Gefühle ihrer Gegner spüren konnten. Da die Veríní wenigstens so viele Skrupel hatten, ihre Schöpfungen nicht einfach zu vernichten, setzten sie diese auf einem unbewohnten Planeten ab. Das Resultat ist die syaanische Rasse.

Ashyra sieht ihn aus großen Augen an.

Ashyra: Das klingt ja schrecklich!

Cvoa: Es ist inzwischen so lange her, daß die Masse der Einwohner von Syaana es nicht mehr weiß. Es haben sich mittlerweile sogar verschiedene Rassen innerhalb der Syaane ausgebildet. Du wirst feststellen, daß die Hautfarben von Zartbleu bis Dunkelblau reichen. Meine Hautfarbe beispielsweise liegt eher im dunklen Bereich. So, und jetzt sollten wir tatsächlich die Medorobots auf dich loslassen.

Ashyra: Nun gut.

Sie erhebt sich und zieht Cvoa ebenfalls in die Höhe, ehe sie sich zur Medostation aufmachen.

Ashyra erläutert einem der Medo-Robots das Problem, und dieser weist sie an, sich für einen Scan hinzusetzen. Binnen weniger Sekunden projiziert er ein Holo ihrer rechten Schulter in den Raum, wo der Sender orangefarben markiert ist.

Robot: Diagnose: Plastometallischer Fremdkörper im Bindegewebe. Keine Verletzung. Behandlung: Ambulante Entfernung des Fremdkörpers unter Einsatz eines Lokalanästhetikums und einer Mikrosonde. Prognose: Vollständige Heilung ohne Beeinträchtigungen wahrscheinlich.

Ashyra: Na bitte. Also ran ans Werk.

Der Robot macht sich an die Arbeit, und binnen Minutenfrist liegt der kleine Sender in einer Schale.

Robot: Die Lokalanästhesie wird in etwa zehn Minuten abklingen. Die Wunde ist versorgt und der Heilungsprozeß medikamentös beschleunigt worden. In etwa zwei Tagen sollten Sie nichts mehr davon spüren.

Ashyra: Hervorragend. Danke, Robot.

Sie begutachtet ihre Schulter, wo ein dünnes Spraypflaster einen winzigen Schnitt bedeckt, ehe sie sich wieder in ihren Bademantel wickelt.

Ashyra: Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn ich daran denke, daß ich jetzt nicht mehr einfach mit einem Gedanken irgendjemanden anrufen kann.

Cvoa: Aber dafür kann man dich auch nicht mehr auf Schritt und Tritt überwachen.

Ashyra: Tesco hat sich ja geweigert, einen mecon-Sender implantiert zu bekommen.

Cvoa: Was ich durchaus verstehen kann.

Unerwartet ertönt ein summendes Signal.

Cvoa: Oh, ein Funkspruch. Das kann eigentlich nur Tesco sein.

Er geht zu einem Viphongerät in der Medostation und nimmt den Spruch entgegen.

Tesco: Hi Dad. Ich habe Ashyras Sachen dabei. Keryam ist natürlich auch mitgekommen.

Cvoa: Hallo Tesco. Ich lege dir einen Peilstrahl zu einem freien Hangar. Bis gleich.

Tesco winkt kurz, dann unterbricht er die Verbindung, während Cvoa dem Stationscomputer Anweisung gibt, die EX auf einen Landestrahl zu setzen.

Cvoa: Komm, gehen wir zum Hangar.

Ashyra: Ich sollte mir erst etwas vernünftiges überziehen.

Er begutachtet sie und zieht sie vorsichtig in die Höhe.

Cvoa: Stimmt. -- Wie geht's deiner Schulter?

Ashyra: Den Umständen entsprechend gut.

Cvoa: Gut.

Sie wandern also zum Unterdeck der Station, wobei sie zunächst kurz im Wohnbereich stoppen, damit Ashyra sich einen bequemen Freizeitanzug überstreifen kann. Im Hangar parkt die EX neben der Terra, und Keryam und Tesco sind bereits damit beschäftigt, einige Robots anzuweisen, diverse Kisten und Taschen aus dem Schiff zu räumen.

Ashyra schlägt beinahe die Hände über dem Kopf zusammen.

Ashyra: Ihr habt ja wirklich meine ganze Wohnung ausgeräumt.

Keryam: Ich mache keine halben Sachen.-- Ay jéesha, Ashree, wie konnte das nur passieren?

Ashyra(ziemlich fertig): Ich habe einfach die Beherrschung verloren. Hat Laé die Attacke überlebt?

Keryam: Das schon, aber seine PSI-Fähigkeiten haben schweren Schaden davon getragen. Momentan sieht es so aus, als wäre er komplett ausgebrannt.

Ashyra schließt niedergeschlagen die Augen, woraufhin Cvoa sie tröstend in die Arme nimmt.

Keryam: Ashree, es ist nicht zu ändern. Meiner Meinung nach hat Laé sich das ganz alleine zuzuschreiben. Normalerweise sucht er sich ja immer Leute, die schwächer sind als er, um sie zu trietzen, aber diesmal hat er sich wohl ein wenig verrechnet.

Ashyra: Das ist es ja. Ich bin mehrere Levels stärker als er, daher hatte er nicht die geringste Chance!

Keryam(gnadenlos): Das hätte er sich früher überlegen müssen.

Sie lehnt sich an eine der Kisten, deren Antigrav-Aggregate abgeschaltet sind, so lange sie noch herumstehen.

Keryam: Aber daß du deswegen ins Exil gehen mußt...

Sie holt tief Atem.

Keryam: Das finde ich höchst unfair.

Ashyra: Ich habe nicht die geringste Lust, mir meine PSI-Fähigkeiten nehmen zu lassen. Ich fürchte, meine Mutter wird sich kolossale Vorwürfe machen, weil sie mich doch trainiert hat. Das oberste Gebot in der PSI-Technik ist schließlich völlige Selbstbeherrschung, damit so etwas nicht passiert.

Keryam: Madhánys, du bist doch auch nur ein Mensch! Du ahnst nicht, wie oft Laé mich in Versuchung geführt hat, ihm eine Abreibung zu erteilen.

Ashyra: Aber du hast nichts getan.

Keryam: Er hat einfach Glück gehabt.

Cvoa: Was haltet ihr davon, wenn wir nach oben gehen und uns ein gemütlicheres Eckchen für unsere Unterhaltung suchen?

Tesco: Gute Idee. -- Dad, wohin soll der Kram?

Cvoa: Moment.

Er gibt den wartenden Robots detaillierte Anweisungen.

Cvoa: So, und jetzt kommt erst mal mit nach oben.

Keryam: Ich finde diese Station irgendwie fantastisch.

Sie guckt durch den transparenten Hangarboden nach unten, wo gerade eine Erdspalte dekorativ Magma hervorquellen läßt.

Cvoa(amüsiert): Was meinst du, warum ich sie so in Auftrag gegeben habe?

Er macht eine einladende Geste, und sie wandern zum Axial-Lift, der sie in das Deck hinauf trägt, wo sich die Wohnräume befinden.

Cvoa: Bitte, setzt euch doch.

Sie nehmen Platz, und Cvoa weist einen der allgegenwärtigen Robots an, ein paar Erfrischungen zu bringen.

Cvoa: Was haben deine werten Kollegen denn nun mit Ashyra vor, wenn sie sie erwischen?

Keryam: Da sind sie sich noch weitestgehend uneins. Carmee hat sogar gefordert, daß ich auch aus dem Dienst entlassen werden soll, da ich Ashyra und dir letztendlich zur Flucht verholfen habe. Ich konnte ihnen zum Glück weismachen, daß ich nicht wußte, was passiert war, als ich für dich das Transmit-Feld angefordert habe.

Ashyra: Du kannst doch behaupten, ich habe dich unter Hypnose gesetzt. Mein PSI-Level ist bei den Friedenshütern mit Abstand der höchste, wenn man mal von meiner Mutter absieht.

Keryam: Ashree, ich bin eine elh-asthérys und verfüge daher über ein gutes Maß der amyshicaan Viláyan-Fähigkeit. So blöd ist nicht einmal Carmee, daß sie mir das abnimmt. Aber wenigstens kann mich keiner der Telepathen scannen.

Cvoa: Und was ist mit Tesco?

Keryam(grinsend): Den wird vermutlich auch keiner der Telepathen noch mal scannen wollen. Als Raké ihn gestern in die Mangel nehmen wollte, habe ich ihn abgeschirmt, mit dem Resultat, daß der Scan dasselbe Resultat aufwies wie bei mir -- nämlich einige Zeit Medostation für den ausführenden Telepathen.

Tesco: Dhévha, das ist einer der Gründe, warum ich nicht umhin kann, dich zu lieben.

Keryam himmelt ihn an und gibt ihm einen Kuß.

Keryam: Sâvhi, dhévho.

Cvoa-L'yyn lächelt still in sich hinein. Er ist froh, daß sein Sohn schon ihn so jungen Jahren eine Lebensgefährtin gefunden hat, und als Ashyra sich verliebt an ihn lehnt, ist er glücklich, daß es ihm nun endlich auch wieder gelungen ist. Er streicht zärtlich durch ihr Haar.

Keryam: Übrigens, Ashree, deine Eltern und Vivienne wollen auch mal hier vorbeikommen. Ich glaube, C.Alya ist ziemlich aufgebracht.

Ashyra: Irgendwie kann ich mir das lebhaft vorstellen.

Keryam: Ich glaube, du vertust dich. C.Alya ist aufgebracht, weil die Friedenshüter ihr stärkstes PSI-Talent vernichten wollen, nur weil die dem notorischen Störenfried und Unruhestifter Laé endlich mal die Lektion erteilt hat, die er schon länger verdient hat.

Ashyra starrt Keryam ungläubig an.

Ashyra: Das hat sie gesagt?

Keryam: Genau das.

Ashyra lächelt, wobei ihr ein paar Tränen über die Wange laufen. Verlegen wischt sie diese ab.

Ashyra: Das hätte ich nicht von ihr erwartet.

Keryam(zustimmend): Deine Mutter ist klasse. -- Ach übrigens, Ashyra, ich habe noch etwas hier für dich.

Sie legt einen kleinen Koffer auf den Tisch und öffnet ihn. Einige Dutzend Speicherkristalle schimmern auf schwarzem Stoff wie Diamanten.

Keryam: Das sind die kompletten Unterlagen über die Transmit-Technologie der Alten Völker

Ashyra(entgeistert): Aber Kerry!

Keryam: Nun, ich dachte mir, vielleicht kannst du das brauchen.

Ashyra: Aber wenn die Hauptcomputer das mitkriegen...

Keryam: Ich habe schon vor Jahren das, was mich interessierte, auf Kristallen abgespeichert, damit ich jederzeit alles nachschlagen kann, ohne daß mich immer ein neugieriger Comp fragt, warum ich das gerade jetzt wissen möchte. Das hier ist eine Kopie von einem meiner Sätze.

Ashyra: Du bist paranoid.

Keryam: Sicher. Du kennst ja mein Motto 'Lieber vorsichtig als tot'.

Ashyra: Aber die ganzen wissenschaftlichen Daten...

Keryam: Ich denke nicht, daß du oder Cvoa das mißbrauchen werdet. Wer weiß, vielleicht können wir ja eine private Transmit-Strecke zwischen Ssi-Srilna und Cirenn-S'cirain aufbauen. Es ist an der Zeit, daß die Beziehung der Vier Galaxien und Dega-Zathi zur Vereinigung Tressila normalisiert wird, und wenn das nicht offiziell geht, sollten wir eben inoffiziell anfangen.

Was Keryam nicht ausspricht, ist die Tatsache, daß Ashyra ohne die Transmit-Technologie und die bei jedem Sprung automatisch ausgeführte Reparatur verbrauchter Körperzellen nur die normale Lebenserwartung einer Karanéa hättte, und die liegt mit etwa 250-300 Terra-Jahren erheblich unter der der syaanischen Rasse.

Cvoa: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Danke, Keryam.

Er reicht ihr die Hände, um über seine empathische Begabung auszudrücken, was er fühlt. Keryam lächelt ihm zu.

Keryam(leise): Ich habe eine Vorahnung, daß in einigen hundert oder tausend Jahren eine Galaxien-Union entstehen wird, wie sie nicht einmal zur Zeit des Bundes der Vier Galaxien in den kühnsten Träumen der Alten Völker erdacht worden ist.

Ashyra: Ist das ein Wunschtraum oder eine echte Vision?

Keryam(ernsthaft): Ich denke, es ist beides.

Sie entzieht Cvoa-L'yyn ihre Hände wieder.

Keryam: Übrigens, Ashyra, bevor du mit Cvoa nach Ssi-Srilna aufbrichst, möchte deine Mutter dich auf jeden Fall noch mal sehen.

Cvoa: Sie kann sich gerne von Tesco herbringen lassen.

Er lächelt und legt die Arme um Ashyra.

Cvoa: Immerhin sollte ich schließlich bei den Eltern meiner zukünftigen Frau vorstellig werden, bevor ich sie über den Abgrund zwischen den Galaxien entführe.

Ashyra: Ich hoffe nur, die beiden reißen dir nicht den Kopf ab.

Cvoa(trocken): Ich auch.

