Die Hüter des Friedens - Amyshica!

Im Brennpunkt der Kräfte

©1984 by Stayka deyAvemta

Letzte Änderung: 2002/02/26


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Man schreibt den 18:06:2248TZ.

Zur Zeit befinde ich mich auf Accra II/Kara, dem 'Planeten der Wissenschaft' in der Galaktischen Union (GU) von Nehgqù-Xuqù (Milchstraße). Kara, der zweite der fünf Trabanten des blauweißen B7-Sterns Accra, den die Sol III/Terraner als Elnath oder Beta Tauri bezeichnen, wird häufig auch als Hauptwelt der GU betrachtet. Die Karane -- meistens mehr oder minder fanatische Forscher -- machen sich jedoch nicht sehr viel aus solchen Rangeinstufungen.

Ayée. vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen: Keryam T-S'cèr-Coroun, Friedenshüterin von 'Beruf', und wenn jetzt irgendjemand sagt "Ach so, die Tochter von S'ci Coroun und Fyu T-S'cèr" -- dann werde ich rechtschaffend wütend! Schließlich will jeder ganz gerne mal aus dem Schatten seiner (wenn auch berühmten) Eltern heraus.

Zu meiner Person: Da meine Mutter eine Karanéa/Terranerin/Amyshica und mein Vater ein Karanyo/Terraner/Marsianer ist, bin ich nunmehr ein Kara/Terra/Mars/Amyshica-Mischling. Um ein wenig Ordnung in dieses transgalaktische Chaos zu bringen, nenne ich mich -- nicht zuletzt wegen meiner leuchtend dunkelroten Haare -- eine Karanéa, obwohl ich auf der Amyshica geboren bin und auch die typisch amyshicaan metallicblauen Augen sowie eine für Karane oder Terraner viel zu helle Hautfarbe habe. Karanischer Tradition zufolge habe ich eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen. Allerdings konnte ich mich bis dato nicht zum spezialisierten Studium einer einzigen Fachrichtung entschließen.

Momentan bin ich ziemlich an den biologischen Daten von Success XI/Surprise interessiert und deshalb gerade auf dem Weg zum Archiv von Keara-Lerát, einer Metropole auf der Südhalbkugel Karas. In diesem Ableger der planetenumspannenden Kara-University befindet die Abteilung Planetologie, Untergruppe Biologie.

Zugegeben, ich hätte die Daten auch via Viphon abrufen können, aber manchmal ist es ganz nett, sich persönlich dorthin zu begeben, da man dann auch weitere ähnliche interessierte Leute trifft.

Also stehe ich gerade auf einem relativ schnellaufenden Transportband in Richtung Archiv Keara-Lerát/26-r-II. Mißtrauisch blicke ich zum Himmel -- nichts da von wegen weißblaues Firmament.

Einige höchst verdächtige, düstergraue Wolken schieben sich vor die gleißende, riesige Sonne. Da rihh, habe ich doch schon wieder vergessen, mich nach dem heutigen Wetter zu erkundigen! Für morgen haben unsere Wettermacher jedenfalls Sonnenschein versprochen. Wie tröstlich, wo just in diesem Augenblicke ein vehementer Sturzbach herunterprasselt und sich unter anderem auch über meine werte Person ergießt.

Endlich taucht der Eingang zum Archiv vor mir auf. Uneingeweihten käme die Landschaft hier sicherlich lediglich wie ein Park vor -- ganz Kara ist vorwiegend von Grünanlagen etc bedeckt -- aber jeder Karane weiß, daß sich alle Anlagen der Universität (auch Fabriken u.ä.) unter dem ganzen Grün-- und Bunt-Zeugs befinden. Das Portal ist über eine in den Boden eingelassene Rampe zu betreten, Ich flüchte mich vor dem Regen hinein. Einige weitere Archiv-Benutzer mustern mich vernichtend, während ich immer noch leise vor mich hintropfe (und fluche). Also erste Handlung: In den Waschraum hier düsen und versuchen, mich wenigstens etwas von dem ganzen Wasser zu befreien.

Als ich wieder den Bibliotheks-Raum betrete, bin ich wieder leidlich trocken, bis auf meine langen Haare, die naturgemäß länger brauchen. Ein Kara-Mädchen, das von Kopf bis Fuß in eine enganliegende, pinkfarbene Plastikmontur gehüllt ist, grinst mich schadenfroh an. Sie ist unmittelbar vor mir ins Archiv gekommen, aber schon wieder vollkommen trocken. Ich verziehe gequält das Gesicht, während sie leise vor sich herkichert.

"Tja, márvha, Wetterinfos beachten!"

"Haha, ich lach mich krümelig." Ich weiß ja, daß ich selbst dran schuld bin. Meine Äußerung reißt sie zu weiteren Heiterkeitsstürmen hin. Okay, ich gebe zu, ich sehe bestenfalls aus wie ein nasser Bhatee -- aber trotzdem!

(Bhatee - ein kuscheliges Pelztier, das angefeuchtet nicht gerade die beste Figur macht)

Das Mädchen rollt die Kapuze herunter und schüttelt ihren blauschwarzen Pagenkopf in Form. Sie ist ungefähr so alt wie ich, also etwa zwanzig Jahre nach terranischen Maßstäben.

"Sei beruhigt, der Regen hört in einer halben Riòli VZ auf." In 25 Terra-Minuten also -- das freut mich zu hören.

"Varys! -- Gut." Ich atme auf. "Wie heißt du?" erkundige ich mich.

"Lyriélla Ay t'Anhayn. -- Und du?"

"Keryam T-S'cer-Coroun." Ich kann mir ihre Reaktion schon denken.

Doch -- oh, Wunder! -- sie kommentiert es nur mit einem trockenen: "Aha." Dennoch mustert sie mich neugierig.

"Was machst du denn hier im Archiv? -- Und noch dazu so naß?"

"Ich tropfe", bemerke ich sarkastisch. "Nein, ich wollte ein paar Daten bezüglich Success XI/Surprise abrufen."

"Das Success-System? Ist das nicht von den Raicoli besiedelt worden?"

"M-mh", schüttele ich den Kopf. "Das waren Sol III/Terraner, vor 200 Terrajahren oder so." Ich bin mir nicht ganz sicher. Geschichte hat noch nie zu meinen Lieblingsfächern gehört.

"Moment." Lyriélla sprintet zu einem der durch einen Energievorhang von der Umwelt abgeschotteten Data-Outputs und gibt über den Akustik-Modus ihre Frage ein. Per Display und Folienausdruck gibt der Comp seine Informationen zum besten. Sie ignoriert den Bildschirm geflissentlich und pflückt die Folie aus der Ausgabe.

"Hier steht's. Success-System. In 2083TZ vom Explorer Astrion unter Commodore Toshiro McDouglas erkundet. In 2100TZ erstes Kolonistenschiff, die Durga unter Captain Sarasvati Takhalla. Dabei landete Captain Takhalla auf Success V/Home, die Planeten VI/Aquon, IX/Change und XI/Surprise wurden noch im gleichen Jahr von weiteren Kolonistenraumern angeflogen." Auf der Datenfolie ist noch umfangreiches weiteres Material aufgelistet, doch Lyriélla winkt ab. "Uh, der Rest besteht aus Listen von Personen und Raumern -- und was weiß ich noch alles."

"Dank für die Infos, Lélla!" Ich blicke zum Boden, wo ich einiges an feuchten Flecken verursacht habe. -- "Ayée... Und was hat dich hier in Archiv getrieben?"

"Mein Planetologie-Examen. 'Wahrscheinliche Entwicklungstypen für Planeten mit Halogenatmosphäre' -- damit schlage ich mich zur Zeit herum. Ejáh, voll stressig!"

"Glaube ich dir unbesehen. Eine Freundin von mir wollte mal versuchen, mir ein paar Grundbegriffe in dieser Richtung beizubringen. Ich danke!"

"Ah, Grundbegriffe!" Lyriélla rümpft die Nase. "Weißt du, Planetologie ist eine Wissenschaft, die erst interessant wird, wenn man in die Details einsteigt. Nimm alleine die geologischen Formationen auf Planeten des Bébalh-Typus."

Accra IV/Bébalh ist ein Gasriese, der in vielen Einzelheiten dem Sol V/Jupiter ähnelt. Lyriélla hat sich gerade richtig in Fahrt geredet und gestikuliert wild in der Gegend herum. Ehrlich gesagt verstehe ich hauptsächlich Raumhafen und Fehlstarts. Mir fehlen eben die Grundbegriffe, so daß ich mit den Details nicht sehr viel anfangen kann. Ich versuche Lyriélla das schonend beizubringen, doch meine zaghaften Einwände beirren sie nicht im Geringsten.

Nach einer Viertelstunde beschließt Lyriélla ihre Vorlesung über die 'zyklische Neubildung von Ammoniakstrukturen auf bébalhoiden Planeten'."

"Nun?" fragt sie gespannt.

"Dein letztes Examen behandelte wohl Welten des Bébalh-Typus", lautet meine trockene Entgegnung.

"Naja." Sie blickt mich schuldbewußt an. "Das ist nun mal mein Lieblingsgebiet." Sie schaut auf das Holo in der Raummitte, das in pastellenen Tönen die Uhrzeit anzeigt.

"Oh", macht sie überrascht, "So spät ist es schon? Ay, Kerry, ich muß sofort zu meinem Seminar. Weißt du, ich habe bei Prof. Shalannah D'únhaym. Und wenn ich bei der zu spät komme... -- Ay j'éesha!"

Wir verabschieden uns rasch, und Lyriélla spurtet full speed davon.

So, jetzt komme ich endlich dazu, meine Daten einzusammeln. Innerhalb weniger Minuten habe ich das Material beisammen. Mit meinem Allzweck-Stab -- einem ausgesprochen nützlichen Gerät aus der Trickkiste der Alten Völker -- speichere ich die Informationen ab. Den 'Stab' wickele ich mir wie eine Schlange um den Unterarm, über meinen schwarzen Overall. Jetzt wirkt er wie ein simples silbernes Schmuckstück.

Nachdem ich mich vergewissert habe, daß der Regen tatsächlich beendet wurde, begebe ich mich auf den Rückweg. Ich könnte zwar genausogut ein Transmit-Feld anfordern, das mich in Nullzeit zu meinem Rihkuun (Einsatzbeiboot) Atlantis befördern würde, aber manchmal macht es mir auch Spaß, die guten, alten Transportbänder zu benutzen. Vor allem, wenn die Gegend nach einem Regenguß wie frisch gewaschen aussieht und Accras weißblaue Pracht beginnt, sie wieder zu trocknen (und mich auf dem Weg hoffentlich auch).

Ich springe von dem mittelschnellen Gleitband auf das langsamere und dann ganz hinunter. In südöstlicher Richtung existiert ein Weg durch eine Blumen/Wiesenlandschaft, der alleine Fußgängern vorbehalten ist. Dementsprechend wenige Wesen spazieren dort entlang, wo doch die Bänder eine viel bequemere Fortbewegungsmöglichkeit bieten. Ich schlendere auf dem ockerfarbenen, federnden Kunststoffweg zum Raumhafen Kara-Central/Keara-Lerát.

Unvermittelt spüre ich, wie mich Blicke von hinten durchbohren und drehe mich neugierig um. Schock!

Ein junger Mann in meinem Alter steht mit gezogenem Strahler ca. 15 Meter hinter mir. Er ist etwas über 1.90m groß hat schneeweiße Haare, eine mittelblaue Hautfarbe und trägt einen schillernden, metallicregenbogenfarbenen Coverall. Natürlich, Tesco-Avenger L'hèr, ebenso wie ich Abkömmling berühmter Eltern.