Keryam: Wann wollt ihr denn losfliegen?

Cvoa: Das hat noch Zeit. Ich muß mich schließlich erst seelisch darauf einstellen, daß ich jetzt eine Lebensgefährtin habe.

Ashyra(entrüstet): Cvoa!

Cvoa(grinsend): Genau das meine ich.

Er vergräbt sein Gesicht in ihren Haaren und genießt ihre Nähe. Ashyra spürt, wie in ihr wieder ein unbändiges Verlangen nach ihm aufsteigt. 'Dhévho, ich will dich, hier und jetzt -- äh, doch lieber nicht jetzt', ermahnt sie sich. 'Wir haben Besuch.'

Cvoa(belustigt): Ich fürchte, wir müssen noch ein wenig an deiner Abschirmung arbeiten.

Ashyra: Hm?

Cvoa(grinsend): Nun, Syaana ist eine Welt voller Empathen, und du projizierst deine Gefühle ziemlich stark nach draußen. Vor allem, wenn es dich gerade wieder einmal überaus nach meiner werten Person verlangt.

Ashyra(verlegen): Ich habe bislang immer nur darauf achten müssen, daß ich meine Gedanken korrekt abschirme, und damit hatte ich nie Probleme.

Cvoa: Das liegt daran, daß Gefühle auf einer etwas anderen 'Frequenz' übertragen werden. Diese wird offenbar gerade nicht mehr komplett von deinem normalen Schild blockiert.

Ashyra wird ziemlich knallrot, vor allem, da Tesco sie breit angrinst.

Ashyra: Dann mußt du eben etwas unternehmen, damit ich nicht immer sofort daran denke, mit dir ins Bett zu hüpfen, wenn du mich so festhältst oder ansiehst oder streichelst.

Cvoa(amüsiert): Wer sagt, daß ich das will?

Er läßt seine Hände sanft über ihren Körper gleiten, und Ashyra seufzt hingebungsvoll auf.

Ashyra(anklagend): Du tust es schon wieder!

Tesco(grinsend): Wenn ihr beide der Zweisamkeit frönen wollt, kann ich gerne Keryam mein hiesiges Quartier zeigen.

Cvoa: Vielleicht kommen wir nachher darauf zurück.

Ashyra: Lustmolch!

Cvoa: Erzähl mir mehr...

Keryam lächelt und angelt nach Tescos Hand, ehe sie wieder ernst wird.

Keryam: Übrigens, Ashyra, am 25:10:2253TZ wird abgestimmt, was mit dir geschehen soll.

Ashyra: Ich glaube nicht, daß ich dabei sein will.

Keryam(zustimmend): Das wäre vermutlich ein taktischer Fehler.

Cvoa: Ich würde dich auch nicht in die Höhle der Löwen gehen lassen -- dhévha.

Ashyra sieht ihn zärtlich an, als er sich an dem für ihn fremden Wort versucht, das soviel wie 'gewählte Lebensgefährtin' bedeutet.

Keryam fischt nach einer Schale mit Salzgebäck, die auf dem Tisch steht und beschließt, abwechselnd Tesco und sich zu füttern.

Keryam: Und was habt ihr in der Zwischenzeit hier vor?

Cvoa: Nun, ich wollte noch ein paar wissenschaftliche Arbeiten abschließen, die ich vor geraumer Zeit begonnen habe, und außerdem werden Ashyra und ich erst einmal unseren augenblicklichen Zustand des Verliebtseins bis zur Neige auskosten.

Er führt Ashyras Hände an seine Lippen und küßt ihre Fingerspitzen, bevor er die Augen schließt und versucht, sich nicht von der Woge ihrer Emotionen hinwegtragen zu lassen, die ihn natürlich schon wieder zu äußerst eindeutigen Tätigkeiten verleiten will.

Cvoa(trocken): Und dann war da noch die Sache mit deiner Abschirmung, Ashyra.

Ashyra(peinlich berührt): Es ist mir schon wieder passiert, hm?

Cvoa nickt belustigt.

Cvoa: Sei froh, daß wir hier relativ alleine sind. Ich vermute, daß bei deiner telempathischen 'Lautstärke' auf Syaana die Leute in einigen hundert bis tausend Kilometern Umkreis noch alles mitkriegen würden.

Ashyra(schockiert): Wie bitte?!

Cvoa: Du siehst das Problem.

Ashyra nickt verlegen.

Cvoa(dozierend): Der Trick ist es, eine Abschirmung zu realisieren, die ungerichtete Emotionen kontinuierlich blockiert, es gleichzeitig jedoch ermöglicht, Emotionen gerichtet zu senden und zu empfangen.

Ashyra: Also im Prinzip ist das wirklich nichts anderes als ein normaler mentaler Schild.

Cvoa: Sicher. Nur mußt du lernen, mit deinem normalen Schild die kompletten emotionalen Frequenzen zu erwischen. Ich vermute, das ist auch der Grund, warum du derart ...intensiv auf mich reagierst. Sobald ein direkter körperlicher Kontakt besteht, ist selbst die stärkste Abschirmung nur noch bedingt wirksam. Und da du zur Zeit sozusagen ständig 'voll auf Empfang' bist, bekommst du natürlich erheblich mehr von meinen Gefühlen mit als es für dich gut ist. Ich meine, es ist ja kein Geheimnis, daß ich dich überaus anziehend finde.

Er ergreift ihre Hände und beobachtet sie interessiert. Ashyra holt tief Luft und bemüht sich angestrengt, ihr emotionales Gleichgewicht wiederzufinden. Cvoa läßt sie wieder los, und sie atmet auf.

Cvoa: Mir scheint, die Vermutung stimmt.

Ashyra: Ayée, also bist doch du daran schuld!

Cvoa: Das würde ich nicht so pauschal sehen. Wenn du nicht so süß wärst, würde ich nicht so oft über dich nachdenken.

Keryam(amüsiert): Verstehe ich das richtig, daß sich eure Gefühle füreinander gegenseitig hochschaukeln?

Cvoa: Korrekt. Und sobald es mir gelingt, Ashyra zu einer vernünftigen Abschirmung zu verhelfen, wird sich alles auf ein ziviles Maß einpendeln.

Ashyra: Was immer du unter 'zivil' verstehst...

Cvoa(belustigt): Das hängt ganz davon ab, wie stark du dich dann abzuschirmen gedenkst.

Ashyra: Zumindest genug, daß nicht der halbe Planet mitkriegt, was ich für dich empfinde.

Cvoa: Ein weiser Entschluß. -- Versuche doch einfach einmal, einen Block zu errichten.

Er streckt ihr eine Hand entgegen, und Ashyra legt ihre Fingerspitzen an seine. Sie schließt die Augen und versucht, des Verlangens Herr zu werden, das augenblicklich in ihr aufsteigt.

Cvoa: Andererseits wäre dieser 'Effekt' aber vernachlässigbar, wenn du nicht a) derart in mich verliebt und b) so eine starke Telepathin wärst, vermute ich.

Keryam: Du kannst ja mal die Probe aufs Exempel machen.

Cvoa hebt amüsiert eine Augenbraue und ergreift Keryams dargebotene Hand.

Keryam: Hm. Nun, also...

Tesco(mißtrauisch): Was?

Keryam: Nein. Die einzig begehrlichen Gedanken, die ich habe, sind auf dich gerichtet, Tess. -- Also ist das alleine ein 'Problem' zwischen dir und Ashree, Cvoa.

Sie läßt Cvoa los und setzt sich bei Tesco auf den Schoß, der besitzergreifend die Arme und sie legt. Und wenn es Cvoa gelungen ist, mindestens die Hälfte der Friedenshüterinnen zu verführen - Keryam gehört ihm, Tesco, alleine!

Keryam grinst ihren Gefährten an und übermittelt ihm über den telempathischen Link, daß er sich keine Sorgen zu machen braucht. Sie hat keinen Bedarf mehr an anderen Männern; Tesco ist voll und ganz ausreichend.

Cvoa(grinsend): So problematisch finde ich persönlich das eigentlich nicht. Eher schmeichelhaft.

Ashyra(kopfschüttelnd): Du bist absolut unmöglich.

Cvoa: Zum Glück scheint das deine Zuneigung zu mir in keinster Weise zu beeinträchtigen.

Ashyra(lächelnd): Eher im Gegenteil.

Sie beugt sich zu ihm hin und küßt ihn sanft auf die Lippen, woraufhin er sie einfängt und festhält. Ashyra legt den Kopf an seine Schulter und schmiegt sich an ihn.

Tesco(amüsiert): Ich glaube, wir sollten wieder abfliegen.

Keryam: Stimmt. Ich sollte nicht so lange außer mecon-Reichweite bleiben, sonst gibt das wieder böses Blut, insbesondere, wo einige Leute mich eh schon verdächtigen, zur 'anderen Seite' übergelaufen zu sein.

Cvoa: Ihr hättet gerne noch etwas bleiben können.

Tesco: Wir besuchen euch in Bälde wieder.

Ashyra: Prima. Und bis dahin habe ich vielleicht auch meine Empathie-Abschirmung gemeistert.

Sie wirft Cvoa einige definitiv nicht jugendfreie Blicke zu.

Keryam und Tesco erheben sich, verabschieden sich kurz und machen sich auf den Weg zum Hangar.

Cvoa-L'yyn und Ashyra vertreiben sich die nachfolgende Zeit mit all den Dingen, die sie sich vorgenommen haben. Das heißt, zu den beabsichtigten wissenschaftlichen Studien kommt Cvoa natürlich nicht...

* * *

Man schreibt den 25:10:2253TZ. Im Orangefarbenen Turm auf Viresta I/Sna-Tgyhl haben sich alle Friedenshüter versammelt, das heißt, sowohl die dreiundvierzig Personen, die einem Rihkuun-Team angehören als auch die Besatzungen der sechs Flottenraumer, die den Hütern des Friedens angehören. Lediglich die Energiewesen haben sich wie meist nicht dazu überreden lassen, ihre Sonnen zu verlassen.

Keryam(ärgerlich): Warum werden die Crews von Luna, Terra, Gaia, Saturn, S333, und Firestar nicht mit zur Abstimmung zugelassen? Ich finde, daß zumindest C.Alya Al Tarf und Christopher t'Avimer ein Recht dazu hätten. Ich habe mich ja schon damit abgefunden, daß mein gewählter Lebensgefährte Tesco-Avenger L'hèr hier keine Stimme hat, aber der Ausschluß von C.Alya und Chris ist eine Frechheit.

Eine hübsche Frau mit langen, strahlend silbernen Haaren nickt Keryam zu. Sie trägt die weiße Uniform der Sol-System-Spezialeinheit und guckt ziemlich grimmig in die Runde.

C.Alya: Das ist wahr. Immerhin betrifft diese Angelegenheit unsere Tochter.

Eine goldmähnige junge Frau in leuchtendroter, kurzer Tunika erwidert ihren Blick ein wenig herablassend.

Carmee: Diese 'Angelegenheit', wie du es bezeichnest, betrifft nur die eigentlichen Friedenshüter. Die Raumschiffbesatzungen hatten noch nie ein Stimmrecht bei den internen Angelegenheiten innerhalb der Teams. Abgesehen davon ist dieser Mordversuch an meinem Bruder ohnehin eine eindeutige Sache, und ich weiß gar nicht, worüber wir hier noch beschließen sollen. Ashyra t'Avimer muß gefaßt und ihrer PSI-Fähigkeiten entledigt werden.

Vivienne: Carmee, daß du von Anfang an nur neidisch auf Ashyras höheres PSI-Potential warst, ist hinreichend bekannt.

Carmee: Das ist eine niederträchtige Unterstellung.

Cosna: Leute, könntet ihr nicht versuchen, die Diskussion sachlich zu führen?

Die neutrale Stimme des Hauptcomputers der Vier Galaxien beruhigt die erhitzten Gemüter ein wenig. Eine dunkelhäutige Anlina mit kurzem orangefarbenen Haar meldet sich zu Wort.

Ginger: Die Frage ist meines Erachtens auch, inwieweit ist Ashyra überhaupt für ihre Handlungsweise verantwortlich? Hat Cvoa-L'yyn sie nicht vielleicht unter Drogen oder Hypnose gesetzt und sie zu seinem Werkzeug gemacht, wie er es ja auch schon bei T'yla geschafft hatte?

Tesco: Auf die Idee, daß mein Vater das gar nicht nötig hat, kommt hier wohl keiner?

Carmee(eisig): Deine Meinung ist hier nicht gefragt.

Vivienne: Ich kann euch versichern, daß Ashyra nicht beeinflußt worden ist.

Laé(haßerfüllt): Um so schlimmer!

Keryam(niederträchtig): Du solltest dir mal überlegen, warum keine Frau freiwillig länger mit dir zusammenbleiben will.

Laé: Daß du es nicht lange mit einem Mann aushältst, ist ja kein Geheimnis.

Keryam(zuckersüß): Du irrst dich. Mit Tess bin ich tatsächlich schon seit fast fünfeinhalb Jahren zusammen.

Laé(entgeistert): Wie bitte?! Du bist doch erst seit sechs Wochen mit diesem ...Blauling liiert.

Tesco: Keine rassistischen Kommentare bitte!

Er zieht Keryam sanft in seine Arme.

Tesco: Und außerdem hat Kerry recht. Es ist schon eine Ewigkeit her, daß sie mir so gekonnt den Kopf verdreht hat.

Laé(empört): Fünf Jahre! Du hast mich die ganze Zeit betrogen!

Keryam: Ich erwähnte schon früher einmal, daß ich nur deshalb mit dir zusammen war, weil es alle von mir erwartet hatten.

Fyu: Keryam! Ist das wahr?

Keryam sieht zu ihrem Vater herüber und nickt.

Keryam: Ihr hättet euch hören sollen -- alle fanden es nur passend, wenn der Sohn von Alya und Raké und die Tochter von S'ci und Fyu ein Paar würden. Ich wollte euch damals bloß nicht enttäuschen.

Fyu(geschockt): Warum hast du nichts gesagt?

Keryam: Wer hätte auf mich gehört? Es war doch alles abgesprochen und geplant.

Sie lehnt sich an ihren Gefährten und blickt zärtlich zu ihm hoch.

Keryam: Zumindest, bis ich Tess traf. Ich habe leider viel zuviel Zeit vertrödelt, bis ich endlich den Mut fand, mich zu ihm zu bekennen.

S'ci betrachtet die beiden nachdenklich und fragt sich nicht zum ersten Mal, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie den Mut gehabt hätte, einen solchen Skandal zu riskieren. Dann schaut sie zu ihrem Gefährten herüber und lächelt. Andererseits ist Fyu definitiv auch keine schlechte Wahl gewesen.

Tesco: Stimmt. Stell dir vor, was wir in der Zeit alles hätten unternehmen können!

Keryam: Nun, überleg dir andererseits, was wir nun alles nachholen können.

Tesco lacht auf und hebt sie spielerisch hoch. Laé wendet sich demonstrativ ab.

Laé(vernichtend): Ich glaube, mir wird gleich schlecht.

Keryam: Das ist dein Problem.

Carmee: Ich dachte, wir wollten über Ashyras Strafe beschließen!

Kenny: Also, ich finde, wir sollten Ashyra nicht bestrafen. Im Gegenteil, wir sollten uns bei ihr bedanken, daß sie Cvoa-L'yyn auf so elegante Art und Weise aus dem Verkehr zieht.

Raké: Sollen wir auch vergessen, was sie Laé angetan hat?

Keryam: Laé war nicht zu Tescos Feier eingeladen. Er ist lediglich gekommen, um Ärger zu machen, und durch seine Aktion hat er sich die Abfuhr selbst zuzuschreiben.

Laé: Meine 'Aktion' war das, was du, Kenny oder Vivienne hättet tun sollen: Cvoa-L'yyn in Gewahrsam nehmen! Und ich finde es unglaublich, daß du es nur als 'Abfuhr' bezeichnest, wo Ashyra meine PSI-Talente ausgebrannt hat!

Keryam(kühl): Du mußt entschuldigen, wenn ich kein Mitleid für dich empfinde. Du hast deine PSI-Begabung viel zu oft mißbraucht, indem du ohne Erlaubnis die Gedanken anderer Leute gelesen und sie zum Teil sogar gegen deren Willen per Suggestion/Hypnose beinflußt hast.

Laé(verärgert): Das war Spielerei gewesen.

Keryam: Aber gegen jede Regel, die ein PSI-Techniker lernt!

Laé: Und was war Ashyras Angriff?

Keryam: Es war eine zwar übertriebene, aber durchaus verständliche Reaktion darauf, daß du ihr einfach eins auswischen wolltest.

Laé: Daß du Ashyra und den Vater deines ...Liebhabers in Schutz nimmst, war ja zu erwarten.

SHAVAL: Warum beschäftigt Ihr Euch immer nur mit Nebensächlichkeiten?

Ziemlich irritiert blicken die Friedenshüter zu Keryams Tochter herüber. Das zweijährige Mädchen sitzt bei S'ci auf dem Schoß und klettert nun hinunter. Als sie in die Runde sieht, scheint es, als ob ihre Gestalt von einer anderen, erwachsenen Version ihrer selbst überlagert würde.

Keryam seufzt. Das ist es, was sie an Shayla so ...unheimlich findet. Einmal ist sie ein ganz normales Kind, und dann kommt wieder so eine Phase, wo sie schon ganz dieses Wesen ist, das die Hohe Rätin der Amyshica vorhergesehen hat.

Laé(angriffslustig): So? Und du weißt, was wirklich wichtig ist?

SHAVAL: Nicht alles, aber ich kenne einige der großen Zusammenhänge. Ich habe beschlossen, wieder einmal ein Leben in physischer Form anzunehmen, um ein größeres Verständnis für die Beweggründe der stofflichen Existenzen zu erlangen, aber hin und wieder erscheint es mir doch ziemlich ermüdend, insbesondere, wenn es wie hier wieder einmal um solche Streitereien aus niederen Motiven geht.

Laé: Keryam, dein amyshicaan Wechselbalg ist ganz schön arrogant, findest du nicht?

Keryam: Ich habe keine Lust, mich von dir provozieren zu lassen. -- Shyl, was willst du uns mitteilen?

SHAVAL: Es sind Dinge in Bewegung gesetzt werden, die ihr noch nicht überschauen könnt. C'árjhain, von allen solltest du wissen, was ich meine, denn du hast den ersten Schritt getan.

Keryam sieht ihre Tochter stirnrunzelnd an. Es gibt nicht allzu viele Personen, die ihr amyshicaan sheya kennen, den Namen, der Außenweltler nichts angeht, und sie findet es nicht gut, daß SHAVAL sie vor den ganzen Anwesenden damit anspricht. Das Bild, das SHAVAL gerade von sich projiziert, ist allerdings das einer Amyshica, einer hochgewachsenen Frau mit schneeweißer Haut und langen, metallisch schimmernden, tiefroten Haaren, die in eine fließende, leuchtend weiß/silberne Robe gehüllt ist. Welchen ersten Schritt meint SHAVAL nur, überlegt Keryam. Die Tatsache, daß sie Tesco als ihren dhévho erwählt hat?

SHAVAL: Genau das. Das Schicksal vieler Völker wurde entschieden.

Keryam zuckt zusammen. Wenn sie SHAVAL ist, ist Shayla ihr wirklich höchst unheimlich.

Laé: Blablabla.

Keryam(ironisch): Ich liebe diese Idee, daß ich ein Dreh-- und Angelpunkt kosmischer Ereignisse sein soll. Warum hat bloß damals niemand Verén deNinén erzählt, was sie mit ihren Aktionen ihren Nachfahren antun würde?

SHAVAL: Sie wollte es nicht glauben.

Carmee: Ich glaube dir auch kein Wort.

SHAVAL: Wäre ich STAIE, 'die Frage', würdest du vermutlich anders reden. -- Ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht, mich hier und jetzt zu verkörpern.

Mé-Ikà: Daccù, SHAVAL, was ist dein Punkt. Was ist 'in Bewegung gesetzt' worden?

Die Sprecherin ist die inoffizielle 'Chefin' der Friedenshüter, eine hellhäutige Cyraeerin mit einem goldenen Pagenkopf, die bislang noch niemand in einer anderen Farbe als weiß und silbern gekleidet gesehen hat.

SHAVAL: ISTHÁNYA, 'die Aktion', das Dritte Prinzip, das ihr hier als Stargirl kennt, will -- wie es ihrer Natur entspricht -- wieder einmal das Gleichgewicht stören und plant, so viele Völker wie möglich in einen großangelegten Krieg zu verwickeln.

Mé-Ikà: Und kannst du uns auch mitteilen, wann und wo das stattfinden soll?

SHAVAL: Das Wann und Wo liegt noch nicht fest, aber wir sollten alles tun, um den Schaden zu begrenzen.

Carmee(sarkastisch): Toll. Einfach toll. Jetzt sind wir genauso schlau wie vorher. Und überhaupt, was hat das mit Ashyra t'Avimer zu tun?

SHAVAL: Neben den Vier Galaxien und der Dega-Zathi wird die Vereinigung Tressila mit an dieser Sache beteiligt sein. Aber nicht notwendigerweise auf der Gegenseite. Cvoa-L'yyn und Ashyra müssen für uns den Weg bahnen, ebenso wie Keryam und Tesco.

Laé: Du willst also auch, daß wir sie straflos gehen lassen?

Tesco(grinsend): Ihr könnt ja gerne versuchen, sie zu fangen. Ich bezweifle, daß mein Vater das zulassen würde.

Laé: Cosna, können wir diesen Blauling nicht einfach rausschmeißen? Er hat hier nichts zu suchen!

Cosna: Es tut mir leid. Wir können Tesco keine Straftaten nachweisen, und da Keryam ihn zu ihrem Lebensgefährten erklärt hat, hat er jedes Recht, hier zu sein.

Tesco(belustigt): Verloren, Laé!

SHAVAL: Ich finde, ihr sollte euch um wichtigere Dinge sorgen als um Ashyra. Zum Beispiel wäre es sinnvoll, wenn ihr euch einmal darum kümmern würdet, wo sich Isthánya momentan versteckt hält. So, und jetzt habe ich genug gesagt.

Plötzlich ist Shayla nur noch das kleine Mädchen und läuft zu Keryam und Tesco hinüber. Tess hebt sie hoch und nimmt sie auf den Arm.

Shayla: Spielst du nachher wieder mit mir, Dad?

Tesco: Sicher, Shyl.

Laé(beißend): Eine echte Familienidylle -- Keryam, ein Blauling und ein amyshicaan Wechselbalg...

Keryam(eisig): Halte dich geschlossen, Laé. Im Gegensatz zu dir liebt Tesco Kinder. Ich finde es immer noch unglaublich, daß Kerryth dir zugesprochen wurde, wo du dich nicht im Geringsten um ihn gekümmert hast. Wo ist Keth überhaupt im Moment?

Laé: Bei mir zu Hause. Meryon-Gamma kümmert sich um ihn.

Keryam(entrüstet): Eine Robot!

Laé(spitz): Seine Mutter hat ihn ja verlassen.

Keryam(wütend): Von wegen -- du hast ihn mir weggenommen! Und aus mir nicht weiter verständlichen Gründen hat dir ein Großteil der Friedenshüter auch noch recht gegeben, obwohl Keth bei mir nicht nur eine Mutter, sondern auch einen Vater hätte.

Laé: Ich lasse es doch nicht zu, daß mein Sohn von diesem Blauling verzogen wird!

Keryam: Wenn du Tesco noch einmal als Blauling beschimpfst, dann garantiere ich nicht für deine Gesundheit.

Mé-Ikà: Bitte, könntet ihr versuchen, euch zurückzuhalten? Über das Sorgerecht für Kerryth ist bereits entschieden worden. Obwohl ich zugeben muß, daß ich die Weisheit dieser Entscheidung in den letzten Wochen doch ein wenig in Frage stellen mußte.

Alya: Mé-Ikà, sag bloß, jetzt willst auch du dich noch gegen Laé stellen?

Mé-Ikà: Nun, auch wenn ich selber keine Kinder habe, so muß ich doch sagen, daß mir Keryam als Mutter doch geeigneter erscheint als Laé als Vater.

Laé: Was soll das schon wieder heißen?

Mé-Ikà: Daß ich mittlerweile den Eindruck habe, daß es dir nicht um Kerryths Wohl ging, sondern nur darum, Keryam zu verletzen.

Carmee: Das ist eine unverschämte Unterstellung. Mein Bruder liebt seinen Sohn.

Keryam(ätzend): Meinst du nicht, Laé kann selbst für sich sprechen?

Tesco(belustigt): Die Friedenshüter sind alle eine große, sich liebende Familie, hm?

Shayla(überzeugt): Laé ist doof.

Dieser Kommentar bringt Keryam und einige andere der Anwesenden zum Lachen. Laé wirft Shayla einen tödlichen Blick zu. Tesco gibt dem kleinen Mädchen einen Kuß auf die Wange.

Tesco: Das war die zutreffendste Aussage von allen, die heute gemacht worden sind, meine Kleine.

Laé: Seht ihr? Keryam hetzt ihre Tochter gegen mich auf.

Kenny(zuckersüß): Shayla hat ganz freiwillig gesagt, daß sie dich doof findet, Laé.

Mé-Ikà: Wir sollten wieder zum eigentlichen Gegenstand der Diskussion zurückkommen. Was machen wir mit Ashyra?

Carmee: Ich bin dafür, sie offiziell rauszuschmeißen und ihr ihre PSI-Fähigkeiten zu nehmen, sobald wir sie erwischen.

S'ky: Ich find, jeda, der sich Cvoa-L'yyn anschließt, hattas Recht fawirkt, zu'n Friedenshütan zu gehörn. Ich find auch, wir solltn bei Gelegnheit noch ma Keryams Status diskutieren.

Keryam: Das ist doch wohl mittlerweile erledigt, S'ky!

Mé-Ikà: Kürzen wir das Ganze doch ab. Wer ist dafür, daß Ashyra t'Avimer aufgrund ihres Angriffs auf Laé und der Tatsache, daß sie sich mit Cvoa-L'yyn verbündet hat, unehrenhaft aus dem Dienst bei den Hütern des Friedens entlassen und als Gesetzesbrecherin verfolgt wird? Zusätzlich soll sie im Falle ihrer Festnahme ihrer PSI-Fähigkeiten entledigt werden.