Während meine aber zu den 'guten' Friedenshütern gehören, sind die von Tesco eindeutig der anderen Seite zuzuordnen: Cvoa-L'yyn und T'yla Brit-T'hèr. Letztere wurde jedoch vor geraumer Zeit aus dem Verkehr gezogen und auf Anraten eines Teils der Friedenshüter zum 'Guten' 'umprogrammiert'.

Während ich den jungen Mann mustere, muß ich feststellen, daß Tesco tatsächlich genauso unverschämt gut aussieht wie sein Daddy. Amyshica! Ich fürchte, da kommt noch einiges auf die Friedenshüter zu. Wenn der auch noch so intelligent ist wie Cvoa... Mit einem Gedankenimpuls habe ich schon gleich zu Beginn meinen Schutzschild eingeschaltet, doch Tesco hat immer noch nicht auf den Auslöser gedrückt. Das irritiert mich nun doch.

"Na, schieß doch, du eayo!"

"Ich hatte mich gerade dazu entschlossen, dich nicht um die Ecke zu bringen, aber wenn du mich noch einmal 'Schönling' nennst, überlege ich es mir doch anders!" Trotzdem läßt er seine Strahlkanone sinken.

"Ich weise darauf hin, daß ich einen SETA-Kombi-Schild trage."

"Da kann man wohl nichts machen." Seufzend steckt er den Strahler weg. Remis! Ich warte einen Moment, dann desaktiviere ich meinen Schirm. Per Gedankenbefehl bin ich damit eh schneller als Tesco mit seinem Blaster. Tesco sieht mich neugierig an.

"Du hast eine bemerkenswerte Hautfarbe. Noch heller als es hier 'normal' ist." Er macht ein paar Schritte zu mir hin.

"Ach nee... Irgendwie kommt es mir vor, als ob deine Hautfarbe auch nicht allzu gewöhnlich ist."

Er scheint allerdings äußerst fasziniert zu sein, tritt auf mich zu und streicht mir leicht über die Wange. Bash! Verpasse ich ihm eine Ohrfeige, die es in sich hat. Ich lasse mich doch nicht von jedem dahergelaufenen Blauling betatschen! Das scheint Tesco zu verdrießen, und er verpaßt mir ebenfalls einen Schlag. Ich mache einen Schritt zurück, stolpere und lande auf meinem werten Hinterteil. Na warte, Bursche! In Nullkommanochweniger bin ich wieder auf den Beinen und hebele ihn mit einem überraschenden Hüftwurf von den Haxen. Ich verliere ebenfalls das Gleichgewicht und lande auf meinem rechten Arm. Verflucht, tut das weh! Garantiert verstaucht. Aber Tesco ist es noch schlechter ergangen.

Während ich noch meine Hand begutachte (nichts gebrochen, puh!), fliegt er recht unsanft mit dem verlängerten Rückgrat voran in ein wundervoll mauvefarben blühendes Dorngebüsch. Voller Schmerz und Ärger schreit er auf. Och, tut er mir leid! (Meine leicht sadistische Veranlagung schlägt wieder durch...)

Fluchend befreit er sich aus den Dornen. Während er sich mit einer Hand sein arg mitgenommenes Hinterteil reibt, droht er mir mit der anderen und bedenkt mich mit wüsten Verwünschungen. Das Temperament scheint er von seiner Mutter geerbt zu haben.

"Thraska! F'ej-Khun! Wenn du kein Mädchen wärst, wurde ich dich zum Duell fordern!"

"Duell? Wo hast du denn diese dumme Idee her?"

"Stand in einem Geschichtsbuch und hörte sich höchst interessant an."

"Ach nee! Und wann und wo?"

"Stop! Wenn, dann habe ich dich gefordert, also darfst du Waffe und so weiter wählen."

"So?" Wenn er meint. Jee, was nimmt man so zu einem Duell? Ah!

"Als Waffe schlage ich eine Vétha vor." Tesco macht keinen sehr intelligenten Gesichtsausdruck.

"Das ist eine uralte karanische Waffe, ein 1.33 m langes, leichtes Kunststoffrohr. Zeit -- in zwei Wochen Terrazeit. Ort... Wüßtest du etwas Passendes?"

"Tíraan I/Raicol. Dort sind Duelle so etwas wie ein Volkssport."

"Gut. In 02:07:2248TZ auf Sirius -- äh, Tíraan -- I/Raicol mit der Vétha."

Tesco ist einverstanden. Er verbeugt sich steif und stolziert von dannen. Ich blicke ihm sprachlos nach, bevor ich nun doch ein Transmit-Feld von Coat -- dem Bordcomputer meines Rihkuun -- anfordere. In Nullzeit befinde ich mich an Bord meines Raumers.

"Hallo Coat!"

"Hallo Keryam", lautet die Entgegnung des Computers. Seine Stimme klingt ganz und gar nicht maschinenhaft aber dennoch neutral.

"Hast du deine Daten bekommen?"

"Was dachtest du denn?" Ich nehme meinen Allzweck-Stab und wedele damit in der Luft herum. "Hier sind sie."

Ich steige auf die obere der beiden Ebenen der Zentrale und lasse mich in meinen Sessel fallen. Genau vor mir ragt die riesige Direktsichtscheibe auf, die zur Zeit das weite Landefeld von Kara-Central/Keara-Lerát zeigt. Das Steuerpult, an dem ich sitze, ist desaktiviert, die Kontrollschirme fluoreszieren in neutralem Dunkelviolett.

"Weißt du was, Coat?"

"Was sollte ich wissen?"

"Mir ist gerade Tesco-Avenger L'hèr über den Weg gelaufen."

"Cvoa-L'yyns Sohn? Warum hast du ihn nicht festgenommen?" Coats Tonfall ist eindeutig mißbilligend. Ich neige verdutzt den Kopf und sehe auf einen dunklen Monitor.

"Komisch. Daran habe ich gar nicht gedacht." Der Comp schweigt ebenfalls irritiert. Nach einer Weile meldet er sich wieder zu Wort.

"Was gedenkst du jetzt zu tun, Keryam?"

"Ich fliege nach Sna-Tgyhl. Zoom hat mit mir gewettet, daß es auf Success XI/Surprise keine Pflanzen der Ficidaecis-Gruppe geben könnte. Ich habe nun den Beweis, daß es auf Surprise doch welche gibt."

"Du und deine ewigen Wetten! Fast so schlimm wie dein Vater."

"Haha! Setze bitte den Kurs nach Viresta I/Sna-Tgyhl, Coat."

"Aguqù. Do'i", bestätigt der Computer.

Das Schiff hebt ab. Zum Glück haben wir Hüter des Friedens es mittlerweile durchgesetzt, daß die Raumer der Vhaaki -- unserer Flotte -- auf allen Planeten der Galaktischen Union ohne größere bürokratische Hindernisse starten und landen können.

Außerhalb der Kara-Atmosphäre aktiviert Coat den Transmit-Feld-Antrieb. Im gleichen Augenblick steht das Rihkuun bereits im Viresta-System, das immerhin 720 Kiloparsec entfernt ist und zu der Galaxis Cirenn-S'cirain (M33/NGC598) gehört.

Genau zwischen den beiden einzigen Planeten des dunkelroten Überriesen kommt das Schiff aus dem T-Raum. Im Umkreis um Viresta strahlt das All in allen Farben des Spektrums. Die Atlantis materialisiert in flammendem Orange und nimmt Kurs auf den gold/grünen Ball von Sna-Tgyhl, der durch einen silbrigen Schutzschirm vor der intensiven Strahlung des M7-Sterns geschützt wird.

Auf dem gelbleuchtenden Landefeld des Vakuum-Raumhafens Sna Space-Center setzt der Raumer auf. Per Transmit-Feld springe ich in den Orangefarbenen Turm, wo mich unser Biologe Zoom bereits erwartet. Auch er gehört zur zweiten Generation Friedenshüter. -- Naja, okay, genaugenommen ja sogar zur... Moment! Cleo und C'olin waren die ersten, dann kamen Elaine & Robin als nächste, und nach ihnen S'ky, Ky -- die Generation meiner Eltern. Daccù, also sind wir Numéro vier. Da aber Elaine, Robin, Allayn und Keryam Laèj nun schon seit geraumer Zeit tot sind, wird jetzt von S'ci, Fyu & Co. an gezählt. Der dunkelhäutige und --haarige Zoom sieht mich fragend an.

"Nun?" erkundigt er sich gespannt. Ich blicke triumphierend zurück.

"Ha! Ich habe gewonnen!" Zoom verzieht das Gesicht.

"Ich war mir so sicher..."

"Und ich wußte es genau."

Zoom schaut betrübt aus der Wäsche. Jetzt darf der Junge den nächsten Auftrag übernehmen, den ich nicht haben will.

Die Schiebetür gleitet auf und ein goldhaariger, hellhäutiger junger Mann tritt herein: Laè Al Tais-Sadir, mein Team-Partner. Zoom und ich begrüßen ihn. Laé runzelt die Stirn.

"Na, heimliches Rendezvous?"

"Weißt du was, Schatz, deine ewige Eifersucht geht mir ganz schön auf den Geist", bemerke ich leicht genervt. "Wenn du so weitermachst, brauchst du dich nicht zu wundern, wenn ich mich tatsächlich demnächst auf und davon mache!"

"Wage es!" Laé hebt drohend den Zeigefinger.

"Mir droht man nicht délho", sage ich kühl. Amyshica! Manchmal könnte ich ihn mit Vergnügen durch das nächstgelegene Schwarze Loch schießen. Ob Tesco auch so eifersüchtig wäre? -- Verdammt, was denke ich da?

Ein Glück, daß ich gegen Telepathie abgeschirmt bin. Wenn Laé den Gedanken aufgefangen hätte -- weia, weia! Aber ich muß gestehen, ich freue mich schon auf das 'Duell' mit Tesco-Avenger L'hèr.

* * *

Man schreibt den 02:07:2248TZ. Auf Kara habe ich mir eine goldfarbene Vétha beschafft. Nun kreist meine Atlantis seit einer guten Stunde TZ im Orbit von Raicol, dem innersten der fünf Planeten des A1-Sterns Tíraan oder Sirius für die Terraner.

"Willst du hier wirklich auf diesen Tesco-Avenger L'hèr warten?" erkundigt sich der Bordcomputer wenig begeistert.

"Und ob ich das will." Meine Stimme läßt keinen Widerspruch zu.

"Wie du meinst."

Wir warten. Endlich meldet Coat Tescos Raumschiff Else-X, kurz EX. Tesco meldet sich über comset, den lichtschnellen Normalfunk. Er wirkt etwas überrascht.

"Ich grüße dich, Keryam T-S'cèr-Coroun. Ich habe, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dich hier anzutreffen."

"Ich halte mein Wort, Tesco."

"Man sieht's. Wo tragen wir unseren Händel aus?"

"Wo hast du bloß diese ganzen altmodischen Ausdrücke her?"

"Aus einem terranischen Geschichtsbuch."

"Buch?"

"éthá, eine Info-Cassette, wenn du es genau wissen willst. Wo duellieren wir uns also?"

"Ich habe mich schon ein wenig auf Raicol umgesehen -- in der Nähe von Laidon gibt es einen wundervollen Duell-Platz. Es wäre am sinnvollsten, auf Laid-Raumhafen zu landen."

"Gut." Tesco unterbricht die Verbindung.

Auf dem Raumhafen treffen wir uns. Der blauhäutige junge Mann hat sich eine silberne Vétha zugelegt und wirbelt sie lässig in der Luft herum.

"Gruß dir, Keryam."

"Hi, Tesco."

"Gehen wir?"

"Was sollten wir sonst tun? -- Wie läuft unser Fight ab? Wann machen wir Schluß?"

"Hast du Angst?" erkundigt er sich.

"Was denkst du von mir?" frage ich zurück.

"Mein Vorschlag: wir prügeln uns, bis du aufgibst." Meint er.

"Du hast wohl nicht mehr alle Beiboote im Hangar, Tess! Wenn du glaubst, daß ich so schnell klein beigebe..."

"Meinst du etwa, du könntest mich besiegen, Keryam?"

"Warum denn nicht?"

Wir steuern auf den Duell-Platz zu, den ich uns auserkoren habe. Er ist unbesetzt, wie ich erwartet habe.

Tess und ich stellen uns in etwa zwei Metern Entfernung voneinander auf. Ich muß vorsichtig sein. Tesco hat eine größere Reichweite. Zum Glück ist die Vétha eher ein Sportgerät als eine mörderische Waffe. Nichtsdestotrotz sind Treffer mit dem Rohr ziemlich schmerzhaft, Nachdem wir uns einige Male umkreist haben, beginnen wir, mit den Véthyee aufeinander einzudreschen.

Tescos Kampfweise ist elegant aber unorthodox, und ehe ich mich versehe, hat er mir zwei Hiebe verpaßt. Na warte! Eine unerwartete Drehung, und ich habe seine Deckung unterlaufen. Nun bekommt Tesco auch seinen Anteil. Verbissen kloppen wir weiter.

Nach einer Dreiviertelstunde hebt Tess atemlos seine Vétha. Auch ich bin völlig außer Puste und nicht unglücklich über die Unterbrechung. Außerdem habe ich das Gefühl, daß nicht ein einziger Quadratzentimeter meines Körpers von den Schlägen verschont geblieben ist. Aber Tesco ergeht es nicht besser, wie man an seinem Gesichtsausdruck ablesen kann.

"Hey, Tess, meinst du, daß es sinnvoll ist, wenn wir uns noch weiter duellieren? Ich habe das Gefühl, wir sind gleichwertige Gegner."

Der junge Mann nickt zustimmend.

"Das wollte ich auch gerade vorschlagen. Thraska, deine Treffer waren nicht von schlechten Eltern!"

"Du hast aber auch nicht gerade zart zugeschlagen, Tesco!" Ächzend schlurfe ich auf eine der Zuschauerbänke am Rande des Platzes zu und lasse mich darauf nieder. Ayée, mir tut alles weh! Tesco setzt sich ganz vorsichtig neben mich. Auch er wirkt ziemlich mitgenommen. Er sieht mich anerkennend an.

"Weißt du, daß du mir gefällst, Kerry? Ich habe mir schon immer gewünscht, mal eine Frau kennenzulernen, die es mit mir aufnehmen kann."

"Wäre das nicht auch ohne Schlägerei gegangen?" Ich fühle mich reichlich geschafft und lehne mich an ihn. Tesco sieht mich durchaus angenehm überrascht an -- und legt einen Arm um mich.

"Mh, Tess, bist du mir noch sauer wegen der Ohrfeige?"

"Karmasha, die habe ich schon längst vergessen." Einige Raicoli, die unseren Fight beobachtet haben, schauen etwas irritiert zu uns herüber. Ärgerlicherweise erreicht mich plötzlich ein mecon-Ruf von Laé.

"mecon; Laé an Keryam: Bitte kommen!" vernehme ich in meinen Gedanken.

"Hallo Laé! Was gibt's?"

"Hm?" macht Tesco verwirrt. Ich lege ihm einen Finger auf die Lippen und bedeute ihm, einen Moment still zu sein.

"Hey, Keryam", 'höre' ich meinen Team-Partner. "Hast du Lust, mit mir nach Cenvay IV/Vie zu kommen?"

Ayée, ehrlich gesagt habe ich ja keine Lust, aber ich will Laé nicht verärgern.

"Okay, délho, ich springe mit der Atlantis gleich ins Cenvay-System."

"Ah, gut, Liebling", lautet die zufriedene Antwort. "Bye, Keryam."

"Bye, Laé", seufze ich. Die Verbindung fällt zusammen.

"Was ist, Kerry?" Tesco konnte die Gedankenfunk-Verbindung nicht mitverfolgen. Ich erkläre ihm kurz die Situation. Er sieht mich bedauernd an.

"Schade. -- Aber wir könnten uns mal wieder treffen, hm?"

"S'cérta -- sicherlich. Wann?"

"Wenn es geht, morgen."

"Warum nicht?"

"Auf Accra II/Kara, wie vor zwei Wochen?"

"Ich werde dort sein." Langsam stehe ich auf. Ich versuche angestrengt festzustellen, was mir nicht weh tut. Von Coat fordere ich ein Transmit-Feld zum Schiff an. Sofort beginnt es vor mir, grünlich/golden zu flimmern.

"Bis morgen, Tess."

"A-tás, Kerry. Bis morgen." Er zieht mich an sich und gibt mir einen sanften Kuß. Dann trete ich durch das Transmit-Feld und materialisiere in der Atlantis. Amyshica, ich habe das Gefühl, ich befinde mich in einer höchst ungemütlichen Situation.

Am besten, ich erzähle Laé gar nichts, und lasse vorerst alles (fast) so, wie es vorher war. Ich kann mir auch ganz gut das Skandälchen vorstellen, wenn es bekannt würde, daß sich eine Friedenshüterin ganz offensichtlich in diesen Verbrecher Tesco-Avenger L'hèr verknallt hat.

"Hallo Coat, setze bitte Kurs ins Vie-System... äh, ins Cenvay-System."

"Was ist denn mit dir los, Keryam?"

"Das erzähle ich dir nur, wenn du versprichst, es garantiert niemandem weiterzusagen -- niemandem, Coat!"

"Ich verspreche es dir -- also, was ist?"

"Ich bin verliebt."

"Doch nicht in Cvoas Sohn?" fragt der Computer ahnungsvoll.

"Doch, genau in den."

"Bist du von allen guten Geistern verlassen?"

"Nein -- ich sagte doch, ich bin verliebt."

"In Tesco-Avenger L'hèr. Wenn Laé das erfährt," orakelt Coat düster.

"Mein lieber Coat", doziere ich, "Laé wird -- zumindest vorerst -- nichts erfahren. Und du wirst ebenfalls nichts sagen. Denk dran -- du hast etwas versprochen."

"Leider." Ich klopfe belustigt auf die Steuerkonsole.

"Ah, Coat, mach dir nichts draus. Freu dich doch einfach mit mir!" Ich blicke verträumt in weite Fernen.

"Wir sind im Cenvay-System. Laés Lemuria kreuzt zwischen den fünf Monden von Vie herum."

"Danke." Per comset nimmt Laé mit mir Kontakt auf.

"Du hast dir ja ziemlich viel Zeit gelassen!"

Schöne Begrüßung! Irgendwann explodiere ich noch. Ayée, ich wünschte, es wäre schon morgen.

"Liebster Laé", beginne ich frostig, "ich würde dir raten, mich nicht unentwegt als deinen persönlichen Besitz zu betrachten."

"Schon gut, schon gut, délha -- es war doch nicht so gemeint."

"Okay."

Ich lasse mir vom Atlantis-Bordcomputer ein Transmit-Feld in die Lemuria errichten. Ein Schritt und ich bin in Laés Rihkuun. Er nimmt mich in die Arme und küßt mich reichlich routinemäßig.

Ein Glück, daß er meine Gedanken nicht lesen kann. Auf Vie besuchen wir eine Sitzung des Rats der Planeten der Galaktischen Union, in der es über die Einrichtung einer wirkungsvollen Weltraumpolizei geht. Aber wie üblich reden sich die Räte fest, bis Admiral Tooyam D'Shanley -- die erste Marsianerin auf diesem Posten -- die Sitzung zum wiederholten Male vertagt. Soweit ich weiß, bemühen sich die Räte jetzt seit gut sechzig Jahren TZ, eine derartige Ordnungstruppe ins Leben zu rufen. Ohne irgendeinen Erfolg.

Also verlassen wir Cenvay IV/Vie und fliegen zu unserem Domizil auf Yalena III/Keryna.

Am nächsten Morgen mache ich mich sofort auf nach Accra II/Kara. Tesco erwartet mich schon in Keara-Lerát.

In der folgenden Zeit treffen wir uns regelmäßig, aber ich habe immer noch nicht den Mut, Laé reinen Wein einzuschenken. Tesco macht es jedoch nichts aus, denn er weiß, daß ich ihn liebe.

* * *

Dieser eigentlich eher unhaltbare Zustand bleibt über immerhin zwei Terrajahre stabil. In 17:06:2250TZ sehen Tess und ich uns auf dem Sol IV/Mars in Elysia, einer der großen, marsianischen Kuppelstädte auf der Ebene von Elysium.

"Hallo Tesco."

Er legt mir die Arme um die Taille und sieht mir besorgt in die Augen.

"Was hast du, Kerry? Du klingst nicht übermäßig glücklich."

"Ay dhévho", seufze ich. "Die Sache liegt so: Ich bekomme ein Kind von Laé. Ehrlich gesagt, von dir wäre es mir lieber, aber ich glaube, das würde doch irgendwie auffallen..."

Tesco kichert unterdrückt.

"Das würde ich auch so sehen. -- Wo liegt also das Problem, dhévha?"

"Laé ist beinahe außer sich vor Glück. Er hütet mich wie seinen Augapfel -- ein Wunder, daß ich ihm heute noch einmal unbemerkt entwischen konnte! Ich befürchte, daß wir uns in nächster Zeit kaum noch treffen können."

"Das fände ich aber sehr bedauerlich, Keryam!"

"Glaubst du, mir gefällt diese Aussicht?" Ich halte ihn so fest, als ob ich ihn nie wieder loslassen wollte, "Aber du weißt doch auch, was los wäre, wenn ich mich von Laé trennen würde."

"Sicherlich." Verdammt, warum ist Tess nur immer so unglaublich verständnisvoll?

Also ist diese Begegnung unsere letzte für einen längeren Zeitraum.

* * *

22:01:2251TZ kommt auf Viresta I/Sna-Tgyhl Kerryth Al T'oroun zur Welt, doch anstatt die Beziehung zwischen Laé und mir zu verbessern, erreicht Kerryths Geburt eher das Gegenteil.

Ich werde Tag für Tag gereizter, bis mich Witch von Veen, eine wunderschöne, grünhäutige Veena-Hexe mit beinahe knielangen, tief purpurfarbenen Haaren anspricht. Sie gehört nun auch schon seit zehn Jahren TZ zu den Friedenshütern und hat mich in der letzten Zeit aufmerksam beobachtet. Mit ihrer sanften, seidenweichen Stimme erklärt sie mir orakelhaft:

"Das ist dein Amyshica-Blut, Keryam. Du entstammst in direkter Linie der Familie von V'árhain sha N'ynhain von Amyshica."

Ich furche die Stirn. Warum wissen eigentlich immer alle Bescheid, nur ich nicht?! Seufz.

"V'árhain sha N'ynhain? Was für ein Name!"

"Nun, die Wesen von Außenwelt kennen sie als Verén deNinén, die abtrünnige Hohe Priesterin der Amyshica. Später nannte sie sich Verén Coroun; sie ist die Großmutter deiner Mutter S'ci Coroun."

"Und was hat das mit mir zu tun, Witch von Veen?"

"Geh zur Amyshica und befrage das Große Muster."

"Was, bei den Meeren von Aquon, ist das Große Muster?" erkundige ich mich genervt bei der Veena.

"Geh zur Amyshica", lautet ihre Antwort. Mehr will die halbenergetische Hexe nicht verraten. Dies gibt sie mir dadurch zu verstehen, daß sie sich in eine Regenbogenechse verwandelt und davonhuscht. Daccù, wenn sie mich derart dringend darum ersucht...

Ich transmittiere in mein Rihkuun und weise Coat an, den Kurs ins Rákhiswala-System zu setzen. Rákhiswala oder auch Zeta Gruis ist ein tiefgelber G4-Stern mit 9 Planeten, von denen IV/Ellykádja, V/Ssapájja und VI/Amyshica bewohnt sind. Ich bin in der Nähe von Rákhiswala IX/Riannavenna aus dem T-Raum gekommen, einer unwirtlichen Eiswelt des Sol IX/Pluto-Typus.