Mé-Ikà schaut in die Runde. Mit ihr zusammen zeigen zweiundzwanzig Personen auf, wie es sogleich von Cosna protokolliert wird: A'shti, Alya Sadir, Andry Wilson, C'lais, C'olin, C.Acq-Mar, C.Raké Al Tais, Carmee Al Tais-Sadir, Cleopatra T'hèr, Dark Sunlight, Ginger Morn, Heleyn D'Asq, Ky Laèj-K'ssa, Laé Al Tais-Sadir, L'lhoa-H'sal, P'héry-T'óol, Shea Coronya, S'ky Brit-T'hèr, Ty B'aèj, V'asco, Yenna Arya, und natürlich sie selbst.

Mé-Ikà: Wer ist der Ansicht, daß wir Ashyra t'Avimer nicht verfolgen sollen?

Zu ihrem Erstaunen melden sich immerhin zehn der Anwesenden: Elf von Veen, Fay von Veen, C.Fyu T-S'cèr, Kenny A'rya, Keryam T-S'cèr-Coroun, Mayéera, S'ci Coroun, Vivienne t'Avimer, Witch von Veen und Wiz von Veen.

Mé-Ikà: Und der Rest der Teams scheint sich zu enthalten?

Andy Sham, Cyníthya, Ench von Veen, Janice White, Kazzekem, Mab von Veen, Ssatemkim, Sven Andersen, Tuzzotii, Zkethizen und Zoom Sunlight-Morn nicken bzw. zeigen auf die typische Art ihrer Rassen ihre Zustimmung.

Mé-Ikà: Daccù, das Ergebnis ist eindeutig. Ashyra t'Avimer gehört ab heute nicht mehr zu uns.

Laé klatscht begeistert in die Hände. Keryam schüttelt resigniert den Kopf. Das Ergebnis ist zu erwarten gewesen, aber das heißt noch lange nicht, daß sie es gut finden muß.

S'ci Coroun und C.Fyu T-S'cèr gehen zu C.Alya Al Tarf und Christopher t'Avimer herüber, um sie ein wenig aufzumuntern. Vivienne hat sich ebenfalls zu ihren Eltern gesellt.

Christopher(bitter): Das ist wieder einmal ein guter Grund, sich zu fragen, was man in diesem Verein hier überhaupt verloren hat.

C.Alya: Ich bin mir momentan nicht sicher, wem ich mit größerem Vergnügen den Kopf abreißen würde -- Cvoa-L'yyn oder Laé und seinem reizenden Schwesterchen.

Vivienne: Mom, Cvoa ist total niedlich; ich habe ihn gescannt. Du solltest dich lieber auf die Al Tais-Sadir-Sippe stürzen.

C.Alya: Das werde ich entscheiden, wenn ich Cvoa-L'yyn persönlich gegenübergestanden habe. Obwohl Carmee und Laé heute eine ganz schöne Anzahl Minuspunkte gesammelt haben...

Keryam und Tesco (letzterer immer noch mit Shayla Varys auf dem Arm) begeben sich nun auch zu der kleinen Gruppe.

Keryam: Was haltet ihr davon, wenn ihr alle mit in unseren Bungalow kommt? Die Abstimmung ist gelaufen, und ich habe keine Lust, mich noch länger mit Laé in einem Raum zu befinden.

C.Alya(müde): Warum nicht?

Keryam: Cosna? Bau bitte ein Transmit-Feld zu meinem Bungalow auf. Für acht Personen. Danke und bye, Cosna.

Cosna: Aguqù. Doja.

Das grünlich/goldene Feld entsteht unmittelbar vor Keryam. Alles tritt hindurch und findet sich in ihrem Wohnzimmer wieder.

Keryam: Bitte, setzt euch doch.

Sie nimmt Tesco Shayla ab und plaziert diese in einem Kinderstuhl.

Shayla: Denk dran, Dad, du wolltest noch mit mir spielen gehen!

Tesco: Momentan haben wir Besuch, da wäre es ziemlich unhöflich, wenn wir einfach so verschwinden würden.

Shayla(schmollend): Oooch, Daddy...

Keryam: Tess, da siehst du, was du davon hast, wenn du sie ständig so verwöhnst.

Sie streicht zärtlich durch seine Haare.

S'ci(zu Keryam): Mir scheint, Shyl hat Tesco recht schnell als Vater akzeptiert.

Shayla: Tesco ist lieb. Und er tut immer alles, was ich will.

S'ci(belustigt): So gehört es sich auch.

C.Alya: Was willst du uns mitteilen, Keryam? Du hast uns doch nicht ohne Grund hierhin gebeten?

Keryam: Sicherlich nicht.

Tesco: Mein Vater und Ashyra lassen ausrichten, daß ihr sie jederzeit auf Blaccóllo besuchen könnt.

C.Alya: Und wie kommen wir dort hin? Cvoa-L'yyns Basis liegt doch 'hinter' diesem Schwarzen Loch.

Tesco: Mein Raumschiff hat einen Fur'ráan-Antrieb.

C.Alya: Wie bitte? Warum hat Cosna dann noch nicht darauf bestanden, daß du den Raumer auslieferst?

Tesco: Weil sie ihn nicht erwischen kann. Und ich möchte Euch bitten, daß ihr Cosna nicht mit der Nase darauf stoßt, was meine kleine EX alles kann, obwohl ich eigentlich glaube, daß sie es ohnehin wissen müßte.

C.Alya: Wann können wir losfliegen? Ich muß Ashyra doch mitteilen, was heute beschlossen wurde.

Tesco: Wenn ihr wollt, sofort.

Shayla: Aber Dad, du wolltest doch mit mir spielen gehen...

Tesco: Shyl, Kleines, können wir das nicht ein bißchen verschieben?

Keryam(zu S'ci und Fyu): Könntet ihr euch bitte so lange um Shayla kümmern?

S'ci: Kein Problem.

Shayla: Opi, spielst du dann mit mir im Schnee?

Fyu(seufzend): Sicher, Shyl, wenn du mir versprichst, mich nicht immer 'Opi' zu nennen. So alt fühle ich mich nämlich noch lange nicht.

Shayla(treuherzig): Okay, Opi.

S'ci prustet los.

Keryam: Gut, wenn das geregelt ist, können wir gleich aufbrechen.

S'ci und Fyu fordern ein Transmit-Feld an und springen mit Shayla zu ihrer Behausung.

Tesco: So, und nun folgt mir bitte.

Er führt sie zu einer Treppe, die in das Untergeschoß des Bungalows führt.

Keryam: Hier habe ich meine Labors etc. untergebracht. Ihr wißt ja, daß Forschung auf allen möglichen Gebieten mein Hobby ist.

Tesco: Nun, und ich habe hier mein Schiffchen eingeparkt.

Er legt seine Hände auf einen unmarkierten Abschnitt der Korridorwand, und diese beginnt, rötlich zu leuchten. Tesco geht hindurch.

C.Alya: Ist das so etwas wie ein Transmit-Feld?

Keryam: So ähnlich. Geht nur hinterher.

Christopher, Vivienne und C.Alya treten ebenfalls hindurch; Keryam bildet den Abschluß. Sie gelangen in einen gut dreißig Meter hohen Raum mit halbrundem Querschnitt, der ein kleines, silberfarbenes Raumschiff mit hellvioletten Direktsichtscheiben beherbergt. Seine Gesamtlänge beträgt fünfzig Meter, von denen etwa die Hälfte auf den oktaederförmigen Rumpf entfällt. Das Heck besteht aus einer Aufhängung für vier schlanke, goldfarbene Triebwerksgondeln. Das Schiff scheint 'auf der Seite' zu liegen und schwebt etwa zwanzig Zentimeter über dem Hangarboden.

Der violetthaarige Karanyo, der ebenso wie seine Lebensgefährtin die weiße Uniform der Sol-System-Spezialeinheit trägt, sieht sich neugierig um.

Christopher: Wo sind wir hier?

Tesco: Im Hangar der Else-X. Dieser befindet sich in einem Parallelraum, weshalb es Cosna noch nicht gelungen ist, die EX zu finden.

Vivienne: Du steckst wohl genauso voller Überraschungen wie dein Vater, hm?

Tesco: Nun, er hat mich erzogen und ausgebildet. -- Wenn ihr nun einsteigen wollt? Die EX ist leider nicht so komfortabel wie eins eurer Schiffe, aber dafür hat sie einige andere Features, die denen der Vhaaki-Raumer ein wenig überlegen sind.

Mit einem Codegeber öffnet er eine Schleuse in dem Schiff, zu der eine Antigravrampe hinaufführt. Tesco tritt in den Einflußbereich der gelbschimmernden Rampe und wird in die EX getragen. Die anderen folgen ihm unmittelbar.

Durch eine für zwei Personen ausgelegte Schleuse, die in der Sauerstoffatmosphäre des Hangars jedoch ganz offen steht, gelangen sie in das Innere des Raumers.

Tesco: Ich kann euch leider keine Kabinen zuweisen, da die EX nur eine einzelne hat, aber wenn ihr wollt, könnt ihr gerne im Aufenthaltsraum Platz nehmen. Außerdem habe ich in der Zentrale noch vier Notsitze, falls ihr meine Flugkünste bewundern wollt. Die Tour bis zur Fur'ra Aralanka dauert etwa 3 Stunden, da dieser Parallelraum glücklicherweise auch einen Ausgang hat, der in Nehgqù-Xuqù liegt. Erfrischungen könnt ihr im Aufenthaltsraum dem hiesigen Nahrungsmittelsynthetisizer entlocken, eine Toilette befindet sich direkt neben jener Räumlichkeit.

Im Endeffekt wandern alle fünf zur Zentrale, wobei Tesco im Pilotensitz und Keryam wie üblich nach Protest im Co-Pilotensitz Platz nimmt, während der Rest sich auf die Notsitze verteilt.

Keryam: Tess, denk dran, ich bin die Pilotin in der Familie!

Tesco: Aber die EX ist mein Schiff, dhévha.

Seine Finger huschen über die farbigen Sensorfelder, und der Raumer hebt ab. Er startet direkt durch die Hangarwand hindurch, was zu einigen erstaunten Ausrufen bei den erstmaligen Passagieren der EX führt.

Vivienne: Wie hast du denn das gemacht?

Tesco: Nun, der Fur'ráan-Antrieb kann auch dazu genutzt werden, durch andere Schwachstellen im Raum-Zeit-Kontinuum als Schwarze Löcher zu fliegen. Wenn man etwas mehr Energie aufwendet, ist es sogar möglich, selbst solche Schwachstellen zu erzeugen. Sobald wir wieder in das Normaluniversum eintauchen, befinden wir uns in Nehgqù-Xuqù, etwa drei Stunden von der Fur'ra Aralanka entfernt. Da die EX leider nicht über einen Transmit-Feld-Antrieb verfügt, müssen wir den Rest der Strecke im Plus-x-Raum zurücklegen.

Christopher: Es ist beruhigend, daß auch euren technischen Möglichkeiten Grenzen gesetzt sind.

Tesco wirft ihm einen amüsierten Blick zu und stellt die EX auf Autopilot.

Tesco: Bis wir an der Fur'ra sind, passiert nicht viel Aufregendes hier. Wir sollten uns noch schnell bei Cvoa anmelden, fällt mir gerade ein.

Keryam(grinsend): Stimmt. Es käme bestimmt nicht so gut, wenn wir andocken, und er liegt noch im Bett.

Tesco aktiviert das Spezialfunkgerät der EX, das über einige schon vor längerem in größerem Umkreis ausgesetzte Relaisstationen bis nach Dissilùvo IX/Blaccóllo reicht.

Etwa vier Minuten muß er das Rufsignal stehen lassen, bis endlich Cvoas Konterfei auf dem Schirm erscheint. Zum Glück sieht man ihn nur bis zur Taille, denn er ist unbekleidet, und er fährt sich mit der Hand durch die Haare, um seine Frisur ein wenig in Form zu bringen.

Cvoa: Was ist los, Tess?

Tesco(amüsiert): Oh, störe ich gerade?

Cvoa(seufzend): Tu nicht so scheinheilig. Hier ist es gerade mitten in der Nacht.

Tesco: Als ob dich die Tageszeit irgendwie beeinflussen würde.

Nun erscheint auch Ashyra im Erfassungsbereich des Funkgeräts. Ebenso wie Cvoa wirkt sie etwas derangiert, hat sich aber zumindest in einen weißen Morgenmantel gehüllt. Sie schlingt die Arme um seine Mitte und legt den Kopf an seine Schulter.

Ashyra(ein wenig ungehalten): Cvoa, komm wieder ins Bett. Sag deinem Sohn, wenn es nichts Weltbewegendes ist, soll er sich morgen früh noch mal melden!

C.Alya: Ashyra!

Ashyra: Ooops, Mama!

Sie wird knallrot, läßt Cvoa los und zieht den Morgenmantel etwas enger um sich herum.

C.Alya(besorgt): Geht es dir gut, Kleines?

Ashyra: Im Prinzip ja. Frag mich lieber morgen früh noch mal.