"Coat, transmittiere bitte zur Amyshica. Danke."

Der Computer bestätigt. In Nullzeit erreichen wir die Bahn von Ashca, dem einzigen Mond der Amyshica. Der Planet selber ist ein Rausch von Violett in allen Schattierungen. Zyklamenfarbene Kontinente in blauvioletten Ozeanen, darüber das Firmament in Lavendel und Zartrosé bis Weiß, und die Flora der Amyshica basiert ebenfalls auf Farbtönen wie Lila, Veilchen und Mauve.

Wenn Sol III/Terra der blaue, Accra II/Kara der türkisfarbene und Cenvay IV/Vie der goldene Planet ist, so kann man die Amyshica nur als den Amethysten des Weltraumes bezeichnen.

"Coat, bittest du freundlicherweise um Landeerlaubnis? Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden sollte. Danke."

"Keryam", die Stimme des Comps klingt überrascht, "auf dieser Welt gibt es nur einen einzigen interstellaren Raumhafen!"

"Merkwürdiger Planet."

Nach längerem Verhandeln wird uns die Landeerlaubnis für Valayn erteilt. Das Rihkuun taucht in die Atmosphäre ein und steuert auf die angewiesenen Koordinaten zu. Auf dem malvenfarbenen Landefeld setzt das Schiff auf.

"Und was gedenkst du nun zu tun, Keryam?" will Coat wissen. Ich zucke mit den Schultern.

"Aussteigen, mich umsehen und dann nach dem ominösen Großen Muster -- was immer das ist -- fragen." Ich blicke zur Direktsichtscheibe hinaus.

"Ay, wie ist denn das Wetter draußen?"

"Temperatur 23 C, Luftfeuchtigkeit 60 Prozent, schwachwindig..."

"Ich danke dir. Na, mal sehen, was ich mir dann anziehe." Ich entscheide mich für eine einfache schwarze Tunika, silberne Stiefel und Handschuhe.

"Wenn du nicht kara-rote Haare hättest, könnte man dich beinahe für eine Amyshica-Frau halten", bemerkt Coat erstaunt. "Nur deine Hautfarbe ist ein Ideechen dunkler als die der Amyshicy."

"Immerhin hat Witch behauptet, ich besäße Amyshica-Blut." Ich breite unschlüssig die Arme aus.

"Über die Amyshica sind eigentlich nur Gerüchte bekannt -- bis auf die Serie Amyshica! im All-Star vor zig Jahren TZ. Ich habe sie vor ein paar Monaten einmal im Archiv Mars/Olympia abgerufen. Recht apart, möchte ich sagen. Der Reporter, der diese Reihe verfaßte -- ein Vérryth Y'Cárrhyn -- behauptet, er sei der erste Außenweltler gewesen, der jemals die Amyshica wieder verlassen hat und darüber berichten konnte."

Ich zucke erneut mit den Schultern und versuche, die Hände in die Hosentaschen zu stecken, wobei ich feststellen muß, daß meine kurze Tunika über keine Taschen verfügt. Da rihh! Ich transmittiere aus dem Rihkuun und stehe auf dem Landefeld, wo ich mich neugierig umblicke.

Unvermittelt flimmert die Luft vor mir, und das Imago einer Priesterin erscheint. Die Frau ist unbestimmbaren Alters, mit glatten, langen Haaren in dem unverwechselbaren, metallischen Rubinrot, das alleine den Amyshicy zu eigen ist. Ihre Hautfarbe ist reinstes Titandioxid-Weiß und ihre Augen sind -- wie meine -- silbrigblau. Ein langes, fließendes, schneeweißes Gewand mit Silberschimmer vervollkommnet ihr unwirkliches Aussehen.

"Sei gegrüßt, Tochter der Amyshica. Wir erwarteten deinen Besuch." Ich blicke das Imago sprachlos an. Es wirkt leicht durchscheinend, fast als ob ein Lufthauch es wegwehen könnte.

"Auch ich grüße Euch, Priesterin", beginne ich zögernd. Wie spricht man das Imago einer Amyshica höflich an?

"Du kommst, um zu fragen -- daher bitte ich dich, mir zum Tempel des Universums zu folgen. Dort mag vielleicht deine Antwort liegen."

Das Geistbild der Priesterin macht eine elegante Handbewegung und bedeutet mir mitzukommen. Sie schreitet schwebend auf einen freien Platz zu und bittet mich, in einen schnittigen Zweipersonenschweber zu steigen. Hm. Ich kann es nicht beschwören, aber ich habe das Gefühl, daß ich das Fahrzeug gerade erscheinen sehen habe. Zwar nur aus dem Augenwinkel... Aber nein, das ist Quatsch! -- Oder vielleicht doch nicht? Das Imago nimmt auf dem Co-Pilotensitz Platz, wenn man das bei einen Geistbild so bezeichnen kann.

Der Kurscomputer des Fahrzeugs ist bereits programmiert, und ich brauche nur den Startbefehl zu geben. Zusammen mit dem Priesterinnen-Imago fliege ich über den amethystfarbenen Ozean zu einem Nachbarkontinent, wo sich laut der Priesterin die Traumebene mit dem Tempel des Universums befindet.

Nach kurzem Flug erreichen wir die vollkommen glatte, hellviolette Ebene, in die das ausgedehnte, gleichseitige Fünfeck des Tempels eingelassen ist. Vier Stufen von jeweils 1.33m Höhe bilden den äußeren Rahmen, der an den fünf Spitzen des Bauwerks von je einer mattweißen Rampe durchbrochen wird. Im Zentrum des lavendelfarbenen Tempelbodens schimmert ein milchweißes Fünfeck, das von heller strahlenden Energielinien durchzogen wird.

Im Mittelpunkt dieser Fläche wiederum steht meine Führerin mit hocherhobenen, bloßen Armen. Sie ist durch flimmernde energetische Ströme mit einer gewaltigen, immateriellen schwarzen Kugel verbunden, die wie ein Hologramm eines kleinen Auschnittes des Weltraums wirkt. Ich kneife die Augen zusammen. Irgendwie ist es mir unmöglich, die genaue Ausdehnung des Gebildes zu erfassen.

Einmal erscheint es mir winzig klein im Verhältnis zur Größe des Tempels, doch dann wiederum, wenn ich mich auf Einzelheiten des Musters konzentriere, kommt es mir vor, als sei es der Raum selbst, den die Priesterin in ihren Händen hält. Ein kurzer Blick zur Seite zeigt mir, daß die Amyshica ihr Imago zurückgenommen hat: ich bin alleine. Der Schweber setzt automatisch auf einem Platz wenige Meter vom Tempel entfernt auf. Ich klettere aus dem Fahrzeug und bemerke erstaunt, daß es förmlich im Boden versinkt. Demnach besteht die Ebene -- zumindest hier -- vermutlich aus Formenergie, und darunter liegen Gleiterhangars.

Ich gehe eine der Rampen hinunter und bleibe vor den silbernen Begrenzungslinien des weißen Fünfecks stehen.

Die Priesterin schlägt die Augen auf und lächelt mich an. Wie auf einen unsichtbaren Wink eilt ein weißgekleideter Priester herbei. Der Amyshico wartet darauf, daß die Frau die phosphoreszierende Fläche verläßt und betritt sie im gleichen Augenblick. Hm. Betreten ist wohl kaum der richtige Ausdruck dafür. Es kam mir eher vor, als hätten sie ihre Plätze auf beinahe magische Weise getauscht. Die Amyshicy haben offenbar nicht umsonst einen sehr geheimnisvollen Ruf.

Während der Priester nach den Energieströmen greift, streift sich die Frau ein paar lange, silberne Handschuhe über und tritt auf mich zu.

"Sei gegrüßt, C'árjhain sha S'ceyh." Ich mache kein sehr intelligentes Gesicht.

"Wie?"

"Oh, du wunderst dich über die Anrede C'árjhain sha S'ceyh -- C'árjhain, die Tochter der S'ceyh?" Ich nicke stumm.

"Du bist eine Amyshica, auf dieser Welt geboren, ebenso wie deine Mutter, deren Mutter und alle weiteren Vorfahren der weiblichen Linie."

Wir setzen uns auf die erste der Tempelstufen.

"Deine Mutter heißt S'ci Coroun, doch ihr wahrer Name auf der Amyshica ist S'ceyh sha C'aoyhm. S'ceyh, die Tochter der C'aoyhm, die wiederum die Tochter der V'árhain sha N'ynhain ist. Keryam ist eine außenweltlerische Entsprechung des Namens C'árjhain."

"Und wie heißt Ihr, Priesterin?" Sie macht eine komplizierte Geste, die wohl Entschuldigung bedeuten soll.

"Ich bin C'éridhain sha Y'seyhs. Und bitte nenne mich nicht immer 'Priesterin'. Ich weiß, daß die Außenweltler diese Bezeichnung für uns geprägt haben, aber du bist ein Kind der Amyshica. Hier sind die Amyshicy, die die Fähigkeit besitzen, das Große Muster zu halten, die asthéryée."

"Acù -- gut, asthérys C'éridhain. Hat Euer Name auch eine 'außenweltlerische Entsprechung'?"

"Sicherlich, kleine C'árjhain. Ich bin auch Ceridaine deyIsis."

"Warum erkanntet Ihr mich sofort, als ich auf der Amyshica landete? Nach meiner Geburt war ich bisher noch nicht zurückgekehrt."

"Du stehst im Großen Muster einbeschrieben, kleine C'árjhain, als die Mutter von S'cávhal, 'tai scérca' -- 'der Sucherin'." Geschockt starre ich die Priesterin -- asthérys! -- an.

"Wie bitte? Ich weise daraufhin, daß ich einen Sohn habe -- zugegeben -- aber der reicht mir voll und ganz! Vor allem, da ich seinen Daddy mittlerweile am liebsten in die nächste Supernova schießen würde!"

Die Amyshica-Frau lächelt schon wieder hintergründig und leicht amüsiert. Das nervt mich!

"Ich weiß, C'árjhain sha S'ceyh. Aber es gibt einige Lebewesen, die mit einer Handbewegung mehr verändern können, als andere in hundert Leben. Siehst du, heute ist nach terranischer Zeitrechnung der 10:02:2251TZ. Vor etwa zweieinhalb Terra-Jahren hast du mit einer Entscheidung die universalen Prinzipien bis in die Grundfesten erschüttert. Nun mußt du diesen Weg weitergehen, ob es dir gefällt oder nicht. Du bist von Amyshica-Blut, C'árjhain, und doch bist du von Außenwelt, das macht dich zu etwas Besonderem. V'árhain, die abtrünnige asthérys, hat mit ihrer Tat diesen Fluch über ihre Kinder gebracht."

"Aber warum ich und nicht meine Mutter oder deren Mutter?"

C'éridhain macht eine Geste des Bedauerns.

"C'aoyhm hatte die Anlage dazu, doch sie kehrte zu spät zur Amyshica zurück."

Die Frau wirft einen kurzem Blick auf das Große Muster, das über dem Tempel 'schwebt'.

"Wir wären zwar noch in der Lage gewesen, einiges zu retten, doch dann geschah dieses Unglück, als der Liner Belle étoile von einem Meteoriten getroffen wurde und C'aoyhm dabei starb."

"Und was ist mit S'ci, meiner Mutter?"

"Auch sie kam zu spät zurück. Als wir das Große Muster befragten, erschien es uns sinnvoll, auf dich zu warten."

"Das klingt fast, als zieht ihr die Fäden, und wir sind bloß Marionetten in euerem Spiel!" Ich bin ehrlich empört.

"Nun, Fäden ziehen läge in unserer Macht, doch wir sind durch das Große Muster gebunden zu beobachten und nicht zu lenken. Du bist hier, C'árjhain, und du handelst. Wir haben dich beobachtet."

"Ayée, das paßt mir nicht! Wer seid ihr, daß ihr euch anmaßt, so in die Leben anderer Wesen einzugreifen?"

C'éridhain lächelt geheimnisvoll und stellt mir eine Gegenfrage:

"Wer lebte vor den Alten Völkern?"

"Vor den Alten Völkern? Sie waren die ersten, obwohl es Behauptungen gibt, es existierte eine noch ältere Rasse -- die Av'emtyi oder Ahnen. Aber diese Av'emtyi sind nur Legende! Das sagt Euch jeder seriöse Historiker!"

Die asthérys schüttelt belustigt den Kopf und legt die Handflächen aneinander.

"Das Volk der Sage lebt, kleine Cárjhain."

"Also, jetzt mach mal halblang, Ceridaine", knurre ich ungehalten (und auch ziemlich unhöflich). "Du willst doch wohl nicht behaupten, daß ihr die Av'emtyi seid?!" C'éridhain breitet die Arme aus.

"Wir sind es", sagt sie ruhig, fast beiläufig.

"Ich glaube dir nicht."

"Warum sollte ich dich belügen?"

Sie streift den linken, metallischen Handschuh ab und berührt mit den Fingerspitzen meine Stirn. C'éridhains Gedanken liegen strahlend und offen vor mir, wie meine vor ihr.

Als sie ihre Hand wegzieht, muß ich meine Ansicht revidieren.

"Nun?"

"Was fragt Ihr, asthérys C'éridhain?" Ich schließe die Augen die News muß ich erst einmal verdauen.

Als ich sie wieder öffne, sitzt die Priesterin immer noch mit untergeschlagenen Beinen vor mir auf der Stufe. Ich schüttele den Kopf, um meine Gedanken wieder ein wenig zu ordnen.

"C'éridhain, wie konntet Ihr mit mir telepathischen Kontakt aufnehmen? Ich weiß, daß jeder Telepath, der es ohne mecon-Sender versuchte, durch eine unerklärliche telepathische Rückkopplung das Bewußtsein verlor."

"Auch das liegt an deinem Amyshica-Blut. Deine Mutter ist ebenfalls Telepathie-geblockt, ist es nicht so?"

"Doch, das stimmt!"

"Das liegt an euerer unausgebildeten Viláyan-Fähigkeit. Normalerweise wird jede Amyshica und jeder Amyshico vom 11 Tríradí VZ an darin ausgebildet, seine Fähigkeiten zu kontrollieren.

Nach 18 Tríradí VZ Training ist ein 'Priester' voll ausgebildet und darf sich asthéro beziehungsweise asthérys nennen. Allerdings erreichen viele Amyshicy nicht die 3. Stufe der Priesterschaft; sie beschließen ihre Lehrzeit als dérastherà bzw. dérastheràlth."

11 Tríradí VZ entsprechen etwa 9.4 Jahren TZ; 18 Tríradí VZ sind ungefähr 15.4 Jahre TZ.

"Verzeiht, asthérys C'éridhain, aber ich habe herzlich wenig von Euren Ausführungen verstanden."

"Nun, wo fange ich am besten an? -- Was hast du nicht verstanden, C'árjhain?" erkundigt sie sich ruhig.

"Diese Viláyan-Fähigkeit -- was ist das?"

Die Amyshica streicht ihren langen Handschuh glatt, den sie sich wieder übergezogen hat.

"Manche nennen sie auch Geist-- oder Astralreisen. Das Bewußtsein kann sich vom Körper lösen und durch Raum, Zeit und Ebenen reisen. Doch viláyanim oder vhílyim bedeutet auch, in der Lage zu sein, das Große Muster zu halten und zu träumen."

"Was ist das Große Muster?"

"Das Große Muster ist ein ...Symbol", beginnt sie zögernd. "Es spiegelt das wider, was als Realität angesehen wird und doch nicht mehr als ein Traum ist -- was wir als Realitraum bezeichnen. Wenn unser Bewußtsein das Universum durchstreift, aktivieren wir das Große Muster, wenn wir das Große Muster halten und beobachten, erforschen wir das Universum. Alles, was wir im Großen Muster sehen, entspringt unseren Träumen -- also träumen wir das Universum. Was weißt du über die universalen Prinzipien, C'árjhain?"

"Nicht sehr viel, ehrlich gesagt. Es gibt VARYS und TESCIA, die man sich vereinfacht vorstellen kann wie 'gut' und 'böse', wobei es jedoch auf den Standpunkt des Betrachters ankommt, was man nun tatsächlich als 'gut' oder 'böse' ansieht. Außerdem existiert STAIE, 'tai khésta' -- 'die Frage', die die Verkörperung der Letzten Frage und andauernd auf der Suche nach der Letzten Antwort ist. Naja..." Ich zucke die Achseln.

"Das ist wirklich nicht viel", bemerkt C'éridhain trocken. "Es gibt Sechs Prinzipien:

CEVEDÙ ist das Prinzip des Beginns, durch den Traum, der sich durch das Ende jedes universalen Zyklus' träumt, entsteht stets das nächste Absolut-Universum.

Das Zweite Prinzip ist STAIE, die versucht, den Sinn zu ergründen. Durch STAIE wird das vormalige Gleichgewicht gestört, was ISTHÀNYA auf den Plan ruft.

'tai dooya' ist das Prinzip der Aktivität und der Wirklichkeit, der Gegenpol zu CEVEDÙ. Durch ISTHÀNYA entstehen zwei Kräfte, die sich gegenseitig die Waage halten:

SHAVAL und VILAYA, die Verkörperungen des VARYS-- und TESCIA-Prinzips

Irgendwann, in ferner Zukunft, am Ende eines jeden Zyklus, wenn Iqùnah, das Gleichgewicht wiedergefunden ist, wird das Auftauchen 'der Antwort' den nächsten Zyklus beginnen, wobei aus den sechs Prinzipien das Universum hervorgeht, dessen Anfang durch den Träumer bestimmt wird."

Ich blicke die Amyshica-Priesterin fassungslos an.

"Soll das heißen, daß ihr das Erste Prinzip seid?"

"Wir sind unmittelbar durch das Erste Prinzip entstanden, und aus uns wird es wiedererstehen, doch die Zeit ist noch lange nicht reif dafür."

"Zumindest erklärt das, warum ihr die Av'emtyi seid."

"So ist es. Av'emtyi -- die von Av'emta, der Entstehung. Du mußt mich aber jetzt entschuldigen, kleine C'árjhain, denn ich werde verlangt. Ich muß nach Lashidya, zur Halle des Rates, V'árhiko wird dir alle weiteren Fragen beantworten."

Sie deutet auf einen Amyshico, der die Rampe hinunter geht und auf uns zusteuert. Wie restlos alle Bewohner der Amyshica ist V'árhiko hochgewachsen, besitzt schneeweiße Haut, metallicdunkelrote Haare, silbergesprenkelte, blaue Augen und wirkt völlig alterslos. Er trägt einen schwarzen Overall, gleichfarbige Stiefel und Handschuhe derselben Machart wie C'éridhain.

Amyshica! Ich habe das Gefühl, eine Zeit-Bombe hat eingeschlagen -- und hege die Befürchtung, ich habe mich soeben wieder einmal unsterblich verknallt. Ansgerechnet in einen amyshicaan asthéro!

"Sei gegrüßt, C'árjhain sha S'ceyh", sagt er mit melodischer Stimme und lächelt mich an. Ay djárr...

"Auch Ihr seid gegrüßt, veyrán asthérys-sâvhys C'éridhain sha Y'seyhs."

Er neigt hochachtungsvoll den Kopf vor der Priesterin, die allem Anschein nach eine höheren Rang bekleidet als ich gedacht hatte. C'éridhain verabschiedet sich hastig und eilt zu der Stelle, wo sich der kleine Schweber in Nichts aufgelöst hatte, der mich herbrachte.

"Äh, hallo, asthéro V'árhiko, beeile ich mich, den jungen (?) Mann zu begrüßen. Der schüttelt abwehrend den Kopf.

"Laß doch den 'asthéro' weg! Daccù, die Hohe Rätin meinte, ich solle dir sämtliche Fragen beantworten."

Irgendwie scheint er nicht ganz bei der Sache zu sein. Jee... So könnte ich mir 'den Träumer' Cevedù vorstellen.

"Was willst du also wissen, C'árjhain?" Seine Frage reißt mich aus meinen Betrachtungen.

"Hohe Rätin sagtest du? -- Ayée, und ich habe sie gerade ganz schön angepflaumt", murmele ich zerknirscht. V'árhiko sieht ausgesprochen erheitert aus.

"Das geschieht ihr einmal recht. Im Rat wagt ihr kaum jemand zu widersprechen."

"Naja, wenn ich gewußt hätte, wer sie ist..."

"Glücklicherweise wußtest du es nicht", meint er grinsend. Er läßt sich ebenfalls auf der Tempelstufe nieder. "Nun?"

Ayée, was soll ich fragen? -- Jeih, ich muß mich zusammenreißen. "Ja... -- Ay, warum tragt ihr alle diese langen, silbernen Handschuhe?"

"Wir lernen es, unsere Viláyan-Fähigkeit soweit zu kontrollieren, daß alleine unsere Hände bis etwa zu den Unterarmen als Energieleiter zum Halten des Großen Musters dienen. Unter normalen Umständen können wir die uns innewohnende Energie mit unserer Geisteskraft abschirmen. Wenn wir aber das Bewußtsein verlören oder unsere Konzentration massiv gestört würde, könnte diese Energie anderen gefährlich werden. Die Handschuhe wirken als Isolatoren."

Meine Handschuhe sind nur Zierde...

"Das war wohl auch der Grund warum Céridhain erst einen Handschuh auszog, bevor sie mit mir in telepathischen Kontakt trat."

"Korrekt. -- Du besitzt übrigens auch die Amyshica-Fähigkeit. Wenn man dich ausbilden würde, könntest du ebenfalls das Große Muster halten und das Universum träumen."

"C'éridhain sagte auch, das sei die Ursache dafür, daß kein Telepath mit mir Verbindung aufnehmen kann, ohne einen derartigen Energierückschlag zu erhalten, der ihn umwirft."

"So ist es, C'árjhain. Ein echter Telepath ohne Viláyan-Fähigkeit würde sterben, versuchte er, die Amyshica zu betreten."

"Ay jéesha... Aber Empathie und Amyshica-Fähigkeit vertragen sich, nicht wahr?" Das konnte ich zumindest bei Tesco-Avenger feststellen, der von seinem Vater die empathischen Talente der syaanischen Rasse geerbt hat. Ayée, Tess... Wie lange habe ich dich jetzt nicht mehr gesehen, dhévho? Fast ein Terra-Jahr.

Dafür könnte ich Laé... Ah, lassen wir das! Ich werde Tesco wiedersehen. Irgendwo, irgendwann -- aber bestimmt. Abgesehen davon, momentan finde ich V'árhiko ausgesprochen interessant.

"Sicher vertragen sich diese beiden PSI-Begabungen. Sie sind nämlich beide 'passive' Talente und interferieren deshalb nicht." Mh, ich bezweifle, daß ich mit V'árhiko interferieren würde. Ayée, bleib cool, Kerry!

"Welchen Rang -- oder wie man das bei euch nennt -- bekleidest du innerhalb der Priesterschaft?"

"Ich? Ich bin ein asthéro, also ein 'Priester der 3. Stufe' ohne weitere Verpflichtungen."

"Ay, das ist beruhigend."

"Beruhigend? -- Daß ich nicht dem Rat der Amyshica angehöre?"