C.Alya(kopfschüttelnd): Mir scheint, das war wohl wirklich nicht ganz der passendste Zeitpunkt für einen Anruf...

Cvoa: Ich gehe wohl recht in der Annahme, daß ihr hier vorbeikommen wollt?

Tesco: Ja. Geschätzte Ankunftszeit in etwa viereinhalb Stunden Terrazeit. Fünf Personen.

Ashyra(gähnend): Mal sehen, ob ich heute vielleicht doch noch etwas Schlaf kriege...

Sie schließt die Augen und schmiegt sich an ihren dhévho. Cvoa hebt eine Augenbraue und streicht ihr sanft durch das Haar.

Cvoa: Ich hoffe, ihr entschuldigt uns bis dahin.

Tesco: Sicher, Dad. A-tás!

Cvoa: A-tás, Tesco und der Rest.

Die Verbindung fällt zusammen. C.Alya und Christopher wechseln einen vielsagenden Blick.

C.Alya: Ich hoffe für Cvoa-L'yyn, daß er Ashyra nicht nur als Zeitvertreib betrachtet.

Tesco: Ihr könnt ihn ja nachher in aller Ruhe interviewen.

Christopher: Worauf du dich verlassen kannst!

* * *

Zur verabredeten Zeit fliegt die EX auf dem Landestrahl in den Hangar der 'Wolkenvilla' ein. C.Alya, Chris und Vivienne sind angemessen beeindruckt von der Aussicht auf Blaccóllo. Sie müssen nur kurz warten, dann kommen Cvoa-L'yyn und Ashyra, um sie abzuholen. Cvoa steckt natürlich wieder in seinem regenbogenfarben schillernden Overall, während Ashyra eine bequeme zweiteilige schwarze Kombination trägt.

Christopher: Ashyra!

Ashyra: Hallo ihr...

Die Cyrionca läuft zu ihrer Tochter und nimmt sie in die Arme.

C.Alya: Schätzchen, du machst vielleicht Sachen. -- Heute war die Abstimmung.

Ashyra: Und?

Sie löst sich wieder von ihrer Mutter, die sie besorgt mustert.

C.Alya: Du kannst es dir ja denken. Du bist keine Friedenshüterin mehr, und wenn du gefaßt werden solltest, wird man dir deine PSI-Begabungen nehmen.

Ashyra: Da rihh! -- Haben alle gegen mich gestimmt?

Vivienne: Natürlich nicht. Es durften natürlich nur die Rihkuun-Teams abstimmen, und da stand es 22:10 gegen dich, mit 11 Enthaltungen.

Ashyra guckt ziemlich betroffen, und Cvoa nimmt sie liebevoll in die Arme.

Cvoa: Dhévha, ich werde dafür sorgen, daß dich niemand erwischt.

Nun richten C.Alya und Chris erstmals ihre Aufmerksamkeit auf den Syaane.

Christopher: Ich glaube, wir haben uns noch nicht begrüßt, Cvoa-L'yyn.

Cvoa(belustigt): So sieht es aus. Seid mir hiermit herzlich willkommen in meiner -- unserer -- bescheidenen Behausung.

Ashyra lächelt ihn an und legt ihm einen Arm um die Taille. Christopher und C.Alya betrachten die beiden kritisch. Natürlich spürt Cvoa nur zu genau, daß Ashyras Eltern ihm mit einem gehörigen Maß an Mißtrauen gegenüberstehen, da die beiden ihre Emotionen genausowenig abschirmen können wie seine Gefährtin zu Beginn. Telepathen schirmen zwar den Teil der Gefühle ab, die von Telepathie erfaßt werden, aber das deckt nicht das komplette Frequenzband ab; zumindest nicht den Bereich, den Empathen empfangen können. Er seufzt und sucht nach einer eleganten Möglichkeit, das unbehagliche Schweigen zu durchbrechen.

Cvoa: Was haltet ihr davon, wenn wir erst einmal in Richtung Küche wandern und ich euch einige Erfrischungen reiche?

Ashyra: Gute Idee! Ich habe doch noch nicht gefrühstückt.

Also wandern sie zunächst einmal zum Axial-Lift, der sie auf das Deck befördert, wo sich die Küche befindet. Tesco und Keryam entschuldigen sich, da sie der Ansicht sind, daß sie bei dieser Familienangelegenheit nur stören würden. Außerdem hatte Tess ohnehin vor, seiner Freundin bei Gelegenheit die ganze Station zu zeigen.

Cvoa-L'yyn gibt einige Codes in den Nahrungssynthi ein, und er und Ashyra transportieren die Eßwaren zum Tisch herüber, an dem die anderen bereits Platz genommen haben.

Ashyra: Mom, Dad, ich weiß ja, daß ich Mist gebaut habe, aber deshalb braucht ihr Cvoa nicht so vernichtend zu mustern. Er hat damit nun wirklich nichts zu tun.

C.Alya: Ich finde schon, daß er etwas damit zu tun hat. Wenn du ihn nicht getroffen hättest, wäre das alles nicht passiert.

Cvoa: Huhu, ich bin hier -- ihr braucht nicht über mich zu reden.

Ashyra: Wie könnte ich dich übersehen?

Sie hält ihm die Hände entgegen, und er ergreift sie und küßt ihre Fingerspitzen. Ashyra schließt die Augen und läßt sich von seinen zärtlichen Gedanken verwöhnen. 'Ich liebe dich', sendet sie ihm zu, was Cvoa natürlich prompt mit einem Kuß quittiert.

Christopher: Du liebst ihn wirklich?

Ashyra(seufzend): Wollt ihr es schriftlich und in fünffacher Ausfertigung?

Cvoa: Um das Verhör etwas abzukürzen -- ich liebe Ashyra auch, und wenn wir nach Syaana gehen, wird sie mich ganz offiziell als meine Lebensgefährtin begleiten.

C.Alya: Und du willst das auch, Ashree?

Ashyra: Sicher. Ich hatte mich doch schon dazu entschlossen, mit ihm zu gehen, bevor die Sache mit Laé passiert ist.

Die silberhaarige Cyrionca schaut ihre Tochter prüfend an. Ashyra stellt eine Karaffe mit Fruchtsaft auf dem Tisch ab.

Ashyra(ärgerlich): Scan mich doch, wenn du mir nicht glaubst!

C.Alya: Das wäre mir sehr lieb.

Ashyra: Ich habe meine Schilde geöffnet.

Cvoa-L'yyn tritt hinter sie und nimmt sie beschützend in die Arme. C.Alya schließt die Augen und taucht in den Geist Ashyras ein. Da Cvoas Bewußtsein durch den körperlichen Kontakt momentan ebenfalls mit dem seiner Partnerin verbunden ist, streift C.Alya auch ihn. Sie ist fasziniert von der Intensität seiner Emotionen und erstaunt über die Tatsache, daß er offenbar beabsichtigt, Ashyra mit allem zu verteidigen, was er aufbieten kann -- sogar gegen sie, ihre Mutter. Lächelnd bricht sie den Scan ab.

Ashyra: Nun?

C.Alya: Es tut mir leid, daß ich Cvoa mißtraut habe.

Cvoa(tragisch): Ich werde unentwegt und von allen verkannt.

Ashyra: Ich weiß, was ich an dir habe.

C.Alya sendet Christopher das Ergebnis ihres Scans zu, und der Karanyo mustert Cvoa noch einmal sehr eingehend, als dieser sich mit Ashyra ebenfalls am Tisch niederläßt.

Christopher: Meine Gefährtin ist offenbar mittlerweile von dir angetan, und ich will dem Glück meiner Tochter als letzter im Wege stehen. Ich habe nur eine Bitte -- falls ich irgendwann einmal ein paar Enkelkinder bekommen sollte, würde ich sie doch gerne sehen.

Ashyra: Versprochen!

Cvoa: Kein Problem. Ich hoffe nur, es macht euch nichts aus, wenn sie mehr mir ähneln werden als Ashyra.

Ashyra: Aber wir sollten mit Kindern noch ein paar Jahre TZ warten, ja?

Sie ergreift seine Hand und streichelt diese.

Cvoa: So lange du willst. Aber irgendwann möchte ich eine Tochter, die so hübsch ist wie du.

Ashyra: Nicht noch einen Sohn?

Cvoa: Ich finde, Tesco ist ausgesprochen gut geraten. Jetzt hätte ich noch gerne eine Tochter, auf die ich genauso stolz sein kann.

C.Alya(verwundert): Und was ist mit Fur'raána?

Cvoa(bedauernd): Die ist leider völlig daneben geraten. Versteht mich nicht falsch, ich liebe sie, weil sie meine Tochter ist, aber ihre Grausamkeit und unnötige Brutalität kann ich einfach nicht tolerieren. Es scheint mir, als hätte sie alle schlechten Eigenschaften von T'yla geerbt.

Vivienne: Dann stimmt es also, daß nicht du T'yla dazu gebracht hast, diese ganzen Morde zu begehen?

Cvoa(schockiert): Wofür hältst du mich?! Ich habe es sehr bedauert, daß es mir nicht gelungen ist, sie in dieser Hinsicht unter Kontrolle zu bringen.

Vivienne: Hm? Wieso hast du sie eigentlich entführt?

Cvoa: Moment, ich glaube, ich muß diese Sache endlich einmal ganz offiziell richtig stellen. Ich habe genau einmal jemanden entführt, und das war Fyu Laèj-K'ssa. Leider hat sich das als ziemlicher Fehlschlag herausgestellt, so daß ich fortan davon abgesehen habe.

Vivienne: Und wie war das mit T'yla?

Cvoa: Éthá, ich war zu der Zeit noch mit der GO unterwegs und traf irgendwo in Nehgqù-Xuqù auf ein Rihkuun. Natürlich war ich der Ansicht, daß die Friedenshüter mal wieder auf Kriegspfad waren und mich einkassieren wollten. Da ich damals die Anti-Transmit-Feld-Abschirmung noch nicht fertiggestellt hatte, konnte ich nicht verhindern, daß sich der Kommandant des Schiffs in meinen Raumer transmittierte. Ich muß zugeben, ich war ziemlich erstaunt, daß es sich dabei um einen vorlauten Teenager handelte.

Vivienne: Was wollte sie von dir?

Cvoa: Nun, offenbar waren ihr die hehren Motive der Hüter des Friedens nicht so genehm, und sie wollte bei mir bleiben.

Cvoa-L'yyn zieht eine Grimasse. Er hatte sich reichlich verarscht gefühlt, als T'yla ihm erklärte, sie wollte bei ihm bleiben, da sie die Friedenshüter als ziemliche Weicheier ansah. Ashyra guckt ihn erstaunt an. Da sie seine Hand hält, teilt sie seine Gedanken, und diese Informationen über T'yla sind ihr wirklich neu.

Cvoa: Ich hatte eigentlich vor, sie postwendend zurückzuschicken, aber da explodierte ihr Rihkuun.

C.Alya: Moment, ein Rihkuun heißt doch Rihkuun, weil es im Prinzip nicht zu zerstören ist!

(Die Bezeichnung Rihkuun ist von der s'selitez'schen Vokabel rihkù abgeleitet, und die bedeutet soviel wie 'unzerstörbar')

Cvoa: Ich vermute, sie hat dem Schiff den Befehl gegeben, sich selbst zu zerstören.

Ashyra: Unmöglich. Ein Rihkuun-Computer würde so etwas nicht mitmachen. Der hat doch eine Ego-Programmierung!

Cvoa: Dann muß sie eine Bombe oder so etwas an Bord gezündet haben, denn auf jeden Fall ist das Schiff explodiert.

Christopher: Es hieß immer, du hättest die Flower abgeschossen, damit sie niemanden zu Hilfe holen konnte.

Cvoa(amüsiert): So kommt man zu seinem Ruf. Und um noch etwas klarzustellen, ich stehe nicht auf kleine Mädchen. T'yla ist erst viel später meine Geliebte geworden.

Cvoa seufzt, als er sich an die Zeit zurückerinnert. T'yla war ganz und gar nicht damit zufrieden gewesen, ihn nur als Vaterersatz oder Lehrer zu sehen, und es hatte sie permanent auf die Palme gebracht, dass er seinen Spaß immer mit den unterschiedlichsten Frauen auf allen möglichen Planeten gesucht hatte. Selbst später hatte er es nicht geschafft, sich zuückzuhalten, und T'yla hatte ihn zu den beiden Kindern überredet, vermutlich in der Hoffnung, daß sie ihn dann ganz für sich gewinnen könnte. Aber auch wenn er T'yla sehr gemocht hatte, sie war keine Empathin, und so war sie ihm nie richtig nahe gewesen, was dazu führte, dass er stets auf der Suche nach einer passenden Partnerin war. Einmal hatte er ja sogar eine Frau gefunden, die dank einer schwachen, weil unausgebildeten, PSI-Fä,higkeit mit ihm harmonierte, aber S'ci hatte sich leider für Fyu entschieden.

Als Ashyra diese Gedankengänge mitverfolgt, sieht sie ihn verwundert an. Sie hätte es S'ci niemals zugetraut, daß sie Fyu untreu sein könnte - die beiden galten doch als das absolute Traumpaar unter den Friedenshütern! Zum Glück haben weder C.Alya noch Christopher etwas davon mitbekommen.

Christopher(kopfschüttelnd): Irgendwie bist du ganz anders als das Bild, das sich die Friedenshüter von dir gemacht haben.

Cvoa: Das habe ich schon des öfteren gehört.

Ashyra setzt sich auf seinen Schoß, schlingt die Arme um ihn und schmiegt sich eng an ihn, wobei sie ihm über die telempathische Verbindung mitteilt, was sie am liebsten jetzt mit ihm unternehmen würde.

Vivienne: Ashree, ich beneide dich um deinen Mann.

Ashyra(strahlend): Du hast auch allen Grund dazu.

Vivienne(nachdenklich): Cvoa, du hast nicht zufällig noch einen Bruder oder sowas?

Cvoa(belustigt): Tut mir leid, nein. -- Das heißt, vielleicht haben meine Eltern beschlossen, sich noch ein Kind zuzulegen, während ich mich hier in Nehgqù-Xuqù aufgehalten habe.

Er streicht sanft durch Ashyras Haar.

Cvoa: Apropos Eltern -- ich bin sicher, Callha und Atvoa werden von dir absolut begeistert sein.

Ashyra: Hoffentlich. Ansonsten hätte ich auf Syaana schließlich nur dich.

Christopher: Was kann Ashyra eigentlich auf Syaana machen? Beruflich, meine ich.

Cvoa: Nun, bei ihren PSI-Fähigkeiten kann sie jederzeit im Institut für PSI-Forschung in Alhd'yara anfangen. Alhd'yara ist die Hauptmetropole von Syaana. -- Vorausgesetzt, du möchtest das machen, dhévha.

Ashyra: Immerhin bin ich nicht nur Historikerin, sondern dazu eine ausgebildete PSI-Technikerin, auch wenn ich bezweifle, daß meine Referenzen in dem Institut anerkannt werden.

Cvoa: Bei deinem PSI-Level kannst du vermutlich jedem einzelnen Instrukteur dort noch etwas vormachen.

Ashyra(erstaunt): Meinst du?

Cvoa: Bestimmt. Empathie ist meiner Rasse zwar angeboren, aber andere Fähigkeiten sind sehr selten und in der Regel auch nur schwach ausgeprägt. Telepathen auf Syaana haben häufig ähnliche Probleme wie du mit mir zu Anfang, aber da deren Ausbildungsstand nicht so gut ist wie deiner, führt das oft zu Komplikationen.

Christopher: Da erzählst du was! Ich war der erste Telepath in meiner Familie, und ich bin durch eine Art persönlicher Hölle gegangen, bis ich endlich Alya traf und sie mich erst einmal richtig in Schildtechnik schulte.

C.Alya: Die Al Tarf-Familie ist halt seit Anbeginn eine PSI-Familie gewesen, ob auf unserer Ursprungswelt Do I/Dodaaemí oder später auf Kirla XVII/Cyrion. Bei uns wird jedes Kind intensiv in allen Techniken seiner bzw. ihrer Fähigkeiten geschult, insbesondere, wenn es sich wie bei Ashyra und Vivienne um Doppelbegabungen handelt.

Ashyra lächelt ihn an und wühlt liebevoll in seinen leuchtend weißen Haaren herum, während sie über den telempathischen Link mit ihm allerlei Zärtlichkeiten austauscht.

Cvoa: Ich fürchte, wir sind unhöflich, Liebes. Deine Familie hat den weiten Weg gemacht, um dich zu sehen, und wir kümmern uns gar nicht um sie.

C.Alya: Nun, zumindest bin ich mir mittlerweile sicher, daß du nicht nur vortäuschst, Interesse an meiner Tochter zu haben.

Ashyra(amüsiert): Das ist nichts Persönliches, dhévho -- Meine Mutter hat lediglich einen besonders gut ausgeprägten Beschützerinstinkt.

Cvoa: Das beruhigt mich ungemein.

Christopher: Mich würden mal ein paar andere Sachen interessieren. Ich meine, im Prinzip weiß man von dir ja nicht mehr, als daß du Nehgqù-Xuqù unsicher und den Hütern des Friedens das Leben schwer machst. Aber da du nun unsere Tochter mit dir nach Syaana nimmst, würde ich schon gerne wissen, wie du privat bist. Ich meine, was machst du in deiner Freizeit etc.?

Cvoa: Nun, daß ich ein Agent des Geheimdienstes der Vereinigung Tressila bin, dürfte hierzulande mittlerweile hinreichend bekannt sein. Ansonsten habe ich eine umfassende wissenschaftliche Ausbildung in Theorie und Praxis. Letzteres ist auch eins meiner liebsten Hobbies -- ich bastele nämlich gerne.

Christopher: Das dürfte die Untertreibung des Jahrhunderts sein. Mit deinen Erfindungen hast du die Friedenshüter reichlich in Atem gehalten.

Cvoa-L'yyn setzt ein amüsiertes Lächeln auf.

Cvoa: Weiterhin mag ich Musik, auch wenn ich da momentan etwas aus der Übung bin.

C.Alya: Das heißt, du spielst ein Instrument?

Cvoa: Richtig. Und zwar die K'hár-yala, das heißt, die syaanische Wasserharfe. Doch wie gesagt, momentan bin ich leider völlig außer Übung. Aber Musik hören ist schließlich auch etwas feines.

Ashyra: Stimmt. Er hat eine riesige Sammlung von Musikkristallen!

Cvoa(zustimmend): Es hat sich in der ganzen Zeit einiges angesammelt. Nun, was habe ich noch an Hobbies? Laßt mich nachdenken. Ich bastele Modellraumschiffe, treibe gerne Sport, liebe es zu reisen und fremde Kulturen und Sprachen kennenzulernen -- übrigens, Ashyra, nur deshalb war ich auf Unaol-t'Vqùo IV/Cyrja-Irvén -- und ich habe etwas für die Damen der Schöpfung übrig.

Ashyra(kategorisch): Bei letzterem wirst du dich damit abfinden müssen, daß es jetzt nur noch eine davon für dich gibt! Und denk daran, mich kannst du nicht beschwindeln oder hintergehen.

Cvoa(seufzend): Damit ist die Zeit von Freiheit und Abenteuern nun wohl vorbei...

Ashyra: Du hast's erfaßt.

Sie küßt ihn sanft und blickt ihm prüfend in die silbergesprenkelten blauvioletten Augen.

Cvoa: Aber für dich tue ich ja -- fast -- alles.

Ashyra(grinsend): Ganz wie es sich gehört.

C.Alya: Ich sehe schon, Ashyra ist auf dem besten Weg, dich angemessen zu erziehen.

Cvoa: Ich weiß auch nicht ganz, warum ich das alles mit mir machen lasse.

Christopher(lachend): Keine Panik, Alya hatte einen ähnlichen Effekt auf mich, und ich habe es auch überlebt.

C.Alya(drohend): Chris...!

Cvoa(mit hochgezogenen Augenbrauen): Ich sehe das Problem.

Ashyra: Vivienne, warum bist du so schweigsam?

Vivienne: Nichts weiter. Ich denke nur nach.

Ashyra: Worüber?

Vivienne: Ach, nichts. -- Naja, hauptsächlich, daß es viel zu wenig Leute mit PSI-Talenten gibt.

Ashyra(belustigt): Mit 'Leute' meinst du doch 'Männer', oder?

Vivienne(ertappt): Das auch.

Cvoa(nachdenklich): Vielleicht könnte ich mir ja einen Harem zulegen.

Ashyra(angriffslustig): Wage es! Ich habe dich zu meinem Eigentum erklärt, und dabei bleibt es. Außerdem werde ich schon dafür sorgen, daß es dich nach keiner weiteren Frau mehr verlangt.

Sie nimmt sein Gesicht in beide Hände und küßt ihn ausgiebig, wobei sie ihm über den telempathischen Link ziemlich eindeutig klar macht, was er an ihr hat.

Cvoa(amüsiert): Du hast mich schon fast überzeugt.

Ashyra(zu ihren Eltern): Nun, was haltet ihr also von meinem Schatz?

C.Alya: Nun, ich würde sagen, du solltest gut auf ihn aufpassen. Cvoa ist ein Typ, der so gut wie allen Frauen den Kopf verdrehen kann.

Christopher: Er ist ziemlich frech, aber ansonsten ist er in Ordnung.

Cvoa(grinsend): Mann dankt.

Ashyra: Ich liebe dich, Cvoa.

Cvoa(belustigt): Das will ich dir auch geraten haben. Immerhin lege ich dir nicht nur mein Herz, sondern auch noch meine Freiheit zu Füssen.

Ashyra(seufzend): Mit dem 'frech' hast du recht, Dad.

Sie legt den Kopf an seine Schulter, woraufhin Cvoa sie zärtlich in die Arme nimmt. 'Ich lasse dich nie wieder gehen', sendet er ihr zu. -- 'Dann sind wir uns ja einig', kommt unmittelbar die Antwort von Ashyra.

Vivienne: Darf man mal stören?

Cvoa reißt seine Aufmerksamkeit widerstrebend von Ashyra los.

Cvoa: Ungerne. -- Wieso?

Vivienne: Nun, ich bin neugierig. Du sagtest, Ashyra wird dich als deine Lebensgefährtin begleiten. Gibt es auf Syaana in der Hinsicht eigentlich auch rechtlich bindende Verträge oder so?

Cvoa: Ja. Es gibt rechtliche Verträge, spirituelle Gemeinschaften und geistige Verbindungen. Letztere beiden Varianten können entweder mit oder ohne Zeugen erklärt werden.

Vivienne: Und wo liegen die Unterschiede?

Cvoa: Rechtliche Verträge regeln Besitzansprüche in materiellen oder persönlichen Belangen.

Vivienne: In persönlichen Belangen?

Cvoa: Nun, zum Beispiel bei Beziehungen, wo ein Partner sich dem anderen aus freiem Willen unterwirft -- damit niemand sagen kann, diese Beziehung wäre unmoralisch oder kriminell von der Seite des 'Meisters' her.

Vivienne: Ah. Spirituelle Gemeinschaften dürften wohl mit Religion zu tun haben, nicht wahr?

Cvoa: Korrekt. Da sie den Rechten der jeweiligen Glaubensgemeinschaften unterstehen, sind sie den rechtlichen Verträgen weitestgehend gleichrangig.

Vivienne: Und die geistigen Verbindungen haben dann wohl etwas mit der syaanischen Empathie-Fähigkeit zu tun?

Cvoa: Zum Teil. Um genau zu sein, handelt es sich bei den geistigen Verbindungen um solche, bei denen ein telempathischer Link besteht. Sie sind die intensivsten, da man sich zum Beispiel nicht anlügen kann, wenn man die Gedanken und Gefühle des Partners teilt. Es ist zwar keine Garantie für die Ewigkeit, da jeder sich weiterentwickelt, aber meist sind die Partner, die sich so verbunden fühlen, sehr lange zusammen.

Vivienne: Dann habt ihr beiden ja die besten Chancen, Cvoa.

Cvoa(lächelnd): Das hoffe ich auch.

Ashyra(verwundert): Moment, heißt das, so eine geistige Verbindung ist gar nicht so üblich?

Cvoa: Nun, es ist üblich, die Gefühle des Partners zu teilen, aber ein voller telempathischer Link ist eher die Ausnahme. Wie gesagt, Telepathie ist eine seltene Begabung auf Syaana, und ohne die gibt es nur in Ausnahmefällen eine echte geistige Verbindung.

Ashyra: Hm. Ich glaube, ich könnte es mir gar nicht anders vorstellen.

Sie spielt mit den etwas längeren Haaren in Cvoas Nacken herum.

C.Alya(seufzend): Bei allen Göttern, ich hatte so viele Fragen, als ich hier herkam, aber irgendwie scheinen mir fast alle entfallen zu sein.

Christopher: Mir geht es ähnlich.

Cvoa(amüsiert): Ich sehe schon, ihr wolltet hauptsächlich versuchen, irgendwelche gräßlichen Dinge über mich herauszufinden, damit ihr hättet beweisen können, daß Ashyra nicht für ihre Handlungen verantwortlich und somit unschuldig war.

C.Alya wird knallrot vor Verlegenheit, während Cvoa-L'yyn ein breites Grinsen aufsetzt.

Cvoa: Habe ich also recht gehabt.

Vivienne(verwundert): Sag mal, stört dich das überhaupt nicht?

Cvoa(schulterzuckend): Ich weiß, was ich getan habe und was nicht. Was andere von mir denken, kümmert mich wenig. -- Naja, zugegeben, eine Sache ärgert mich schon, nämlich, daß man mir unentwegt unterstellt, daß ich irgendwelche Zwangsmaßnahmen anwenden muß, um mir eine Frau zu angeln. Das hatte ich noch nie nötig gehabt. Eher im Gegenteil.

Er streichelt zärtlich über Ashyras Rücken, woraufhin sie sich wohlig an ihn kuschelt. Cvoa setzt ein ziemlich selbstzufriedenes 'Na, habe ich es euch nicht gesagt?'-Lächeln auf, das Ashyra zu seinem persönlichen Glück jedoch nicht gesehen hat.

Vivienne(zu Ashyra): Meine Empfehlung: Du solltest ihn unbedingt an die Leine legen, wenn du mit ihm unter Leute gehst.

Cvoa: Das habe ich gehört!