"Mhm", mache ich zustimmend. "Hohe Tiere machen mich immer so nervös." (Nebenbei, V'ai auch, obwohl er kein 'Hohes Tier' ist.) Auf meinen trockenen Kommentar hin bricht V'árhiko in schallendes Gelächter aus.

"Und warum? Meine liebe ...Keryam." Er spricht meinen marsianischen Vornamen mit amyshicaan Akzent aus. Einfach hinreißend, dieser asthéro. "Denke daran, du bist als Friedenshüterin immerhin auch so etwas wie eine Respektsperson."

"Ich und eine Respektsperson?!" Jetzt pruste ich aber auch los.

"Ay djárr..." Nachdem wir uns wieder beruhigt haben, setze ich mein Verhör fort -- doch mehr aus Verlegenheit.

"Wie ist eigentlich die Hierarchie der Priesterschaft aufgebaut?"

V'árhiko verzieht sein makellos weißes Gesicht.

"Da hast du dir etwas herausgesucht. Acù, C'árjhain, von Anfang an..."

Er setzt sich bequem zurecht.

"Mit elf Tríradí VZ beginnt die Ausbildung. Die Schülerin wird déristharyna, also 'Elevin-Anwärterin' genannt. Zu diesem Zeitpunkt erlernen die Kinder die erforderliche Konzentration und Kanalisation ihrer Kräfte. Nach sechs Tríradí VZ erreicht die Schülerin über die Ränge der istharyna (Elevin-Lehrling) und isthárys (Priesterin-Lehrling) die '1. Stufe der Priesterschaft' als inh-asthérys. Diese 'Priesterin der ersten Weihen' ist in der Lage, mit ihrem Bewußtsein den Raum zu durchstreifen.

Weitere sechs Tríradí VZ später wird sie nach bestandener Prüfung zur elh-asthérys der 'Priesterin der vorletzten Weihen'. Diese 'Priesterin der 2. Stufe' vermag mit ihrem Geist durch Raum und Zeit zu reisen. Mit der Prüfung zur elh-asthérys verbindet sich gleichzeitig ein Test über die Belastungsfähigkeit der jeweiligen Priesterin. Wenn er positiv ausfällt, schließen sich an die 2. Stufe noch sechs Tríradí VZ der Ausbildung zur asthérys, der 'Priesterin der 3. Stufe' an, ansonsten fünf Tríradí VZ bis zum Rang der dérastherà oder 'Tempelpriesterin'.

Die asthérys kann das Potential der Viláyan-Fähigkeit voll ausschöpfen, während es der dérastherà nicht möglich ist, das Große Muster zu halten. Sie kann nur passiven Kontakt mit ihm aufnehmen, wenn eine asthérys es hält. Mit 29 Tríradí VZ oder entsprechend 24.8 Jahren TZ ist die Ausbildung einer asthérys abgeschlossen."

(Nebenbei: 1 Tríradí VZ entspricht ca. 312 Tagen TZ.)

"Gibt es auch Amyshicy, die keine 'Priester' sind?"

"Nur negative Mutanten, denen die Viláyan-Fähigkeit nicht vererbt wurde. Man erkennt sie daran, daß sich auch keine metallisch roten Haare haben, da bei uns die PSI-Begabung hauptsächlich an jenes Gen gekoppelt ist. In der Alten Zeit wurden sie auf der Raccis-Vála V/S'sápadya und der IV/A'licadja ausgesetzt. Mit der Zeit sind so die S'sápadyyi und die A'licadjy entstanden. Heutzutage könnten die Mutanten auf der Auyshica bleiben, sie ziehen es aber dennoch vor, auf die beiden Schwesterplaneten auszuweichen."

"Naja... Das klingt nicht so begeisternd."

V'árhiko macht eine unschlüssige Handbewegung.

"Es ist nunmal so."

"Ay..." Ich überlege kurz. "Wie alt bist du eigentlich? Ich vermute mal -- etwa 25 Terra-Jahre?"

"In etwa", grinst er mich an. "Soll ich dir mal was verraten? Ich werde in sechs Dí VZ genau 108 Tríradí VZ."

Ich starre ihn entgeistert an. 92 Terra-Jahre? Vom Äußeren her wirkt er wie bestenfalls Anfang bis Mitte 20. Er amüsiert sich köstlich über meine Fassungslosigkeit.

"Ich lüfte dir mal eins von C'éridhains Staatsgeheimnissen, C'ári. Die Hohe Rätin dürfte irgendetwas um 1200 Tríradí VZ alt sein."

"Oh! -- Wie alt könnt ihr denn werden?" Mir schwant böses.

Várikho breitet die Arme aus.

"Das bleibt jedem selbst überlassen."

Amyshica! Das ist ein Ding. Ich sehe ihn eine ganze Zeit lang sprachlos an, obwohl ich beinahe etwas in dieser Richtung geahnt hatte. V'ai steckt seine Hände wieder in die Hosentaschen seines Overalls.

"Ayée... Sag mal, V'árhiko, wie hoch schätzt du meine Lebenserwartung ein? Meine Urgroßmutter war eine Amyshica."

"Ehrlich gesagt, das weiß ich nicht." Er betrachtet mich nachdenklich.

"Du hast Amyshica-Blut, das sieht man an der fast-weißen Hautfarbe und den metallicblauen Augen. Auch deine Haare schimmern stärker als man es bei Karanen erwarten sollte. Aber du bist ein Abkömmling in vierter Generation. Daccù, auf jeden Fall wirst du weitaus länger leben als eine Karanéa normalerweise."

"Apart."

V'ai legt den Kopf schräg und mustert mich genauer.

"Ayée... Du bist exotisch, C'ári. Beinahe amyshicaan und doch wieder nicht..."

"Ts! Das ist auch mal was neues -- 'exotisch'. Weißt du, man hat mich schon als Gespenst bezeichnet, als Amyshica-Hexe, als 'bemerkenswert' -- aber 'exotisch'?!" Ich schüttele belustigt den Kopf. "Ich habe einige Zeit auf Sol III/Terra gelebt; da bezeichnete man üblicherweise dunkelhäutige Personen als 'exotisch'."

"Im Vergleich zu mir bist du dunkelhäutig, C'árjhain." Er tippt auf meinen silberbehandschuhten Arm.

"Werd' den mal eben los..."

"Okay."

Auch V'árhiko entledigt sich seiner Handschuhe und hält einen strahlendweißen Arm neben meinen, der tatsächlich dunkler ist. V'ais Berührung verursacht ein eigentümlich prickelndes Gefühl, fast wie eine elektrostatische Ladung.

Fasziniert fahre ich mit den Fingerspitzen über seinen Unterarm.

"Liegt das etwa auch an der Amyshica-Fähigkeit?"

"Korrekt." Plötzlich grinst er mich schelmisch an.

"Du kannst gerne weitermachen", kommentiert er die Tatsache, daß ich immer noch leicht abwesend über seinen Arm streiche.

"Ä-hem." Verlegen ziehe ich die Hand weg.

"Ay, C'ári", so war das doch auch nicht gemeint!"

Er faßt unter mein Kinn und hebt es an, bis ich ihm wieder in die silbergesprenkelten, tiefblauen Augen sehe. Leicht überrascht bemerke ich, daß ich auf ihn anscheinend einen ebenso starken Eindruck gemacht habe, wie er auf mich.

"Wie war das? Du sollst 92 Terra-Jahre alt sein?" erkundige ich mich mit kokettem Augenaufschlag.

"Auf der Amyshica ist das so gut wie nichts."

"Scheint mir auch so. -- Ay, ich mag dich, V'ai."

"Ich weiß." Er küßt meine Fingerspitzen. "Du hast mehr Amyshica-Blut in dir als du glaubst."

"Hm? Wie meinst du das?"

"Zum Beispiel heißt es 'Eine Amyshica kann man nicht in Fesseln legen'." Er sieht mich belustigt an. "Soweit ich weiß hast du doch einen 'Lebensgefährten', nicht wahr?"

"Wenn du meinen Team-Partner meinst -- den kannst du vergessen", erkläre ich schulterzuckend. "Und was Tesco angeht, daccù, den habe ich leider bereits seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen."

"Ay djárr, deine Antwort zeigt deine Abstammung ganz offensichtlich."

Mir schwant etwas...

"Und was ist mit dir?"

"Was soll mit mir sein? Ich bin auf der Amyshica aufgewachsen, délha!" Ts! Der scheint sich ja sehr sicher zu sein. 'Geliebte Freundin' nennt er mich!

"Und ich bin die Amyshica, die in Außenwelt aufgewachsen ist." Mein Tonfall ist ziemlich bissig.

"Und?" V'árhiko blickt mich fragend an.

"Tu nicht so unschuldig, V'ai", sage ich schärfer als ich es beabsichtigt hatte. "C'éridhain sagte mir so ziemlich wörtlich, ich sei 'im Großen Muster einbeschrieben als die Mutter von S'cávhal, 'der Sucherin'." Meine Stimme trieft vor Ironie. "Und so wie ich diese Hohe Rätin kennengelernt habe, vermute ich einmal ganz zart, daß du der Vater sein sollst!"

V'árhiko verzieht leicht säuerlich sein elfenhaft weißes Gesicht.

"Glaube bloß nicht, daß ich anfangs sehr begeistert war!" Er funkelt mich wütend an. "Und was mich dabei noch mehr ärgert, ist, daß C'éridhain wieder einmal keinen Fehler bei ihrer Auswahl gemacht hat."

"Jee, womit du nicht ganz unrecht hast. Vom sachlichen Standpunkt aus würde ich dich am liebsten in den freien Raum schießen, aber andererseits..." Ich breite hilflos die Arme aus und lasse sie wieder sinken. Abwesend wickele ich eine Haarsträhne um meinen Zeigefinger, bevor ich mir einer Spur von Sarkasmus bemerke "Es sieht so aus, als wären wir Leidensgenossen, V'ai."

Er fixiert einen Punkt am Horizont.

"Und was gedenkst du nun zu unternehmen, C'ári?"

"Frag lieber 'was können wir unternehmen', délho..."

Überrascht begegnet er meinem Blick.

"Trotz allem nennst du mich délho?" fragt er erstaunt.

Im Gegensatz zu márvho, das 'Freund' im Sinne von 'Kamerad' bedeutet, heißt délho 'geliebter Freund', allerdings eher unverbindlich. Die intime Form für 'gewählter Lebensgefährte' wäre dhévho.

"Ja", sage ich einfach und leicht ironisch. "Denk dran, ich bin von Amyshica-Blut."

V'árhiko wirkt sprachlos. "Das merkt man."

Er befestigt beide Handschuhe am Gürtel. Seine Hände scheinen von einem unwirklichen, weißen Schimmern umgeben zu sein, doch ganz sicher bin ich mir nicht. V'ai nimmt mein Gesicht in beide Hände und küßt mich leicht. Ich kann die ihm innewohnende Energie direkt physisch spüren. Was für ein Gefühl! Leidenschaftlich erwidere ich seinen Kuß. Mit der Reaktion hat er wohl nicht gerechnet.

"Amyshica! Du bringst mich völlig durcheinander, C'árjhain."

"Sollte man nicht auch manchmal das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden, V'ai? -- Ich vermute, ich kann meinem Schicksal hier doch nicht entgehen."

"Nicht wenn es im Großen Muster einbeschrieben ist", seufzt er.

* * *

Daccù, zu meiner Schande muß ich gestehen, daß die Planung der Hohen Priesterin C'éridhain sha Y'seyhs voll und ganz aufgegangen ist...

Die folgende Zeit pendele ich zwischen Viresta I/Sna-Tgyhl und der Amyshica hin und her. Laé kommt zwar fast vor Eifersucht um, kann meine Heimatwelt jedoch nicht betreten, da seine PSI-Begabungen sich nicht mit den amyshicaan Energieströmen vertragen. Ich werde von V'árhiko im Gebrauch meiner Viláyan-Fähigkeit geschult und erreiche schlußendlich immerhin die Stufe der elh-asthérys, also der 'Priesterin der vorletzten Weihen'.

* * *

In 20:01:2252TZ kommt auf der Raccis-Vála VI/Amyshica meine Tochter Shayla Varys Al T'oroun zur Welt. Mein heißgeliebter Team-Partner ist zwar nicht sehr erbaut darüber gewesen (er war der Überzeugung, Shayla sollte ebenso wie ihr Bruder Kerryth auf Sna-Tgyhl geboren werden) aber ich habe ihm unmißverständlich klargemacht, daß sowohl ich als auch sämtliche Vorfahren der weiblichen Linie Amyshice sind bzw. waren und daß meine Tochter gefälligst auch eine Amyshica wird.

* * *

In 20:02:2252TZ wird Shayla Varys (die hier den Namen S'cávhal sha C'árjhain trägt) von C'éridhain getestet. Anschließend wirkt die Hohe Rätin ziemlich erschüttert. Sie erklärt, sie habe nicht geglaubt, daß S'cávhal tatsächlich über eine derart phantastische PSI-Begabung verfügt.

Die Kleine dürfte in etwa STAIEs Fähigkeiten besitzen -- und es heißt, daß der 'Frage' nichts unmöglich sei.

Laé ist tatsächlich fest davon überzeugt, Shayla Varys sei seine Tochter. V'ai und ich wissen es besser.

* * *

In 26:02:2252TZ entschließe ich mich endlich, die Amyshica wieder zu verlassen. V'ai hat mir erklärt, daß er nicht mehr mit mir zusammenbleiben kann -- typisch Amyshico.

Er meinte, es wäre ihm ohnehin rätselhaft gewesen, wie er es ein ganzes Terra-Jahr lang allein mit mir ausgehalten hat. Ich bin ihm deswegen nicht böse -- warum auch? Die Zeit mit V'ai ist schön gewesen, aber er ist nun einmal nicht mein dhévho. Während ich also vorerst wieder zu Laé düse, kehrt V'árhiko zu seinem délho C'éhadric vy M'árghain zurück. Ebenfalls vorerst.

* * *

Merkwürdigerweise hat sich mein Verhältnis zu Laé zwischenzeitlich verbessert, obwohl er sich wie üblich bemüht, seinen absoluten Besitzanspruch auf mich geltend zu machen. Naja, wenn er mich zu sehr nervt, mache ich schon mal einen kleinen Abstecher zu einem Planeten, wo etwas los ist.

Immerhin betätigt er sich zur Zeit als liebevoller Vater, wobei er Kerryth reichlich bevorzugt.

Ich habe das Gefühl, Shayla ist ihm ein wenig unheimlich. Naja, sie hat ihm schließlich erst kürzlich durch ihre Amyshica-Fähigkeit einen Telepathieschock verpaßt, der es in sich gehabt hat. -- Im Gegensatz zu Keth, der Laés PSI-Begabungen geerbt hat.

Ich hege ohnehin die Vermutung, daß die Inkompatibilität von Laés und meinem PSI-Talent es unmöglich machen würde, daß wir beide eine Tochter haben können, denn Laés PSI-Gene sind grundsätzlich dominant und meine bei weiblichen Nachkommen. Aber mein Team-Partner hat zum Glück keine Ahnung von der besonderen Problematik der Nachkommenschaft einer Amyshica. Sonst wäre ihm Shayla sicherlich höchst verdächtig vorgekommen.

Die folgenden Wochen und Monate TZ vergehen mit der üblichen Routine bei den Friedenshütern: Mal hier ein 'kippender' Planet, dessen Ökologie wir wieder auf Vordermann (--frau) bringen müssen, mal da ein abgeirrter Planetoid, der sich auf Kollisionskurs mit einer bewohnten Welt befindet, oder eine bedrohliche Epidemie auf einem weiteren Himmelskörper. Okay, ich gebe zu, die Sache mit der 'geklauten Galaxis' war zwar ganz heftig, aber die wurde ja von Witch, Ench und den anderen Veena in die Hand genommen.

Mittlerweile ist Laé zu der Ansicht gekommen, ich sollte mich alleine um die Kinder kümmern. Ha! Nicht mit mir. Der kann ruhig auch mal was machen.

Amyshica! Ich gäbe etwas darum, Tesco einmal wiederzutreffen. Ob der noch an mich denkt?

Ich hoffe es zumindest.

* * *

Man schreibt den 19:08:2253TZ. Wie so oft sitze ich gedankenversunken an einem der Tische in unsererm Gemeinschaftsraum auf Sna-Tgyhl und hoffe, daß mir Laé nicht gerade über den Weg läuft, da erscheint ein Transmit-Feld, und Ashyra t'Avimer, meine beste Freundin, tritt hindurch.

Sie hat sich wieder einmal die Haare gefärbt. Normalerweise hat sie ja metallicviolette Haare und Augen bei sehr heller Hautfarbe, aber jetzt ist ihre beinahe knielange Haarpracht glänzend blauschwarz, wie auch ihr enges, ärmelloses, knöchellanges Gewand. Sie trägt silberne Sandalen, einen gleichfarbigen, schmalen Gürtel, sowie seltsam geformten Silberschmuck im Haar.

"Darf ich mich zu dir setzen?" erkundigt sie sich höflich mit ihrer dunklen Stimme.

"Was fragst du, Ashree? Ah, du siehst wieder einmal exquisit aus."

Sie läßt sich mir gegenüber nieder.

Jetzt bemerke ich auch die breiten Armreifen, die gerade noch von ihrem langen Haar versteckt waren. Außerdem hält sie ein kleines Päckchen in der Hand.

"Immer noch im Priesterdress?" Sie deutet auf meine knappe, schimmernd weiße Tunika. Mittlerweile trage ich auch die Silberhandschuhe der Amyshica-Priesterinnen -- aus Sicherheitsgründen.

"Wie du siehst, márvha. -- Was hast du denn dorten versteckt?"

"Hm? Ay..." Sie hält das Kartenpäckchen hoch und fächert es auseinander.

"Tarot." erklärt sie geheimnisvoll. "Ich habe es letztlich im Archiv Terra/Marséy, Bezirk France, entdeckt."

"Ach, und was ist das?"

Ashyra reißt entsetzt ihre langbewimperten, metallschimmernden, tiefvioletten Augen auf. Ay djárr... Dieses Metallicblauviolett erinnert mich wieder an Tesco. Ay, Tess, dhévho, ich sehne mich so nach dir...

"Keryam", sagt Ashyra geschockt. Und noch einmal: "Keryam." Sie atmet tief durch, bevor sie beginnt, über 'Tarot' zu referieren.

"Das Spiel hat 78 Karten, die man in 22 Große und 56 Kleine Arkana einteilt." Sie breitet das Spiel schwungvoll vor mir aus. Sämtliche Karten sind äußerst bunt und mit exquisiten Bildchen verziert.

"Was ist eine Arkana?" erkundige ich mich.

"Das kommt aus der terranischen Sprache Alt-Italiano von 'arcano' 'Geheimnisträger'. Mit den Tarot-Karten kann man weißsagen."

"Apart", lautet mein Kommentar. Ashyra läßt sich nicht beirren.

"Die Kleinen Arkana stehen dabei für die Einzelheiten des Lebens, während die Großen Arkana die Psyche der/des Fragenden beschreiben, eben das Gesamtbild."

"Aha", mache ich.

Ashyra mustert mich prüfend und deckt dann eine Karte auf, die ein rätselhaftes Bild zeigt: Im oberen Drittel der Karte befindet sich ein Mond, in den ein Gesicht im Profil eingezeichnet ist. Im Vordergrund sieht man ein Gewässer, aus dem ein Krebs steigt, und in der Mitte sind ein Hand und ein Wolf, die den Mond anheulen. Die Karte trägt die Nummer XVIII.

"Du erinnerst mich an La Lune (der Mond), diese Karte hier", meint sie nachdenklich.

"Hm?!"

"Arkana XVIII La Lune -- Ihr Ursprung ist Le Diable (der Teufel) und ihre Folge La Monde (die Welt)."

"Ich verstehe immer noch nichts, márvha."

"La Lune verkörpert das lunare Wissen, die Kraft des Unterbewußtseins und des Traumes." Des Traumes? Neugierig mustere ich meine Freundin.

"Was weißt du über die Amyshica?" will ich wissen.

Ashyra sieht mich erstaunt an. "Was hat das mit Tarot zu tun?"

"Was ist dir über die Amyshica bekannt?" wiederhole ich.

"Rákhiswala VI/Amyshica... Der Planet, der auf eigenen Wunsch gesperrt ist -- die Syth á'bárrima, wie es auch heißt. Die Bewohner wollen nichts mit den übrigen Wesen der Galaktischen Union zu tun haben. Und?"

"Die Amyshica ist der Planet des Traumes. Wir Amyshicy sind im Brennpunkt der Kräfte und träumen das Universum."

"Wir? Zählst du dich auch zu den Amyshicy?

"Ja -- jetzt schon."

"Ay. Das erklärt zumindest den Traumaspekt von La Lune. Der andere Aspekt von dieser Arkana ist Veränderung -- Anlaß zur Unsicherheit, zu Reizbarkeit, zu Unruhe..."

"Sag mal, könnte es sein, daß du deinen Beruf verfehlt hast?"

Sie ist zwar Historikerin, aber ihre Aussagen geben präzise meine derzeitige Verfassung wider.

"Und was hat das mit den beiden anderen Karten, äh, Arkana auf sich?"

"Arkana XV -- Le Diable -- ist eine komplexe Karte. Sie ist der Ursprung von La Lune und warnt vor ungezügelten Leidenschaften."

Sie wendet die Karte abwesend herum.

"Die Arkana sagt aus, daß es zu einem Bruch kommen wird, wenn du das Ziel deiner Wünsche erlangst."

Sie macht eine Pause und sieht mich direkt an.

"Weißt du, welchen Preis du zu zahlen bereit bist, damit sich deine Wünsche erfüllen?"

"Welcher Preis -- welche Wünsche?" frage ich verwirrt. Ashyra blickt mir ernst in die Augen.

"Das ist etwas, das nur du wissen kannst. Deine Wünsche sind in dir. Werde dir über sie klar -- erkenne dein Verlangen und dich selbst darin."

"Kannst du mir raten, Ashree?"

"Ich habe das Gefühl, daß dich irgendetwas förmlich innerlich zerreißt." Ich stütze mein Kinn auf den Händen auf.

"Amyshica! Ich glaube, ich sollte dir die Geschichte von Anfang an erzählen."

Ashyra hört mir aufmerksam zu. Am Schluß pfeift sie leise durch die Zähne.

"Das nenne ich eine ungemütliche Situation. Und die Ironie der Sache ist, daß ich etwas für Laé übrig habe, während er ja bekannterweise dich liebt, aber du dich für Tesco-Avenger entschieden hast. Was mich dabei interessiert -- warum hast du Tesco die ganze Zeit nicht wieder getroffen?"

"Ehrlich gesagt, das frage ich mich auch. Immerhin ist er der Mann, den ich dhévho genannt habe -- und er sagte auch dhévha zu mir. Ay Amyshica! Ich werde Coat fragen, ob er Tescos Raumer Else-X irgendwo anpeilen kann."

"Glaubst du, daß er nach drei Jahren TZ noch genauso viel für dich übrig hat?"

"Doch. Ah, du kennst ihn ja nicht..."

"Naja. Ich weiß auch nicht, ob ich ihn allzu gerne kennenlernen möchte. Immerhin ist er der Sohn von diesem Obergangster Cvoa-L'yyn!"

"Ay djárr! Sag nichts gegen Tesco! Er ist fabelhaft."

"Wenn du davon überzeugt bist..."

"Bin ich." Verträumt blicke ich ins Leere und denke an Tess. Ashyra schüttelt den Kopf.