Christopher t'Avimer schüttelt erheitert den Kopf.

Christopher: Wann und wie habt ihr zwei beiden euch eigentlich kennengelernt?

Cvoa: Das war vor etwa drei Terra-Wochen in Tâmeen auf Unaol-t'Vqùo IV/Cyrja-Irvén. Ich glaube, Ashyra hatte vor, mich einzufangen.

Vivienne(trocken): Es scheint ihr gelungen zu sein.

Ashyra: Naja, ich habe den Fehler gemacht, mich auf ein Gespräch mit ihm einzulassen, und dann hat er mir in seinen Gedanken seine Heimatwelt gezeigt.

Sie schließt die Augen und tastet über den telempathischen Link nach Cvoa. Prompt erhält sie eine Antwort aus liebevollen Gedanken, und sie fragt sich, wieso es ihr früher nie aufgefallen ist, wie einsam sie eigentlich die ganze Zeit gewesen war, so ganz allein in ihrem Geist. Zugegeben, sie hatte stets ihre telepathische Begabung gehabt, aber das langjährige Training sich abzuschirmen hatte bewirkt, daß sie normalerweise geistig ebenso von allen isoliert gewesen war wie die mental taubstummen Nicht-PSI-Begabten.

Ashyra: Naja, und das war es dann auch schon so ziemlich. Seitdem sind wir zusammen.

C.Alya: Drei Wochen. Hm. Ich hoffe nur, daß die kurze Zeit für euch ausgereicht hat, euch darüber klar zu werden, was ihr wollt.

Ashyra: Mama! Ich bin mir darüber klar gewesen, seit ich erstmals Cvoas Gedanken geteilt habe. Und genauso lange ist es her, daß er begonnen hat, mich zu bearbeiten, ihn zu seiner Heimatwelt zu begleiten.

C.Alya: So? Ihr habt offenbar keine Zeit verloren...

Cvoa: Wenn ich nach langen Jahren vergeblicher Suche endlich eine Frau finde, die meine Gedanken teilt und die mir zugetan ist, dann riskiere ich doch nicht, sie wieder entwischen zu lassen. Vor allem, wenn sie so wunderschön und dazu noch intelligent ist.

Ashyra: Du bist süß. - Ich muß zugeben, ich bin schon wahnsinnig gespannt auf deine Heimatwelt, dhévho.

C.Alya(neugierig): Hast du eigentlich ein paar Holos von Syaana hier?

Cvoa: Sicherlich. Wenn ihr mich einen Moment entschuldigt?

Ashyra lächelt ihn an und klettert von seinem Schoß herunter. Sie sieht ihm liebevoll hinterher, als er in ein Nebenzimmer geht, wo er die entsprechenden Speicherkristallen sucht.

Vivienne: Himmel, das ist ja schlimm mit dir, Ashree. Kannst du keine Minute mehr ohne ihn sein?

Ashyra: Hm. Momentan -- nein. Ich vermute, das wird sich geben, wenn wir länger zusammen sind, aber im Augenblick genieße ich jede Sekunde.

C.Alya: Ich hoffe nur, du wirst nicht eines Tages enttäuscht, mein Kind.

Ashyra(ernst): Das Risiko muß ich eingehen. Aber abgesehen davon hat die Sache mit Laé mir ohnehin meine freie Wahl genommen.

C.Alya: Leider hat Raké sich geweigert, mir seine Kinder zur Ausbildung zu geben. Wenn er die beiden nicht derart verzogen hätte, wäre das alles nicht passiert. Ich frage mich immer noch, mit welchen Recht es sich Raké anmaßt, sich als PSI-Techniker zu bezeichnen. Er hat nie das komplette Training durchgezogen, und auch Laé und Carmee haben von ihm nur eine rudimentäre Ausbildung erhalten.

Ashyra(zerknirscht): Meine Aktion war einer PSI-Technikerin aber auch nicht unbedingt würdig.

C.Alya: Das ist wahr, und ich heiße es auch nicht gut, was du getan hast. Aber wenn Laé ordentlich geschult gewesen wäre, hätte er den Angriff mit Leichtigkeit abwehren können. Für einen Abwehrblock gegen eine ungeordnete Attacke -- und mehr war deine Aktion nach Viviennes Schilderung nicht -- reicht auch ein niedrigerer PSI-Level. Selbst Kenny, die gar kein echtes Talent hat, konnte schließlich lernen, ihre Gedanken weitestgehend zu blocken.

Unterdessen hat Cvoa die Kristalle zusammengesucht und kehrt in die Küche zurück.

Cvoa: Ich schlage vor, daß wir ins Wohnzimmer hinüber gehen.

Seine Anregung wird prompt in die Tat umgesetzt, wobei Ashyra es sich wieder einmal nicht verkneifen kann, Cvoas Hand zu ergreifen, nur um ihn bei sich zu fühlen. Lächelnd küßt er ihre Fingerspitzen, und Ashyra ist wie stets fasziniert, welche Intimität durch den telempathischen Link alleine in dieser einfachen Geste liegt.

C.Alya betrachtet ihre jüngere Tochter nachdenklich, beschließt dann aber, ihre Bedenken beiseite zu schieben. Ashyra ist immerhin mittlerweile erwachsen und hat das Recht, ihre eigenen Fehler zu machen.

Christopher und C.Alya nehmen auf der bequemen Couch Platz, ebenso wie Vivienne, während Cvoa und Ashyra sich mit einem Sessel begnügen, nachdem der Syaane die Speicherkristalle in eine Leseeinheit eingelegt hat. Der Raum verdunkelt sich, und eine Wand des Raumes wird zu einem Holoprojektionsschirm.

Zuerst sieht man eine elegante Stadt aus weißen und pastellfarbigen Gebäuden mit metallschimmernden Dächern und Verzierungen. Zwischen den Häusern erstecken sich ausgedehnte Parkanlagen, wobei das Gras und das Laub der Bäume vorwiegend von einem tiefen Türkisgrün ist. Der Himmel von Syaana ähnelt verblüffend dem von Accra II/Kara: eine gewaltige, blauweiße Sonne dominiert einen strahlend weißblauen Himmel.

Christopher: Hey, das sieht ja fast wie Kara aus.

Cvoa: Stimmt. Ich muß auch zugeben, daß mir Accra II/Kara stets sehr gut gefallen hat. Vor allem, weil die hiesigen Temperaturen ebenfalls denen von Syaana entsprechen. Übrigens, die Stadt, die ihr gerade seht, ist Alhd'yara, unsere Hauptmetropole. Sie liegt in einer gemäßigten Klimazone. Ich komme aus einem etwas wärmeren Gebiet am Ufer eines großen Binnenmeeres.

Er betätigt die Fernsteuerung, und ein anderes Hologramm erscheint auf der Wand. Eine türkisblaue Wasserfläche endet an einem silberweißen Strand, der in eine andere, aus kunstvollen, pastellfarbigen Gebäuden aufgebaute Stadt übergeht.

Cvoa(lächelnd): Éthá! Das ist Sanh'dora, meine Heimatstadt.

Ashyra, die die Holos natürlich schon sämtlichst bewundert hat, kuschelt sich an ihren Gefährten. In seinem Geist spürt sie die tiefe Sehnsucht nach seinem Zuhause, die er all die Zeit in Nehgqù-Xuqù mit sich herumgetragen, aber außer ihr bislang niemandem gegenüber zugegeben hatte.

Ein weiteres Holo zeigt Sanh'dora am Kheean-Meer bei Nacht: Im sternenklaren, schwarzvioletten Himmel steht der spektakuläre Regenbogenring von Syaana, dessen Reflexe das Wasser in ein verzaubertes Licht tauchen.

C.Alya(andächtig): Das ist ja wundervoll! Bei den Göttern von Cyrion, das würde ich gerne einmal live sehen.

Auch Christopher und Vivienne wirken angemessen beeindruckt.

Cvoa: Mal sehen, vielleicht läßt sich bei Gelegenheit einmal ein Besuch arrangieren.

C.Alya: Wirklich?

Cvoa: Warum nicht? Die Blaccóllo werde ich zwar wohl dem Geheimdienst zurückgeben müssen, aber ich habe vor, die Terra zu behalten. Und die hat auch einen Cuween-Antrieb. Ashyra und ich könnten euch zum Bespiel zu einem Urlaub auf Syaana einladen.

Er empfängt prompt eine begeisterte und ziemlich enthusiastische Gedankenflut von Ashyra, die er gerade noch in zivilisierte Bahnen lenken kann, ehe es zu peinlich wird. Er schüttelt amüsiert den Kopf und kitzelt Ashyra im Nacken. Als sie von Cvoa telepathisch einen erheiterten Kommentar ob ihrer neuerlichen mentalen Ausuferung vermittelt bekommt, wird sie ziemlich rot und peilt verlegen zu ihren Eltern herüber.

C.Alya guckt sie tadelnd an.

C.Alya: Hast du mittlerweile alles vergessen, was ich dir in puncto telepathischer Abschirmung beigebracht habe?

Ashyra: Mama, das ist etwas komplizierter. Cvoa ist ein Empath.

C.Alya: Und was hat das mit deiner Abschirmung zu tun?

Ashyra: Nun, das ist etwas schwierig zu erklären. Erstmal -- Cvoa ist ein echter Empath, und ich bin eine Telepathin. Irgendwie scheint sich der Wirkungsbereich unserer Fähigkeiten zu überlappen und zwar so, daß Cvoa einen Teil meiner Telepathie-Begabung mitnutzt, wenn wir zusammen sind und ich einen Teil seines Empathie-Talents. Aber da ich noch nicht ganz so fit darin bin, den Empathie-Bereich abzuschirmen und Cvoa nie was mit Telepathie zu tun hatte, sickert da halt einiges durch.

C.Alya: Sickern ist gut. Das fühlt sich eher an wie ein Wasserfall.

Cvoa: Das ist einer der Gründe aus denen wir noch nicht sofort nach Syaana abfliegen, obwohl ich es eigentlich kaum erwarten kann. Erst muß es uns gelingen, unsere PSI-Talente richtig aufeinander einzustimmen, daß wir nicht ständig zu einem Problem für alle anderen werden.

Ashyra: Genau. Es ist schon erheblich besser geworden, Mama.

C.Alya: Dann war es wohl ein Glück, daß ihr euch erst einmal zwei, drei Wochen dezent zurückgezogen habt, hm?

Cvoa(grinsend): Reiner Selbstschutz.

Natürlich kann er wieder einmal seine Finger nicht von Ashyra lassen, was diese mit einem ausgelassenen Glucksen quittiert, während sie sich hingebungsvoll an ihn schmiegt.

Vivienne: Sag mal, Cvoa, hast du noch mehr Holos von Syaana?

Cvoa: Natürlich. Hast du einen besonderen Wunsch? Städte, Naturreservate, Feriengebiete?

Vivienne: Am besten alles.

Cvoa: Du stellst ganz schöne Ansprüche.

Vivienne: Immer.

Cvoa: Gut. Dann laß uns mal sehen, was ich noch hier auf den Kristallen habe...

Er schaltet das Inhaltsverzeichnis des Speicherkristalls auf das Projektionsfeld. Alleine die Liste der Verzeichnisse geht über mehrere Spalten, allerdings sind die Buchstaben nicht Transuhh, sondern syaanische Lettern. Als die anderen ein wenig irritiert gucken, gibt er dem Stationscomputer den Befehl, die Anzeige nach Transuhh zu übersetzen, die allgemeine Verkehrssprache in den Vier Galaxien.

Cvoa(leicht verlegen): Ich habe mir gedacht, wenn ich schon längere Zeit nicht nach Syaana zurückkomme, dann nehme ich wenigstens genug zum Angucken mit.

Ashyra(belustigt): Solange es nur Landschaftsaufnahmen sind, soll es mir egal sein.

Cvoa(seufzend): Du denkst immer nur das Schlimmste von mir.

Ashyra: Und? Habe ich nicht recht damit?

Cvoa(betont unschuldig): Nun, ich habe immerhin einen Ruf zu wahren.

Ashyra: Dazu gebe ich lieber keinen Kommentar ab.

Cvoa: Äh, Vivienne, was wolltest du also sehen?

Vivienne(kichernd): Da ich fast vermute, daß es sich bei den 'Naturschönheiten' nicht notwendigerweise um Landschaftsbilder handelt, such du lieber etwas heraus.

Cvoa-L'yyn guckt irgendwie ein wenig ertappt, und Ashyra knufft ihn in die Seite.

Cvoa: Na! Ich bin halt auch nur ein Mann... - Was die Holos betrifft, wie wäre es mit Kha Svay-Aluun, was soviel heißt wie 'Regenbogenwüste'?

Vivienne: Klingt doch schon ganz nett.

Cvoa hält die Fernsteuerung in der Linken und sucht einige Holos aus dem entsprechenden Verzeichnis aus. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine phantastische, kristalline Wüstenlandschaft, die gänzlich in allen Spektralfarben schillert.

Vivienne: Wow! Was für Farben!

Cvoa: Das gesamte Gebiet ist eine Calciumfluorid-Lagerstätte, die im Laufe der Jahre durch Erosion freigelegt wurde.

Ashyra: Calciumfluorid -- das klingt so prosaisch! Das sieht eher aus, als wären unzählige Edelsteine dort herabgeregnet.