Per mecon erkundige ich mich beim Bordcomp meines Rihkuun, ob er die EX irgendwo entdecken kann. Coat teilt mir mißgelaunt mit, daß Tescos Raumer auf dem Raumhafen von Accra II/Kara, Keara-Lerát steht.

"Ashree -- Entschuldigst du mich, márvha? Ich muß unbedingt nach Kara springen."

"Ich hoffe, du findest deinen dhévho. Jee... Warum habe ich bloß immer Pech?"

"Ayée, márvha, ich wünschte, ich könnte dir helfen."

"Ich weiß -- danke, Kerry. Aber du kannst wirklich nichts tun." Ich verabschiede mich von ihr und transmittiere in die Atlantis. Coat empfängt mich wieder ziemlich ungehalten.

"Du hast dir offenbar tatsächlich in den Kopf gesetzt, diesen ...Typen wiederzutreffen. Und ich hatte gehofft, du hättest diese Phase endgültig überwunden."

"Oh, Coat! Du führst dich immer auf", seufze ich genervt.

"Würdest du bitte Kurs auf Accra II/Kara setzen und anschließend auf dem Raumhafen von Keara-Lerát aufsetzen?"

"Ungerne."

"Tu's!"

"Na gut."

Ich versuche angestrengt, alle Zweifel zu verdrängen. Wird Tess mich noch lieben? -- Ah, wart's doch ab!

"Wir sind im Accra-System", teilt mir der Computer des Schiffs mit. Kurz darauf befinden wir uns auf dem Landefeld des Raumhafens. Trotz allem Murren setzt Coat neben der EX auf.

"Kannst du Tesco-Avenger im Schiff einpeilen?"

"Ja", knurrt der Comp. Ob dieses Tonfalls kann ich ein Kichern nicht unterdrücken.

"Amyshica, Coat, daß du dir deine Vorurteile gegen den Jungen nicht verkneifen kannst!"

"Der 'Junge'! Pah! Er ist Cvoas Sohn und gefährlich!"

Ich schüttele belustigt den Kopf und schalte eine Funkverbindung zur Else-X. Prompt erscheint Tescos mittelblaues, ebenmäßiges Konterfei auf dem Holoschirm. Als er mich erblickt, leuchten seine metallicvioletten Augen begeistert auf.

"Kerry!" ruft er verblüfft aus. "Dhévha! -- Daß du dich auch mal wieder meldest..."

Ohne große Vorrede fordere ich ein Transmit-Feld an und springe in seinen Raumer. Stumm fallen wir uns in die Arme.

"Dhévho... -- Jetzt werde ich bei dir bleiben."

"Und dein Team-Partner, Kerry?"

"Ich werde mich von ihm trennen."

"Dhévha, ich bin froh, daß du endlich klare Verhältnisse schaffen willst." Er legt einen Arm um meine Taille und fährt mir zärtlich durch die Haare. "Weißt du, wie lange ich versucht habe, dich zu vergessen? Drei Jahre, zwei Monate und zwei Tage (TZ)."

Hm. Er scheint sie tatsächlich gezählt zu haben. Zum Glück ist es ihm aber offenbar nicht gelungen.

"Na, dann komm!" Ich deute auf das Transmit-Feld, das auf meine Anweisung hin stehen geblieben ist und ziehe ihn in Richtung auf das grünlich/goldene Schimmern.

"Hey, nicht ganz so eilig, ma-délha! Karmasha, wir haben uns ja noch gar nicht richtig begrüßt..." Was wir denn auch nachholen. Aber als wir dann doch an Bord der Atlantis gehen, fängt der Bordcomputer sofort an herumzumeckern.

"Keryam", sagt er verweisend. "Jetzt hast du diesen ...Typen sogar mit ins Rihkuun gebracht." Langsam werde ich sauer, Coat!

"Liebster Atlantis-Bordcomp, Tesco-Avenger ist bestimmt kein 'Typ'. Genauer: Du wirst dich damit abfinden müssen, daß er jetzt mein Lebensgefährte ist. Hai capisce?"

"Nur unter Protest", erklärt der Computer.

"Das ist mir völlig egal", erwidere ich ungerührt. "Weißt du, wo meine Eltern zur Zeit stecken?"

"Auf Sol III/Terra I/Luna, vermute ich. Fyu wollte mal wieder die Basis Luna-Copernicus heimsuchen."

"Okay, bitte setze Kurs auf den Mond der Erde." Der Comp bestätigt und vermeldet sogleich, daß wir Luna erreicht haben. Tess gibt einen anerkennenden Pfiff von sich.

"Nicht schlecht, das Schiffchen", lautet sein Kommentar. Ich nicke zustimmend und erbitte Landeerlaubnis für die Copernicus-Basis, deren Chef der Pflegevater von Fyu ist.

Ungehindert fliegen wir in einen Hangar ein. Meine Eltern, Pete und dessen Lebensgefährtin Gwyneth 'Laser-Gwynny' Shipton erwarten uns an der Schleuse -- respektive, eigentlich haben sie nur mich erwartet und sind dementsprechend fassungslos, als Tess zusammen mit mir materialisiert.

Als sie Tesco erblicken, sind ihre Reaktionen durchaus unterschiedlich. Laser-Gwynny (trotz ihrer langjährigen Partnerschaft mit Pete immer noch nicht zahmer geworden) greift sofort zu ihrer Hüfte, muß aber enttäuscht feststellen, daß sie -- wie auf der BL-C allgemein üblich -- keinen Strahler trägt.

Fyu gibt ein kräftiges "Verdammt!" von sich, während S'ci die Situation mit einem entgeisterten "Ich fasse es nicht!" kommentiert. Pete sagt erst einmal gar nichts, sondern blickt mich nur erstaunt an.

"Hi!" begrüße ich sie fröhlich. Tess macht es mir nach.

"Was soll das?" fragt meine Mutter irritiert.

"Ich wollte euch nur mitteilen, daß Tess und ich uns entschlossen haben, fortan zusammenzuleben. That's it."

S'ci macht einen Schritt auf uns zu.

"Wie bitte?" ruft sie völlig perplex aus.

"Hört sich irgendwie nach deiner Tochter an", meint Pete trocken zu ihr.

"Und was sagt Laé dazu?" fragt Fyu stirnrunzelnd.

"Laé! Dem habe ich es noch gar nicht gesagt."

"Sollte dein Team-Partner so etwas nicht zu allererst erfahren?" will mein Vater wissen.

"Ay jéesha! Ich werde froh sein, wenn ich den los bin."

Erschüttert wendet sich Fyu an mich.

"Keryam -- aber mußte es ausgerechnet Tesco-Avenger L'hèr sein? Der Sohn von Cvoa-L'yyn und T'yla..."

S'ci sagt gar nichts und betrachtet Tesco nur nachdenklich. Er sieht seinem Vater ziemlich ähnlich, und das weckt wieder Erinnerungen. Zum Glück ist es ihr gelungen, die Tatsache vor allen außer dem Computer ihres Rihkuun geheimzuhalten, daß sie für eine ganze Weile eine Liaison mit Cvoa hatte, und so wirklich hat sie ihn nie aus ihren Gedanken verbannen können.

Tess funkelt die versammelte Mannschaft ärgerlich an. Immerhin kann man ihm eigentlich kaum andere verbrecherische Tat vorhalten als die Tatsache, daß er der Sproß einer illustren Sippschaft ist.

"Athry thraska! Könnt ihr nicht einmal vergessen, wer meine Eltern sind? Ich liebe Keryam und damit basta."

Er nimmt mich zärtlich in die Arme und küßt mich. Hingebungsvoll erwidere ich seinen Kuß. Nachdem wir wieder bei Atem sind, grinst Pete meine Eltern vielsagend an und zwinkert uns belustigt zu.

"Mir scheint, dem ist nichts hinzuzufügen."

Ay, der alte Raumhase ist großartig! Ich falle dem ewig jung wirkenden Blondschopf begeistert um den Hals.

"Ah, Pete, du bist super!"

Jetzt überwinden sich auch S'ci und Fyu, letzterer kommt mir zwar immer noch nicht übermäßig frohsinnig vor, aber er steht wenigstens nicht mit derart versteinerter Miene da wie Laser-Gwynny.

"Ayée -- Kerry, Tesco-Avenger", seufzt meine Mutter, "also ich wünsche euch jedenfalls das Beste." S'ci versucht die Gedanken an Cvoa möglichst zu verdrängen, aber so wirklich will es ihr nicht gelingen.

"Von mir laßt ihr euch bestimmt nicht davon abhalten", brummelt Fyu, "und es ist schließlich euer Leben!"

"Ah, ihr seid klasse!" verkünde ich strahlend. "Hey, Gwyneth, mach doch nicht so ein Gesicht! Freu dich lieber mit uns!"

Nun gibt sogar die Generalin ihrem Herzen einen Stoß. Sie wirft ihre schulterlangen, kara-roten Haare zurück und salutiert knapp vor Tesco.

"Willkommen auf der BL-C."

"Ay, Kerry", beginnt S'ci, "da fällt mir gerade etwas ein."

"Und was?"

"Daccù, du hast dich doch von Laé getrennt, und das bedeutet, daß er mit hoher Wahrscheinlichkeit das Sorgerecht für eure Kinder bekommt."

"Ja, für Kerryth. Aber nicht für Shayla Varys."

S'ci sieht mich aus ihren metallicblauen Augen verwirrt an.

"Er hat genausoviel Recht auf Shayla wie auf Keth!"

"Eben nicht", bemerke ich trocken.

"Keryam", beginnt mein Daddy ahnungsvoll.

"Laé hat kein Recht auf Shyl, weil sie nicht seine Tochter ist", sage ich beiläufig.

"Wie bitte?" fragen meine Eltern wie aus einem Mund.

"Richtig gehört", grinse ich.

"Aber Tesco-Avenger kann auch schwerlich Shaylas Vater sein", überlegt Fyu.

"Auch richtig."

"Wer dann?" S'ci wirkt schockiert.

"Ich glaube, ihr kennt ihn nicht: V'árhiko vy R'ávhain, ein wundervoller Amyshico -- aber lange nicht so fabelhaft wie Tess."

Der ist hinter mich getreten und hat liebevoll seine Arme um mich gelegt. S'ci und Fyu schütteln nur den Kopf, während Pete sich amüsiert an seinen Pflegesohn wendet.

"Kleiner, dein Töchterchen scheint es ja faustdick hinter den Ohren zu haben."

"Na und?!" gibt Tesco belustigt von sich. "Mich stört es nicht, und das reicht doch wohl?"

"Wenn du es sagst", murmelt Fyu vor sich her. "Und was nun?"

"Äh ja..." macht Tess sorgenvoll, "da hast du den Mittelpunkt des Black Holes getroffen, Fyu. -- Kerry, dhévha, ich bin wirklich gespannt, was Cvoa von der Angelegenheit hält..."

Fyu schlägt sich mit der flachen Hand vor die Stirn und kichert los.

"S'ci, ma-délha, mir scheint, nicht nur wir haben unsere liebe Last mit dem Nachwuchs."

Seine Team-Partnerin legt ihm eine Hand auf die Schulter und fährt ihm durch die leuchtend dunkelroten Haare.

"Ay, das kommt eben in den besten Familien vor", meint sie grinsend.

"Also, S'ci, Fyu -- und Pete & Gwynny, das war's eigentlich, was ich euch mitteilen wollte", sage ich abschließend. "Ich glaube, wir düsen dann wohl von dannen."

"...um meinem Vater die gar fürchterliche Mitteilung zu machen, daß ich mich in eine Friedenshüterin 'verguckt' habe", vollendet Tesco.

Also verabschieden wir uns, wobei Laser-Gwynny meinen blauhäutigen dhévho immer noch ziemlich kritisch mustert.

-- Bye --


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