Cvoa: Du wirst es vielleicht höchst unglaublich finden, aber diese ganze Farbenpracht wird hauptsächlich von einem einzigen Mineral verursacht. Es ist übrigens verboten, die Regenbogenwüste zu betreten. Für Touristen werden Rundflüge angeboten, aber damit niemand sich an den Steinen vergreift, steht das Gebiet unter strengster Aufsicht.

Vivienne: Kann ich irgendwie verstehen.

Cvoa-L'yyn wählt noch einige weitere Holos dieser phantastischen Wüstenlandschaft an, während er gedankenversunken durch Ashyras Haar streicht.

C.Alya(fasziniert): Das sind ja lauter Würfel -- und die sind wirklich nicht künstlich hergestellt worden?

Cvoa: Nein. Alles in langen, langen Jahren gewachsen.

Vivienne: Mich würde etwas anderes interessieren -- Syaana hat doch ganz offensichtlich einen B-Stern als Sonne. Die stabile Phase eine solchen Sterns beträgt -- wenn es hoch kommt -- 100 Millionen Terra-Jahre. Wenn ihr wirklich ein Produkt des Alten Krieges seid, dann müßt ihr doch mindestens einige Male mit Sack und Pack und allem 'umgezogen' sein.

Cvoa(zustimmend): Sind wir. Weißt du, es gibt seit Urzeiten im Bereich der Vereinigung Tressila eine Rasse, die sich auf den Transport von kompletten Planeten inklusive der zugehörigen Monde spezialisiert hat, und die haben Syaana für uns schon mehrfach zu anderen Sternen transportiert. Aus Gründen der Nostalgie haben wir die jeweilige Sonne immer Delha genannt.

Christopher: Also eine interstellare Planetenspedition, hm?

Cvoa: So ähnlich nennen sie sich. Seither hat es in der Vereinigung Tressila keine Rasse mehr gegeben, die durch solche Inkommoditäten wie sich zur Nova aufblähende Sonnen ausgelöscht wurde.

Ashyra: Ts. Eins der Alten Völker der Vier Galaxien ist durch solch eine 'Inkommodität', wie du es nennst, vernichtet worden. Die Seo haben sich stets geweigert, Kolonien auf anderen Planeten zu erbauen, und da nicht eine einzige Königin der Seo ihre Welt Scho verlassen hatte, als Schiom explodierte, besiegelte dies deren Untergang.

Cvoa: Die Seo waren ein insektoides Volk?

Ashyra: Genau.

Cvoa: Ich habe davon gehört, daß einige von diesen Rassen sehr planetenzentriert sind beziehungsweise waren.

Vivienne: Hm. Ich muß zugeben, mir sind normalerweise Humanoide lieber als die diversen Insektoiden. Wie wäre es, wenn du uns noch etwas von Syaana zeigst, Cvoa? Deine Welt ist nämlich hübsch.

Cvoa(lächelnd): Danke.

Er zeigt ihnen also weitere Aufnahmen: buntblühende Wiesen von türkisgrünem Gras, schneebedeckte Berge, phantastische Städte aus eleganten, perlschimmernden Gebäuden, aquamarinfarbene Seen unter dem eisblauen Himmel, Wälder aus schwarzrot belaubten Bäumen, die goldenen Sternenbäume, die unter dem Regenbogenring sanft metallisch schimmern...

Atemlos betrachten die drei Besucher das Kaleidoskop der Ansichten Syaanas, während Ashyra mit Cvoas Haaren herumspielt und telempathisch Zärtlichkeiten mit ihm austauscht.

Einige Zeit darauf gesellen sich Keryam und Tesco zu ihnen.

Tesco: Ich hoffe, wir stören nicht?

Cvoa: Im Augenblick nicht.

Keryam(fasziniert): Sind das alles Holos von Syaana?

Cvoa(zustimmend): Sind sie.

Keryam: Wow! Ich glaube, ich weiß, wo ich gerne mal Urlaub machen würde.

Ashyra(begeistert): Ay, Kerry, das fände ich wundervoll!

Tesco: Von mir hörst du bestimmt keine Einwände.

Er nimmmt seine dhévha liebevoll die Arme.

Tesco: Aber, Dad, das war es nicht, warum wir hier hineingeplatzt sind. Als du diesen Planeten hier für deine Station ausgesucht hast, hast du ihn vorher ordentlich untersucht?

Cvoa: Wofür hältst du mich? Natürlich. Der Scan ergab keine Lebensformen -- wie auch, auf so einer jungen Welt? -- und auch sonst nichts von größerer Relevanz.

Tesco: Éthá, dann muß das Ding neu sein.

Cvoa: Was für ein Ding?

Er legt die Fernsteuerung für den Holoviewer beiseite und sieht seinen Sohn fragend an.

Tesco: Naja, ich wollte Kerry ein paar hübsche Ecken von Blaccóllo zeigen und habe mir einen deiner Gleiter ausgeliehen. Als wir das Hochplateau oberhalb der Feuerseenplatte überflogen, fiel mir eine Art Torbogen aus einem rotgoldenen Material auf, in dem ein türkis/violett changierendes Energiefeld vor sich her schillerte. Sowas habe ich bislang noch nie gesehen.

Keryam: Und ich auch nicht. Es sieht nicht aus als würde es der Technologie der Alten Völker entstammen. Ein Transmit-Feld wäre grünlich/golden und bräuchte auch nicht so einen 'Rahmen'.

C.Alya: Wie weit ist dieses Plateau entfernt?

Tesco: Etwa 560 Kilometer von hier.

C.Alya: Hm. Dann müßte ich eigentlich die Gedanken von irgendwelchen Wesen auffangen können, die durch dieses 'Tor' auf den Planeten gelangt sind --- wenn es überhaupt ein Tor ist. Aber die einzigen Gedanken, die ich spüre, sind wir hier -- Keryam mal ausgenommen.

Cvoa: Ich glaube, wir sollten mal nachsehen. Wenn hier uneingeladene Wesen herumschnüffeln, werde ich ihnen klarmachen, daß dieser Planet mein Privatbesitz ist.

Vivienne(mißtrauisch): Was hast du vor?

Cvoa: Im Zweifelsfall werde ich dieses 'Tor' auf den innersten Planeten von Dissilùvo befördern, dann wird denen das Herumspionieren bestimmt vergehen.

Vivienne: Aber da werden sie doch verbrennen!

Cvoa-L'yyn zieht die Augenbrauen hoch.

Cvoa: Meine liebe Vivienne, wer ein Tor auf einem vulkanisch aktiven Planeten aufbaut, muß immer damit rechnen, in einen Lavastrom zu treten, wenn er hindurchgeht. Ich würde sagen, wenn die Typen nicht in ein Schutzfeld gehüllt hier vorbeizukommen gedachten, sind sie selbst dran schuld.

Vivienne runzelt die Stirn. Cvoa hat offenbar doch seine dunkleren Seiten.

Cvoa: Ashyra, würdest du bitte...?

Sie steht auf und reicht Cvoa die Hände, um ihn in die Höhe zu ziehen.

Cvoa: Wenn ihr wollt, könnt ihr mitkommen. Ansonsten wird sich Tesco um euch kümmern. -- Tess, wenn du so nett wärst?

Tesco: Kein Problem, Dad.

Christopher: Wir könnten eigentlich auch wieder zurückfliegen. Ich meine, die wichtigsten Sachen hatten wir ja geklärt.

C.Alya: Stimmt. Wenn es euch recht wäre, heißt das.

Sie sieht Tesco und Keryam fragend an.

Tesco: Was immer euch lieb ist.

Ashyra(zu Tesco und Keryam): Ihr könnt ja noch mal zurückkommen, wenn ihr die anderen abgesetzt habt.

Tesco: Das wäre zu überlegen. Mich würde nämlich interessieren, was es mit dem 'Tor' auf sich hat.

Keryam: Dann sollten wir C.Alya, Chris und Vivi rasch nach Sna-Tgyhl bringen und wieder hierhin zurückfliegen.

C.Alya: Accra II/Kara wäre mir sogar noch lieber.

Tesco: Das ist kein Problem. Laßt uns aufbrechen.

* * *

Die fünf Besucher verabschieden sich und fliegen mit der Else-X wieder in das Universum jenseits von Aralanka-Coveen.

C.Alya: Ich frage mich nur -- ist Cvoa-L'yyn ein derart guter Schauspieler, oder ist er wirklich so ein hinreißender Typ?

Vivienne: Ich plädiere für letzteres.

Christopher: Ich bin nur froh, daß es nicht noch mehr Typen von seiner Sorte gibt.

C.Alya: Täusche ich mich oder klingt ein Hauch von Eifersucht in deiner Äußerung mit?

Christopher: Hm... Nun, wenn ich ehrlich bin -- ein bißchen, ja.

C.Alya(lächelnd): Keine Panik, Chris, ich weiß, was ich an dir habe...

Christopher(beruhigt): Gut.

C.Alya lacht auf und schließt ihren Lebensgefährten in die Arme.

C.Alya: Du bist süß.

Christopher: Ich tue mein bestes.

Einige Stunden darauf setzen Keryam und Tesco die Al-Tarf-t'Avimer-Familie auf Accra II/Kara ab, ehe sie Shayla Varys bei S'ci und Fyu abholen und sich wieder auf den Weg nach Blaccóllo machen.

* * *

Nachdem Cvoa-L'yyn und Ashyra ihre Besucher verabschiedet haben, gehen sie zur Ortungszentrale der Station, da Cvoa gerne einige Daten über das 'Tor' in Erfahrungen bringen will. Ashyra setzt sich zu ihm auf die Armlehne des Sessels und betrachtet interessiert die Anzeigen.

Ashyra: Bevor ich mit nach Syaana komme, muß ich unbedingt die Sprache lernen. Es ist frustrierend, wenn man auf die Schriftzeichen starrt und nichts als befremdliche Symbole sieht, denen man keine Bedeutung zuordnen kann.

Cvoa: Kann ich verstehen. Aber es ist kein Problem, ich habe ausreichende Mengen an Lehrkristallen für alle Sprachen der Vereinigung Tressila, die dich interessieren könnten.

Ashyra: Prima.

Sie rutscht von der Lehne auf seinen Schoß herunter, und Cvoa kann der Versuchung nicht widerstehen, seine Hände unter ihre Tunika wandern zu lassen und sie ausgiebig zu streicheln. Ashyra seufzt wohlig auf und genießt die Streicheleinheiten, ehe sie sich eines besseren besinnt und ihn fragend ansieht.

Ashyra: Wollten wir nicht nachsehen, was es mit diesem 'Tor' auf sich hat?

Cvoa: Stimmt, da war so etwas...

Ashyra: ...andererseits glaube ich nicht, daß ich in der Lage bin, dir zu widerstehen, wenn du mich weiter so verwöhnst.

Cvoa: Éthá, erst die Arbeit dann das Vergnügen.

Er stellt Ashyra auf die Beine, ehe er sich ebenfalls erhebt und sich mit ihr auf den Weg zu einem der Raumgleiter macht, die im Hangar der Station herumstehen.

Ashyra: Sag mal, wie viele Gleiter hast du dir eigentlich so im Laufe der Zeit organisiert?

Cvoa(betont unschuldig): Keine Ahnung. Ich habe nicht mitgezählt.

Ashyra(kopfschüttelnd): Ich frage mich, was ich eigentlich an dir mag. Du bist kriminell, du bist unverschämt, du bist...

Cvoa-L'yyn zieht die Augenbrauen hoch, bevor er Ashyra kurzerhand in die Arme nimmt und sanft küßt, um ihre Aufzählung seiner Unarten zu unterbrechen. Da er ihr zudem über den telempathischen Link seine augenblicklichen Emotionen sie bezüglich offenbart, schmilzt sie wie stets dahin und schmiegt sich in reichlich eineindeutiger Manier an ihn.

Ashyra(seufzend): Manchmal wünschte ich, du wärst nicht ganz so überzeugend.

Cvoa(lachend): Ach?

Ashyra: Daccù, ich gebe es zu, ich liebe dich so wie du bist. -- Aber jetzt sollten wir wirklich losfliegen.

Cvoa: Dann komm, meine dhévha.

Er entläßt sie aus seiner Umarmung, wobei er gleich wieder eine ihrer Hände ergreift, um sie auf seinen Gleiter Iscadria zu geleiten.

Das Fahrzeug schwebt aus dem Hangar, der sich an der Unterseite der Station befindet. Ashyra betrachtet fasziniert die intensiv flammenfarbenen und braunroten Farbtöne der Planetenoberfläche. Hier müßte noch einige Zeit verstreichen, bis sich der Planet weit genug beruhigt hätte, um eigenes Leben hervorzubringen.

Bald darauf erreichen sie den Ort, an dem Tesco das 'Tor' entdeckt hat.

Ashyra: Und?

Cvoa schaltet den Ortungsoutput auf einen holographisch projizierten Schirm und betrachtet die Buchstaben, Zahlen und Symbole interessiert. Als Ashyra ihm einen vorwurfsvollen Blick zuwirft, lächelt er sie entschuldigend an und wählt für sie die Sprache Transuhh als Anzeigemodus.

-- To Be Continued --


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